29 Juni 2017

29. Juni, 2017


Während in Oakland die Sektkorken knallen, haben die anderen Franchises die Saison 2016/17 längst abgehakt und blicken optimistisch/pessimistisch in die Zukunft. Wir röntgen in unserem gewohnten 30er Split alle Teams, analysieren ihre Situation und prognostizieren den bevorstehenden Sommer. Heute: die Washington Wizards.

von GERRIT LAGENSTEIN @GAL_Sports

Saison 2016/17
Nachdem Kevin Durants Homecoming ausgeblieb, begann die Spielzeit der Zauberer alles andere als magisch. Was nützt der beste Backcourt im Osten, wenn die beiden Protagonisten sich partout nicht ausstehen können? Die Stimmung in Washington war Ende November bei einer 6-11-Bilanz mehr als mies.


Legendär ist wie Marcin Gortat sich mit den Worten „our bench sucks, it’s one of the worst in the league“ über mangelnde Unterstützung von den hinteren Kaderplätzen beschwerte. Coach Scott Brooks wusste sich nur mit einem Mittel zu helfen. Er ließ den Polen zusammen mit Beal, Wall, Porter und Morris so lange es ging auf dem Parkett.

Das Quintett stand in der gesamten Saison fast 500 Minuten länger auf dem Feld als jedes andere Fünf-Mann-Aufstellung in der Liga. Mit dem Verkleinern der Rotation kam auch der Erfolg zurück. 43 Siegen ab Dezember wiesen im Osten nur die Celtics auf. Der schlechte Start verhinderte jedoch mehr als den vierten Rang.

Mit dem Heimvorteil im Rücken ging es zunächst gegen Atlanta. Das Weiterkommen war deutlicher, als es das 4-2 vermuten ließ. Spannung war dafür in der zweiten Runde gegen Boston geboten. In einer von nur zwei Serien der diesjährigen NBA-Playoffs, die über sieben Spiele gingen, mussten sich Wizards schließlich den Celtics und dem Karrieretag von Kelly Olynyk geschlagen geben.


Der Kanadier erzielte 26 Punkte und damit fünfmal so viele wie die ganze Bank der Hauptstädter. Washington fuhr gut damit, verstärkt auf seine Starter zu setzen. Mehr als die Conference-Semifinals wird mit nur fünf brauchbaren Spielern aber auch zukünftig nicht drin sein.

Offseason Agenda
General Manager Ernie Grunfeld hatte das schon zur Trade-Deadline erkannt und versucht die Bank mit Bojan Bogdanović und Brandon Jennings aufzubessern. Der Kroate konnte die Hoffnungen in ihn zumindest in der regulären Saison halbwegs erfüllen. Seine Weiterbeschäftigung wird davon abhängen, wie viel Geld ihm anderenorts geboten wird.


Dem zweifachen NBA-Spieler der Woche namens Brandon Jennings werden solche Offerten wohl weder im District of Columbia noch noch sonst wo in der Association überreicht werden. Mit Recht, der 27-Jährige scheint nach seinem Achillessehnenriss von 2015 ein Auslaufmodell zu sein. Die Wizards sollten sich anderweitig umschauen.

Personal
Viel Geld steht dem Front Office dafür nicht zur Verfügung. Allein an garantierten Verträgen tauchen gut 94 Millionen US-Dollar in der Bilanz auf. Noch nicht eingerechnet ist die Vertragsverlängerung von Otto Porter. Der Rookie-Kontrakt des Forwards endet im Sommer. Teams wie Brooklyn, die unter dem Salary Cap liegen, könnten den Preis deutlich in die Höhe schrauben.


Washington wäre selbst bei einem Maximal-Angebot für seinen Restricted-Free-Agent nahezu gezwungen, den Deal zu matchen. Welcher der unbrauchbaren Bankspieler soll sonst seinen Platz in der Startformation übernehmen? Verlassen wird die Wizards eher Trey Burke. Der vierte Free Agent der Franchise kam in Washington nie so richtig an.

In Sachen Trades könnte der Name Ian Mahinmi spanend werden. Dessen noch drei Jahre laufender Vertrag raubt dem Management so einiges an Flexibilität. Die 16 Millionen, die der Center verdient, sind das dritthöchste Arbeitspapier der Franchise. Dieser Bedeutung kam der Franzose auf dem Spielfeld kaum nach, weil er dort sehr wenig stand. Wie viel Interesse besteht an einem Big Man, der 2016/17 in nur 31 Partien auflief?

Draft
Über den Draft der Wizards gibt es nicht viel zu sagen. Sie hatten letzte Woche keinen einzigen Pick. Das Auswahlrecht in der ersten Runde hatte das Front Office in den Trade für Bojan Bogdanović hineinwerfen müssen. Vom Pick in der zweiten Runde verabschiedete sich das Management eine Nacht vor dem Draft.

Hey, #DCFamily! Help us welcome @timfraz23 to Washington!

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Im Gegenzug kam Tim Frazier von den New Orleans Pelicans an die Ostküste. Washington geht hier den risikoarmen Weg. Statt eines Spielers mit Entwicklungspotential kommt ein Guard, von dem die Franchise genau weiß, was er kann. Im Falle von Frazier ist das zwar nicht besonders viel, für die wenigen Minuten hinter Wall und Beal aber ein solides Back-Up.

Zukunft
Das letzte Mal als die Wizards in die zweite Runde einzogen war die Folgesaison ein Desaster. Die damals noch von Randy Wittman trainierte Truppe verschlechtere sich um fünf Siege und verpasse die Postseason. Wenn Otto Porter gehalten wird, erscheint ein ähnliches Schicksal 2017/18 unwahrscheinlich.


Voraussetzung ist, dass die erste Fünf insbesondere Wall und Beal gesund bleiben. Die Wizards können langfristige Ausfälle ihrer Stars nicht kompensieren, das kann niemand in der NBA. Mit der aktuellen Resterampe auf der Bank fiele die Prognose aber besonders schlecht aus.

Im besten Fall muss Scott Brooks sich darum keine Gedanken machen. Findet das Management ein, zwei kostengünstige Veterans, die wissen, wo der Korb hängt, sinkt die Belastung für Wall, Beal und Co. Die frischeren Beine könnten sich in den Playoffs auszahlen. Der erstmalige Ritt in die Conference Finals seit 1979 ist beim aktuellen Machtvakuum im Osten hinter den Cavs weiter realistisch.