30 Juni 2017

30. Juni, 2017


Während in Oakland die Sektkorken knallen, haben die anderen Franchises die Saison 2016/17 längst abgehakt und blicken optimistisch/pessimistisch in die Zukunft. Wir röntgen in unserem gewohnten 30er Split alle Teams, analysieren ihre Situation und prognostizieren den bevorstehenden Sommer. Heute: die San Antonio Spurs.

von SEB DUMITRU @nbachefkoch

Saison 2016/17
Dass die San Antonio Spurs die brillanteste Franchise sind, ist eine der am weitesten verbreiteten, einfachsten akzeptierten Legenden der NBA. Dass die Spurs auch ohne ihren besten Spieler aller Zeiten ihren bemerkenswerten Run fortsetzten, nährte diese Mär zusätzlich.

Die Texaner blieben auch ohne Tim Duncan kompetitiv wie eh und je, blieben den Golden State Warriors die gesamte reguläre Saison über dich auf den Fersen und beendeten 2016/17 mit 61 Siegen - der fünftbeste Wert der Spurs in 22 Jahren.

Angeführt von MVP-Kandidat Kawhi Leonard und einer traditionell tief, exzellent aufgestellten Armada von Rollenspielern fand das Team von Gregg Popovich auf fast alle Anforderungen die passende Antwort.

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Seit zwei Dekanden haben die Spurs nicht weniger als 61 Prozent ihrer Partien gewonnen. 50 Siegen sind Standard, ebenso wie Conference Finalteilnahmen (zehn in 19 Jahren). Erst dort war gegen den späteren Champion Golden State Schluss - und auch das erst nach einer folgenschweren Knöchelverletzung von Leonard.

Dass die Spurs trotz dieses Erfolgslaufs nicht nur kompetitiv, sondern gleichzeitig fiskalisch verantwortungsbewusst und kompetent in Sachen Spielerentwicklung geblieben sind, macht ihre eigentliche Genialität aus. Youngster wie Kyle Anderson, Davis Bertans oder Dejounte Murray avancierten zu zunehmend essentiellen Teilen der Rotation. Die Nachhaltigkeit in San Antonio geht also weiter.

Offseason Agenda
San Antonios grösste Entscheidungen im Sommer betrifft die Zukunft auf der Point Guard Position. Tony Parker geht in sein letztes Vertragsjahr, fällt aber mit einem Oberschenkelriss noch ein paar Monate aus - vielleicht sogar bis Weihnachten.

Mit bis zu 20 Millionen an verfügbaren Cap Space Dollars könnten die Texaner ihren künftigen Starter auf der Eins einkaufen gehen. Der Markt ist hinter den Top-Optionen Steph Curry (bleibt ein Warrior) und Chris Paul (wurde nach Houston getradet) interessant und könnte San Antonio zu Playern machen.


Kyle Lowry, Jrue Holiday, George Hill (einst ein Spur) und Jeff Teague wären allesamt Upgrades gegenüber eines stark in die Jahre gekommenen und weniger effizienten Parker. Gleichzeitig stehen mit Murray und Patty Mills günstigere Alternativen Spalier.

Das Problem mit Mills? Der Australier wird Free Agent und weitaus mehr Geld beanspruchen als die bisherigen 3,6 Mio $. Der Cap Hold von 6,8 Mio. $ geht zulasten des verfügbaren Salary Caps - bis ein neuer Deal unterzeichnet ist oder die Spurs auf Mills’ Rechte verzichten.

Auch Pau Gasol und Manu Ginobili gehen in die Vertragsfreiheit, werden aber mit an 100 Prozent grenzender Wahscheinlichkeit beide verlängern - es sei denn, Ginobili legt den letzten Deckel auf seine Hall of Fame Karriere.

Weitere Free Agents, die San Antonio unmöglich alle behalten kann/wird, in Popovichs Rotation jedoch zu unterschiedlichen Zeitpunkten grössere Rollen innehatten: Dewayne Dedmon, Jonathon Simmons und David Lee.

Personal
Kawhi Leonard ist der Fixpunkt der Spurs. Sein Aufstieg, nicht nur zu einem All-Star und Elite-Verteidiger, sondern in der abgelaufenen Saison auch zum legitimen Top-Fünf Spieler und MVP-Kandidaten, hat die geschmeidigste Übergangsperiode von einem Superstar zum nächsten in der gesamten NBA-Historie beschlossen.

Die Spurs wissen nun, dass Leonard diese Franchise bis zu seinem Karriereende tragen kann, ähnlich wie das Duncan vor ihm und David Robinson vor Duncan getan hatte. Die grössere Problematik, zumindest für diesen Klub, wird sein, die passenden Co-Piloten zu finden.

LaMarcus Aldridge ist so einer nicht. Der Big Man setzte seine wenig inspirierende Karrierekurve fort, baute weiter ab und findet sich zurecht auf dem Tradeblock wieder. Obwohl Aldridge für eine Verlängerung in Frage kommt, wäre es nicht verwunderlich, ihn bald in anderen Farben auflaufen zu sehen.


Die wichtigsten Puzzleteile, Stand heute, heissen Leonard, Mills, Murray, Anderson, Danny Green - und wie immer Ginobili und Parker, die ihre illustren Karrieren am Alamo beenden werden, wann immer der Tag kommen mag.

Draft
R.C. Buford sicherte sich mit seinen beiden Picks im Draft 2017 zwei weitere Perspektivspieler, von denen mindestens einer in der berüchtigten Spurs'schen Kategorie 'Steal!' landen könnte.

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An Position 29 kam Senior Guard Derrick White - ein Kombo-Guard, zu dessen Stärken sein Basketball-IQ (Spurs!), Charakter (Spurs!), seine Vielseitigkeit und Pick & Roll Defense zählen.

Mit dem vorletzten Pick zogen Buford und Popovich einen defensiv geprägten Flügelspieler, der im Idealfall zu einem Andre Iguodala light Typen werden könnte: Jaron Blossomgame aus Clemson ist lang, athletisch und liebt es, verschiedene Positionen zu verteidigen. Klingt wie ein Steal? Wettet nicht dagegen.

Zukunft
San Antonio geht in eine interessante Offseason, die uns genau aufzeigen kann, was der Plan in Texas ist. Während knapp 20 Millionen Dollar einen soliden Betrag in diesem Markt repräsentieren, eröffnet der nächste Sommer 2018 völlig andere Alternativen.

Dann können nämlich so gut wie alle Deals aus den Büchern gestrichen werden - inklusive denen von Aldridge und Green, die für 2018/19 Spieleroptionen besitzen (die sie mit grosser Wahrscheinlichkeit ablehnen werden).

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Nur Leonard und die Youngster stehen über den Stichtag 2018 hinaus fest unter Vertrag - was genügend Kohle für mindestens zwei Maximaldeals bedeuten würde. Spieler wie Paul George oder DeMarcus Cousins sind nur zwei Namen der dann potentiell erhältlichen Free Agents.

Während wir also davon ausgehen sollten, dass die Spurs einen Großteil ihrer eigenen Spieler - zumindest die sportlich relevanten - in diesem Sommer zurück bringen und es noch einmal probieren, ist genauso realistisch, dass sie einem der grösseren Fische nachjagen.

Die meisten Teams können es sich nicht leisten, zweigleisig zu fahren, also um Heimvorteil mitzuspielen und gleichzeitig für die Zukunft aufzubauen. Weil die Spurs aber seit gefühlt 100 Jahren nichts anderes machen, läuft das hier ohne Probleme weiter... und weiter... und weiter...