29 Juni 2017

29. Juni, 2017


Während in Oakland die Sektkorken knallen, haben die anderen Franchises die Saison 2016/17 längst abgehakt und blicken optimistisch/pessimistisch in die Zukunft. Wir röntgen in unserem gewohnten 30er Split alle Teams, analysieren ihre Situation und prognostizieren den bevorstehenden Sommer. Heute: die Sacramento Kings.

von STEFAN DUPICK @hoopsgamede

Saison 2016/17
Die Sacramento Kings haben auch in der abgelaufenen Saison die Playoffs klar verfehlt, bereits zum elften Mal in Folge fand die Postseason ohne königliche Beteiligung statt. Kein großes Wunder, denn in den vergangenen Jahren wurden in Sacramento sehr viele zweifelhafte Entscheidungen getroffen.

Als Beobachter hatte man stets den Eindruck, dass weder Mehrheitseigner Vivek Ranadivé, noch GM Vlade Divac auch nur ansatzweise wüssten, was sie in Sacramento fabrizieren. Auch die Saison 2016/17 war in dieser Hinsicht nicht anders, die Kings waren der große Wanderzirkus der Liga und sorgten stets für ein Schmunzeln oder ein Kopfschütteln bei den externen Beobachtern.


Die Bilanz am Ende der Saison lag bei 32 Siegen zu 50 Niederlagen, das bedeutete Platz zwölf im Westen. Auch in allen Team-Statistiken lagen die Kings im unteren Drittel der NBA. Den Super-GAU leisteten sich die Kings jedoch am All-Star Weekend, dem Tag des DeMarcus Cousins-Trades. Nachdem jahrelang behauptet wurde, dass Cousins der Franchise Player der Kings sei, ein Trade ausgeschlossen und Boogie seinen Maximalvertrag bei den Kings bekäme, ging es im Februar plötzlich ganz schnell.

Cousins wurde für Buddy Hield, Tyreke Evans, Langston Galloway sowie Picks (u. a. den Erstrundenpick der Pelicans für 2017) nach New Orleans getradet. Ein Trade, der während der Saison extrem fragwürdig erschien, da sich alle Experten einig waren, dass für Boogie ein besseres Trade-Paket möglich gewesen wäre.

Die Saison wurde nach dem Trade abgeschenkt und der Rebuild eingeleitet. Ein fader Beigeschmack war jedoch der optionale Pick-Swap mit den 76ers, der dazu führte, dass ein rigoroses Tanking für Sacramento keinen Sinn ergeben sollte.

Offseason Agenda
Die Offseason in Sacramento könnte sehr interessant werden, denn die Kings haben derzeit acht Spieler mit Rookie-Verträgen. Hinzu kommt, dass Arron Afflalo und Anthony Tolliver bereits entlassen wurden. Eine Rückkehr von Rudy Gay und Tyreke Evans ist kaum denkbar.

Eine Vertragsverlängerung für Langston Galloway und Ben McLemore ist ebenfalls eher unwahrscheinlich, da die Kings in Buddy Hield den Shooting Guard der Zukunft bereits unter Vertrag haben und sich zudem darum bemühen, Bogdan Bogdanović aus der Türkei loszueisen. Der Serbe wäre ein weiterer potenter Shooting Guard im Team.


Bleiben noch Darren Collison und Ty Lawson. Beide Point Guards sind solide NBA Spieler und könnten die Lücke auf der Eins schließen, die entsteht, bis Rookie De'Aaron Fox NBA-Niveau erreicht. Zudem könnte einer von beiden auch als Mentor und/oder Back-up agieren.

Personal
Ohne die Verträge der genannten Spieler verfügen die Kings über unglaubliche 53 Mio. $ in Cap Space. Das Problem dürfte jedoch sein, dass kein Top-Free-Agent nach Sacramento möchte. Hinsichtlich der Zukunft der Franchise könnte es gut sein, dass die Kings versuchen, Restricted Free Agents mit Geld zu überhäufen und somit Otto Porter Jr. von den Washington Wizards oder Kantavious Caldwell-Pope (vorausgesetzt, er kann und will als Small Forward auflaufen) von den Detroit Pistons Maximal-Angebote zu unterbreiten.

Eine weitere aus Kings-Sicht sinnvolle Option wäre es, Spieler mit schlechten Verträgen aufzunehmen (Bad Salary) und dafür Assets bzw. Draft Picks zu kassieren. Gespräche mit den Portland TrailBlazers wären hier sinnvoll, da diese garantiert gerne den einen oder anderen Vertrag aus den Büchern hätten und vermutlich bereit wären, nette Draft Picks dafür zu opfern.

Draft
Es kam wie es kommen musste und die Kings ergatterten Draft Pick No. 3, mussten diesen jedoch in Folge des katastrophalen Stauskas-Trades aus dem Jahr 2015 mit den 76ers tauschen. Folglich bekamen sie Pick No. 5 und zudem Pick No. 10 von den Pelicans aus dem Cousins-Trade.

Keine schlechte Ausgangsposition für einen Draft, der als der Beste seit Jahren gehandelt wird. Mit dem Pick No. 5 sicherten sich die Kings das Point Guard-Talent De'Aaron Fox aus Kentucky. Fox wird immer wieder mit John Wall verglichen, hat eine Menge Upside und sollte der Point Guard der Zukunft werden.

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Über das weitere Vorgehen der Kings kann wild spekuliert werden, denn anstatt mit dem Pick No. 10 den Shooting Guard Malik Monk zu verpflichten und somit das erfolgreiche Kentucky-Duo Fox und Monk zu vereinen, entschieden sich die Kings dazu, den Pick nach Portland zu schicken und dafür die No. 15 und No. 20 zu erhalten.

Da die Kings in Buddy Hield bereits ihren Shooting Guard der Zukunft haben, ist eine Entscheidung gegen Monk und damit gegen den Kentucky-Backcourt nachvollziehbar. Dennoch wäre es spannend gewesen zu sehen, wie sich diese beiden auf NBA-Niveau zusammen entwickeln würden.

An No. 15 zogen die Kings stattdessen Justin Jackson, einen Small Forward aus North Carolina, der als solider Pick gilt, jedoch nicht viel Upside bieten dürfte, mit dem 20. Pick holten sie den Power Forward Harry Giles. An der High-School galt Giles als eines der Top-Talente, nach einigen Knieverletzungen bestätigte er diese Vorschusslorbeeren am College in Duke leider nicht. Der Pick ist ein Risiko, kann sich aber auf Grund des Potentials des Forwards zum absoluten Steal der Draft entwickeln.

Abschließend zogen die Kings in der zweiten Runde noch Frank Mason an No. 34 aus Kansas. Ein Point Guard, der zumindest das Potential hat, hinter Fox ein solider NBA Back-up zu werden.

Zukunft
Im Draft wurde der Grundstein für den Neuaufbau der Kings gelegt. Die Franchise verfügt über eine Reihe an sehr talentierten Spielern und muss nun schauen, was sich aus den Spielern entwickeln kann.

Sollte es das Management schaffen, einige gute Draft Picks oder Talente (vgl. Mozgov-Trade der Nets) durch die Aufnahme von schlechten Verträgen zu generieren, wäre das vermutlich nicht der schlechteste Weg zum Rebuild.

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Die Kings haben im Jahr 2018 den eigenen Pick und könnten die kommende Saison nutzen, die jungen Spieler zu entwickeln und ähnlich wie die Lakers im Vorjahr viele Spiele verlieren, um im Idealfall dieses Mal einen Top-3 Pick abzugreifen. Nach der Saison 2019 geht der eigene Pick nämlich wieder an die 76ers oder Celtics.

Die Kings sind auf einem guten Weg, sollten sich jedoch Zeit lassen, ihre jungen Talente entwickeln, weitere Assets sammeln und schlechte Deals unterlassen. Die Verträge z. B. von Joakim Noah oder Luol Deng sind so toxisch, weil lang und teuer, dass der Gegenwert in Assets gar nicht hoch genug sein kann.

Ebenso sinnfrei wäre ein langer Vertrag für ausgediente Spieler wie P.J. Tucker, Jeff Green oder James Johnson. Angesichts der jüngeren Vergangenheit bleibt die Wahrscheinlichkeit aber hoch, dass das Management in Sacramento einen Weg finden wird, um die gute Basis zu zerstören.