28 Juni 2017

29. Juni, 2017


Während in Oakland die Sektkorken knallen, haben die anderen Franchises die Saison 2016/17 längst abgehakt und blicken optimistisch/pessimistisch in die Zukunft. Wir röntgen in unserem gewohnten 30er Split alle Teams, analysieren ihre Situation und prognostizieren den bevorstehenden Sommer. Heute: die Portland TrailBlazers.

von TORBEN SIEMER @lifeoftorben

Saison 2016/17
Anfang März schienen die Playoff-Aussichten im Nordwesten der NBA eher spärlich: Bei einer Bilanz von 25-35 stand das Team von Coach Terry Stotts. Dann brach in Portland Jusuf-Nurkić-Fieber aus: Der in Denver überflüssig gewordene Center kam per Trade und half seinem neuem Team, sich mit 16 Siegen aus den letzten 22 Spielen noch auf Platz acht zu schieben. 15 Punkte und zehn Rebounds legte er pro Spiel in dieser Phase auf.


Zum vierten Mal in Folge also Playoffs, wie schon im Vorjahr aber waren die Golden State Warriors mindestens eine Nummer zu groß. Auch weil Nurkić nach einem Beinbruch kurz vor Ende der regulären Saison nur eines der vier Spiele absolvieren konnte. Dennoch: Damian Lillard und CJ McCollum haben sich mit 50 Punkten pro Spiel als einer offensiv potentesten Backcourts der Liga etabliert, Nurkić sein Potenzial als Inside-Option und somit Gegengewicht für die bis dahin oft guard-lastige Offensive angedeutet.

Offseason Agenda
Auf Platz 24 liegt die Blazers-Defense im Ligavergleich, hier findet sich die größte Baustelle des Sommers. Lillard und McCollum sind an guten Tagen durchschnittliche Verteidiger, außer dem im Februar verpflichteten Nurkić findet sich kein defensiv brauchbarer Big Man im Kader. Festus Ezeli fällt mit Knieproblemen seit über einem Jahr aus, Meyers Leonard fehlt die Masse, Ed Davis die Zentimeter und Noah Vonleh die Erfahrung.


Nach dem Nurkić-Trade und während des Playoff-Pushes gehörte Portlands Defensiv-Rating zur besseren Hälfte der Tabelle, diese Entwicklung gilt es zu bestätigen. Das Problem: Auf dem Free Agent-Markt werden die Blazers kaum aktiv werden können, ihre Payroll für 2017/18 wird eine der längsten der NBA-Historie werden. Allein Lillard, McCollum, Crabbe und Turner bekommen garantiert mehr als 89 Millionen Dollar ausgezahlt. Der einzig gangbare Weg war daher der Draft, dort ging Neil Olshey mit den Picks 15, 20 und 26 in den Abend.

Personal
Das Personal für die neue Saison steht weitgehend fest: Kein Vertrag läuft aus, dazu überspringen die Blazers die Hürde zur Luxury Tax locker. Evan Turner ist mit 28 Jahren der älteste Spieler im Kader, Mo Harkless und Allen Crabbe scheinen sich als Rotationsspieler etabliert zu haben. Lillard und McCollum generieren Offense wie kaum ein anderes Duo – schenken defensiv aber annähernd genau so viel her.

Beide Namen waren über die Saison in Trade-Gerüchten zu lesen, ein defensivstarker Guard plus X müsste im Gegenzug kommen. Konkrete Deals standen für beide bisher aber offenbar nicht im Raum. Rekonvaleszent Ezeli könnte per Stretch Provision entlassen werden, wirklich Entlastung brächte das finanziell jedoch kaum. Portland wird also versuchen müssen, sich über Trades zu verbessern.


Leonard könnte hier ein Kandidat sein, auch Turner nach einem eher schwachen ersten Jahr schon wieder geshoppt werden. Dass sein Vertrag noch drei Jahre und knapp 54 Millionen Dollar beinhaltet, lässt den Markt nicht allzu groß erscheinen. Teambesitzer Paul Allen hat zudem genug Geld im Portemonnaie und auch schon den Willen angedeutet, für die nächsten Jahre drohende Luxussteuer zu bezahlen.

Draft
Wie weiter oben schon gesagt: die Picks 15, 20 und 26 gehörten den Blazers zu Beginn des Draftabends – einen Trade mit den Sacramento Kings später kommen zwei neue Big Men nach Portland. Zum einen der an Position zehn gepickte Zach Collins von Gonzaga, dazu an Position 26 Caleb Swanigan von der Purdue University. Die Picks 15 und 20 gingen im Gegenzug für Collins nach Kalifornien.

Der 2,11 Meter große Collins spielte sich dank eines herausragenden NCAA Tournaments in die Lottery und bringt neben einem vielseitigen Offensivspiel auch defensive Qualität mit. Er gilt als bester Rim Protector des 2017er Jahrgangs, ist ein fähiger Pick & Roll-Verteidiger und „passt hervorragend in die moderne NBA“, wie NBAChef-Draftguru Axel Babst in seinem Spotlight schreibt.

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Swanigan hatte bereits im Vorjahr seinen Draft-Marktwert getestet, entschied sich aber für ein zweites Jahr bei den Purdue Boilermakers – die richtige Wahl. Obwohl mit 2,06 Meter eher klein für einen Big Man, legte er in 35 Spielen 28 Double-Doubles auf, vier davon mit mindestens 20 Punkten und 20 Rebounds. Swanigan ist ein sehr bulliger Big Man, der ähnlich wie Collins offensiv viel Potenzial mitbringt und in seinem Sophomore-Jahr auch den Dreier in sein Repertoire aufgenommen hat. So sehr ihm diese Masse offensiv nutzt, defensiv macht sie ihn etwas fußlahm.

Hier wartet noch einiges an Arbeit auf den 20-Jährigen, der aber rein physisch schon NBA-Niveau erreicht hat. Mit diesen beiden Selektionen ging GM Olshey auf die Schwächen seines Kaders ein, seine Draftbilanz der letzten Jahre lässt hoffen, dass die beiden Big Men ihren Weg in die Rotation finden.

Zukunft
Vier Mal in Folge standen die Blazers in den Playoffs, immerhin zwei Serien (vs. HOU 2014, vs. LAC 2016) konnten dabei gewonnen werden. Spannend wird jetzt, ob das junge Team – nur Turner und Davis sind 27 Jahre oder älter – den nächsten Schritt machen kann, den vom Borderline-Playoff-Team zum Top 5-Team. Mit den Los Angeles Clippers scheint sich gerade ein Team aus dieser Riege zu verabschieden, diesen freien Platz sollten die Blazers anvisieren.


Entscheidend wird dabei die Spielerentwicklung sein, denn der Kader steht fürs Erste. Lillard und McCollum müssen defensiv Fortschritte machen, Nurkić aus der kleinen Sample Size eine verlässliche Größe machen. Mit Collins und Swanigan kommen zwei Spieler dazu, die schon als Rookies einen festen Platz in der Rotation einnehmen können.

Die Erstrundenpicks der nächsten Jahre sind allesamt noch in eigener Hand, was bei einem potenziellen Trade von Turner oder Crabbe hilfreich werden kann. 54, 51, 44 und 41 Siege gab es in den letzten vier Jahren. Diesen Trend wollen Lillard, McCollum & Co. umdrehen wollen.