22 Juni 2017

22. Juni, 2017


Während in Oakland die Sektkorken knallen, haben die anderen Franchises die Saison 2016/17 längst abgehakt und blicken optimistisch/pessimistisch in die Zukunft. Wir röntgen in unserem gewohnten 30er Split alle Teams, analysieren ihre Situation und prognostizieren den bevorstehenden Sommer. Heute: die Phoenix Suns.

von CHRISTOPH LENZ @NBAKenner

Saison 2016/17
Bis auf wenige optimistische Ausnahmen sahen sämtliche Experten und Beobachter die Suns schon vor Beginn der abgelaufenen Saison eher im Kampf um einen hohen Draftpick als um relevante Siege.

Mit einem zwar auf allen Positionen ziemlich talentgespickten, aber auch noch sehr jungen Roster sowie dem unerfahrenen Headcoach Earl Watson, der in der Saison 2013-14 selbst noch mit den Portland TrailBlazers gegen die Suns mit Eric Bledsoe, Alex Len und P.J. Tucker gespielt hatte, waren allzu hohe Ziele aber natürlich nichts als unrealistische Träumerei.

Nachdem sich mit Dragan Bender eines der jüngsten Talente in der Mitte der Saison verletzte, entschieden die Suns den Tank mit vollem Herzen zu leben und legten Brandon Knight und Eric Bledsoe zugunsten ihres durch frühere Verletzungen beschädigten Trade-Werts und ihrer Fitness zu Beginn der kommenden Saison auf Eis.

Als angenehmer Nebeneffekt bekamen Grünschnäbel wie Tyler Ulis mehr Spielzeit und die hoffnungsvollsten Zukunftsinvestitionen wie Devin Booker mehr Verantwortung von den beiden nominellen Startern.

Ein Beitrag geteilt von Phoenix Suns (@suns) am

Dieses Vorgehen kann aus jeder Perspektive als voller Erfolg gewertet werden, denn mit 24 Siegen hatte Phoenix am Lottery-Abend die zweithöchste Wahrscheinlichkeit auf den Nummer eins Pick (letztlich wurde daraus allerdings nur die Nummer vier).

Tyler Ulis zeigt seine Fähigkeiten mindestens ein guter NBA-Rotationsspieler zu sein und Devin Bookers gute Leistungen kulminierten in einem 70 Punkte Spektakel in Boston. Die Suns-Saison 2016/17 war also keine klassische Erfolgsstory, aber hinter allen Zielen findet sich nun ein Haken.

Offseason Agenda
Nachdem die Franchise aus Arizona in den letzten Jahren durchaus ihre Angeln auch nach größeren Fischen ausgeworfen hatte scheint dieser Durst jetzt erstmal gestillt. Angebote wie 'DeAndre Jordan für den vierten Pick und Tyson Chandler' wurden (selbstverständlich) abgelehnt, wenn die Draft-Position sich nochmal verändern wird, dann nur zum Positiven oder einem enorm hohen Preis.


Die Veteranen, die aktuell das Team anführen, schienen nicht unantastbar in Trade-Verhandlungen. Dass dem jungen Roster aber keine erfahrenen Profis zur Seite gestellt werden, scheint unwahrscheinlich.

Nichtsdestotrotz könnten die Rollen von Booker, Ulis, T.J. Warren, Dragan Bender und Marquese Chriss weiter wachsen und statt Bledsoe, Knight und Chandler stattdessen eher Oldies, die zwar auf dem Court stehen, ihren Wert aber vor allem in der Kabine haben, geholt werden.

Ansonsten geht es für Phoenix darum, sich weiter zu verbessern, aber auch die mittelfristige Flexibilität nicht zu verlieren. Daher sollte es für die Suns das Ziel sein, kurzfristig ein sinnvolles Roster um die Talente zu formen ohne sich langfristig an Rollenspieler zu binden.

Personal
Wie bereits erwähnt gibt es am jungen Kern wenig Zweifel und keine Veränderung ist benötigt oder in Sicht. Spannender ist die Situation bei den Veteranen um Bledsoe, Knight und Chandler.


Die sind einerseits zu gut, um ihre Rollen allzu klein zu schrumpfen und den Youngstern mehr Zeit und Freiräume zu geben. Andererseits sind diese Spieler aber auch kein Bestandteil der Zukunftsplanung und daher für andere Teams in Trades mehr als verfügbar.

Die Frage ist, wie so oft: Wie hoch ist der Preis, und was erwartet Phoenix im Gegenzu? Der Gegenwert, den die Suns suchen sollten, sind günstigere Veteranen und/oder weitere Draft-Picks, um die richtigen Ergänzungen zum Kern zu finden.

Eine Entscheidung, die getroffen werden muss, betrifft die Restricted Free Agency des ukrainischen Centers Alex Len. Der gilt in Phoenix nicht als unentbehrlich und dürfte nur gehalten werden, wenn kein Team ein hohes Angebot abgibt, das die Suns matchen müssten.

Draft
Was die Phoenix Suns mit dem vierten Pick vorhaben, hängt nicht unwesentlich davon ab, was vor ihnen passiert. Insbesondere die Los Angeles Lakers könnten mit der zweiten Auswahl des Abends einen der beiden Lieblinge von GM Ryan McDonough auswählen. Denn sowohl in Lakerland, als auch in der Wüste, stehen Lonzo Ball und Josh Jackson offenbar hoch im Kurs.


Auch ein Trade zwischen den beiden Teams um die erste Kugel abfeuern zu dürfen und damit auch Turbulenzen durch einen sehr gut möglichen Trade der Celtics mit wem auch immer an Nummer drei zu entgehen ist nicht auszuschließen.

Wenn alles so bleibt wie es aktuell ist (und das hat in diesen Tagen ja nicht viel zu bedeuten), dann nehmen die Suns denjenigen, den die Lakers ihnen übrig lassen. Ausweichpläne, die zum Beispiel im Falle eines Celtics-Trade zur Anwendung kommen könnten, sind vor allem die beiden Forwards Jonathan Issac oder Jayson Tatum.

Zukunft
Die Franchise, die zwischen 2005 und 2010 so viele Spiele gewann wie sonst keine bis auf die Mavericks und Spurs, seitdem aber nur noch auf Rang 23 in Sachen Siegen rangiert, befindet sich wieder auf dem Weg nach oben.

Ein Beitrag geteilt von Phoenix Suns (@suns) am

Wie hoch hinaus es letztlich für das Team um (im wahrsten Sinne des Wortes) Shooting-Star Devin Booker geht, muss sich zeigen. Die Mischung aus bereits vorhandenem Talent, Draft-Picks und gleichzeitig wertvoller und entbehrlicher Trade-Munition lässt auf jeden Fall zurecht viel Platz für Hoffnung bei Fans und Verantwortlichen.

Kurzfristig könnte auch nochmal das ein oder andere Tal folgen und schwierige Entscheidung bei der Teambildung und -findung anstehen, aber wenn sich die Entscheider in Phoenix nicht vom eingeschlagenen Weg abbringen lassen, könnte der Blick auf die Siegbilanz der nächsten fünf bis sieben Jahre wieder deutlich mehr Freude bereiten als zuletzt.