27 Juni 2017

27. Juni, 2017


Während in Oakland die Sektkorken knallen, haben die anderen Franchises die Saison 2016/17 längst abgehakt und blicken optimistisch/pessimistisch in die Zukunft. Wir röntgen in unserem gewohnten 30er Split alle Teams, analysieren ihre Situation und prognostizieren den bevorstehenden Sommer. Heute: die Minnesota Timberwolves.

von STEFAN DUPICK @hoopsgamede

Saison 2016/17
Die Timberwolves waren eines der aufregendsten Teams der Offseason 2016, da waren sich alle Experten einig. Karl-Anthony Towns, Andrew Wiggins, Zach LaVine und dazu Rookie Point Guard und Nummer fünf Pick Kris Dunn... die jungen Wölfe würden die NBA aufmischen. Die Frage war eigentlich nur, ob es für ein Heimrecht in den Playoffs reichen könnte.

Der erfolgsversprechendste Faktor sollte Coach Tom Thibodeau sein. Der Defensiv-Guru würde die Wolves auf ein neues Level heben, ebenso wie er es in der Vergangenheit mit den Bulls getan hatte.


Am Ende kam alles ganz anders. Die jungen Wölfe stagnierten in ihrer Entwicklung. Towns spielte eine ordentliche Saison, konnte den hohen Erwartungen speziell in der Defensive aber nicht gerecht werden.

Gleiches galt für Wiggins. Der Kanadier war defensiv eine Enttäuschung und hat seinen Dreier noch immer nicht konstant getroffen. Rookie Dunn war jedoch die vermutlich größte Ernüchterung. Der Point Guard konnte zu keinem Zeitpunkt in der Saison zeigen, dass er der Liga auch nur ansatzweise seinen Stempel aufdrücken kann.

Coach Thibs konnte seinen Einfluss kaum geltend machen. Hinzu kam die Verletzung des besten Shooters des Teams, LaVine, der in Summe auf lediglich 47 Einsätze kam und dann durch einen Kreuzbandriss schmerzhaft ausgebremst wurde.

Der vermeintliche Lichtblick im enttäuschenden Kader war der von vielen Experten bereits abgeschriebene Spanier Ricky Rubio. Rubio war in der vergangenen Saison der beste Verteidiger des Teams und konnte phasenweise sogar seine Würfe treffen (letztlich waren seine Quoten jedoch nach wie vor unterirdisch).

Am Ende der Saison standen die Timberwolves auf Platz 13 im Westen, bei einer Bilanz von 31 zu 51 Siegen. Diese Bilanz in umgekehrter Reihenfolge (51 Siege) wurde vor der Saison von einigen Experten prognostiziert.

Mit den Playoffs hatte das Team schon früh nichts mehr zu tun. Am Ende hieß es also wieder einmal die Saison abzuschenken, damit der Draft Pick im Sommer möglichst gut werden würde. Demzufolge gab es am Ende einen 3 Siege zu 13 Niederlagen 'Run'. Das bedeutete wenigstens Draft Pick Nummer sieben für die Wolves.

Offseason Agenda
Die Timberwolves haben die Draft Nacht spektakulär genutzt und All-Star Jimmy Butler in einem Trade mit den Chicago Bulls verpflichtet. Um Butler zu bekommen, mussten sie ihren siebten Pick (Lauri Markkanen), Zach LaVine und Kris Dunn nach Chicago schicken.

Mit einem All-Star, Starter und Führungsspieler wie Butler in eigenen Reihen, liegt der Fokus in der Offseason nun darauf, den Rest des Teams zu formen, um die eigenen Playoff-Hoffnungen zu stärken.


Thibodeau muss seine defensive Handschrift hinterlassen, bessere Verteidiger verpflichten und für das Trio Butler, Wiggins und Towns die richtigen Ergänzungsspieler finden.
 Nur wenn die Timberwolves ihre defensive Identität formen, ist eine Rückkehr in die Playoffs realistisch.

Im aktuellen Kader wären Rubio auf Point Guard und Gorgui Dieng respektive Nemanja Bjelica auf Power Forward die logischen Ergänzungen in der ersten Fünf. Allerdings könnte das Spacing zum Problem werden, da keiner der Spieler in der projizierten Starting Five ein herausragender Shooter ist.

Personal
Die Timberwolves haben sich zuletzt von Nikola Pekovic und seinem 12 Mio. $ Vertrag getrennt, indem sie den Montenegriner einfacher aus dem Kader gestrichen haben.

Jordan Hill, Brandon Rush, Adreian Payne und Omri Casspi werden Free Agents. Zudem steht die Frage im Raum, ob Bank-Scorer Shabazz Muhammad eine Zukunft in Minneapolis hat. Auch er wird vertragsfrei.


Letztlich werden die Wolves etwas mehr als 20 Mio. $ in Cap Space zur Verfügung haben und sollten zusehen, dass sie den einen oder anderen verlässlichen Shooter in den hohen Norden lotsen.

Die vielleicht grösste Entscheidung, die es zu treffen gilt, betrifft Rubio. Der Spanier steht noch zwei weitere Jahre unter Vertrag. Defensiv gehört der Point Guard zu den besten auf seiner Position, in der Offensive ist Rubio jedoch zu berechenbar.

Es könnte also sein, dass ein anderer Point Guard in der kommenden Saison das Team aufs Feld führen wird. Optionen gibt es im Sommer genug, schließlich werden Chris Paul, Kyle Lowry, George Hill und Jrue Holiday Free Agents. Ein Trade von Rubio ist also nicht auszuschließen.

Draft
Der Draft ist vorbei und die Wolves haben für ordentlich Aufsehen gesorgt. Zunächst zogen die Timberwolves den Forward/Center und vermeintlich besten Schützen dieser Rookie-Klasse, Lauri Markkanen.

Markkanen wurde in vielen Mock Drafts als potentieller Pick der Wolves gehandelt. Letztlich wurde Markkanen jedoch in das Trade-Paket für Jimmy Butler involviert.

Ein weiterer Bestandteil des Trades, der den Weg zurück nach Minneapolis fand, war der 16. Pick der Bulls, Justin Patton. Der Center aus Creighton ist noch sehr roh, hat jedoch sehr viel Potential. Er verfügt über einen guten Touch und könnte langfristig eine gute Ergänzung an der Seite von Towns werden.

Zukunft
Die Zukunft der Timberwolves sah bereits vor dem Draft-Abend rosig aus. Durch den Trade für Jimmy Butler wurde alles noch rosiger. Butler, Wiggins und Towns sind eine hervorragende Basis für eine Rückkehr zur Relevanz.

Towns und Wiggins sind jetzt schon stark, haben aber noch extrem viel Potential. Butler ist bereits einer der Top-15 Spieler der Liga und kann dem jungen Team sehr viel vermitteln.

Die Playoff-freie Zeit dürfte in Minneapolis also endgültig vorbei sein. Wenn es das Management jetzt noch schafft, ein paar Schützen nach Minnesota zu holen, dann dürften auch die Top Teams der Western Conference zunehmend nervöser in den kalten Norden der USA schielen.

Die Wolves sind auf einem sehr guten Weg und dürften auch heuer das Potenzial haben, eines der attraktivsten League Pass Teams zu werden. Diesmal auch mit passenden Ergebnissen...