30 Juni 2017

30. Juni, 2017


Während die Reste der Championship-Parade von den Straßen gefegt werden, muss auch der Champion die Saison 2016/17 langsam abhaken und in die Zukunft blicken. Wir röntgen in unserem gewohnten 30er Split alle Teams, analysieren ihre Situation und prognostizieren den bevorstehenden Sommer. Heute: die Golden State Warriors.

von DANIEL SCHLECHTRIEM @W14Pick

Saison 2016/17
The champ is here! Die Warriors werden die Schmach des weggeworfenen 3-1 in den Finals der letzten Saison zwar niemals loswerden, doch der zweite Triumph über die Cleveland Cavaliers nach 2015 ist Balsam für die geschundene Seele. Golden State hat Satisfaktion erhalten, Kevin Durant seinen ersten Ring.

Trotz dessen massiven Upgrades an beiden Enden kamen die Kalifornier mit 67 Siegen zwar nicht in die Nähe der Rekordmarke der Vorsaison von 73, was ihnen aber angesichts des zweiten Titels in drei Jahren herzlich egal sein wird.

Zusammen mit Durant fingen die Neuzugänge Zaza Pachulia, JaVale McGee und David West die Abgänge von Andrew Bogut, Harrison Barnes, Marreese Speights und Leandro Barbosa effektiv auf. Golden State formierte den besten Angriff (1. in Offensiver Effizienz mit 113,2 erzielten Punkten per 100 Ballbesitzen) und die zweitbeste Verteidigung (2. in Defensiver Effizienz mit 101,1 zugelassenen Punkten per 100 Ballbesitzen).

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Entsprechend ungefährdet gingen die Dubs als Primus des Westens in die Playoffs, wo sie – wie selbst Coach Steve Kerr im Nachhinein einräumte – bis in die Finals nicht gefordert wurden. 4-0 gegen die Portland TrailBlazers, 4-0 gegen die Utah Jazz, 4-0 gegen die San Antonio Spurs, jedoch mit Kawhi Leonards (herbeigeführter) saisonbeendender Verletzung bei 25-Punkte-Rückstand in Spiel eins als kleinem Asterisk.

In den Finals ließen die Warriors in der dritten Auflage gegen die Cavs zunächst wenig anbrennen: Die ersten beiden Spiele gingen mit jeweils 20 Punkte an den Besten des Westens, erst auf heimischem Parkett leisteten die Titelverteidiger Gegenwehr, verhinderten mit einem einzigen Sieg aber nur noch den kompletten 16-0 Durchmarsch des nach 1947, 1956, 1975 und 2015 nun fünffachen NBA-Champions. Eine Dynastie liegt in der Luft.

Offseason Agenda
Doch nicht alles glänzt in der Bay Area: Zehn Spieler mit einem Cap Hold von nahezu 90 Mio. $ werden Free Agents. Es wartet einige Arbeit auf GM Bob Myers.

Allen voran, da er nun erstmals Stephen Curry marktgerecht bezahlen muss und viel weniger als ein Maximalvertrag von über 30 Mio. $ nicht infrage kommt. Dasselbe gilt für Kevin Durant, wenngleich sich dieser bereit erklärt hat, auf ein wenig Cash zu verzichten, um das Team kompetitiv zu halten.

Das Prekäre an der Situation: Die Warriors müssen es tunlichst vermeiden, zu tief in die Luxury Tax Region vorzustoßen: 2019 wird Klay Thompson Free Agent, im Jahr darauf Draymond Green.

Alles andere als ein Maximalvertrag ist auch für dieses Duo indiskutabel. Um dann als Repeated-Tax-Payer nicht richtig tief in die Taschen greifen zu müssen und die finanzielle Balance der Franchise zu gefährden, gilt es bereits diesen Sommer, die Weichen richtig zu stellen.


Myers' und Kerrs Ferienjob besteht also darin, zusätzlich zu den erwartbaren Verlängerungen für Curry und Durant das Meisterschaftsteam bestmöglich mit Ein- und Zweijahres-Deals beisammen zu halten und dann mit Minimalverträgen ergänzen. An willigen Veteranen mit akuter Ringgier wird es nicht mangeln.

Personal
Klay Thompson, Draymond Green, Kevon Looney, Damian Jones und Pat McCaw sind die einzigen fünf Spieler, die zum 1.7. bei den Warriors unter Vertrag stehen und dabei knapp 40 Mio. $ Salär beanspruchen.

Die noch offenen circa 60 Mio. $ gehen in vollem Umfang an Durant und Curry, so dass die sportliche Führung viel Kreativität an den Tag legen muss, um vor allem Andre Iguodala und Shaun Livingston zu halten.

Besonders an Iguodalas Türmatte stehen die Teams jetzt schon Schlange und der 33-Jährige ließ verlauten, dass er die Free Agency voll auszukosten gedenke. Unter anderem den Phoenix Suns, Minnesota Timberwolves und Philadelphia 76ers wird großes Interesse am Finals-MVP von 2015 nachgesagt – allesamt Teams mit massenweise Cap Space, Bedarf nach Routine und Veteran Leadership sowie der Möglichkeit, einen längerfristigen Deal anzubieten, als es die Warriors können/sollten.


Um ihren besten Bankspieler zu halten müssen die Warriors also auf dessen Wohlwollen hoffen und seine Bereitschaft, auf einige Millionen zu verzichten. Bei grünem Licht seitens Iguodalas rückt aber Livingstons Verbleib noch weiter ins Ungewisse, dem es ebenfalls an Angeboten nicht mangeln wird.

Die jeweiligen Telefone von Zaza Pachulia, David West, Ian Clark und JaVale McGee werden ebenfalls nicht still stehen, allerdings sind hier Angebote in monetär-unmoralischen Gefilden eher nicht zu erwarten und somit mindestens ein weiteres Jahr in Nordkalifornien wahrscheinlicher.

Erstes Opfer der radikalen Sparpolitik: Die sportliche Führung hat entschieden, für James McAdoo kein Qualifying Offer abzugeben und ihn somit zum Unrestricted Free Agent zu machen. Das schließt aber selbstverständlich nicht die Türen für einen neuen Vertrag unter günstigeren Konditionen als bisher.

Draft
Die Warriors hatten beim Draft weder einen Erstrunden-, noch einen Zweitrundenpick, öffneten aber ihre Schatulle, um in Jordan Bell den 38. Pick für saftige 3,5 Mio. $ von den Chicago Bulls in die Bay Area zu holen.

Der athletische und defensivstarke Big passt exzellent ins Konzept und wird als Komplement zum feuerkräftigen Backcourt seine Rolle finden.


Zukunft
Golden. Nach drei Finals-Teilnahmen in Folge fehlt es etwas an Vorstellungskraft, in der Liga einen echten Herausforderer für die Phalanx um Curry, Thompson, Green und Durant zu finden.

Die beiden Championships sowie die zahlreichen gebrochenen Rekorde wären ohne Currys Vertrag deutlich unter Marktwert nie möglich gewesen.

Ab sofort wird es für die Warriors also nicht einfacher und ein erneutes 16-1 in den Playoffs ist daher bei weitem nicht vorprogrammiert. Doch selbst im Falle eines personellen Aderlasses gehen die Dubs als klarer Titelfavorit in die nächste Spielzeit.