19 Juni 2017

19. Juni, 2017


Während in Oakland die Sektkorken knallen, haben die anderen Franchises die Saison 2016/17 längst abgehakt und blicken optimistisch/pessimistisch in die Zukunft. Wir röntgen in unserem gewohnten 30er Split alle Teams, analysieren ihre Situation und prognostizieren den bevorstehenden Sommer. Heute: die Detroit Pistons.

von CHRISTOPH LENZ @NBAKenner

Saison 2016/17
Nach dem Erreichen der Playoffs in der Vorsaison wollten die Pistons einen weiteren Schritt nach vorne machen und um das Playoff-Heimrecht mitspielen. Nachdem es in Abwesenheit von Reggie Jackson in den ersten 21 Spielen eine positive Bilanz (11-10) verbuchte, erhoffte sich das Team von Stan Van Gundy durch die Rückkehr ihres Starting Point Guard einen weiteren Push.

Doch von den nächsten 21 Spielen verlor Detroit 14 und damit auch den Anschluss an die Playoff-Plätze. Mit besseren Leistungen vor und nach der All-Star Pause kämpften sich die Mannen aus Motor City zwar wieder zurück.

Angeführt von einem schwächelnden Andre Drummond siegten die Pistons von einer 33-33 Bilanz ausgehend nur noch vier mal in den letzten 16 Spielen und verpassten damit zum siebten Mal in den vergangenen acht Jahren die Playoff-Teilnahme.


Auch der Blick auf die individuellen Leistungen gibt eher wenig Anlass für positive Zeilen. Das gilt leider sowohl für Spieler, denen tragende Rollen zukommen sollten, wie Drummond, Jackson und Tobias Harris, als auch für junge Talente wie Stanley Johnson, Kentavious Caldwell-Pope und Henry Ellenson.

Bis auf die letzten Saisonwochen von Andre Drummond und die Entwicklung von Stanley Johnson ist zwar keine dieser Saisons als absolut negative Überraschung oder Enttäuschung zu bewerten. Allerdings war auch keinerlei positive Überraschung dabei. Stagnation ist das positivste Wort, das zur Saison der Einzelspieler passt.

Offseason Agenda
Die Entwicklung der letzten Jahre spitzte sich in Detroit immer daraufhin zu, dass im Sommer 2017 ein festes Team existiert. Denn nach den Trades für die langfristig gebundenen Harris und Jackson unterschrieben im Sommer 2016 Drummond, Leuer und Marjanovic langfristig.


Dem Team steht folgerichtig mit der früh virtuell eingeplanten Verlängerung von Caldwell-Pope auf absehbare Zeit (nämlich bis zum Sommer 2019) also kein Capspace mehr zur Verfügung.

An diesem Punkt ist die Franchise nun angekommen und hadert. Mit den Trades, mit den Signings, mit der Entwicklung und mit der Fehleinschätzung des eigenen Status nach der guten Saison 2015-16 (hier werden deutliche Parallelen zu den Portland Trail Blazers deutlich).

Der Druck in Detroit wirkt nach Außen hin enorm hoch. Das Erreichen der Playoffs, koste es was es wolle, scheint das oberste Ziel. Dadurch entsteht eine Diskrepanz zwischen dem, was als neutraler Beobachter die sinnvollste Agenda sein könnte und dem, was die Pistons machen wollen und werden.

Mit diesem Roster sind klassische “Win Now” Moves eigentlich nicht das, was in den kollektiven Sinn kommen sollte. Doch genau diese scheinen die Pistons jetzt vorzuhaben.

Personal
In Detroit scheint dieses Roster nicht den Rückhalt zu haben der nötig ist um den Spielern eine ruhige Offseason vorherzusagen.

Die Gerüchte, dass speziell die beiden vielleicht hochkarätigsten Namen im Roster, Drummond und Jackson, nicht nur “nicht unantastbar” sind, sondern ein Tradepartner aktiv gesucht wird, mehren sich.

Die bestenfalls stagnierende Entwicklung von Johnson und fehlende Führungsqualität von Harris lässt auch deren Namen immer wieder in Tradegerüchten auftauchen. Hier stehen eventuell große Entscheidungen und daraus resultierende Veränderungen an.

Eine Entscheidung die ganz sicher ansteht und um die Detroit nicht herum kommt, ist die über die Vertragsverlängerung von Caldwell-Pope.


Draft
Die Detroit Pistons durften zum achten Mal in den letzten elf Jahren an der Draft Lottery teilnehmen und erneut erschien in drei Ziehungen keine der diesmal sieben (von 1.001 möglichen) Kombinationen, die zum Sprung unter die besten drei Picks verholfen hätte.

Mit Pick Nummer zwölf ist die Ausgangslage relativ komfortabel. Entweder sind die allerbesten Spieler bis dahin schon bei einem anderen Team untergekommen und Detroit kann das Talent wählen, das am besten zum Team passt und damit so schnell wie möglich weiterhelfen kann.


Oder es rutscht überraschenderweise doch einer der Spieler durch, denen eigentlich “Top Ten Talent” nachgewiesen wird. Auch über einen Trade mit dem Lottery-Pick, um dem “Playoffs Now!” Mantra gerecht zu werden, wurde schon spekuliert.

Die realistischsten Szenarien sehen für die Pistons Verstärkungen im Backcourt oder auf den Flügeln vor. Zum Beispiel Donovan Mitchell, Luke Kennard oder Justin Jackson könnten zumindest teilweise als Versicherung bei einem Caldwell-Pope Abgang gesehen werden.

Mit viel Glück bekommt das Front Office um Coach Stan Van Gundy die Finger an einen jungen Spieler dem noch mehr zugetraut wird. Die Hoffnungen auf Lauri Markkanen, Malik Monk oder Jonathan Isaac sind aber wohl nicht viel größer als die am Lottery-Abend.

Zukunft
Die Zukunft beginnt jetzt für die Pistons. Diese Offseason könnte durch unterschiedlichste Aktionen die nächsten Jahre der Franchise in jede vorstellbare Richtung definieren. Buchstäblich alles ist auf dem Tisch.

Es ist absolut vorstellbar, dass jede Anzahl zwischen null und fünf Startern aus dem ersten Spiel der abgelaufenen Saison (Smith / Caldwell-Pope / Harris / Morris / Drummond) auch diesmal beginnen wird.

Eine Vorhersage für die kommende Saison ist daher zum aktuellen Zeitpunkt unheimlich schwer zu treffen, aber alles was darüber hinausgeht gleicht einem Blick in eine extrem verstaubte Kristallkugel.

Die einzig unzweifelhafte Aussage zur Zukunft der Detroit Pistons, beginnend mit der Offseason 2017: Alles ist möglich und es wird auf keinen Fall ruhig bleiben in der Stadt der Motoren!