10 Juni 2017

10. Juni, 2017


Die Top-Klubs machen den NBA-Titel unter sich aus, während die meisten Franchises die Saison 2016/17 längst abgehakt haben und optimistisch/pessimistisch in die Zukunft blicken (müssen). Wir röntgen in unserem gewohnten 30er Split alle Teams, analysieren ihre Situation und prognostizieren den bevorstehenden Sommer. Heute: die Denver Nuggets.

von CHRISTOPH LENZ @NBAKenner

Saison 2016/17
Die Erwartungen an die junge Truppe, die im Sommer 2016 durch einen Flirt mit Dwyane Wade etwas mehr als üblich auf sich aufmerksam gemacht hatte, waren eher gemäßigt. Während die Nuggets zwar als eines von mehreren aufstrebenden Teams in der Western Conference galten, spielten andere Teams, die (vermeintlich) etwas mehr Chancen auf die Playoffs hatten, die Hauptrollen in der Kategorie „next big thing“.

Letztendlich war der vielleicht größte Unterschied zu „everybody’s preseason darling“ Minnesota, dass die Veteranen eine größere Rolle spielen konnten. Während der wichtigste Spieler wohl ohne Zweifel Nikola Jokić war, wurden sowohl seine als auch die Leistungen des Teams erst durch die Freiräume möglich, die ihm Danilo Gallinari, Wilson Chandler und Jameer Nelson durch das Übernehmen von wichtigen Rollen auf und neben dem Court verschafften.


Das Plus von sieben Siegen im Vergleich zur Vorsaison ist beachtlich und der lange Kampf um einen Playoff-Platz für viele Beobachter überraschend früh in der Entwicklungsphase des jungen und mit Talent gespickten Kaders. Ein Thema das sich durch die Saison zog war die Diskrepanz zwischen offensiver und defensiver Leistung. Egal nach welcher Metrik, die Denver Nuggets rangieren offensiv unter den besten Fünf, defensiv hingegen unter den letzten Fünf.

Offseason Agenda
Die sportliche Leitung aus Coach Mike Malone und General Manager Tim Connelly geht in die dritte gemeinsame Saison mit dem klaren Ziel, zum dritten Mal in Folge mehr Siege als im Vorjahr zu holen. Um das zu erreichen scheuen die Nuggets-Verantwortlichen auch nicht vor Verhandlungen mit großen Namen oder dem Betätigen des Abzugsfingers bei Trades zurück.

Dabei gilt es für Denver mehrere Spannungsfelder zu beachten und die Entscheidungen so zu treffen, dass eine positive Entwicklung möglich gemacht wird. So wird es eine Aufgabe sein die Verantwortung noch etwas mehr an die jungen und hoffnungsvollen Spieler im Roster zu geben, ohne dabei die Führungsqualitäten der erfahrenen Spieler zu verlieren.

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Gleichzeitig muss die Diskrepanz zwischen offensiver und defensiver Leistung zumindest etwas verringert werden, idealerweise natürlich ohne sich der Stärken im Angriffspiel zu berauben.

Personal
Der wohl hochkarätigste Free Agent aus der Hauptstadt Colorados heißt Danilo Gallinari. Es sei denn, er nutzt entgegen aller Erwartungen siene Player Option, die ihm im kommenden Jahr knapp über 16 Mio. $ einbringen würde. Ein anderer Name, den Denver im Auge haben muss ist Mason Plumlee, der Restricted Free Agent wird was eine potenziell unangenehme Entscheidung herbeiführen könnte.

Für ein Team mit 40 Siegen, einem etablierten Kern, reichlich Talent und wenigen wichtigen Free Agents haben die Nuggets jede Menge Cap Space zur Verfügung. Mindestens ein Maximalvertrag könnte per Free Agency hinzugefügt werden, ein weiterer (je nach Konstruktion) per Trade und wenn die Besitzerfamilie Kroenke dann noch bereit wäre, tiefer in die Tasche zu greifen, könnte sogar Danilo Gallinari weiterhin Bestandteil des Teams sein.


Einige Namen, die für die Bemühungen in der Offseason aus dem Zettel stehen sollten sind Kyle Lowry, George Hill, Paul Millsap, Serge Ibaka und Zach Randolph. Um die Verhandlungen zu erleichtern und eventuell sogar noch andere Namen in der Verlosung haben zu können, wäre den Nuggets auch eine dicke Trade-Überraschung am Draft-Abend zuzutrauen. In möglichen Trade-Szenarien der Offseason, auch im Bezug auf Superstars, sollten die Nuggets ohne Zweifel auf dem Radar jedes NBA-Fan sein.

Draft
Der #13 Pick ist der niedrigste eigene Pick der Nuggets seit dem Draft 2013. Seitdem hat die Franchise eine bunt gemischte Tüte an Draft-Entscheidungen getroffen, die sowohl Trades raus aus der Lottery, einen Franchise-Player in Runde zwei, zwei völlig unterschiedlichen Point Guards mit dem jeweils siebten Pick und diverse Fragezeichen enthält.

Was dieses Jahr zu erwarten ist weiß niemand. GM Connelly hat den Pick ganz öffentlich als Trade-Material bezeichnet und sowohl einen Trade in die Top Ten, als auch einen Trade für einen zusätzlichen Veteranen als ganz konkrete Optionen genannt, das Motto „nichts ist unmöglich“ damit also zementiert.

Mit Blick auf die Bedürfnisse des Teams sollte der Draft-Abend auf die eine oder andere Weise defensive Expertise ins Roster bringen. Wenn das nicht via Trade aus dem Draft geschieht, könnten OG Anunoby, Terrance Ferguson oder (bei der Variante „Trade nach oben“) Jonathan Isaac großes Potenzial in dieser Disziplin mitbringen.


Zukunft
Stand heute hat die Zukunft der Denver Nuggets riesiges, beinahe unbegrenztes Potenzial. Allerdings muss dabei beachtet werden, dass dieser Sommer möglicherweise kritisch dafür ist, ob dieses Potenzial ausgeschöpft werden kann.

Viele große und entscheidende Bausteine sind nämlich schon da, aber sowohl wichtige Verbindungselemente, als auch das Dach fehlen vermutlich noch. Die kommenden Monate bieten die wohl größte Chance alles zu beschaffen und würde dem Trainerstab genug Zeit lassen, die bereits begonnenen Bauarbeiten abzuschließen.

Ob aus einem fertigen Haus dann mittelfristig sogar ein Powerhouse werden kann muss und wird sich zeigen. Allerdings gilt auch hier die Devise „ein Stein nach dem anderen“, denn wenn die jetzt vorhandenen Ressourcen in diesem Sommer falsch oder gar nicht genutzt werden, könnte letztlich ein schönes Gerüst in der Stadt östlich der Rocky Mountains stehen, das niemals zu Ende gebaut wird.