28 Juni 2017

28. Juni, 2017


Während in Oakland die Sektkorken knallen, haben die anderen Franchises die Saison 2016/17 längst abgehakt und blicken optimistisch/pessimistisch in die Zukunft. Wir röntgen in unserem gewohnten 30er Split alle Teams, analysieren ihre Situation und prognostizieren den bevorstehenden Sommer. Heute: die Dallas Mavericks.

von TORBEN SIEMER @lifeoftorben

Saison 2016/17
33-49, nur Platz elf in der Western Conference. Erstmals seit der Saison 1999/2000 verlieren die Dallas Mavericks mehr Spiele, als sie gewinnen. Dirk Nowitzki spielte damals seine zweite Saison, die abgelaufene war die 19. NBA-Spielzeit des Mannes, dessen Statue bald vor dem American Airlines Center stehen wird – so lange ist das her.

Bis zum Jahreswechsel schienen sich Not und Elend oft abzuwechseln, am 9. Januar stand Dallas dementsprechend bei mageren elf Siegen und 27 Niederlagen. 16 Siege also unter .500, genau wie am Saisonende. 31-40 war die Bilanz nach einem knappen Sieg gegen die Los Angeles Clippers am 23. März, macht nach kurzem Blick auf den Notizzettel 20 Siege und 13 Niederlagen in den dazwischen liegenden zweieinhalb Monaten.


Der Aufwärtstrend war sichtbar, nicht nur durch die Ergebnisse. Die Playoffs blieben dennoch weit entfernt: Carlisle verteilte in den letzten Spielen fleißig DNP-Rest, sodass am Ende immerhin endlich wieder ein Top 10-Pick nach Dallas kam. Zum ersten Mal seit 1998.

Offseason Agenda
Schon vor dieser Saison gab es das lange herbeigesehnte Umdenken: Statt zum wiederholten Male mit Veteranen vergeblich zu versuchen, Nummer 41 ein letztes Hurra zu verschaffen, wurde endlich ein Schwerpunkt auf die Zeit n. D. (nach Dirk) gelegt. Die größte Baustelle in diesem Sommer: Nerlens Noel.

Dieser wird zum 1. Juli Restricted Free Agent, Dallas kann also jedes Angebot matchen und den Pivoten so halten. Und wird dies auch wohl tun, um mittel- bis langfristig einen athletischen, defensivstarken Center aufs Feld bringen zu können.


Die Team-Option, Dirk Nowitzki für 25 Millionen Dollar zu binden, wird nicht gezogen. Das heißt aber nur, dass Nowitzki wie üblich zum Ende der Personalplanungen für zwei Jahre verlängern wird, das zweite Jahr als Team- oder Spieler-Option.

Personal
Nowitzki, dazu Devin Harris und J.J. Barea – langjährige Mavs-Fans werden das Team auch in der neuen Saison wiedererkennen, die Spielanteile der drei werden aber wohl nicht mehr steigen: Seth Curry zeigte in seinem ersten vollen NBA-Jahr vielversprechende Ansätze, Yogi Ferrell spielte sich ungedraftet dank 29 Starts in 36 Spielen ins All-Rookie 2nd Team eines zugegeben recht dünnen Jahrgangs. Backup-Potential offenbarte er aber allemal.

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Harrison Barnes übernahm von Dirk Nowitzki die Rolle als erste Option in der Offensive, Noel erinnerte in den 22 Spielen nach seiner Verpflichtung zur Trade Deadline phasenweise an Tyson Chandler. Dorian Finney-Smith startete als Rookie 35-mal bei 81 Einsätzen, mit Nicolas Brussino und Jarrod Uthoff wurden weitere junge Spieler langfristig gebunden. Der Vertrag von Wes Matthews läuft noch bis zum Sommer 2019. Das Gerüst also steht, dazu kommt mit dem neunten Pick des Draft ein interessanter Rookie.

Draft
… und dieser Rookie ist Dennis Smith Jr, der sich mit einer starken Freshman-Saison im Trikot von North Carolina State in die Top 10 spielte. Und den Donnie Nelson offenbar so stark einschätzt, dass er überrascht war, ihn an neunter Stelle noch auswählen zu können.


Der Point Guard wird im November 20 Jahre alt und gilt als überdurchschnittlicher Athlet und Scorer. Die Pick-and-Roll-lastige Offensive der Mavericks kommt ihm entgegen, Dallas erhielt erstaunlich viel Lob für diesen Pick.

Der „Fit“ also scheint zu passen, auch wenn gerade Point Guards oft etwas länger für die Gewöhnung an die NBA brauchen. Defensiv hat er noch Luft nach oben, auch sein Distanzwurf (36 Prozent bei 153 TPA) muss sich noch beweisen. Smith aber weckt Hoffnungen, für lange Zeit die Spielmacher-Position der Mavs zu prägen.

Zukunft
Irgendwie alles wie immer: Dirk wird ein Jahr älter, Dirk wird (noch) langsamer – und dennoch ist sein Einfluss auf die Offensive weiterhin positiv. Die Rolle als Mentor und Anführer hat er längst verinnerlicht, die oft zitierte Kultur in der Umkleide ist absolut intakt.

Die erste Frage für die kommende Saison wird sein, ob Harrison Barnes wirklich den Sprung in die Riege der Spieler packt, die ihr Team Richtung Playoffs tragen. Gerade sein Ballhandling braucht noch Feinschliff, die erste Saison aber macht auf jeden Fall Hoffnung.

Die zweite Frage: Bleibt Nerlens Noel und wenn ja, für welchen Preis? Die Aussicht auf ein Matchen der Mavericks und seine Verletzungshistorie lassen den Markt klein erscheinen. Es braucht aber nur ein Team, das ihm einen Maximalvertrag anbietet.

Die dritte Frage ist, was aus dem Draftpick wird – hier scheint das Front Office alles richtig gemacht zu haben, mit Dennis Smith Jr. gibt es wieder einen athletischen Einser in weiß und blau. Besser als die Vorsaison sollte die Bilanz der Saison 2017/18 definitiv werden, die ersten Moves für die Zeit nach Nowitzki sind (endlich) gemacht. Wann auch immer diese eintreten mag...