02 Juni 2017

2. Juni, 2017


Die NBA Finals sind los! Die nbachefsquad ist auch auf der Zielgeraden zur Stelle wie Kevin Durant und versorgt euch mit artgerechten Häppchen zur Endspiel-Action 2017.

von NBACHEFSQUAD

Andere Liga, besserer Schalter
Seb Dumitru @nbachefkoch ... Vom "Schalter" haben sie alle geredet. Cleveland, angeführt vom besten Spieler seiner Generation, einem der vier, fünf besten aller Zeiten, brauste nach einer enttäuschenden, ja phasenweise peinlichen regulären Saison durch die Eastern Conference Playoffs.

Rasierte die Indiana Pacers, dann die Toronto Raptors, schliesslich die Boston Celtics, powerte mit 12-1 Siegen durch den Osten in sein drittes konsekutives NBA-Finale. Dass sowohl Toronto als auch Boston ohne seine besten Spieler wettkämpfte, interessierte kaum jemand.

Was sich den Cavaliers in Partie eins der Endspiele offenbarte, war kein Klassenunterschied. Es war ein Ligaunterschied. Golden State spielt einen anderen Ball. Golden State hat mindestens zwei Gänge mehr als diese Cavs, hat viel zu viel für diese Cavs. Der qualitative Unterschied wurde vor allem am defensiven Ende überdeutlich.

Die Dubs sind länger, agiler, fliegen am Halbkreis hin und her. Draymond Green ist der beste Verteidiger der Welt, rotiert zwischen fünf Positionen, während er Freund und Feind beschimpft.

Klay Thompson stört einen ziehenden Kyrie Irving ebenso resolut wie Kevin Love im Post. Clevelands Spieler trafen einen mickrigen Versuch aus dem Feld (1-12 FG), wenn sie von Thompson gecheckt wurden. Andre Iguodala und Kevin Durant störten mit ihrer Länge, zwangen die Cavs zu vielen schlechten Würfen (kumulativ unter 35% FG).


Hat jemand Durant gesagt? Der vielgescholtene ex-MVP zeigte, dass seine Entscheidung pro-Warriors im Sommer genau die richtige war, legte im Rennen um die Finals-MVP Trophäe 2017 mächtig vor. 'KD' dominierte im Interieur, nutzte einen Drive nach dem anderen, um sein Wurfgefühl zu schleifen. Am Ende standen 38, acht und acht bei einem Offensivrating von 141,0 und 64% True Shooting in seinem Boxscore.

Auch Steph Curry (28 Punkte, zehn Assists) setzte seine bisher überragenden Playoffs ungehindert fort. Allerdings: kein anderer Warrior schaffte es in den zweistelligen Punktebereich. Und hier liegt für die Cavs der Hase im Pfeffer begraben. Golden State dominierte nach Belieben, obwohl die Hausherren keinen allzu guten Abend erwischten. Nur 42% aus dem Feld und mickrige zwölf Dreier - das können die Dubs viel besser.

Cleveland hat zu wenig Raum für Fehler. Zu viel hängt an LeBron James, zu viel muss perfekt laufen, um eines der besten Teams aller Zeiten vier Mal in jetzt sechs Partien zu schlagen. Warriors in sechs war also vermutlich zu konservativ getippt...


Hello from the other side?
Gerrit Lagenstein @GAL_Sports ... „I've must have called it a thousand times“, wird sich Tyronn Lue gedacht haben und das ist keine Übertreibung. Der Head Coach der Cavaliers wurde vor den Playoffs nicht müde zu erwähnen, dass sein Team einen defensiven Plan für die Postseason hätte.

Siehe da, die Probleme am eigenen Korb gerieten in den ersten drei Playoff-Runden der Eastern Conference tatsächlich etwas in den Hintergrund. Ganz der Schalter, scheinbar.


Die wirkliche Wahrheit war aber, dass der amtierende Meister vor allem dank einer absurd guten Offensive mit einer Bilanz von 12-1 in die Playoffs und bis ins Finale geprescht war. Davon war nach dem ersten Viertel gestern keine Spur mehr zu sehen. Die Cavaliers blieben zum ersten Mal in der Meisterrunde unter 100 Punkte und das mehr als deutlich.

Um den Sieg brachten sich LeBron und Co trotzdem auf der anderen Seite des Spielfelds. Schlechte Wurfquoten erwischt jeder mal. Nach vergebenen Abschlüssen die Transition Defense zu verweigern, ist jedoch ein Unding. Der ausgerollte rote Teppich für Kevin Durant zum Cavs-Korb wurde zum Running Gag der Partie.


Aber auch gegen das Set Play der Warriors sahen die Gäste äußerst alt aus. Nur vier Turnover (Finals-Rekord) für das beste Team der regulären Saison zeugen nicht gerade von permanentem Druck des amtierenden Champions.

Zu '42 points in the paint' in der ersten Hälfte muss ebenfalls kaum etwas gesagt werden. Dafür dass Golden State laut Lue einfacher als Boston zu verteidigen sei, ging der "Plan" in Spiel 1 aber mal so gar nicht auf.


NBA-Fans first!
Mattis Oberbach @MattisOb ... Was haben wir uns gefreut, nach diesen Playoffs endlich spannenden Basketball zu sehen! Die besten beiden Teams, topfit und fast perfekt in der Postseason? Das wird must-see TV werden! Und für uns Fans würde das Entschädigung bedeuten für, naja, mäßig geilen Basketball bis hierher.


In Game 1 wurde diese Hoffnung nicht erfüllt. Nicht mal annähernd. Was die Warriors mit den Cavaliers anstellten, glich ab der Halbzeit einem Erdbeben, einer Lawine, einem Tsunami. Was die Warriors mit den Cavaliers anstellten, kann auch mit „Klimawandel“ umschrieben werden: Er fängt langsam an, aber durch das Zutun von Menschen wird er beschleunigt und endet katastrophal.

Die Cavaliers, das kann man sich nicht schön reden, haben mit 20 Ballverlusten beigetragen zu dieser Niederlage. Als Fan macht es Spaß, einem perfekt justierten Warriors-Team zuzuschauen - aber unterm Strich wäre es doch schöner, wenn beide Squads mitmachen würden. 22 Punkte Rückstand bedeuten aber eher Kapitulation als Gegenwehr.

Aus neutraler Sicht also hier die Bitte an die Cavs: Macht euch schleunigst Gedanken, ob ihr wirklich diesen kontroversen, eigenwilligen Weg gehen wollt! Es hat doch keinen Zweck.

Und so leid es uns tut: Jetzt liegt es allein an euch, ob die Polkappen des spannenden NBA-Basketballs weiter wegschmelzen. Oder ob uns doch nochmal das Blut in den Adern gefriert.


Einmal nachstreichen bitte!
Torben Siemer @LifeofTorben ... 113 Punkte bekamen die Cleveland Cavaliers in der Oracle Arena eingeschenkt, selbst erzielten sie nur 91. Alle vier Viertel gingen an die Golden State Warriors.

Kevin Durant ist weiterhin „a bad man“ und überragte mit 38 Punkten, acht Rebounds und acht Assists, auch Steph Currys blendende Playoff-Form lässt sich schon am Boxscore ablesen: 28 Punkte, zehn Assists, sechs Rebounds und drei Steals bei nur zwei Turnovers.

Bildlich für den klaren Ausgang des ersten Aktes von Warriors – Cavaliers III ist eine Szene im ersten Viertel. Einwurf Golden State an der Seitenlinie, Curry soll den Ball zurück ins Spiel bringen.

In der gegenüberliegenden Ecke steht LeBron James Durant gegenüber, schaut kurz zur Seite, und: Curry sieht das, spielt den Ball quer über das Feld, Durant lässt James ins Leere laufen und stopft den Ball ins Netz. 14-mal traf Durant insgesamt aus dem Feld, neun dieser Treffer waren entweder Dunk oder Layup.


56 Punkte erzielten die Gastgeber „in the Paint“, also in der Zone unmittelbar am Korb. Ein Team voller Jumpshooter seien die Warriors, sagt Charles Barkley noch heute. Seine Philosophie sind “easy baskets down low”, genau die erarbeitete das Team von Mike Brown sich.

31 Assists bei 45 Field Goals, 12 Steals und 21 Punkte aus gegnerischen Ballverlusten, 27 aus dem Fast Break. Und eben 56 aus der eingefärbten Zone. Die jetzt wohl etwas weniger gelb leuchtet.


Stille Helden
Christoph Lenz @NBAKenner ... Die großen Heroen dieses Auftakts waren schon im Vorfeld definiert. Jeder wusste, wer im Zentrum der Aufmerksamkeit von Fans, Medien und gegnerischer Spielvorbereitung stehen würde. Ohne Zweifel konnten die Herren Durant, Curry und James diese Rolle erfüllen.

Weniger im Fokus der Öffentlichkeit standen die stillen Helden, die sich diesmal vor allem auf der Seite der Sieger finden: In dieser Kategorie besonders hervorzuheben ist Klay Thompson, der beim ersten Blick auf den Boxscore einen gebrauchten Abend erwischte (nur sechs Punkte bei 3-16 FG).

Allerdings war sein Einfluss am defensiven Ende enorm. Dort konnte der ohnehin unterschätzte Verteidiger Thompson den hochmotivierten und von den Cavs als mögliche Geheimwaffe positionierten Kyrie Irving zu einer eher durchschnittlichen und unauffälligen Leistung zwingen.

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Auch als im ersten Viertel das ein oder andere Mal der körperlich deutlich überlegene Kevin Love nach einem Switch vor ihm stand, konnte sich Thompson behaupten. Sicher wird speziell von Klay Thompson im Rest der Serie offensiv mehr erwartet werden, aber mit solchen Leistungen in der Defensive leistet er einen enorm wichtigen Beitrag auf dem Weg zum erhofften Titel.

Ähnlich unterm Radar lief auch der Kurzeinsatz von JaVale McGee zu Ende des ersten Viertels ab. In fünfeinhalb Minuten packte McGee vier Punkte und fünf Rebounds in den Boxscore und trieb mit seiner Energie die Warriors zu acht Punkten mehr als die Cavs erzielten. Von da an war die Partie entschieden. Insbesondere im Vergleich zum eher unglücklich auftretenden Starter Zaza Pachulia wirkte der Warriors-Backup entschlossener und eher wie ein passender Bestandteil des Warriors-Spiels.

Auch in den noch folgenden drei bis sechs Partien wird es diese Art von stillen und unerwarteten Helden geben. Das Schöne daran ist, dass sie quasi nicht vorherzusagen sind. Aber versuchen kann ich es ja mal: Dass mit Tristan Thompson und JR Smith gleich zwei Cavs-Starter völlig abgemeldet waren, ist alarmierend, ebnet aber auch den Weg für mindestens einen der beiden, im Verlauf der Serie ein überraschend gutes Spiel zu zeigen.

Beide können sowohl defensiv als auch offensiv, auf jeweils völlig unterschiedliche Art und Weise, Einfluss auf den Ausgang eines der kommenden Aufeinandertreffen haben. Auf Seiten der Truppe aus Oakland ist mindestens noch Andre Iguodala zu nennen, den das stille Heldentum bereits in den 2015 Finals bis zum gar nicht mehr so stillen Finals-MVP Titel trug.

Noch eine Anmerkung zum “großen Ganzen”: So deutlich das Ergebnis auf dem Papier auch aussehen mag, lest euch vielleicht nochmal ein paar Artikel und Meinungen durch, die quer durch die NBA-Medienlandschaft nach Spiel eins und vor allem zwei der Finals 2016 verfasst wurden. Sicher ist da auch das ein oder andere Vorkommnis aus der Kategorie “unglaublich” ein Faktor gewesen, aber trotzdem: Nichts ist unmöglich! Nie!