25 Juni 2017

25. Juni, 2017



Eine interessante Draftnacht liegt hinter uns, die erst gegen Ende der Lottery erste Überraschungen parat hatte. Daher soll der Fokus dieser Zusammenfassung besonders auf einzelnen Picks der ersten und zweiten Runde sowie Einschätzungen zu der Wahlqualität einiger Franchises liegen.

von AXEL BABST @CoachBabst

1. Runde

#12 Luke Kennard, Detroit Pistons
Kennard kann sicherlich ein interessanter Rollenspieler in der NBA werden, da er als guter Schütze auch Playmaker Potenzial mitbringt. Somit passt er auch zu Stan Van Gundy. Allerdings gab es zu diesem Zeitpunkt mit Donovan Mitchell, O.G. Anunoby oder Justin Patton deutlich interessantere Kandidaten.

#13 Donovan Mitchell, Utah Jazz via Denver Nuggets
Nutznießer waren die Jazz, die sich in einem cleveren Deal Mitchells Dienste sichern konnten. Auf lange Sicht steckt in Mitchell das größte Potenzial im Vergleich zu Kennard oder dem an #11 gedrafteten Malik Monk. Mitchell passt hervorragend zu den Jazz und wird als 3-and-D-Prospect mit Playmaker Potenzial im Pick & Roll einen exzellenten Rollenspieler abgeben.

#14 Bam Adebayo, Miami Heat
Diese Entscheidung vom sonst so ausgefuchsten Pat Riley war doch sehr überraschend. Aus meiner Sicht gab es gute Argumente, gegenüber Adebayo neun andere Bigs vorzuziehen, die nach ihm gedraftet wurden. Über so manch einen Fall ließe sich sicher lange streiten, doch mindestens bei sechs sehe ich eigentlich keine allzu große Diskussionsgrundlage. Insofern war dieser Pick die erste wirklich große Überraschung und es wäre nicht verwunderlich, wenn einige Bigs, die später gezogen wurden, die besseren NBA Karrieren haben werden.

#16 Justin Patton, Minnesota Timbervoles via Chicago Bulls
Auch wenn sich gerade alles nur um Jimmy Butler dreht, sollte Justin Patton nicht zu sehr in den Hintergrund gedrängt werden. Nach Lauri Markkanen und Zach Collins ist der junge Big für mich der drittbeste Big des Drafts, da er über enormes Potenzial verfügt. Auf die Paarung mit Karl-Anthony Towns dürfen sich Anhänger der TWolves freuen. Die beiden ergänzen sich in der Theorie gut. Patton hat mehr Potenzial als Perimeter Spieler - offensiv wie defensiv. Towns ist dagegen der ideale Partner, um Pattons Schwächen beim Rebound auszugleichen. Das Experiment kann zwar in die Hose gehen, aber die Idee klingt verlockend.

#18 T.J. Leaf, Indiana Pacers
Ein weiterer Pick, der ein wenig Bauchschmerzen bereitet. Leaf wird defensiv eine Schwachstelle sein und muss offensiv beweisen, dass er wirklich den NBA Dreier trifft. Gelingt das nicht - und Skepsis ist angebracht - wird Leaf relativ schnell aus der NBA verschwinden.

#22 Jarrett Allen, Brooklyn Nets
Dass Allen zu diesem späten Zeitpunkt noch verfügbar war, war für die Nets ein Glücksfall. Zwar bestehen Zweifel an Allens Hingabe zum Spiel und ein dominanter Spieler wird er auch nie werden, doch als Rollenspieler, der einem Spiel durchaus eine Wendung geben und eine Partie verändern kann, hat Allen mehr zu bieten als viele andere Bigs des Drafts.

#23 O.G. Anunoby, Toronto Raptors
Auch wenn Anunoby von seinem tiefen Fall nicht begeistert war, wird er mit einigem Abstand feststellen, dass Toronto für ihn nicht die schlechteste Situation ist. Er kann sich in Ruhe an die NBA gewöhnen und bei optimaler Entwicklung der Edelstopper eines Teams mit guten Chancen auf das Conference Finale werden.

#26 Caleb Swanigan, Portland Trail Blazers
Vor zwei Jahren hätte ich es nicht für möglich gehalten, dass Swanigan mal in der ersten Runde gedraftet wird. Doch in diesen beiden Jahren hat er sein Spiel und seinen Körper derartig verändert, dass ich fest davon ausgehe, dass er ein solider NBA Spieler wird und in seiner Entwicklung noch nicht am Ende angelangt ist. Als nächstes stünde nach Wurf und Verbesserung der körperlichen Fitness die Defense auf der Agenda...

#29 Derrick White, San Antonio Spurs
Jedes Jahr das gleiche Spiel: Die Spurs finden Spieler, die perfekt zu ihnen passen und ihre Wahl wie den smartesten Pick des Drafts aussehen lassen. White wird sich durch seine Pick & Roll Stärke und Teamdienlichkeit relativ schnell als möglicher Nachfolger von Manu Ginobili aufdrängen - was allerdings nicht heißen soll, dass er Allstar wird. Das sehe ich bei aller Liebe vollkommen außer Reichweite.

#30 Josh Hart, Los Angeles Lakers via Utah Jazz
Einen besseren Rollenspieler gibt es vermutlich nicht in diesem Draft. Hart ist der Senior, den sich jeder Coach wünscht und wird direkt als Rotationsspieler seinen Part übernehmen.

Ein interessanter Nebenaspekt der ersten Runde war, dass viele Teams statt der eigentlich gehandelten Bigs Ende der ersten Runde ihr Glück lieber mit Stretch Vierern versuchten: So landeten Leaf, D.J. Wilson, Tyler Lydon und Kyle Kuzma in der ersten Runde. Allerdings stellt sich die Frage, ob diese Picks wirklich die richtigen Antwort auf die Small/Skill Ball Entwicklung sind.

Konsequenter wäre es eigentlich, Guards zu picken, die zusätzlich auch noch Drive und Perimeter Defense mitbringen. Das können einige der aufgeführten Spieler nicht mitbringen. Einige Guards/Wings, die an dieser Stelle verfügbar waren, rutschten in die zweite Runde.

2. Runde

#31 Frank Jackson, New Orleans Pelicans
Jackson ist einer der talentiersten Scoring Guards und wäre für so manches Team eine bessere Wahl gewesen, anstatt sein Glück mit einem vermeintlichen Stretch Vierer zu versuchen. Jackson ist ein sehr smarter Pick.

#32 Davon Reed, Phoenix Suns
Reed ist einer der fünf besten 3-and-D-Prospects. Ihn in der zweiten Runde zu erwischen, ist ein Steal für die Suns.

#33 Wesley Iwundu, Orlando Magic
Iwundu muss zwar den Dreier beweisen und passt dadurch nicht unbedingt zu den vorhandenen Wings des Kaders, doch als Point Forward bringt er noch gewisses Potenzial mit. Iwundu müsste einfach mal den Schalter umlegen und aggressiver spielen. Vielleicht gelingt ihm das nie und er wird die NBA binnen der nächsten zwei Jahre auf ewig verlassen, doch das Risiko kann sich lohnen.

#34 Frank Mason, Sacramento Kings
Mason hat die Mentalität, um sich in der NBA durchzusetzen. Auch wenn der Vergleich mit Isaiah Thomas in vielerlei Hinsicht unfair ist, drängt er sich für den Scoring Guard einfach doch auf. Dennoch wäre es schon ein Erfolg, wenn Mason ein ordentlicher Backup wird.

#35 Ivan Rabb, Memphis Grizzlies
Auch wenn Rabbs Sophomore Saison nicht gut war und der Sturz seines Draftswerts so nachvollziehbar wie bitter ist: Rabb hat immer noch Erstrundentalent und wird in der NBA besser aussehen als am College. Er muss Toughness beweisen und seine Rollenspieler Qualitäten ausbilden.

#37 Semi Ojeleye, Boston Celtics
Ojeleye ist ein ganz heißer Sleeper Kandidat. Er hat Power, trifft den Dreier, kann verschiedene Positionen verteidigen, spielt mit Feuer und Ehrgeiz und ist als Finisher ein Kraftpaket. Jeder will den nächsten Draymond Green finden, die Celtics sind in diesem Jahr am nächsten dran, ihn gefunden zu haben.

#38 Jordan Bell, Golden State Warriors via Chicago Bulls
Neben den Spurs gelang den Warriors der mehr oder weniger heimlich beste Deal des Abends. Bell passt als Rimprotector, der offensiv ein ausgezeichneter Passgeber und Finisher ist, wie die Faust aufs Auge zu den Warriors. Gerade sein Passing wird einfach immer noch nicht genug wertgeschätzt. Bell kann als Roller die Funktion eines Playmakers übernehmen - ähnlich wie Green oder Andre Iguodala.

#39 Jawun Evans, Los Angeles Clippers
Evans hätte auch Ende der ersten Runde gezogen werden können. Als Spielmacher im Pick & Roll und Organisator einer Offense ist er überragend und kann ein ordentlicher Backup werden.

#46 Sterling Brown, Milwaukee Bucks
Es ist verwunderlich, dass Brown nicht in der ersten Runde gepickt wurde und stattdessen erst in den Mittvierzigern gezogen wurde. Brown ist ein exzellenter 3-and-D-Spieler. Gerade seine Defense ist überragend.

#47 Ike Anigbogu, Indiana Pacers
Anigbogu ist roh und wenn sich die Bedenken bezüglich seines Knies bestätigen, dürfte seine Karriere von kurzer Dauer sein. Doch es wäre nicht verwunderlich, wenn sich Anigbogu hinter Myles Turner zu einem starken Rollenspieler entwickelt und als bester Pacers Pick des Drafts hervorgeht.

#48 Sindarius Thornwell, Los Angeles Clippers
Es gibt wenige bessere Verteidiger in diesem Draft als Thornwell. Er bringt Toughness und Leadership mit und kann sich fertiger Rollenspieler entpuppen.

#53 Kadeem Allen, Boston Celtics
Die Konkurrenz ist groß für Allen, doch der Rookie hat eine ganz klare Nische: Defense. In der vergangenen Saison war er vielleicht der beste Verteidiger der NCAA und ist sicherlich NBA tauglich in dieser Hinsicht.

#59 Jaron Blossomgame, San Antonio Spurs
Ähnlich wie Rabb ist Blossomgame ein riesiger Verlierer und stürzte im Vergleich zum Vorjahr katastrophal nach unten. Doch mit den Spurs hat er den perfekten Ort für sich erwischt. Korrigieren die Shooting Docs der Spurs den Wurf des Tweeners, ist Blossomgame plötzlich wieder ein 3-and-D-Rollenspieler in der NBA.

Viele der Picks der zweiten Runde sind in diesem Jahr interessant, weil sie auch problemlos Ende der ersten Runde zu ziehen gewesen wären. Spieler wie Mason, Bell, Brown, Ojeleye, Rabb, Thornwell und Evans lassen sich leicht als Rollenspieler in der NBA illustrieren.

Teams

Sacramento Kings: In der jüngeren Vergangenheit waren die Kings immer die Lachnummer der Draft und wurden für ihre Entscheidungen harsch kritisiert. In diesem Jahr waren die Picks aber sehr solide. Während es an De'Aaron Fox und Frank Mason wenig auszusetzen gibt, kann man über Justin Jackson und Harry Giles streiten, aber auch hier war die Wahl jeweils vertretbar. Dennoch wird Jackson seinen NBA Dreier beweisen müssen, da er sonst wenige NBA taugliche Skills besitzt, und auch Giles bedeutet ein hohes Risiko, dessen optimale Entlohnung aus meiner Sicht von vielen Medien und Portalen als zu hoch eingestuft wird.

Philadelphia 76ers: Abseits von Fultz haben sich die Sixers die drei interessantesten Internationals nach Frank Ntilikina gesichert. Anzejs Pasecniks hat eine Menge Potenzial als Big in der modernen NBA. Jonah Bolden traf im vergangenen Sommer die richtige Entscheidung mit seinem Wechsel nach Serbien. Er war zu UCLA Zeiten einer der interessantesten Prospects und für mich geeigneter für die NBA als ein Kevon Looney oder T.J. Leaf. Leider habe ich ihn in der vergangenen Saison nicht wirklich verfolgt, doch seine Entwicklung scheint hervorragend gewesen zu sein. Mathias Lessort kann als Stash-Kandidat in den kommenden Jahren zu einem Energizer auf NBA Level heranreifen - an #50 eine kluge Wahl.

Los Angeles Lakers: Lonzo Ball und Josh Hart in einem Team zu sehen, klingt unheimlich verlockend. Vermutlich ergibt keine andere Zweier-Konstellation der 60 gedrafteten Rookies einen höheren addierten Basketball-IQ-Wert. Auch Kyle Kuzma ist ein interessanter Pick, der in Larry Nance Jr. Manier für Überraschung sorgen kann. Einzig Thomas Bryant, der defensiv komplett überfordert in der NBA sein wird, trübt das Bild. Immerhin bringt er Shooting mit.

Boston Celtics: Jayson Tatum beiseite - den ich persönlich auch für den dritttalentiersten Spieler des Drafts halte - sind die Zweitrundenpicks extrem interessant. Semi Ojeleye und Kadeem Allen sind wie bereits dargestellt die heißesten Sleeper der zweiten Runde aus meiner Sicht.

Golden State Warriors: Dabei berücksichtige ich allerdings, dass Jordan Bell kein Sleeper ist. Er gehört in die erste Runde und wird das bei den Warriors beweisen, zu denen er perfekt passt, um das ein letztes Mal zu betonen.

Los Angeles Clippers: Die Clippers haben aus zwei Zweitrundenpicks das Optimum herausgeholt und mit Jawun Evans und Sindarius Thornwell zwei mögliche Rollenspieler zu späten Zeitpunkten wählen dürfen.

Phoenix Suns: Josh Jackson passt wunderbar zu dem jungen Kern der Suns und dürfte nun noch motivierter und ehrgeiziger sein, nachdem er sich selber offenbar auch Chancen auf den ersten Pick ausgerechnet hatte - zumindest solange Boston diesen noch besaß. Mit Davon Reed addieren sie einen exzellenten Spezialisten. Auch Alec Peters sollte nicht unerwähnt bleiben. Aus meiner Sicht trennt ihn von T.J. Leaf nicht viel. Ich persönlich würde sogar eher Peters als Leaf wählen, auch wenn ich bei beiden nicht von ihrer NBA Tauglichkeit überzeugt bin.

Portland Trail Blazers: Zach Collins und Caleb Swanigan gehören zu den besten Bigs des Drafts und werden beide solide NBA Spieler sein. Beide sind hungrig und werden sich auch noch weiterentwickeln. Das sind keine spektakulären Picks, aber auf jeden Fall grundsolide.

San Antonio Spurs: Derrick White und Jaron Blossomgame sind zwei exzellente Picks gemessen an der Draftposition. Bei White spielt die Position aber eigentlich keine Rolle. Er ist sowieso ein sehr interessanter Prospect.

Indiana Pacers: So richtig gut verlief der Draft für Indiana nicht. T.J. Leaf hat als Erstrundenpick enormes Bust Potenzial und Indiana wäre womöglich besser damit gefahren, einen 3-and-D-Experten wie Reed oder Brown oder einen talentierten Guard wie Jackson oder Mason zu ziehen. Ike ist wie bereits dargestellt ein interessanter Pick. Die Wahl von Edmond Sumner hinterlässt ebenfalls kein gutes Gefühl: Durch seinen Kreuzbandriss könnte seine Explosivität, die seine mit Abstand positiviste Eigenschaft ist, verringert haben.

Orlando Magic: Jonathan Isaac neben Aaron Gordon liest sich ein wenig redundant. Aus meiner Sicht ist Gordon wesentlich talentierter und Isaac war zu diesem Zeitpunkt nicht der talentierste Spieler unter den Verbliebenden. Dazu ließen sich die Magic den von ihnen gedrafteten Pasecniks abluchsen. Und auch bei Iwundu gibt es Fragezeichen, die größer sind als bei so manch anderem Spieler, der nach ihm gedraftet wurde.

Chicago Bulls: Den Butler Deal möchte ich gar nicht großartig bewerten, weil das die NBA Schreiber besser können. Bei Lauri Markkanen vertrete ich eine Minderheitenmeinung und halte ihn für wesentlich besser als Channing Frye oder Ryan Anderson. Sich dann aber Jordan Bell ausgerechnet von den Warriors abkaufen zu lassen, überschreitet dann doch die Grenze der Unfähigkeit.