20 Juni 2017

20. Juni, 2017


Am 22. Juni geht für 60 brandneue Rookies beim NBA Draft ein Lebenstraum in Erfüllung, wenn sie Commissioner Adam Silver bei den Big Boys willkommen heißt. Wir behalten eine unserer liebsten Traditionen hier bei NBACHEF bei und checken im Vorfeld die verheißungsvollsten Talente des Jahrgangs... in unseren patentierten Draft Spotlights.

von AXEL BABST @CoachBabst

Wes Iwundu ist einer der wenigen Seniors des kommenden Drafts und kann auf eine ereignisreiche College Karriere zurückblicken. Bereits in seinem ersten Jahr war der gebürtige Texaner ein wichtiger Bestandteils der Kansas State Wildcats. Er deutete sein Potenzial und seine Vielseitigkeit früh an, verpasste es in den folgenden Jahren aber sich so rasch zu entwickeln, dass er vorzeitig das College guten Gewissens verlassen konnte.

Gerade für K-State Coach Bruce Weber war das ein enormer Zugewinn, da sich in Iwundus vier Jahren die Kaderstruktur immer wieder veränderte und wichtige Spieler das Programm verließen. Iwundu war während der letzten vier Jahre die Konstante des Teams und übernahm entsprechend große Rollen.


In der vergangenen Saison war Iwundu dann genau der Leader, den eine junge Mannschaft um ihn herum brauchte, um in das NCAA Tournament einzuziehen. Iwundu tauchte zwar ab und zu unter, war aber in vielen entscheidenden Situationen zur Stelle und übernahm jede Aufgabe, die sich Coach Weber für seinen Allrounder vorstellen konnte.

Als einziger Spieler der Unigeschichte gelang es Iwundu im Rahmen seiner vierjährigen Anwesenheit über 1000 Punkte, 500 Rebounds, 300 Assists und 100 Steals zu verbuchen. Im Tournament führte Iwundu seine Farben zum Sieg über Wake Forest im Play-In Game, musste sich anschließend jedoch der geballten Defensivpower Cincinnatis beugen.


Offense
Iwundu ist besonders im Angriff ein unheimlich vielseitiger Spieler, der verschiedene Positionen bekleiden, Rollen ausfüllen und Aufgaben übernehmen kann. Dass er nicht der Star sein muss, hat er in seinen vier Jahren am College bewiesen. Selbst in der vergangenen Saison war Iwundu zwar der beste Spieler und Anführer seines Teams, ordnete sich dabei jedoch stets dem Team unter. Der Point Forward macht genau, was Trainer und Mitspieler erwarten und stellt sich für den Teamerfolg in den Dienst der Mannschaft.


Eine sehr wichtige Entwicklung im vergangenen Jahr war die Verbesserung seines Dreiers. In den ersten drei Jahren traf Iwundu insgesamt mickrige 19 Mal aus der Distanz. In der vergangenen Saison waren es plötzlich 32 erfolgreiche Dreipunktewürfe bei einer akzeptablen Quote (37,6 Prozent). Das ist zwar nur eine sehr geringe Stichprobenmenge und Zweifel sind weiter angebracht, doch ein Anfang ist getan.

Gerade technisch hat sich der Wurf enorm verbessert. Iwundus Armbewegung sieht viel sauberer aus, das Handgelenk klappt gerade ab. Auch die Koordination von Armen und Beinen verläuft wesentlich flüssiger. Einzig der Releasepunkt ist noch suboptimal, was dazu führt, dass Iwundu unter Bedrängnis Schwierigkeiten bekommen kann und der Wurf generell noch etwas zu flach Richtung Korb fliegt.

Neben seinem deutlich verbesserten Wurf ist Iwundus hoher Basketball IQ, der sich besonders in Pick & Roll Situationen erkennen lässt, ein Qualitätsmerkmal. Das Geschick des Wings in solchen Spielsituationen erinnert eher an einen Aufbauspieler. Dank seiner Größe überblickt er das Spielfeld und verteilt das Spielgerät maßgenau.

Iwundus Vorgehen ist grundsätzlich sehr geschickt. Er liebt den Stop-and-Go-Move, der dem Blocksteller Zeit zum Abrollen und - noch viel wichtiger - der Defense Zeit zum Begehen von Fehlern gibt. Ist die Defense hier eine Sekunde zu lang unentschlossen oder macht einer der beiden Verteidiger am Ball eine falsche Bewegung, bestraft Iwundu das sofort.

Eine Dimension, die Iwundu sich noch aneignen sollte, will er auch in der NBA häufiger mal das Pick & Roll als Ballhandler angehen, ist seine Gefahr gegen Switches zu erhöhen. Theoretisch hat Iwundu die Größe und Schnelligkeit, um Bigs zu attackieren, allerdings lässt er sich noch zu schnell zum Wurf verleiten oder bricht Aktionen einfach ab.

Bei Drives attackiert Iwundu am liebsten aus Closeouts, da ihm im Eins-gegen-Eins dann doch etwas die Schnelligkeit im ersten Schritt fehlt, um seinen Gegenspieler direkt am Perimeter stehen zu lassen. Das wäre insofern wichtig, als Iwundu leider kein guter Finisher bei Kontakt ist. Er weicht Verteidigern viel zu oft aus oder knickt in der Hüfte ein, wenn es physischer wird.

Iwundu blüht da eher als Passgeber auf. Er sieht das ganze Spielfeld, hat ein gutes Spielgefühl und ein noch besseres Timing.

Defense
Ähnlich wie im Angriff bringt Iwundu in der Verteidigung eine Menge interessanter Grundlage mit, die ihn theoretisch dazu prädestinieren, ein vielseitiger Verteidiger zu werden und mehrere Positionen in Schach halten zu können.


Spannweite, Athletik, Spielverständnis und Wille scheinen allesamt vorhanden zu sein. Allerdings besteht die Gefahr, dass Iwundu keine Position wirklich gut verteidigen kann. Denn gegen große und athletische Kontrahenten fehlt ihm oft die notwendige Physis. Nicht mal 200 Pfund bringt Iwundu auf die Waage, was ihn relativ zu seiner Größe als Fliegengewicht in der NBA klassifiziert.

Auch im Pick & Roll hat Iwundu oft ein Problem, wenn er sich um gut gestellt Blöcke herumkämpfen muss und darin hängen bleibt. Nach Switches kann er viele Bigs zwar stören und weiß dabei seine langen Arme geschickt einzusetzen, doch gegen clevere Roller sieht er keinen Stich.

Gleichzeitig fehlt Iwundu am Perimeter etwas die Schnelligkeit, um Guards dauerhaft an der Penetration in die Zone zu hindern. Hier wäre es wichtig, dass Iwundu seinen Körperschwerpunkt etwas nach unten verlagert, um mobiler zu sein.

ABs Pick
Wes Iwundu ist ein genialer Allrounder, den jedes Team irgendwie gebrauchen kann. Die Frage, die sich allerdings stellt, ist, ob es für einen Rollenspieler nicht zweckmäßiger wäre, auf einem bestimmten Gebiet ein Spezialist zu sein.

Im Idealfall findet Iwundu seine Nische als Ballhandler und Allrounder einer zweiten Garde, wobei er ab und zu den Ball bringt und Pick & Rolls läuft, seine Qualitäten als Cutter unter Beweis stellt und sich defensiv als variabel und zuverlässig erweist. Andre Iguodala wäre hier wohl der absolute Best Case.

Auf der anderen ist es durchaus möglich, dass Iwundus Dreier sich nie als zuverlässig erweist, er defensiv zu schmächtig für Bigs und zu langsam für Guards erweist. In dieser Variante verschwindet er relativ schnell in der Versenkung und landet schließlich in Europa. Der Name Zoran Planinic wabert mir bei diesem Szenario durch den Kopf.