22 Juni 2017

22. Juni, 2017


Am 22. Juni geht für 60 brandneue Rookies beim NBA Draft ein Lebenstraum in Erfüllung, wenn sie Commissioner Adam Silver bei den Big Boys willkommen heißt. Wir behalten eine unserer liebsten Traditionen hier bei NBACHEF bei und checken im Vorfeld die verheißungsvollsten Talente des Jahrgangs... in unseren patentierten Draft Spotlights.

von AXEL BABST @CoachBabst

Kaum ein anderer Spieler profitierte im vergangenen Jahr derartig von Lonzo Ball wie T.J. Leaf. Die beiden Freshmen der Bruins befruchteten das Spiel des jeweils anderen und durch den medialen Hype und gute Leistungen in den richtigen Spielen, konnte sich Leaf auch einem breiteren Publikum erstmals präsentieren.

Zuvor war sein Name zwar immer wieder auf den Recruiting Listen aufgetaucht, doch letztlich gab es auf seiner Position und in diesem starken Jahrgang einfach zu viel Konkurrenz, um sich dauerhaft ins Gespräch zu bringen.


Ursprünglich hatte der Power Forward sich für Arizona als College Standort entschieden. Im Sommer 2015 fanden jedoch die Tryouts für die Weltmeisterschaft der U19-Auswahl der USA statt, die von Arizona Coach Sean Miller geleitet wurden. Miller entschied sich dagegen, Leaf für die WM mitzunehmen.

Stattdessen lief er für die israelische Auswahl bei der U18 B-Europameisterschaft auf, was ihm durch seine Geburt in Tel Aviv möglich war. Im Zuge dieser Geschehnisse nahm Leaf seine Zusage für Arizona zurück und entschloss sich wenige Monate später stattdessen zu den Bruins zu wechseln.

Im Nachhinein war diese Entscheidung genau richtig. Leaf spulte ein starkes Freshman Jahr ab, in dessen Verlauf die Bruins zu einem der attraktivsten Teams der NCAA aufstiegen. Gegen Teams wie Kentucky oder auch Arizona konnte Leaf zeigen, dass er gegen die gleichaltrige Konkurrenz mindestens mithalten kann. Der Entschluss zur Draftanmeldung war angesichts des momentan positiven Feedbacks nur die logische Konsequenz.


Offense
Wenn sich Leaf in der NBA eine Rolle erspielen möchte, dann muss er das in erster Linie über seine Offense versuchen. Die Frage, die sich in vielen Bereichen allerdings stellt, ist: Kann er Fähigkeiten, die er am College in jedem Spiel demonstrierte, auf das Spiel in der NBA übertragen?


Oft wird Leaf eine Rolle als Stretch Vierer zugeschrieben, die seine Nische in den kommenden Jahren bilden könnte. Doch bereits hier ist Skepsis angebracht. Auf den ersten Blick mag das angesichts einer Dreierquote von 46,6 Prozent irrwitzig klingen, doch schaut man sich den Wurf dann in den Spielen an und beobachtet die Entstehungsweise seiner Dreier, zeigen sich relativ schnell Schönheitsflecken.

Leafs Wurf ist relativ statisch und gleicht eher einem Freiwurf mit einem kleinen Sprung, als einem richtigen Sprungwurf. Dadurch muss er viel Kraft aus den Armen aufwenden, was dafür sorgt, dass viele seiner Fehlwürfe zu kurz und/oder zu flach sind. Mit der NBA Range wird Leaf auf jeden Fall Probleme bekommen und seinen Wurf umstellen müssen. Schon am College bevorzugte Leaf eher den Eckendreier, den er in der NBA dann vielleicht ohne größere Probleme treffen kann.

Neben seinem Wurf war am College das Spielverständnis die zweite große Stärke in Leafs Offense. Diese Intelligenz sollte sich auch tatsächlich auf die NBA übertragen lassen. Leaf ist ein guter Cutter, trifft gute Entscheidungen bei Closeouts und bewegt sich abseits des Balls so, dass er immer angespielt werden kann.

Allerdings wird ihm auch das nicht viel bringen, wenn er sich als Finisher nicht verbessert. Dafür fehlt allerdings die notwendige Athletik und Kraft im Rumpfbereich. Leaf bewegt sich sehr hüftsteif und lebt von seinem Touch. Auch bei Postups oder Drives nach Closeouts wird Leaf in dieser Hinsicht arge Probleme bekommen.

Defense
Richtig problematisch wird es dann aber erst in der Defense, die ihn tatsächlich so sehr limitiert, dass er in der NBA keine realistische Chance hat, mehr als überhaupt ein Rollenspieler zu werden.


Ihm fehlt die Schnelligkeit, Fußarbeit und defensive Grundhaltung, um Gegenspieler der Positionen Eins bis Vier am Perimeter kontrollieren zu können. Bei den Bruins war das im Zweifelsfall egal, weil sie mehr Punkte als ihre Gegner erzielten oder einfach auf eine 3-2-Zone umstellen konnten. In der NBA wird das aber nicht funktionieren und erst recht nicht praktiziert.

Auch im Pick & Roll hat Leaf schlechte Karten. Selbst die wenigen Augenblicke und Meter, die Leaf hier in der Lage sein muss, einen Guard am Durchbruch zu hindern, scheinen zu viel für den Power Forward zu sein. Ohne große Mühe ziehen Guards an ihm vorbei. Switches kommen entsprechend nicht in Frage.

Als Teamverteidiger ist Leaf oft unaufmerksam und uninspiriert. In der Transition Defense trottet er bloß zurück und macht selten Anstalten, schnelle Punkte verhindern zu wollen. Ein Rimprotector ist Leaf auch nicht.

Insgesamt hat Leaf eigentlich nur dann in der Verteidigung eine Chance, wenn er einen ähnlichen Spielertypen am Dreier hindern muss oder gegen kleinere Gegenspieler seine Größen- und Längenvorteile einbringen kann.

ABs Pick
Es fällt schwer T.J. Leaf als etablierten NBA Rollenspieler zu sehen. Die defensiven Schwächen sind einfach viel zu offensichtlich und wurden selbst von mittelmäßigen College Teams aufgedeckt.

Dass NBA Teams mit ihren Scouting Abteilungen sich den Vorteil nicht gnadenlos zu Nutze machen, ist ausgeschlossen. Umso entscheidender ist, dass Leaf es schafft, seinen Dreier in die NBA zu retten und als Finisher kreativer wird, um fehlende Athletik auszugleichen.

Im besten Fall könnte Leaf wohl in die Richtung eines Troy Murphys evolvieren. Läuft es schlecht, kommt am Ende ein zweiter Austin Croshere bei raus.