21 Juni 2017

21. Juni, 2017


Am 22. Juni geht für 60 brandneue Rookies beim NBA Draft ein Lebenstraum in Erfüllung, wenn sie Commissioner Adam Silver bei den Big Boys willkommen heißt. Wir behalten eine unserer liebsten Traditionen hier bei NBACHEF bei und checken im Vorfeld die verheißungsvollsten Talente des Jahrgangs... in unseren patentierten Draft Spotlights.

von AXEL BABST @CoachBabst

Das NCAA Final Four 2017 war ein ganz besonderes. Gonzaga und speziell Mark Few konnten die lange Durststrecke beenden und erstmals diese prestigeträchtige Runde erreichen. Oregon konnte sich ebenfalls qualifizieren, womit sich gleich zwei Teams der Westküste für das erste Final Four westlich von Texas seit knapp 20 Jahren qualifizieren konnten. North Carolina als einer der Favoriten war keine große Überraschung, der kleine Nachbar South Carolina hingegen umso mehr.

Es ist der zwischenzeitliche Höhepunkt in der Karriere von Sindarius Thornwell und der Lohn harter Arbeit. Als Frank Martin das Programm 2012 übernahm, musste er mühsame Aufbauarbeit leisten. South Carolina hatte keine große Historie vorzuweisen. Sindarius Thornwell war einer der ersten Rekruten der Martin Ära, die schon nach fünf Jahren zur erfolgreichsten der Universität gezählt werden kann.


Jedes Jahr wurden die Gamecocks besser und jedes Jahr konnte sich der einheimische Thornwell individuelle entwickeln. In einer defensivorientierten Mannschaft war Thornwell schnell der bissigste und unangenehmste Verteidiger, der sich jedoch auch offensiv stetig entwickeln konnte.

Als Junior hatte Thornwell das beste Team seiner Laufbahn um sich versammelt und ein grandioser Start in die Saison schien die Tournament Teilnahme zementiert zu haben. Doch eine schwache Conference, unnötige Niederlagen und ein enttäuschendes Finish machten den Gamecocks einen Strich durch die Rechnung.

Als Senior war Thornwell plötzlich die unangefochtene erste Option im Angriff, musste seine Rolle und sein Standing im Team komplett verändern. Er meisterte die Aufgabe als Leitwolf souverän. Statt 13,4 Punkten pro Spiel, standen auf einmal durchschnittlich 21,4 Punkte auf dem Statistikbogen.

Die Auszeichnung zum SEC Spieler des Jahres und seine erste Tournament Teilnahme waren erste Belohnungen. Der Run im Tournament, in dessen Verlauf beispielsweise Krösus Duke rausgeworfen wurde, verleihte Thornwells College Karriere einen würdigen Abschluss.


Offense
Wie bereits angesprochen konnte sich Thornwell in der vergangenen Saison massiv steigern, was auch durch die deutlich größere Rolle bedingt war. Obwohl die gegnerische Verteidigung Thornwell so viel Aufmerksamkeit zukommen ließ wie nie zuvor, steigerte Thornwell nicht nur seine Produktivität, sondern auch seine Effizienz.


Erstmals in seinen vier Jahren traf Thornwell mehr als 40 Prozent seiner Würfe aus dem Feld. Die Dreierquote stieg auf 39,5 Prozent bei fast zwei Treffern pro Begegnung. Über acht Mal durfte Thornwell pro Begegnung an die Linie gehen und seine Freiwürfe versenken - der Topwert der Draft Class.

Der Hauptgrund - unter vielen - für diese sensationelle Entwicklung liegt in Thornwells spielerischer Evolution. Gerade als Schütze konnte sich der Flügelspieler massiv steigern. Die Technik und der ganze Bewegungsablauf sehen mittlerweile ungemein flüssig und natürlich aus.

Zwar wirft er immer noch ein wenig zu sehr aus dem Oberkörper, was in der NBA eine weitere Umstellung nötig machen würde, doch das Handgelenk und die Koordination von Arm- und Beinbewegung sind stark verbessert. Konstanz und NBA Range muss Thornwell noch beweisen, aber grundsätzlich ist Optimismus angebracht.

Die neugewonnene Wurfsicherheit eröffnet Thornwell ganz neue Dimensionen, die besonders wichtig sind, wenn er sich als Rollenspieler in der NBA durchsetzen will. Thornwell kann nun beispielsweise Closeouts besser attackieren, da Verteidiger seinen Wurf respektieren müssen.

Grundsätzlich wird Thornwell ein Energizer bleiben, der beste Rollenspieler Eigenschaften und Skills mitbringt. Im Fastbreak besetzt er die Außenspuren und ist ein guter Finisher. Notfalls kann er nach einem Rebound auch selber den Ball bringen und das Spiel schnell machen. Dank seiner langen Arme und seiner Athletik ist Thornwell immer dafür gut, sich am offensiven Brett einen Putback zu erarbeiten.

Zudem ist Thornwell ein smarter Spieler, der Fehler der Defense gut liest. Er kann als Cutter im Rücken der Defense für Gefahr sorgen oder andersrum als Passgeber seine gute Übersicht unter Beweis stellen. Würfe für Mitspieler kreiert er zwar nicht, doch wenn diese sich gut bewegen oder ihre Bewacher einnicken, ist Thornwell für einen Assist gut.

Im Eins-gegen-Eins sollte sich Thornwell aber möglichst nicht versuchen. Dafür reichen seine Skills dann doch nicht. Sein Ballhandling ist zu nachlässig, der erste Schritt fehlt und auch als Finisher und Shotmaker hat sich Thornwell bisher eher nicht hervorgetan.

Bei aller Euphorie sollte zudem nicht unterschlagen werden, dass Thornwell als Senior sehr viel Zeit auf der Power Forward Position verbrachte und damit oft Mismatches ausnutzen durfte. Das wird er in der NBA nicht mehr können.

Defense
Das Markenzeichen von Sindarius Thornwell bleibt jedoch die Verteidigung, in der er Toughness, Wille, Physis und Cleverness kombiniert. Während seiner vier Jahre war einer der besten Verteidiger der Conference und durfte sich - Kentucky sei dank - mit vielen NBA Spielern messen.


Gerade im Eins-gegen-Eins gegen NBA Wings sollte sich Thornwell relativ schnell als Verstärkung erweisen und seine Aufgaben zufriedenstellend erfüllen. Selbst in seinem Senior Jahr, in dem er offensiv die Hauptlast tragen musste, war öfter mal zu beobachten, dass Coach Martin seinen Musterschüler auf den besten Scorer des Gegners ansetzte. Solche Spezialaufträge liebt Thornwell.

Mit seiner Länge kann er in vielen Passwegen stören und Würfe verändern. Das gilt sowohl am Perimeter im direkten Duell mit einem Kontrahenten als auch für die Verteidigung von Postups oder in Situationen im Teamverbund.

Einzig die Pick & Roll Defense könnte ein wenig Besorgnis erregen, da Thornwell sich hier doch ein wenig zu leicht vom Ballhandler abschütteln lässt. Notfalls wäre permanentes Switchen eine Überlegung wert, doch für einen Rollenspieler wird ein NBA Trainer sicher nicht die Bekämpfung des Pick & Roll verändern.

ABs Pick
Thornwells Nische liegt in der 3-and-D-Rolle. Dass er das D ausfüllen kann, sollte nicht zu bestreiten sein und relativ schnell erkennbar werden. Den Dreier muss Thornwell allerdings noch beweisen.

Die größere Entfernung könnte sich als unüberbrückbares Hindernis herausstellen. Ansonsten sollte Thornwell weiter daran arbeiten, seine Effizienz zu erhöhen, indem er seine Wurfauswahl optimiert.

Läuft alles nach Plan, könnte Thornwell Josh Richardson nacheifern, der ebenfalls als SEC Spieler lange Jahre sehr solide spielte, eine exzellente Senior Saison hatte und seine Chance in der NBA nutzen konnte.

Scheitert Thornwell jedoch daran, einen gescheiten Dreier zu entwickeln, wäre der Senior Trenton Hassell sehr ähnlich.