22 Juni 2017

22. Juni, 2017


Am 22. Juni geht für 60 brandneue Rookies beim NBA Draft ein Lebenstraum in Erfüllung, wenn sie Commissioner Adam Silver bei den Big Boys willkommen heißt. Wir behalten eine unserer liebsten Traditionen hier bei NBACHEF bei und checken im Vorfeld die verheißungsvollsten Talente des Jahrgangs... in unseren patentierten Draft Spotlights.

von AXEL BABST @CoachBabst

College Coaches probieren vieles, um sich die Dienste ihrer liebsten Rekruten zu sichern. Dass ein Trainer jedoch seine gesamte College Mannschaft dazu verdonnert, sich ein High School Spiel des heiß begehrten Teenagers anzusehen, ist dann doch eine besondere Ehre.

Genau diese Strategie fuhr Arkansas Headcoach Mike Anderson mit seinen Razorbacks, um sich die Dienste des aus dem Staat Arkansas stammenden Malik Monk zu sichern. Am Ende war jedoch alle Mühe vergebens: Monk entschied sich gegen Arkansas und folgte stattdessen dem Ruf von John Calipari nach Kentucky.


Dort bildete der passionierte Scorer eines der gefährlichsten Guard Duos der vergangenen NCAA Saison zusammen De'Aaron Fox. Die Strategie und Aufgabenverteilung in dieser Konstellation war von Beginn an klar verteilt. Während Fox für schnelle Fastbreak und ordentliche Defense sorgen sollte, war Monk die Rolle des brandgefährlichen Scorers zugedacht.

Dieser Plan ging besonders zu Saisonbeginn perfekt auf. In einem der besten NCAA Spiele der Saison legte Monk gegen UNC sportliche 47 Punkte auf, versenkte acht Dreier und konnte mit zwei besonders wilden Distanzwürfen für den Turnaround und somit den Sieg in den letzten Minuten sorgen. Über die ganze Saison hinweg bestach Monk als verlässlicher Scorer, der abgesehen von einer zwei Spiele andauernden Schwächephase im März in jedem Spiel zweistellig punktete.


Offense
Monk ist einer der besten Scorer des Drafts. Bezogen auf College Ebene lassen sich einige Argumente finden, die dafür sprechen, dass Monk sogar der beste Scorer der diesjährigen Draft Class ist. Es stellt sich nun die Frage, inwiefern er seine Fähigkeiten auf das Spiel in der NBA übertragen kann. Zwar gab es ähnliche Bedenken vor seiner Freshman Saison, allerdings betrafen diese eher seine Wurfauswahl und Effizienz.


Dieses Mal geht es vor allem darum, ob Monk überhaupt groß genug ist, um seine Würfe zu verwandeln. Denn Monk lebt sehr von seinem Sprungwurf. Als Guard mit knapp über 1,90m Körpergröße wird er jedoch primär als Shooting Guard auf dem Parkett stehen und somit von größeren und längeren Gegenspielern verteidigt werden.

Monks Wurf ist durchaus eine Augenweide, gerade auch weil er sehr hoch in der Luft steht und selbst bei schnöden Dreiern wie ein überragender Athlet aussieht. Zusätzlich trifft er mit dieser ansehnlichen Technik auch sehr zielsicher. 104 Dreier fanden in der vergangenen Saison ihr Ziel bei einer Quote von 39,7 Prozent.

Neben der Vielzahl an erfolgreichen Würfen sticht vor allem die variantenreiche Entstehungsweise der Dreier hervor. Monk kann aus dem Catch & Shoot, aus Screens kommend, als Pullup, in der Isolation oder in der Transition Distanzwürfe einstreuen. Der Schwierigkeitsgrad scheint ihm dabei egal zu sein. Ohne lange zu zögern nimmt der Scorer seine Würfe und kann durch diese schnelle Entscheidungsfindung den Wurf schon Richtung Korb schicken, ehe der Verteidiger ihn so richtig stört.

Als zweite wichtige Säule seines Scoring ist Monk ein exzellenter Transition Spieler. Im offenen Feld kann er seine Geschwindigkeit, Athletik und seine Moves als Finisher verwenden. Monk kann dabei entweder als Sprinter die Außenspur besetzen und die Defense überflügeln oder selber den Ball nach vorne pushen.

Bei letzterem zeigt er clevere Tempovariationen und ungeahnte Qualitäten als Ballhandler. Sein In-and-Out-Dribbling ist tödlich. Bei Abschlüssen präsentiert er seine Athletik und hat speziell den Eurostep für seine Zwecke entdeckt.

Abseits von Dreier und Transition wird es dann aber schon mager. Im Eins-gegen-Eins fehlt Monk die Größe und die Kraft, um an seinem Gegenspieler vorbei in die Zone zu ziehen und dort zu finishen. Auch als Pick & Roll Spieler ist Monk niemand, der gerne zum Korb zieht und Fehler der Defense bestraft.

Immerhin hat er einen soliden Floater, mit dem er Closeouts bestrafen kann. Auf Dauer wird das jedoch nicht reichen, um sich als elitärer Scorer in der NBA zu etablieren.

Ein Playmaker für seine Mitspieler ist er ebenfalls nicht. Einzig im Pick & Roll beweist er ungeahnte Court Vision und kann auch mal trickreiche Anspiele auf den Roller oder auf die Weakside an den Mann bringen - zumindest solange die Defense ihn nicht doppelt.

Defense
In der Verteidigung ist die Schnelligkeit dasjenige Werkzeug, welches für die Chance für Monk aufrecht erhält, zumindest ein durchschnittlicher Verteidiger auf NBA Niveau zu werden. Besonders seine geringe Körpergröße ist einfach ein limitierender Faktor.


Monk hat prinzipiell den Speed, um im Eins-gegen-Eins vor seinem Gegenspieler zu bleiben und dabei sogar Druck auf den Ballhandler auszuüben. Doch viel zu selten ist er fokussiert und will wirklich die Punkte verhindern. Stattdessen spekuliert er lieber darauf, dass er mit seinen schnellen Händen irgendwie den Ball stealen kann.

In Passwegen gelingt es ihm in der Tat relativ häufig, schwache Anspiele abzufangen und sich auf den Weg zum anderen Korb zu machen. Relativ oft geht der Stealversuch aber auch in die Hose und seine Mitspieler müssen retten, was noch zu retten ist.

In der Pick & Roll Defense und grundsätzlich bei Blöcken aller Art, ist Monk ein Risiko für die eigene Verteidigung. Denn Monk fehlen Muskelmasse und Toughness, um sich um Blöcke zu kämpfen, was die Hilfe des Bigs nötig macht. Switchen ist ebenfalls keine gute Idee, da Monk gegen Bigs einfach auf verlorenem Posten steht.

Als Teamverteidiger ist Monk zwar smart genug, um Rotationen zu verstehen, aber oft guckt er nur dem Ball hinterher und sieht überhaupt nicht, dass er gerade komplett die Bindung zu seinem Gegenspieler verliert.

ABs Pick
Über weite Strecken der Saison galt Malik Monk als Top10 Pick. Allerdings gibt es aus meiner Sicht wenige Argumente, die dafür sprechen, dass Monk eines der zehn besten Talente dieses Jahrgangs ist.

In der späten Lottery kann ein Team sicherlich einen Pick dafür einsetzen, einen möglichen Instant Scorer für die Bank zu gewinnen. Doch dass aus Monk mehr als ein solider sechster Mann wird, scheint eher unrealistisch zu sein. Dafür fehlen ihm die Skills als Playmaker, die Größe als Scorer und das Interesse in der Defense.

Ein NBA-Spieler, dem Monk nacheifern könnte, ist Lou Williams, der sich als Bankmikrowelle eine Nische erspielt hat. J.R. Smith wäre als athletischer Shooter der mit Abstand bestmögliche Vergleich, den Monk sich zum Vorbild nehmen könnte. Doch das scheint schon sehr hoch gegriffen zu sein.

Die beiden ähneln sich zwar in ihrer Mentalität, doch Smith ist einfach einen Kopf größer, was ein entscheidender Unterschied ist, wenn Monk ähnlich oft seinem Gegner freche Dreier ins Gesicht werfen will. Leandro Barbosa scheint am anderen Ende der Entwicklungsleiter ein weitaus realistischerer Fall zu sein.