22 Juni 2017

22. Juni, 2017


Am 22. Juni geht für 60 brandneue Rookies beim NBA Draft ein Lebenstraum in Erfüllung, wenn sie Commissioner Adam Silver bei den Big Boys willkommen heißt. Wir behalten eine unserer liebsten Traditionen hier bei NBACHEF bei und checken im Vorfeld die verheißungsvollsten Talente des Jahrgangs... in unseren patentierten Draft Spotlights.

von AXEL BABST @CoachBabst

Seit einigen Jahren gilt Josh Jackson als eines der größten Talente des Jahrgangs und somit als ein Grund mit dafür, warum der diesjährige Draft als so stark eingestuft wird. Jackson dominierte während seiner High School Zeit nach Belieben.

Zusätzlich konnte er mit den U17- und U19-Mannschaften der USA 2014 und 2015 jeweils die Goldmedaille bei den Weltmeisterschaften einheimsen. Jackson wurde von allen wichtigen College Programmen umringt und es bildete sich ein enges Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Michigan State und Kansas heraus. Am Ende entschied sich der Wing für die Jayhawks.


Dort sorgte Jackson mit seiner Ankunft dafür, dass Bill Self von seiner geliebten 3-out-2-in-Offense abrückte und stattdessen vermehrt mit vier Außenspielern und einem einzelnen Big Man spielen ließ. Das erwies sich anfangs für alle Beteiligten als ungewohnt, funktionierte jedoch mit zunehmenden Saisonverlauf immer besser.

Die Jayhawks kristallisierten sich als das beste und konstanteste College Team der Saison heraus und konnten vollkommen verdient vorzeitig den dreizehnten Big12 Titel in Folge feiern, was die Einstellung des Rekords der meisterhaften UCLA Bruins bedeutete.

Auch im Tournament dominierten die Jayhawks nach Belieben in den ersten Runden und schienen auf Titelkurs zu sein. Doch im Elite Eight konnten Jackson und seine Kollegen nichts gegen Jordan Bell und Tyler Dorsey ausrichten, die im Zusammenspiel die Jayhawks aus dem Turnier warfen.


Offense
Josh Jackson ist ein Allrounder, der ein Spiel auf mehrere Weisen beeinflussen kann. Er muss nicht 20 oder 30 Punkte erzielen, um dafür sorgen, dass sein Team als Sieger den Court verlässt. Stattdessen kann er auch Mitspieler in Szene setzen, sich per Putbacks oder Cuts Punkte erarbeiten oder für seine Teamkameraden Lücken reißen.


Dank seiner Athletik ist Jackson in der Transition nicht aufzuhalten. Nach einem Defensivrebound, von denen er viele holt, kann er selber den Ball schnell nach vorne treiben und per Dunk oder Layup Coast-to-Coast finishen. Die Mischung aus kraftvollen Abschlüssen über Ringniveau und eleganten Euro- und Sidesteps gibt einen ersten Eindruck, über welches Arsenal Jackson verfügt. Genauso gut ist Jackson, wenn er die Außenspur besetzt.

Im Halbfeld fällt Jackson ebenfalls in erster Linie durch seinen Drive auf. Zwar ist sein Ballhandling - speziell mit der linken Hand - noch ausbaufähig, doch wenn er in geeignete Situationen gebracht wird, lässt er sich von keinem Verteidiger aus der Zone raushalten. Bei den Jayhawks attackierte Jackson besonders aus Handoffs oder gegen Closeouts.

Jackson ist durchaus schnell, kann aber viele Gegner nicht mit seinem ersten Schritt schlagen, weil sie immer noch Abstand halten und ihm lieber den Wurf geben. Jackson hat sich als Gegenstrategie angewöhnt, zwei kurz aufeinanderfolgende Crossover auszuführen. Sobald die Verteidiger auf den ersten reagieren und entsprechend ihr Körpergewicht verlagern, lässt Jackson den zweiten Handwechsel blitzschnell folgen.

In der Zone ist er trotz seiner schmächtigen Statur ein exzellenter Finisher. Mit der linken Hand hat er allerdings noch Probleme. Besonders wenn er mit vollem Tempo den Korb attackiert, kann es passieren, dass er aufgrund seines ausbaufähigen Ballhandlings außer Balance gerät und das mit seiner linken Hand beim Abschluss nicht mehr korrigieren kann.

Seine Drives und Ballhandling würden ihm wesentlich einfach fallen, wenn Verteidiger nicht länger absinken und ihm den Wurf überlassen. Tatsächlich war der Dreier die größte Sorge, die Scouts vor der Saison in Jacksons Spiel finden konnten. In der Saison konnte Jackson seinen Wurf technisch enorm aufwerten. 

Er sieht immer noch nicht unbedingt schön aus, allerdings ist die Wurfbewegung wesentlich flüssiger und Jacksons Handgelenk sieht natürlicher aus. Auch in den Quoten spiegelt sich diese Entwicklung wider: In der ersten Saisonhälfte warf Jackson 9/38 Dreiern, im Anschluss stieg die Quote auf 25/52. In der NBA muss Jackson nun beweisen, dass er seinen Wurf tatsächlich verbessern konnte und den Dreier auch in der NBA trifft.

Von Jacksons Wurfstärke wird abhängen, wie dominant er als NBA Spieler werden kann. Ohne einen verlässlichen Wurf werden viele Facetten seine Spiels deutlich an Effizienz verlieren. Zudem ist die Frage, wie ein Spieler in der modernen NBA ohne Wurf überleben will.

Neben seinem Scoring ist Jackson ist ein grandioser Passgeber und Playmaker für seine Mitspieler. Er kann mit beiden Händen gleichwertig passen, überblickt das ganze Feld und hat durchaus den Mut zum Killerpass, der drei Verteidiger auf einmal aus der Aktion herausnimmt.

Defense
Von allen Top Prospects ist Jackson mit Abstand der beste Verteidiger und derjenige, der in der NBA ein Two-Way-Player auf sehr hohem Niveau sein wird. Auch an diesem Ende des Feldes besticht Jackson durch Variabilität, Energie und Leadership Qualitäten. Er ist einer dieser seltenen Spieler, die auch am defensiven Ende des Feldes mal ein spielentscheidendes Play erreichen.


Besonders in der Eins-gegen-Eins-Defense am Ball ist Jackson eine wahre Pest. Er ist immer in einer tiefen Grundhaltung, nutzt aktiv seine schnellen Hände und versucht den Ballhandler jederzeit unter Druck zu setzen. Sobald der ballführende Spieler nur einen Moment unaufmerksam ist, stürzt sich Jackson auf das Spielgerät und packt entschlossen mit beiden Händen zu oder versucht den Ball beim Dribbling aus der Hand zu schlagen.

Allerdings gibt es auch für Jackson noch Raum für Verbesserungen. Gegen Schützen hat er beispielsweise noch oft den Arm zu weit unten. Bei kräftigen Wings in der NBA oder sogar Bigs werden Jackson einige Kilos auf den Rippen fehlen. Er ist zwar kräftiger als seine Statur vermuten lassen würden, doch das alleine wird nicht ausreichen.

In der Pick & Roll Defense ist Jackson aufgrund seiner Variabilität ebenfalls bestens aufgehoben. Er kann switchen, den Ballhandler unter Druck setzen oder Pässe durch seine aktiven Hände abfangen. Probleme bereiten ihm noch die Recovery als Verteidiger eines abrollenden Bigs und grundsätzlich die Fähigkeit, sich über Blöcke zu kämpfen.

Als Teamverteidiger kann Jackson sogar den Ring beschützen und Würfe blocken. Zudem hat er eine Nase dafür, wann er in einen Passweg sprinten und sich so einen einfachen Eins-gegen-Null-Layup ergaunert. Dabei darf er nicht zu oft aus dem Teamkonzept ausbrechen und gamblen.

ABs Pick
Josh Jackson ist einer Topspieler des kommenden Drafts. Dass er nicht mindestens ein solider Starter wird, ist nahezu ausgeschlossen. Dafür ist Jackson einfach zu vielseitig einsetzbar und ehrgeizig. Müsste aus dem Draft Pool ein Spieler benannt werden, der unbedingt gewinnen will, sollte der Name Jackson als erstes und ohne zu zögern fallen.

Die Frage wird sein, wie gut Jackson sich als Dreierschütze entwickelt und welche Position für ihn am besten geeignet ist. Als Stretch/Playmaking Vierer wie bei Kansas wird Jackson wohl aufgrund seiner eher schmächtigen Statur wohl keine Zukunft haben, wobei sich die NBA auch ganz schnell in eine solche Richtung entwickeln kann.

Jacksons Upside ist im Vergleich zu den anderen Optionen auf den ersten Pick nicht die größte, weil er mindestens ein halbes Jahr, in einigen Fällen sogar 15 Monate älter als seine Konkurrenten ist. Jackson wäre daher ab dem dritten Pick eine überaus vertretbare Wahl und eine der sichersten Entscheidungen des Drafts.

Hohes Bust Potenzial besitzt Jackson einfach nicht. Im schlechtesten Fall wird er wie Andre Iguodala eine Art sechster Starter, der mit Vielseitigkeit, Athletik, Spielintelligenz und vor allem Defensivstärke überzeugt.

Läuft hingegen alles optimal, könnte Jackson ähnlich wie Scottie Pippen der Edelzuarbeiter eines hochtalentierten Scorers werden und sich somit die Aufgaben nach Offense und Defense ein wenig aufteilen.