22 Juni 2017

22. Juni, 2017


Am 22. Juni geht für 60 brandneue Rookies beim NBA Draft ein Lebenstraum in Erfüllung, wenn sie Commissioner Adam Silver bei den Big Boys willkommen heißt. Wir behalten eine unserer liebsten Traditionen hier bei NBACHEF bei und checken im Vorfeld die verheißungsvollsten Talente des Jahrgangs... in unseren patentierten Draft Spotlights.

von AXEL BABST @CoachBabst

Jonathan Isaac sorgte im vergangenen Jahr bereits für gehöriges Aufsehen: Nach seinem letzten High School Jahr meldete sich der großgewachsene Forward für den Draft an.

Es wäre NBA Teams zwar nicht erlaubt worden, Isaac tatsächlich zu draften, weil er gerade erst seine High School Karriere beendet hatte und somit ein Jahr College oder internationaler Basketball fehlten, doch aufgrund der Neuregelung der Draft Anmeldungen, nach der Draftees ans College zurückkehren dürfen, wenn sie rechtzeitig ihren Namen zurückziehen, konnte er sich zumindest Feedback von NBA Teams einholen und erste Kontakte knüpfen.


Statt direkt in die NBA zu gehen, traf Isaac also bei den Florida State Seminoles ein. Dort fand er einen sehr ungewöhnlichen Stil vor. Coach Leonard Hamilton hatte sich so einen tiefen Kader zusammengebastelt, dass er in den ersten Saisonwochen tatsächlich zwölf bis 13 Spielern nennenswerte Minuten gab. Und auch im weiteren Verlauf der Saison sank die Zahl niemals unter zehn oder elf, was für College Verhältnisse extrem ungewöhnlich ist.

Die Rechnung ging zumindest zu Saisonbeginn bis in den Start der ACC Saison auf und Florida State war eines der Überraschungsteams bis Ende Januar. Danach sackten die Seminoles in ihren Leistungen ein wenig ab, doch es reichte immer noch für den 3 Seed im Tournament.

In der zweiten Runde setzte es jedoch eine deftige Klatsche gegen Xavier, die Isaacs kurze College Karriere beendete. Isaac selber hatte trotz der tiefen Rotation sein Starterposten sicher und sah auch relativ konstant seine Minuten.


Offense
Aufgrund der tiefen Rotation der Seminoles und weil Isaac von Natur aus ein zurückhaltender Spieler in der Offensive ist, konnte er nicht mit so vielen Highlights aufwarten wie andere Spieler der Top10. Doch genau das kann für den langen Forward ein Vorteil sein, da es einfach ist, sich den schlaksigen Tweener als Rollenspieler in einem NBA Team vorzustellen.


Isaacs Länge und Athletik sind zwei wichtige Kernpunkte, die er zu vielen leichten Zählern nutzen kann. Als Rebounder hat er ein exzellentes Gespür und geht aktiv dem Ball entgegen. Dass sein Gegenspieler meist einen Kopf kleiner ist, kommt hierbei natürlich auch zu Gute. Er ist zwar nicht übermäßig explosiv, kann aber durch zum Dunk hochsteigen und lässt sich auch von Kontakt nicht beirren.

Im Fastbreak schaltet er gut mit, sprintet nach vorne und geht auch dann noch einem Wurf nach, wenn dieser eigentlich sicher sitzen müsste oder die Zone bereits von mehreren Verteidigern bevölkert wird. Die Mühe lohnt sich oft genug und Isaac staubt viele Putbacks ab.

Sehr viel Potenzial besitzt Isaac als Schütze. Zwar traf er nur knapp 34 Prozent seiner Distanzwürfe, doch der Wurf sieht ordentlich aus und kann mit genügend Training sicherlich aus dem Catch & Shoot eine ernsthafte Waffe werden.

Beim Wurftraining sollte jedoch auch viel Wert darauf gelegt werden, dass sich Isaac NBA Range angewöhnt. Momentan sieht der Wurf eher nach einem soliden Mitteldistanzwurf und nicht wie einer verlässlicher Dreier aus.

Denn die Fehlwürfe sind oft zu kurz und insgesamt holt Isaac wenig Schwung aus den Beinen, stattdessen holt er von einem tiefen Punkt aus zum Wurf aus und nimmt dadurch viel Kraft aus den Armen.

Als Eins-gegen-Eins-Scorer wird Isaac wie bisher aber nicht in Erscheinung treten. Dafür müsste er seine Mentalität auf dem Court schon sehr deutlich verändern. Zudem fehlen ihm das Ballhandling, der erste Schritt und die Moves als Finisher, um aus ihm einen ordentlicher Slasher vom Perimeter zu machen.

Umso versteht Isaac es, sich abseits des Balls clever zu bewegen und ein gutes Passziel für den Ballhandler zu bieten. Backdoorcuts, Alley-Oops und Cuts auf der Weakside in den Rücken der Pick & Roll Verteidigung sind vom Stretch Vierer sehr oft zu beobachten.

Als Finisher muss er sich aber auch hier noch verbessern. Sobald bei seinen Cuts ein Gegenspieler noch in Reichweite ist, wird es sehr schwierig für Isaac zu finishen. Dazu fehlt ihm die Stabilität in der Rumpfmuskulatur.

Defense
Das deutlich größere Potenzial und den somit auch höheren Draftwert hat Isaac allerdings in der Defense, wo er theoretisch mittelfristig alle fünf Positionen verteidigen könnte. Schon jetzt besticht Isaac als vielseitiger Verteidiger, der mehrere Dimensionen der Defensive auf hohem Niveau durchführt.


In erster Linie sticht seine Rimprotection heraus. Isaac weist die fünfthöchste Block Percentage der 34 hier vorgestellten College Spieler vor und liegt mit diesem Wert vor einigen traditionellen Bigs. Isaac nutzt dabei eine Mischung aus gutem Timing, langen Armen und einer Portion Sprungkraft. Er kann von der Weakside als Helpside Verteidiger rotieren oder auch mal im Eins-gegen-Eins seine Größenvorteile ausspielen.

Genau hier, im direkten Duell Auge in Auge, braucht Isaac oft gar nicht Würfe zu blocken, weil er sich geschmeidig auf seinen Füßen bewegt, immer einen guten Abstand wahrt und es oft ausreicht, dass er seine Spannweite andeutet, indem er die Arme hebt. Dadurch kann Isaac darauf hoffen, auch mal NBA Guards am Perimeter stoppen zu können.

In der Pick & Roll Defense ist er damit theoretisch der perfekte Verteidiger, weil er beliebig switchen, hedgen oder absinken kann und dennoch nie wirklich dem Gegner einen guten Wurf gestattet. Allerdings muss er noch lernen, sich selber besser über Blöcke, die an ihm gestellt, zu kämpfen.

ABs Pick
Jonathan Isaac wird eine Range von 3-7 prognostiziert. Die Gründe für diese Aussage sind offenkundig: Er ist ein vielseitiger Verteidiger, der den Ring beschützt und am Perimeter keine Schwächung darstellt, und hat offensiv Potenzial als dritte Option durch seinen Wurf und seine Bewegung abseits des Balls.

Allerdings scheint mit gerade mit dem dritten Pick in diesem Draft mehr möglich zu sein, als "nur" einen exzellenten Prospect in der Defense mit ordentlicher Offense kombiniert zu picken. Zudem stellt sich die Frage, was passiert, wenn Isaac nie einen ordentlichen Dreier entwickelt und sich seine Schnelligkeit für die Defense nicht als ausreichend erweist. Dann kann Isaac deutlicher weniger bieten, als jetzt schon viele Beobachter für gesetzt halten.

Im besten Fall entwickelt sich Isaac zu einem Rashard Lewis mit besserer Defense und etwas schlechterem Wurf. Im schlechtesten Fall winkt jedoch eine Karriere ähnlich der von Marvin Williams, der 2006 ebenfalls große Hoffnungen auf sich vereint sah und sich nie wirklich durchsetzen konnte.