21 Juni 2017

21. Juni, 2017


Am 22. Juni geht für 60 brandneue Rookies beim NBA Draft ein Lebenstraum in Erfüllung, wenn sie Commissioner Adam Silver bei den Big Boys willkommen heißt. Wir behalten eine unserer liebsten Traditionen hier bei NBACHEF bei und checken im Vorfeld die verheißungsvollsten Talente des Jahrgangs... in unseren patentierten Draft Spotlights.

von AXEL BABST @CoachBabst

Kein anderer Spieler konnte in der NCAA einen Entwicklungssprung hinlegen, der dem von John Collins gefährlich werden könnte. In seinem zweiten Jahr bei den Wake Forest Demon Deacons mauserte sich Collins zum Star des Teams und der ersten Option im Angriff.

Als Freshman war er noch Backup und seine Spielzeit auf weniger als 15 Minuten pro Spiel begrenzt. Bereits in diesen wenigen Minuten auf dem Feld deutete Collins an, wie produktiv er offensiv sein kann und dass eine Menge Potenzial in ihm schlummert.


Nach dem altersbedingten Abgang von Devin Thomas, dem erfahrensten Spieler und besten Scorer des Teams, übernahm Collins das Kommando in der abgelaufenen Saison. In gerade mal knapp 27 Minuten legte Collins durchschnittlich über 19 Punkte und fast zehn Rebounds auf.

Er hatte maßgeblichen Anteil daran, dass sich Wake Forest auch im dritten Jahr unter Trainer Danny Manning massiv verbessern konnte, in der starken ACC ein konkurrenzfähiges Team darstellte und letztlich die erste Tournament Teilnahme seit 2010 eingefahren werden konnte. Im Tournament war jedoch schon im Play-In Game gegen Kansas State Schluss. Hier fehlte der Mannschaft einfach die nötige Erfahrung.


Offense
Im Angriff ist John Collins der produktivste Big der Draftclass. Auf 40 Minuten hochgerechnet erzielte der Big Man fast 29 Punkte pro Begegnung bei guten einer überragenden Quote von 62 Prozent aus dem Feld. Am College konnte ihn kein Gegenspieler im Eins-gegen-Eins stoppen und selbst eine schwache erste Halbzeit in dem einen oder anderen Spieler ließ Collins nicht den Kopf in den Sand stecken.


Nach wie vor ist Collins' Motor gepaart mit seiner Athletik die Triebfeder seiner offensiven Produktion. Collins bringt ordentliche Anlagen für einen NBA Big mit, kann aber in Relation zu seiner Größe als Athlet überzeugen. Als Rimrunner gibt es vermutlich keinen Spieler in dieser Draftclass, der härter, schneller und geradliniger von einem Korb zum anderen sprintet. 

Die meisten Gegner hängt er mühelos ab und selbst wenn dies nicht der Fall sein sollte oder ihn ein Guard in der Transition Defense aufnehmen will, zuckt Collins bloß kurz mit der Schulter und sealt einfach den deutlich kleineren und unterlegeneren Kontrahenten.

Als Rebounder beweist der Big Man ein gutes Timing und steht in der Regel immer zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Lange Arme helfen ihm dabei, auch ungünstige Abpraller zu sichern oder im Zweifelsfall direkt als Tip-In oder Dunk zu verwerten. Ein schneller zweiter Absprung kann bei undurchsichtigen Situationen den entscheidenden Vorteil bedeuten. Collins hat meist nur sehr kurze Bodenkontakte.

Zusätzlich ist Collins ein exzellenter Finisher. Er hat den nötigen Touch, um Jumphooks oder Layups mit Kontakt zu finishen. Gleichzeitig ermöglicht ihm seine Athletik schnelle Abschlüsse. Oft muss er nicht mal einen Zwischenstopp am Boden einlegen, sondern verwertet den Ball noch in der Luft.

Auch Anspiele über Ringniveau sind kein Problem für den Center. Grundlegend versteht Collins es einfach, sich als gutes Passziel für seine Mitspieler zu präsentieren. Dank seiner guten Hände fängt er auch missglückte Anspiele.

Außerhalb der Zone ist Collins bislang noch keine große Gefahr, aber das Potenzial zumindest aus der Mitteldistanz einen verlässlichen Jumper mit viel Trainingsfleiß zu erlangen, ist durchaus vorhanden. Selbst der Dreier scheint nicht ausgeschlossen zu sein. Die Wurfbewegung ist flüssig und über ein weiches Handgelenk verfügt der Big sowieso.

Auf lange Sicht könnte Collins sogar ein Perimeter Game entwickeln und langsame Big aus dem Eins-gegen-Eins an der Dreierlinie attackieren. Hierfür wäre ein passabler Wurf wichtig, damit die Gegner nicht zu weit absinken können, aber das Ballhandling und Spielgefühl kann sich Collins mühelos aneignen. Schon jetzt sind seine Euro- und Jabsteps eine Gefahr für andere Big Men.

Die größten Fortschritte konnte Collins als Postupspieler und P&R Finisher hinlegen. Auch wenn er immer noch Probleme mit Länge und Physis hat, ist seine Fußarbeit im Lowpost deutlich besser geworden. Seine Blöcke am Ball treffen wesentlich besser den Gegenspieler, wodurch der Ballhandler mehr Zeit und Ruhe hat und Collins beim vorzüglichen Rollen zum Korb findet.

Defense
In der Verteidigung muss sich der junge Big Man noch erheblich steigern, allerdings verfügt er auch hier noch über eine Menge unausgeschöpftes Potenzial. Collins ist zwar nicht der allerlängste Spieler, weiß aber seine Armespannweite durchaus zu nutzen und verbindet sie vor allem mit Schnelligkeit. Gerade in Passwegen müssen sich Gegner daher in Acht nehmen.


Collins kann den Ring beschützen und sollte dazu auch in der NBA in der Lage sein. Zusätzlich verfügt er über die Schnelligkeit, perspektivisch auch am Perimeter gute Defense spielen zu können. Collins ist leichtfüßig und kann kleine, schnelle Bewegungen gut ausführen. Momentan fehlen ihm noch Erfahrung, Technik und ein wenig der Stolz, doch all das kann sich noch entwickeln.

Insofern besitzt Collins auch als Verteidiger im Pick & Roll großes Potenzial. Hier wird einfach entscheidend sein, wie aggressiv und zielstrebig Collins agiert. Wenn er seine Längen- und Größenvorteile nutzt und Druck auf den Ballhandler ausübt, anstatt einfache Penetrations ins Herz der Zone abzugeben, wäre das schon ein großer Fortschritt.

Grundsätzlich muss Collins einfach smarter werden. Drei Fouls pro Spiel handelte sich der Big ein und verbrachte so manche erste Halbzeit auf der Bank. Sein Coach hätte ihn vermutlich gerne über 30 Minuten spielen lassen, doch dafür reichte Collins' Foulmanagement nicht aus. Zudem muss Collins dringend an Muskulatur im Rumpfbereich zulegen.

Es bleibt abzuwarten, ob er jemals sein Potenzial in vielen Bereichen ausschöpfen kann. Abschließend steht auch nicht fest, dass Collins gegen NBA Athleten den Ring beschützen kann. Hier werden ihm im Zweifelsfall die notwendigen Zentimeter fehlen.

ABs Pick
John Collins war am College einer der besten und effizientesten Scorer, was er in der NBA jedoch in diesem Ausmaß vermutlich nicht sein kann. Da er jedoch offensiv über viele Talente verfügt, die einen Rollenspieler oder Starter auf hohem Niveau auszeichnen, wird er in der NBA aber keinesfalls komplett untergehen.

Seine Hände, sein Touch, seine Instinkte, seine Arbeit als Rebounder und selbst das Potenzial als Werfer machen ihn offensiv zu einem höchst interessanten und variablen Prospect, was eine Wahl Mitte bis Ende der ersten Runde rechtfertigen könnte.

Der Knackpunkt wird darin liegen, was der Big defensiv offerieren kann. Beschützt er den Ring? Verteidigt er das Pick & Roll? Hat er am Perimeter eine Chance? Legt er an Cleverness zu? Zumindest bei den ersten beiden Punkten besteht durchaus Hoffnung.

Im optimalsten Fall könnte sich Collins in die Richtung eines Antonio McDyess entwickeln. An McDyess beste Zeit und Form wird Collins nie herankommen, doch zweistellige Punktausbeuten auf relativ hohem Niveau bei guten Teams sind sicherlich in Reichweite.

Andernfalls wäre Jason Thompson ein denkbarer Vergleich. Thompson hatte bei seiner Wahl auch viel Potenzial und gute Anlagen zum Rollenspieler, trat jedoch auf der Stelle.