20 Juni 2017

20. Juni, 2017


Am 22. Juni geht für 60 brandneue Rookies beim NBA Draft ein Lebenstraum in Erfüllung, wenn sie Commissioner Adam Silver bei den Big Boys willkommen heißt. Wir behalten eine unserer liebsten Traditionen hier bei NBACHEF bei und checken im Vorfeld die verheißungsvollsten Talente des Jahrgangs... in unseren patentierten Draft Spotlights.

von AXEL BABST @CoachBabst

Als letzter einer sehr edlen Kansas Freshman Class aus dem Jahr 2013 tritt Frank Mason nun den Weg in die NBA an. Vor vier Jahren hätte vermutlich niemand damit gerechnet, dass der kleine Guard es überhaupt in die beste Liga der Welt schaffen könnte. Oder dass ausgerechnet er der einzige aus dem Kreis von Joel Embiid, Andrew Wiggins und Wayne Selden sein würde, der als College Spieler des Jahres ausgezeichnet wird.

Da Embiid und Wiggins den Campus bereits nach einem Jahr wieder verließen, konnte Mason schon als Sophomore deutlich mehr Verantwortung übernehmen. Auch als Junior wuchs die Rolle des bulligen Guards, doch erst nach dem Abgang von Perry Ellis, stieg Mason zum unangefochtenen Leader der Jayhawks auf.


Trotz der Anwesenheit von Top Freshman Josh Jackson war Frank Mason der wichtigste Spieler der Jayhawks, der Partien im Alleingang entscheiden und so manche Crunchtime maßgeblich beeinflussen konnte. Folgerichtig dominierte KU die eigene Conference, konnte den UCLA Rekord mit der 13. Big12 Meisterschaft in Folge einstellen und galt zu Beginn der March Madness als das Team, das zu schlagen war.

Auch durch die ersten Runden pflügten die Jayhawks nach Belieben und ließen ihren Gegnern nicht den Hauch einer Chance. Selbst Caleb Swanigan, einer von Masons ärgsten Konkurrenten im Rennen um den Titel des Spieler des Jahres, hatte nicht die Power, um Kansas auf dem Pfad zum Final Four aus dem Weg zu räumen.

Nur die Kombination aus einem übermenschlich spielenden Jordan Bell und einem feuerspeienden Tyler Dorsey bremste Kansas zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt - einen Sieg vom Final Four entfernt. Auch wenn dieses bittere Aus sicherlich nicht leicht für Mason zu verkraften war, kann er auf eine bärenstarke individuelle Saison zurückblicken, die ihn für die NBA endgültig ins Gespräch gebracht hat.


Offense
Frank Mason war zwar klein sein, doch dafür ist der Guard ein Bulldozer mit eingebautem Turbo. Gerade im Fastbreak gibt es nur wenige Spieler dieses Draftjahrgangs, die so unaufhaltsam sind und mit Kontakt noch konzentriert finishen. Mason hat die Power und Balance, um in jeder Transition Situation ein Dreipunktespiel einzustreuen.

Ab der Mittellinie reichen dem Guards in der Regel zwei Dribblings aus, um sich aller Verteidiger zu entledigen und direkt am Korb zu vollstrecken. Dabei hat er den Eurostep als tödliche Waffe etabliert, auf die jeder Gegner hereinfällt, egal wie offensichtlich die Täuschung auch sein mag.

Den größten Entwicklungssprung legte Mason als Schütze hin. Atemberaubende 47 Prozent seiner Distanzwürfe fanden ihr Ziel. Angesichts der Schwierigkeit der Würfe, die Mason speziell aus dem Dribbling regelmäßig im Korb unterbringen konnte, liest sich dieser Wert noch beeindruckender. Neben der exzellenten Quote traf Mason auch fast doppelt so viele Dreier wie im Vorjahr (82 gegenüber 43 Treffern).

Mittlerweile ist es auch egal, ob Mason den Dreier aus dem Dribbling, im Catch and Shoot oder in der Transition nimmt. Fast immer zuckt das Netz kurz auf, wenn der Ball durch die Maschen segelt.


Mason muss sich aber keine Gedanken machen, dass er sich in der NBA nur auf den Fastbreak und den Wurf festlegen muss. Gerade als Eins-gegen-Eins-Spieler wird Mason so manchen NBA Kontrahenten schlecht aussehen lassen.

Wegen seines tiefen Körperschwerpunkts, seines schnellen ersten Schrittes und seiner kräftigen Statur kommt Mason nach einem schnellen Crossover immer auf geradem Wege in die Zone, wo er genug Kraft und Finesse besitzt, um sich beim Abschluss von größeren Gegnern nicht großartig abschrecken zu lassen.

Sollte der Fall eintreten, dass ein Rimprotector unter dem Korb lauert, kann Mason notfalls immer noch seinen Floater mit der rechten Hand einsetzten, den allerdings deutlich besser trifft, wenn er zuvor mit rechts gedribbelt hat.

Probleme treten dann auf, wenn Mason gezwungen wird, mit seiner linken Hand finishen zu müssen oder die Grenze der Legalität ausgetestet wird. Denn Mason tendiert dazu, zu sehr das Foul schinden zu wollen. Am College hatte er gegen Ende seiner Laufbahn durchaus einen gewissen Bonus in dieser Hinsicht sicher. In der NBA wird er sich auf nichts dergleichen verlassen dürfen.

Große Fortschritte konnte Mason zudem auch als Passgeber und Organisator verzeichnen. Er wird zwar immer seine Scorermentalität zuerst ausleben wollen, kann aber mittlerweile wesentlich vernünftiger mit dem Ball umgehen, findet Mitspieler und weiß um die Aufmerksamkeit, die ihm zum Teil von der Verteidigung gewidmet wird. Dennoch verliert Mason noch zu oft den Kopf, springt in die Luft, ohne Idee zu haben, wohin der Ball eigentlich wandern soll. Zudem übersieht er noch zu oft den freien Mitspieler.

Die richtige Balance aus eigenem Scoring und Pass zum Mitspieler bei akzeptabler Fehlerquote zu finden, gelingt dem kleinen Guard im Pick & Roll wesentlich besser. Gerade der Pass zum Roller hat sich als eine große Stärke etabliert. Allerdings wird abzuwarten sein, wie Mason mit den größeren und wesentlich smarteren NBA Verteidigern im Pick & Roll umzugehen weiß.

Defense
In der Defense könnte sich Mason schnell zur Schwachstelle seines Teams entwickeln, wenn er auf dem Court steht. Zusätzlich zu seiner geringen Körpergröße, die von Natur aus ein erheblicher Nachteil sein wird, scheint Mason oft nicht das Interesse an ordentlicher Verteidigung zu haben.

In der vergangenen Saison hat sich der Eindruck manifestiert, Mason sei in dem Glauben, einfache Punkte des Gegners schnell auf eigene Faust wieder wettmachen zu können. Das wird in der NBA eindeutig nicht so leicht sein.


Grundsätzlich ist Mason gut beraten, das Anspiel zu seinem direkten Matchup gar nicht zuzulassen. Hier scheint Mason auch einsichtig zu sein, denn es war oft zu beobachten, wie er genau dieses Ziel umzusetzen versuchte. Sobald ein größerer Gegner jedoch im Eins-gegen-Eins gegen Mason isoliert wird, steht der Guard auf verlorenem Posten. 

Ein ähnliches Bild ergibt sich bei der Pick & Roll Defense. Mason müsste jedes Mal enormen Druck auf den Ballhandler ausüben, um einen Effekt zu erzielen, allerdings ergibt er sich zu oft seinem Schicksal, was dazu führt, dass seine Gegner Pässe einfach über seinem Kopf wegfeuern. Bei Switches ist Mason ebenfalls komplett chancenlos.

Einzig als Teamverteidiger hat Mason noch unerschlossenes Potenzial. Lernt er hier aufmerksamer zu sein und die Aktionen der gegnerischen Mannschaft besser zu lesen, könnte er in einem geordneten Teamverbund relativ gut versteckt werden.

ABs Pick
Vor Isaiah Thomas wäre es vermutlich nur schwer vorstellbar gewesen, Frank Mason in einer wichtigen Position in einem NBA Team zu verorten. Dafür scheint dem Guard einfach die notwendige Größe zu fehlen, die so viele andere Guards Prospects dieses Draftjahrgangs bieten. Doch Mason ist dem Aufbauspieler in vielen Bereichen gar nicht mal unähnlich.

Beide sind in erster Linie Scorer, die trotz ihrer Statur sichere Finisher in Ringnähe und kreative Abschlussideen entwickelt haben. Da Mason ebenfalls über einen sicheren Distanzwurf verfügt, den Verteidiger respektieren müssen, ergeben sich für den Kansas Guard wesentlich mehr Räume.

Dass Mason jemals Allstar oder wichtigster Spieler eines Top-Seeds wird, darf bezweifelt werden. Gleichzeitig sollte diese Option auch nicht direkt verworfen werden. Für Mason ist entscheidend, dass er seine Trainer von sich überzeugen kann und eine Situation findet, in der seine defensive Schwächen im Teamverbund aufgefangen werden.

Im schlechtesten Fall könnte Mason ein Schicksal wie Jonny Flynn ereilen, der noch etwas athletischer und jünger bei seinem NBA Debüt war und sich relativ schnell als Flop erwies. In ihrer Mentalität - und das dürfte der entscheidende Unterschied sein - sind die beiden Kraftpakete jedoch kaum vergleichbar.