21 Juni 2017

21. Juni, 2017


Am 22. Juni geht für 60 brandneue Rookies beim NBA Draft ein Lebenstraum in Erfüllung, wenn sie Commissioner Adam Silver bei den Big Boys willkommen heißt. Wir behalten eine unserer liebsten Traditionen hier bei NBACHEF bei und checken im Vorfeld die verheißungsvollsten Talente des Jahrgangs... in unseren patentierten Draft Spotlights.

von AXEL BABST @CoachBabst

Die vergangenen Draftjahre konnten beweisen, dass Seniors auf Mid-Major-Level in der NBA durchaus mithalten und eine Verstärkung für eine Franchise darstellen können. Insofern sind Teams mittlerweile jedes Jahr auf der Suche nach den zwei oder drei interessanten Spielern, die fernab der großen medialen Aufmerksamkeit ihre College Teams schultern und auf ein neues Level hieven.

Dieses Jahr ist Alec Peters so ein Kandidat. Zwar war Peters schon in der vergangenen Draft Periode ein Objekt der Begierde, doch der Power Forward entschloss sich, auch sein letztes Jahr an der Valparaiso University wahrzunehmen und dort fortzuführen, was er bereits drei Jahre lang mitgestaltet hatte.


Die Coaching Position der in Indiana gelegenen Universität befand sich von 1988 bis 2016 in den Händen der Drew Familie. Vater Homer formte aus dem College ein aufstrebendes Programm, das um die Jahrtausendwende seine beste Zeit erlebte. Gemessen nach Siegen war jedoch vor allem Peters der Grund für die erfolgreichsten Saison der Programmhistorie. 28 und 30 Siege fuhren die Crusaders in Peters' zweitem und dritten Jahr ein.

Allerdings verloren sie in Peters' Junior Saison das entscheidende Spiel im Horizon League Halbfinale und verpassten somit das NCAA Tournament. Mit einer Saison ohne Tournament wollte sich Peters offenbar nicht verabschieden und startete unter dem neuen Trainer Matt Lottich einen letzten Anlauf.

Über weite Strecken der Saison sahen die Crusaders nach einem äußerst gefährlich Mid-Major aus und schienen in Peters den perfekten Anführer zu haben. Allerdings verletzte sich Peters zum Saisonfinale am Fuß, verpasste die letzten vier Begegnungen und musste mitansehen, wie die Tournament Träume von Underdog Milwaukee zum Platzen gebracht wurden.


Offense
Alec Peters ist ein exzellenter Shooter und die Rolle als Stretch Vierer sollte seine Karte sein, die er in der NBA ausspielen kann, um sich einen Platz in einem NBA Roster zu sichern. Die 36 Prozent seiner Senior Saison waren das schwächste Shooting Jahr, was aber auch eng damit zusammenhängt, dass Peters offensiv nochmals deutlich mehr Verantwortung schultern musste. Seine Usage Rate stieg von etwa 25 Prozent als Sophomore und Junior auf über 30 Prozent als Senior.

Insofern sollte sich die Quote bei geringerer Beachtung seitens der Defense wieder in einem Bereich um die 40 Prozent einpendeln. Peters Wurf ist sehr flüssig und das weiche Handgelenk zeugt von einem exzellenten Touch.

Bei den Crusaders wurde Peters auch durchaus mal abseits des Balls für einen offenen Schuss freigeblockt. Selbst als Ballhandler im Pick & Roll kann der Big Man aus dem Dribbling hochsteigen, auch wenn solche Abschlüsse in der NBA auf ein Minimum reduziert werden.


Am College waren Postups neben seinem Jumper die zweite verlässliche Punktequelle. Es ist zwar nicht anzunehmen, dass Peters sonderlich oft in Isolations am Zonenrand verfrachtet wird, aber dennoch kann diese Fähigkeit von Bedeutung sein.

Wenn sich Teams beispielsweise in Pick & Pop Situationen für das Switchen entscheiden, kann Peters in den Lowpost geschickt werden und dort das Tauschen der Gegenspieler bestrafen.

Er kann über kleinere Gegenspieler einfach drüber werfen, hat aber auch ein Auge für Situationen, was ihn als Passstation für Cutter oder geduldige Eins-gegen-Eins-Bewegungen interessant macht.

Bereits gegen NBA Wings könnte Peters im Low- oder Midpost schon Probleme bekommen, da er am College mit athletischen Gegenspielern deutliche Probleme hatte. Peters fehlt die Rumpfstabilität, um Kontakt zu verdauen und lässt sich zudem von Länge und Sprungvermögen derartig einschüchtern, dass er versucht, am Gegner vorbeizuwieseln, anstatt auf geradem Wege den Abschluss zu suchen.

Auch am Perimeter sollte Peters nicht allzu oft das Eins-gegen-Eins suchen. Zwar hat er für seine Größe und Statur ein überaus ordentliches Ballgefühl und ist mobil unterwegs. Allerdings werden Ballhandling und Explosivität auf NBA Level einfach nicht ausreichen, um dauerhaft einen anderen mobilen Vierer zu schlagen.

Dosiert aus Closeouts oder nach Pick & Pops kann Peters hingegen mal einen Drive in die Zone probieren. Auf geradem Wege zum Korb und mit einem Vorteil gegenüber seines Verteidigers ausgestattet, kann Peters finishen.

Defense
Bereits am College hinterließ Alec Peters oft keinen guten Eindruck und hatte das Nachsehen. An dieser Situation wird sich in der NBA wenig ändern.

Im Eins-gegen-Eins fühlt sich Peters weder am Perimeter noch im Lowpost wirklich wohl. Für die Guards an der Dreierlinie fehlt einfach die Schnelligkeit. Bei Closeouts rennt Peters viel zu ungestüm und ziemlich blind auf den Ballhandler raus, kann sich anschließend nicht abbremsen, weil dazu eine ordentliche Fußarbeit fehlt.


Im Lowpost hat Peters nicht die Masse, um mit kräftigen Power Forwards konkurrieren zu können. Seine langen Arme können zwar eine Hilfe sein, doch oft nutzt er sie nicht richtig und im Zweifelsfall wird er außer Reichweite geschoben.

Als Teamverteidiger besitzt Peters zwar die notwendige Intelligenz, um eine Hilfe für seine Mitspieler darzustellen, allerdings ließen Aufmerksamkeitsdefizite zu oft zu, dass er seine Einsätze als Weakside Verteidiger verpasste.

Ein Rimprotector ist Peters nicht und wird er auch nie werden. Zumindest in Passwegen kann er jedoch seine Länge und Mobilität ausspielen.

ABs Pick
Zu Saisonbeginn und auch über weite Strecken der Saison wurde Alec Peters als möglicher Kandidat für das Ende der ersten Runde gehandelt. Besonders sein Qualitäten als Stretch Vierer befeuerten die Ansicht und lieferten schlagkräftige Argumente.

Nach seiner Verletzung sank Peters' Ansehen ein wenig, auch weil sich andere Prospects den NBA Clubs besser präsentieren konnten.

Dennoch wäre es spätestens in der zweiten Runde eine vernünftige Entscheidung, Peters einen zweiten Blick zuzuwerfen. Im besten Fall entwickelt sich Peters in die Richtung Ersan Ilyasovas, wobei ganz klar zu sagen ist, dass der Türke zum jetzigen Zeitpunkt der wesentlich bessere Spieler und Schütze ist und für Peters ein ambitioniertes Ziel darstellt.

Am anderen Ende der Skala wäre Linas Kleiza ein vergleichbarer Spieler. Kleiza ist ein großartiger Schütze, konnte in der athletischen NBA aber nie so richtig Fuß fassen.