17 Mai 2017

17. Mai, 2017


Die Top-Klubs machen den NBA-Titel unter sich aus, während die meisten Franchises die Saison 2016/17 längst abgehakt haben und optimistisch/pessimistisch in die Zukunft blicken (müssen). Wir röntgen in unserem gewohnten 30er Split alle Teams, analysieren ihre Situation und prognostizieren den bevorstehenden Sommer. Heute: die New Orleans Pelicans.

von STEFAN DUPICK @Hoopsgamede

Saison 2016/17
Die Pelicans waren in der vergangenen Saison in aller Munde. Leider lag diese Medienpräsenz jedoch nicht an der starken Leistung der Pels sondern ausschließlich an der Verpflichtung von DeMarcus „Boogie“ Cousins.

Der Center wurde zur Deadline von den Sacramento Kings losgeeist. Im Gegenzug wechselten Buddy Hield, Tyreke Evans und Langston Galloway sowie der Erstrunden-Pick im anstehenden Draft nach Kalifornien.

Leider konnten die Pelicans auch nach der Verpflichtung von 'Boogie' nicht überzeugen und beendeten die Saison mit einer Bilanz von 34 zu 48 Siegen deutlich außerhalb der Playoffs.


Das zweiköpfige Frontcourt-Monster um Davis und Cousins blieb den Beweis somit schuldig, dass ein System mit zwei dominanten Big Men in der Liga noch bestehen kann. Das lag zwar weniger an ihrem Spiel als an ihren schwachen Nebenleuten, ändert jedoch am Ergebnis nichts.

Offseason Agenda
Die Pelicans planen langfristig mit Cousins und Davis. Leider lässt der Rest des Kaders zu wünschen übrig. Im aktuellen Roster lassen sich die fähigen Spieler an einer Hand abzählen.

Dazu gehören unter großzügiger Betrachtung Solomon Hill, der an seinem Dreier arbeiten muss, E’Twaun Moore, Quincy Pondexter, Tim Frazier und Jordan Crawford. Keiner der genannten Spieler treibt einem Gegner den Angstschweiß auf die Stirn, aber für die Kaderbreite sind die Jungs solide.

Auf der Agenda für die Offseason steht daher die Erweiterung des Kaders. An der Seite ihrer beiden Big Men benötigen die Pelicans Shooting.


Es könnte spannend werden, auf wen das Augenmerk von GM Dell Demps und Head Coach Alvin Gentry gerichtet ist, speziell in diesem Sommer, denn der Salary Cap steigt an und viele Teams haben Kohle und wollen diese ausgeben. Ergo, Qualität wird sehr, sehr teuer.

Zunächst sollte das Management jedoch seine Hausaufgaben machen und das eigene Personal betrachten.

Personal
Die bedeutendste Personalie in New Orleans in diesem Sommer ist Point Guard Jrue Holiday. Der Vertrag des 26jährigen läuft aus und trotz seiner vielen Verletzungen wird der Guard in der NBA geschätzt und dürfte auch bei anderen Teams sehr begehrt sein.


Holiday konnte schon des Öfteren sein Potential unter Beweis stellen, konnte jedoch noch nie über einen langen Zeitraum seine Fähigkeiten ausspielen. Verletzungen und persönliche Tragödien bremsten den Point Guard immer wieder aus.

Der Point Guard soll an der Seite von Boogie und The Brow das dritte Puzzleteil im Konzept der „New Orleans Big Three“ werden. Holiday kann die Big Men mit Assists füttern, zudem aber auch von außen gefährlich sein.

Neben Holiday könnte Omer Asik in diesem Sommer eine weitere interessante Personalie sein. Der Vertrag des Türken läuft garantiert noch für zwei weitere Jahre. An der Seite von Cousins, Davis und Ajinca ist Asik jedoch obsolet.

Sollte Demps es schaffen, den Center zusammen mit einem (geschützten) Draft Pick zu verschiffen (z.B. nach Brooklyn; die Nets sind auf der Suche nach Assets und haben in den kommenden Jahren sowieso keine Chance zu gewinnen), dann könnte noch etwas zusätzliches Geld freigemacht werden, um im Sommer den einen oder anderen Spezialisten zu verpflichten.

Denn: sollte Holiday wie allgemein angenommen in New Orleans verlängern, dann ist ohne einen Asik-Trade (oder einen weiteren) so gut wie gar kein Geld mehr in der Kasse übrig, um den Kader zu verstärken.

Draft
Der Draftabend wird in New Orleans in diesem Sommer eher langweilig. Auch wenn der Jahrgang 2017 als einer der stärksten der letzten Jahre gilt, so verfügt NOLA lediglich über den 40. Pick.

Dank des Cousins Trades werden die Pelicans somit vermutlich eine entspannte Draft Nacht erleben und sich ärgern, sollte der ehemalige eigene Pick in der Lottery nach oben rutschen.

Ein Traumszenario bleibt dann doch: fällt der eigene Pick bei nur 4-prozentiger Chance irgendwie doch unter die Top-Drei, dürfen ihn die Pelicans behalten, anstatt ihn an die Kings abtreten zu müssen.

Zukunft
ie Zukunft der Pelicans steht und fällt mit dem Projekt Davis + Cousins. Die moderne NBA wandelt sich immer mehr zum Small Ball, ein Spiel ohne „echte“ Center, in dem ein Spieler wie Draymond Green den perfekten Pivot verkörpert.


Davis und Cousins sind zwar beide keine Old School Center, treffen den Dreier, können passen und den Ball auch auf den Boden bringen, dennoch passt dieses Zwei-Big-Men-Konstrukt nur schwierig in den Blueprint der aktuellen NBA.

Es bleibt also spannend zu sehen, wie Coach Gentry um die beiden Stars ein Team formen und ein System etablieren will. Cousins muss zudem beweisen, dass er an der Seite eines Stars funktionieren und sich unterordnen kann.

Die generellen Erfolgschancen sind jedoch erst gegeben, wenn Jrue Holiday seinen Vertrag verlängert. Ohne einen guten Point Guard dürfte das Projekt zum Scheitern verurteilt sein.

Die Probezeit der Pelicans läuft, denn im Sommer 2018 kann Boogie aus seinem Vertrag aussteigen, die Pelicans verlassen und einen Scherbenhaufen hinterlassen. Alvin Gentry sollte also schnell machen und einen Lösungsweg finden.