12 Mai 2017

12. Mai, 2017


Die Top-Klubs machen den NBA-Titel unter sich aus, während die meisten Franchises die Saison 2016/17 längst abgehakt haben und optimistisch/pessimistisch in die Zukunft blicken (müssen). Wir röntgen in unserem gewohnten 30er Split alle Teams, analysieren ihre Situation und prognostizieren den bevorstehenden Sommer. Heute: die Los Angeles Lakers.

von STEFAN DUPICK @Hoopsgamede

Saison 2016/17
Die Lakers sind die wohl strahlendste Franchise der NBA. In Los Angeles wird ERFOLG groß geschrieben und im Umfeld der Lakers ist folglich alles auf den Erfolg ausgelegt. 
In LALA-Land wird es daher gar nicht so gerne gesehen, dass die vergangene Saison mit der drittschlechtesten Bilanz der Liga beendet wurde... auch wenn Tanking unter den gegebenen Voraussetzungen durchaus Sinn machte.

Vor der Saison verpassten es die Lakers (erneut), einen Star nach L.A. zu bringen. Die bekanntesten Verpflichtungen der Glamour-Franchise hießen Luol Deng und Timofey Mozgov. Zwei durchschnittliche Veteranen zu überteuerten Gehältern, die in der Folge keine Leistung aufs Parkett bringen sollten.

Folglich wurde die Rotation der Lakers um die jungen Talente aufgebaut. D’Angelo Russell, Jordan Clarkson, Brandon Ingram, Julius Randle oder auch Larry Nance Jr. sind allesamt talentiert, ihnen fehlt jedoch die Erfahrung, um ohne routinierte Anführer in der NBA zu bestehen.


Coach Luke Walton wollte jedoch ganz bewusst auf diese jungen Spieler setzen. Einer der Gründe war es, diese Spieler zu entwickeln und zu potentiellen Stars zu formen, der andere Grund war jedoch viel bedeutender.: sollten die Lakers im anstehenden Draft nicht unter den Top-3 Picks wählen dürfen, dann verlieren sie ihren Pick nach Philadelphia, und zusätzlich auch den Pick des Jahres 2019 (nach Orlando).

Es war also Kalkül, die Saison wegzuschmeißen, viele Spiele zu verlieren und eine möglichst schlechte Bilanz zu präsentieren, dazu parallel den jungen Wilden eine Chance zu geben. Um ein Fazit zu ziehen muss an dieser Stelle leider gesagt werden, dass die Lakers derzeit nicht einmal in der Lage sind, vernünftig zu verlieren!

Im Endspurt der Saison gab es eindeutig zu viele Siege. Ohne diese Siege wäre möglicherweise auch die zweitschlechteste Bilanz vor den Phoenix Suns drin gewesen. Damit wäre die Wahrscheinlichkeit den Pick zu behalten, deutlich gestiegen.

Offseason Agenda
Bis zum 16. Mai 2017 heißt es für die Verantwortlichen in Los Angeles beten, beten und nochmal beten. Denn an diesem Tag findet die Draft-Lotterie statt und es fällt die Entscheidung, ob die Lakers den Pick behalten oder ob die Rechte nach Philadelphia wandern.

Auch in der kommenden Saison werden die Lakers keine bedeutende Rolle spielen und somit heißt es derzeit daran zu arbeiten, die vorhandenen Spieler zu formen und zu selektieren, ob sich unter den Youngstern ein potentieller Franchise-Player befindet. Weder Russell noch Ingram haben bisher bewiesen, dass Sie diese Rolle einnehmen können, auch wenn beide sicherlich das Potential dafür haben.


Parallel wird das Management daran arbeiten, endlich mal wieder einen Star an Land zu ziehen. Entweder in der Free Agency oder via Trade, was natürlich auf Kosten des jungen Kaders gehen dürfte, denn Spieler wie Paul George oder Jimmy Butler sind nicht ohne Gegenwert zu bekommen.

Personal
Derzeit liegt das Salär der Lakers für die kommende Saison bei ca. 83 Mio. Dollar. Nicht eingerechnet in diesem Wert ist der potentielle Rookie in der ersten Draft-Runde. Die Lakers verfügen somit über etwa 20 Mio. $ an Cap Space.

Es ist natürlich sehr schade, dass alleine durch die Verträge von Deng und Mozgov alleine knapp 32,5 Mio. $ gebunden sind. Mit der Gesamtsumme von gut 52 Mio. $ wäre im Sommer natürlich viel mehr möglich gewesen.

Die wichtigsten Spieler im Kader sind vorerst noch gebunden. Nick Young hat jedoch eine Player Option und wird diese voraussichtlich ziehen. Derzeit ist es jedoch kaum vorstellbar, dass die Lakers den 31-Jährigen langfristig binden werden.

Tyler Ennis, Thomas Robinson und David Nwaba werden ebenfalls Free Agents. Hier sind Gespräche über einen Verbleib denkbar, insbesondere zum Schnäppchenpreis. Keiner von ihnen, mit Ausnahme von Ennis, sollte jedoch eine Rolle spielen.

Natürlich werden die Lakers im Sommer versuchen, Pakete zu schnüren, um potentielle Stars nach Los Angeles zu lotsen. Daher wird nahezu kein Spieler aus dem Kader als unantastbar betrachtet. Auch Russell oder Ingram könnten in Trade-Gerüchten auftauchen. Es ist immer eine Frage des Gegenwertes, der nach LA transferiert wird.

Auch die Namen Mozgov und Deng dürften in der Gerüchteküche auftauchen. Einen Abnehmer für die beiden Veteranen zu finden, dürfte jedoch unmöglich werden - es sei denn, L.A. garniert sie mit einem der jungen Talente.

Draft
Der Draft ist für die Lakers die große Unbekannte in diesem Jahr. Hier gibt es zwei Szenarien, die die Zukunft der Franchise massiv beeinflusst.

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Szenario 1:
 Die Lakers behalten ihren Top-3 Pick, ziehen den favorisierten Point Guard Lonzo Ball von der UCLA (oder alternativ Markelle Fultz), bekommen einen kompletten Spieler mit sehr viel Upside und versuchen um Ball und Russell einen der besten Backcourts der Liga zu formen.

Zudem bekommen die Lakers noch den Pick #28 von den Houston Rockets (aus dem Trade mit Houston, der Lou Williams nach Texas verschifft hat) und ziehen ein weiteres Talent.

Szenario 2:
 Die Lakers landen außerhalb der Top-3 und verlieren den Lottery-Pick nach Philadelphia, ziehen somit nur an #28, ärgern sich darüber, dass der Rebuild zurückgeworfen wird und auch der Pick des Jahres 2019 nicht in Los Angeles bleibt, sondern nach Orlando wandert.

Der Draft ist somit nicht nur die große Unbekannte, sondern ein extrem wichtiges Event. Aber da Magic Johnson bereits verkündet hat, dass er sich sicher ist, dass der Pick in L.A. bleibt, dürfen die Fans hoffen.

Zukunft
Die Lakers halten sich für besser als sie sind. Der Glanz früherer Zeiten ist längst verflogen. Nun liegt es an 'Magic', die Lakers wieder zu dem zu machen, was sie einst waren. Allerdings sind sie nicht mehr die 1A Destination für Free Agents und haben dies in den vergangenen Jahren auch schmerzlich gemerkt.

Dennoch ist Schwarzmalen nicht angebracht, denn der junge Nukleus um Russell, Clarkson, Ingram, Randle oder auch Nance Jr. hat sehr viel Potential und dürfte noch lange nicht am Zenit sein. Sollte in diesem Sommer ein Lonzo Ball dazu kommen, dann könnte sich aus diesem Kern einiges entwickeln.

Voraussetzung ist jedoch, dass das Management der eigenen Entwicklung nicht wieder ein Ei ins Nest legt und weitere Free Agents á la Mozgov und Deng verpflichtet.

Die Entwicklung des jungen Teams wird noch eine ganze Weile dauern. Von Finals oder gar Ringen darf in L.A. also auch in den kommenden Jahren nicht gesprochen werden.