11 Mai 2017

11. Mai, 2017


Die Top-Klubs machen den NBA-Titel unter sich aus, während die meisten Franchises die Saison 2016/17 längst abgehakt haben und optimistisch/pessimistisch in die Zukunft blicken (müssen). Wir röntgen in unserem gewohnten 30er Split alle Teams, analysieren ihre Situation und prognostizieren den bevorstehenden Sommer. Heute: die Indiana Pacers.

von HARALD MAINKA

Saison 2016/17
Indiana versprach sich durch namhafte Neuverpflichtungen und einer damit einhergehenden Generalüberholung der spielerischen Ausrichtung einen schnellen und furchtlosen Wiederaufstieg in die Beletage der Eastern Conference. So wie in „Neues Modell. Originalteile.“? Sorry, weit gefehlt.

Das neu erbaute Chassis klapperte derart gewaltig durch die ersten Saisonmonate, dass Larry Bird mit nahender Trading Deadline mit dem ganz und gar nicht für möglich gehaltenen Super-GAU kokettierte: einem Trade von Paul George.


Der Flügelspieler zeigte sich erst verwundert, dann beleidigt, gab im Folgenden sein Wunschziel durch (die Lakers!), schnallte sich nach ausgebliebenem Wechsel wieder an und drückte das Gaspedal ordentlich durch.

Das Management stellte ihm seinen alten Buddy Lance Stephenson zur Seite. Danach tat George, was Superstars nun mal tun: er zog den bereits zu diesem Zeitpunkt enttäuschenden Kader aus dem Dreck und gerade noch so in die Playoffs.

Die Serie gegen die Cavaliers war dann die Nussschale einer unzulänglichen Pacers-Saison, in der einmal mehr der Ärger und Frust von Nummer 13 über den fehlenden Kampfgeist im Team in Topleistungen katalysierte. Ohne jegliche Stabilität und spielerischer Variabilität schied eine Truppe aus, die aufgrund des drohenden Rosenkriegs in dieser Form wohl nicht mehr zusammen kommen wird.

Offseason Agenda
Larry Bird hat nach dem frühen Playoff-Aus bereits den Motorhelm abgenommen und ihn an Kevin Pritchard vererbt. Dieser darf sich nun daran versuchen, ein völlig verrostetes Teamkonstrukt wieder zum Laufen zu bringen.

Er startet dabei von der Start- und Zielgeraden namens, erraten, „Paul George“. Sofern er am 26. Juni im Rahmen der schon jetzt unsäglichen Awards-Show in eines der drei All NBA-Teams gewählt wird, kann Indiana ihm im Falle einer Vertragsverlängerung einen Super-Max und gleich 70 Millionen Dollar mehr als jedes andere Team der Liga anbieten.

Was als Clou des neuen CBA begann, wird Teams aus grauen Märkten nun zum Verhängnis: die oft gelobte Loyalität ihres Starspielers scheint sich mehr und mehr aufzulösen, George kokettiert erst recht nach dem Geschachere im Februar sehr offen mit einem Wechsel zu den Lakers. Dies verschlechtert Pritchards Position gewaltig, schließlich wird PG-13 im nächsten Sommer 2018 Unrestricted Free Agent.

Diese stolze Franchise muss sich fragen, ob sie an Georges Geduld und den Glauben appelliert, in absehbarer Zeit mit diesen Pacers um die Meisterschaft spielen zu können? Die vorzeitige Vertragsverlängerung, zu welchem Preis auch immer, hat oberste Priorität für die Pacers.

Personal
Paul George und die 70 Millionen hatten wir ja bereits. Erst wenn das geklärt ist, kann sich Pritchard um die restlichen Pferdestärken kümmern. Der vertragsfreie Jeff Teague hatte Startschwierigkeiten, ist in einem Trio mit George und Myles Turner dennoch der verlässliche Playmaker, den Indiana in ihm gesehen hat.

Thad Young ist die solide Option für die Vier und ein guter Fit zum jungen Fohlen auf Center. Lance Stephenson bringt die dringend benötigt Straße in Indianas Spiel, scheint nur dort zu funktionieren und seine vier Millionen Dollar sind trotz seiner paranoiden Aussetzer auf der Platte ein kalkulierbares Risiko.


Der Supporting Cast ist solide, jung, keiner zweifelt die Stallorder an. Es hat sich jedoch gezeigt, dass sich auf den hinteren Bankplätzen ein Plattfuß nach dem anderen befindet. Monta Ellis ist eine Verleumdung seiner selbst, Lavoy Allen und Kevin Serpahin sind maximal unterer Durchschnitt, Al Jefferson funktioniert nur noch als Basketballrentner. Mit C.J. Miles ist der einzige Three and D-Spieler vermutlich als Free Agent weg.

Und über Nate McMillan, den Mann an der Seitenlinie, haben wir bis hierhin noch gar nicht gesprochen.  Brauchen wir auch gar nicht. Schließlich ist im Falles eines George-Trades alles Makulatur. Sein Gegenwert wäre gewaltig: junge, entwicklungsfähige Spieler und ein hoher Draftpick. A propos…

Draft
Roy Hibbert, Paul George, Lance Stephenson, Myles Turner - die Pacers können draften. Der 18. Pick ist bei ihnen gut aufgehoben. Es hat sich gezeigt, dass der Truppe Spieler mit Two-Way-Potential fehlen. Hauptaugenmerk sollte auf den defensiven Fertigkeiten eines Shooting Guards liegen, Indianas Perimeter-Verteidigung muss wieder stabiler werden.

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Aus den bekannten Gründen mutieren die Pacers zu eines der spannendsten Teams rund um die Draft. Passiert der George-Trade wirklich, geht nichts ohne den einen hohen Pick - und könnte den einen oder anderen Mockdraft nachhaltig verändern.

Ein Lakers-Trade kann alles verändern, würde wohl D’Angelo Russell bringen und die Frage, wer den Ball bringen soll: jener Russell, Lokalpatriot Teague oder einer der Star-Rookies Markelle Fultz und Lonzo Ball? Und da wäre ja noch Josh Jackson - ein spielintelligenter Flügel mit nicht weniger Starpotential.

Zukunft
„Entweder du gehst mit der Zeit, oder du gehst mit der Zeit“ - die Pacers sollten es dabei bewenden lassen und einsehen, dass sie in diesem Leben mit Paul George keine realistische Chance auf die Championship haben werden. Dem einstigen Franchise-Player hat keine Lust, sich Jahr um Jahr an besseren Teams mit besseren Aussichten die Zähne auszustoßen.

Die Franchise hat nicht das Gespür, um die nötigen Puzzleteile herauszufinden und zusammen zu setzen. Die Teamchemie wurde bereits während der Saison nachhaltig gestört. Viele Spieler im Kader sind kaum brauchbares NBA-Material, Jeff Teague wird ein teurer, solider Point Guard.

Drei Jahre nach den Conference-Finals hat die Franchise keine Antworten für das moderne NBA-Spiel. Nate McMillan hat bewiesen, dass die Unkenrufe vor der Saison berechtigt waren. Uninspirierte Plays und die fehlende Teamchemie gehen auf ihn zurück.

Die Pacers müssen sich der Identitätskrise stellen. Für wen oder was steht der in den Playoffs ausgegebene Slogan „Indianas Sport. Indianas Team.“? Paul George sollten sie nicht befragen…