18 Mai 2017

18. Mai, 2017


Am kommenden Wochenende (19./21. Mai) richtet ganz Basketball Europa seine Blicke nach Istanbul. Die vier besten Teams der Saison suchen im Final Four der Euroleague Saison 2016/17 ihren Champion. Brisanter, packender und energiegeladener könnten Basketballspiele nicht sein. Wir sprechen von der ganz großen Bühne, von do-or-die Spielen und deren einzigartige Momente, in denen jedes Jahr aufs Neue Helden geboren werden. Wir haben alle Szenarien durchgespielt und sagen Euch, warum die jeweiligen Teams aus ihren Spielen als Sieger hervorgehen werden. Ein Tipp ist schier unmöglich - wir wagen es aber trotzdem.

von FELIX STEINER

ZSKA Moskau vs. Olympiacos Piräus
Moskau galt vor Beginn der Serie mit Baskonia Vitoria Gasteiz als klarer Favorit. Die Russen taten sich jedoch überraschend schwer und konnten die Duelle gegen die Spanier nur knapp für sich entscheiden.

In Spiel zwei brauchte es sogar einen Offensivrebound und zwei Freiwürfe von Kyle Hines in der Schlusssekunde, um einer Niederlage zu entkommen. Letztendlich setzte sich ZSKA aber doch souverän mit 3:0 durch und steht standesgemäß auch 2017 im Final Four.

Moskau gewinnt, weil das Offensivfeuerwerk der Russen auch vor der exzellenten Defense von Olympiacos keinen Halt machen wird. Dies haben bereits die beiden Spiele in der abgelaufenen Spielzeit gezeigt.

81 sowie 90 Punkte schenkten die Mannen um die zweiköpfige Backcourt-Maschinerie aus Nando de Colo und Milos Teodosic den Griechen ein. Zwei durchaus beachtliche Zahlen, hatte die beste Defense der Liga sonst seinen Gegnern nur schmale 74,2 Punkte im Schnitt erlaubt.

De Colo und Teodosic werden den Perimeter dominieren und die defensiven Schwächen des in die Jahre gekommenen Spanoulis schamlos offenbaren. Fällt der defensiv vielseitige Guard Matt Lojeski bei Piräus tatsächlich aus, wird das Guard-Duo den Backcourt komplett kontrollieren.


Kyle Hines, bester Verteidiger der Euroleague Saison 2015/16,  wird von Foulproblemen verschont bleiben und auch im Halbfinale der entscheidende Anker unter dem defensiven Brett sein. Hynes wird auch gegen Olympiacos die Matchups mit Größennachteil durch seine bestechende Athletik, Energie und Präsenz in der Zone kompensieren.

Der erweiterte Frontcourt um erfahrene Größen wie Victor Khryapa, James Augustine, Nikita Kurbanov und Andrey Vorontsevich wird die Boards von ZSKA ausreichend beschützen und vermeintliche Vorteile Olympiacos zur Nichte machen.

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Sollte es einen griechischen Basketball-Gott geben, so trägt er den letzten Wochen nach sicher den Namen Vasilis. Die Rede ist natürlich vom 34-jährigen Veteran Vasilis Spanoulis.

Nicht wenige Experten sahen die Serie zwischen den Griechen und Anadolu Efes komplett offen. War sie auch. Bis Spanoulis in Spiel fünf sein Heer wie einst Ares durch die Schlacht zum Sieg führte und damit dessen Feldzug um den Schauplatz Final Four in Istanbul erweiterte.


Die Big Men werden unermüdlich am offensiven Brett attackieren und Piräus über 40 Minuten immer wieder von zweiten Wurfchancen zehren lassen. Für beeindruckende 17 Offensivrebounds sorgten Khem Birch, Georgios Printezis, Nikola Milutinov und allen voran Energizer Kostas Papanikolaou im direkten Duell der Saison in Woche fünf.

Piräus siegt auch, weil sich Spanoulis und Kollegen erneut auf die Unterstützung und Vielseitigkeit von Printezis verlassen können (12,8 Punkten im Schnitt gegen Efes). Er gehört seit Jahren zu den entscheidenden Säulen im Angriff der Griechen.

Tipp
Moskau wird ein umkämpftes Halbfinale gegen Piräus für sich entscheiden. Die Titelverteidigung bleibt für ZSKA in diesem Jahr allerdings aus.


Fenerbahce Istanbul vs. Real Madrid
Es scheint, als hätte Fenerbahce pünktlich zum Start der Playoffs einen Reset Knopf gefunden, der alle Verletzungssorgen und Schwächeperioden der regulären Saison komplett vergessen lässt.

Die Performance in den Aufeinandertreffen mit Panathinaikos Athen versetzte viele in Staunen. Die Türken holten sich bereits im ersten Gastauftritt im tobenden OAKA schier unbeeindruckt den Heimvorteil zurück und dominierten die Serie letztendlich mit 3:0.

Aus einer geschlossenen Teamleistung ragte Bogdan Bogdanovic heraus. Istanbul gewinnt,  weil Bogdan Bogdanovic‘ MVP Form das Team vor eigenem Publikum beflügeln wird.


Sind es Statlines des jungen Serben, wie 23 Punkte, 5 Rebounds, 4 Assists, 2 Steals und 3 Blocks wie aus Partie eins der Playoffserie gegen PAO oder doch diese abgezockte Ruhe gepaart mit einem furchteinflößenden Killerinstinkt, die mehr schockieren?

Bogdanovic steht für beides und wird zusammen mit ,,Mikrowelle“ Bobby Dixon zeigen, dass das Pick & Roll nur eine seiner tödlichen Waffen ist. Steht bei Real gerade Center Gustavo Ayon auf dem Feld, wird das Duo Missmatches kreieren und die Matchups dominieren. 22 gemeinsame erfolgreiche Dreier alleine gegen Athen sprechen eine für Real sehr beängstigende Sprache.

Istanbul zieht ins Finale ein, weil Real neben der Big-Men Kombination aus Center Jan Vesely und Power Forward Ekpe Udoh gerade das Lineup mit stretch vier Schütze Nikola Kalinic Kopfzerbrechen bereiten wird. Auch Panathinaikos musste dies schmerzlich erfahren. In den drei vergangen Playoff Partien schoss der serbische Forward überragende 66,7 Prozent von Downtown.

Sollte ,,Fener“ doch in Bredouille geraten, wird Zen-Master und Trainerlegende Zeljko Obradovic für die Türken auch in der hitzigen Atmosphäre kühlen Kopf bewahren und für seine Mannen an den richtigen Stellschrauben zum Einzug ins Finale drehen.


Als Erster der regulären Spielzeit ging Real als klarer Favorit in das Erstrundenduell mit Darussafaka Dogus Istanbul. Auch die faustdicke Überraschung des Auswärtserfolgs der Türken in Spiel zwei warf die Madrilenen nicht aus der Bahn.

Angeführt vom starken Sergio Llull ließ Madrid keine großen Zweifel aufkommen und steht durch ein 3:1 gegen das Team um Brad Wanamaker nun im Final Four.

Das Halbfinale gegen Fenerbahce vereint zwei echte Schwergewichte des europäischen Basketballs, wobei der Sieger der Partie wohl als Titelfavorit ins Finale geht. Madrid gewinnt, weil Sergio Llull einen magischen Abend erwischen wird.


18,5 Punkte im Schnitt in den Playoffs waren erst der Anfang des Spaniers. Er wird auch im Spiel gegen ,,Fener“ tief in die unendlichen Weiten seiner Trickkiste greifen, die schwierigsten Würfe treffen und sich für den schmerzlichen Sweep aus dem letzten Jahr revanchieren.

Madrid gewinnt, weil Trainer Pablo Laso auf den tiefsten Kader Europas zurückgreifen kann, der ihm gegen die Türken für jegliche Situation die nötigen Optionen bereit hält.

Darüber hinaus wird Center Gustavo Ayon auch im Halbfinale wieder ,,Mr. Zuverlässig“ sein (sagenhafte 78.1% Feldwurfquote in den Playoffs!) und mit Basketball IQ sowie ausgezeichnetem Passinggame die Real Offense heiß laufen lassen.

Die defensiven Probleme Ayons wird Laso dabei über den athletischeren Center Othello Hunter sowie Ausnahmeathlet Anthony Randolph effektiv kompensieren.

Real geht als Sieger aus dem Sinan Erdem Dome, weil sie das Spiel bis in die Crunchtime offen halten, sich auf die Dienste Llulls verlassen können und Fenerbahce vor dem Druck der eigenen Kulisse in den entscheidenden Situationen Nerven zeigt.

Tipp
Real wird zwar all seine Erfahrung und Genialität eines Sergio Llulls in die Waagschale werfen, am Ende aber gegen die Türken den Kürzeren ziehen. Fenerbahce wird vom Heimpublikum bis ins Finale getragen und den Sinan Erdem Dome am Ende als Euroleague Champion 2017 verlassen.