05 April 2017

5. April, 2017


Die NBA Playoffs starten in eineinhalb Wochen. Bevor sich die finalen Entscheidungen ergeben und die Begegnungen der ersten Runde feststehen, diskutiert die #NBACHEF Redaktion: Welche Herausforderer würden die beiden Titelfavoriten ins Schwitzen bringen? Wer sind die X-Faktoren? Und welche Serien wollen die Redakteure unbedingt sehen?

von NBACHEFSQUAD

Der spannendste Erstrunden-Herausforderer für die Cavaliers

Torben Siemer @LifeOfTorben: Eigentlich dürfte den Cavaliers niemand gefährlich werden, denn LeBron James verliert keine Spiele in Runde eins. Eigentlich sind die Cavaliers aber auch nicht die seit Wochen mieseste Defensive der NBA. Und eigentlich sollten Top-Seeds einer Conference im März nicht zehn Spiele verlieren. Interessant werden dürfte eine Serie gegen Miami, denn das Team von Coach Erik Spoelstra hat seit dem Jahreswechsel eine bessere Bilanz als der amtierende Champion.

Jan Wiesinger @WiesiG: Ich gehe hier mal klar mit den Bulls. Die haben zwar eine ganze Menge Probleme, von denen aber einige bei einer kürzeren Rotation in den Playoffs gemindert werden dürften. Jungs wie Jimmy Butler, Robin Lopez und Rajon Rondo sind zudem mit Erfahrung und Siegeswillen ausgestattet. Dwyane Wades noch in den Sternen stehende Rückkehr würde hier auch einen Zugewinn bedeuten, auch wenn es zuletzt auch ohne D-Wade lief. Ich halte die Bulls auch wegen ihrer mangelnden Konstanz für schwer ausrechenbar. Dass sie Probleme für die Cavs bedeuten könnten, zeigt die 4-0 Bilanz pro Bulls eindrucksvoll.


Stefan Dupick @hoopsgamede: Ein Duell mit den Heat wäre in der ersten Runde ein Kracher! LeBron zurück am South Beach, hier ist der King immerhin zweimal Meister geworden. Miami ist derzeit in einer guten Verfassung, Coach Spoelstra holt aus dem Team das Maximum heraus und gegen die Cavs wäre ein weiterer Motivationsschub möglich.

Anno Haak @kemperboyd: Ich will nicht, ich will nicht, ich will nic... Ich! Muss! Chicago. Saisonbilanz: 4-0. Für! Die! Bulls! Jetzt sind Ausrufezeichen aus, und wohl auch deshalb wird es nicht dazu kommen. Das Bulls-Restprogramm: Nets (x2), Sixers, Knicks (ohne Rose & Noah, ok als wären die mit denen ernstzunehmen) und Magic. 1,0 Rückstand auf die Hawks, die im Moment gegen alles abstinken, was zehn Beine auf den Platz bringt. Heißt wohl Platz sechs. So tief (Platz drei) werden selbst die Cavs nicht sinken.

Daniel Schlechtriem @W14Pick: Miami. Die Heat sind im Kalenderjahr 2017 bemerkenswert gewachsen. South Beach als ehemaliges Zuhause von LeBron James bietet mehr als die immer gerne gesehene Extraportion Dramaturgie, für Miami sprechen eine Reihe von Gründen: Mit Goran Dragić bringen die Heat einen Strippenzieher aufs Parkett, der die wacklige Verteidigung des Champions in Probleme zu bringen vermag. Cleveland hat keine Antwort auf Hassan Whiteside. Dion Waiters kehrt bald zurück und hat nicht die besten Erinnerungen an seine Zeit in Ohio. Und zu guter Letzt ist da noch Erik Spoelstra, der LeBron wahrscheinlich besser kennt als jeder andere aktive NBA-Coach. Das sind alles keine Grundlagen für einen ernstzunehmenden Upset-Alarm – aber wenigstens müssten sich die Cavs endlich mal für den Einzug in die zweite Runde strecken.


Der spannendste Erstrunden-Herausforderer für die Warriors

Siemer: Spannend ist bei Erstrundengegnern wohl relativ, so wie die Golden State Warriors gerade durch die Liga rollen. Die Rückkehr von Kevin Durant steht auch kurz bevor, wer also soll dieses Team in Runde eins fordern? Ich würde gerne sehen, was Nikola Jokić in den Playoffs gegen eine der besten Defensiven der Liga aufbieten kann.

Wiesinger: Ganz klar Portland. Nach den hohen Erwartungen aus der Vorsaison enttäuschten die Blazers über weite Strecken und sogar Trades für das dynamische Backcourt-Duo McCollum und Lillard wurden kolportiert. Die Formkurve zeigt zuletzt mit 14 Siegen aus 18 Spielen rapide nach oben. Das Aufeinandertreffen wäre zudem immerhin eine Neuauflage der letztjährigen Semi-Finals im Westen. Fällt Durant aus, dürften insbesondere die Guard-Matchups an beiden Enden des Feldes interessant werden. Einen Upset sehe ich aber nicht.

Dupick: Die Portland TrailBlazers haben es sich verdient! Seit dem Nurkić-Trade spielen die Blazers wie entfesselt. In einer Serie gegen die Dubs dürfte Nurkić zudem zu einem Faktor werden. Der Bosnier könnte die Zone dominieren und die Warriors somit vor Probleme stellen, denn mit der gigantischen Statur des Centers hat selbst Elite-Defender Draymond Green seine Probleme. Eine Portland/Golden State-Serie würde ein offener Schlagabtausch und somit für die Zuschauer sehr attraktiv. Ein offensives Feuerwerk wäre zu erwarten, das würde Damian Lillard und C.J. McCollum in die Karten spielen. Speziell Lillard ist in den Duellen gegen die Warriors immer besonders motiviert.

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Haak: Ja, New Orleans. DeMarcus Cousins hatte seine Koffer in Sacramento noch nicht gepackt, da haben mir alle schon erzählt, wie sie Big Ball als Kryptonit gegen Supermanteam einsetzen werden. Real: Golden State stellt Top zwei Offense und Defense ligaweit und KD kommt (wahrscheinlich) bald zurück. Es gibt keinen spannenden Herausforderer. Portland ist wenigstens unterhaltsam. Ergo die Blazers.

Schlechtriem: Anders formuliert... Nikola Jokić oder Damian Lillard? Ich gehe mit Lillard, denn Portland ist nicht nur besser in Form und hat in der Addition von Jusuf Nurkić einen Volltreffer gelandet, die Blazers haben auch mehr Playoff-Erfahrung und in Lillard und C.J. McCollum einen Gegenpol gegen die Schützen der Warriors. Davon ab wäre es fatal, wenn Evan Turner und Allen Crabbe mit diesen Bezügen schon Mitte April in Sommerurlaub fahren dürften.


Der X-Faktor im Osten

Siemer:
Toronto. Kann ein Conference-Finalist des Vorjahres wirklich X-Faktor sein? In meinen Augen ja, denn mit den Verpflichtungen von Serge Ibaka und P.J. Tucker können die Raptors alle Positionen wirksam verteidigen. Entscheidend wird sein, wann und wie Kyle Lowry nach seiner dann knapp zweimonatigen Pause zurückkehrt. Stärker als vor einem Jahr ist Toronto aber so oder so.


Wiesinger: Es ist zwar eher ein Bauchgefühl als eine logische Argumentation, aber ich gehe mit Toronto. Klar hatten die Raptors in den letzten Jahren immer wieder enorme Probleme in den Playoffs, klar fehlt mit Kyle Lowry einer ihrer wichtigsten Jungs. Aber irgendwas sagt mir, dass insbesondere die Addition von Boxchampion Ibaka und die weitere Qualitätssteigerung in DeMar DeRozans Game Garant für eine Menge Potenzial sind. Die Fans in Toronto dürfen sich auf einige Abende Public-Viewing freuen. Wenn dann noch Lowry halbwegs fit zurückkehrt, zittern alle anderen Ost-Teams vor Ehrfurcht.

Dupick: Die Toronto Raptors! Voraussetzung: Kyle Lowry ist fit! Vor seiner Verletzung zählte der 31-Jährige zu den besten Point Guards der Liga. Mit einem stark aufspielenden Backcourt um Lowry und DeMar DeRozan sollten die Cavs generell einige Probleme haben. Zudem sind die Raptors mit den Neuzugängen Ibaka und Tucker sowohl offensiv wie defensiv stark aufgestellt. Mit Tucker, Ibaka und DeMarre Carroll gibt es zudem drei Spieler, die es in der Defensive zumindest einigermaßen mit LeBron aufnehmen können.

Haak: Toronto. Top drei Defense seit All-Star. Lowry noch in der Hinterhand. Die zweite Runde dürfte das Matchup mit dem Champ bringen. Das ist zu früh für den besten Zwei-Wege-Point-Guard der Liga. Ergo keiner. Bis LeBron nicht mit Krämpfen im Konfettiregen des Gegners in fremder Halle irgendwen zum Glückwunsch umarmt, heißt mein Eastern Conference-Champion Cavaliers.

Schlechtriem: Seit der Trade Deadline sind das die Raptors. Mit Ibaka und Tucker gehen die Dinos All-In und haben jetzt alle Teile für den großen Coup beisammen. Vorausgesetzt Kyle Lowry ist zurück, sobald es ernst wird, gehe ich sogar so weit zu sagen, dass der Weg im Osten in die Finals nur über Kanada führt.


Der X-Faktor im Westen

Siemer: Utah. Auch wenn die Offensive in den letzten Spielen merklich stottert, die Jazz haben in dieser Saison den Sprung zum Top-Team geschafft. Wenn Gordon Hayward auch in den Playoffs vorangehen kann, traue ich ihnen dank der von Rudy Gobert verankerten Defensive die eine oder andere Überraschung zu.

Wiesinger: Da nehme ich die Rockets. Das, was ich in dieser Saison von den Jungs gesehen habe, hat mich überzeugt. 7-seconds-or-less, krasses Geballer und Harden als PG passen für die Houston-Offensive wie der gläserne Schuh für Aschenputtel. Wie es dann in den direkten Aufeinandertreffen aussieht, ist schwer abzuschätzen und korreliert leider sicher auch wieder mit dem Verletzungspech. Die Clippers, OKC und Memphis überzeugen mich allesamt nicht wirklich. Ich würde meinen kleinen Finger drauf verwetten, dass die Plätze #1 bis #3 die erste Runde locker überstehen. Anyone?

Dupick: Die Houston Rockets sind in der Lage, nahezu jeden Gegner zu überrennen. Wenn das Team einen guten Tag hat, dann wird jeder Gegner aus der Halle geschossen. Angeführt von Superstar James Harden ist nahezu jeder Rocket in der Lage, Verantwortung zu übernehmen und ein 30-Punkte-Spiel aufs Parkett zu bringen. Egal ob Lou Williams, Eric Gordon, Ryan Anderson oder Trevor Ariza, einer ist fast immer „on fire“. Auch am anderen Ende des Feldes sollten die Rockets nicht unterschätzt werden, schließlich verfügen Sie in Clint Capela, Patrick Beverley oder Ariza auch über durchaus solide Verteidiger. Die Rockets sind gefährlich!

Haak: Ich will Memphis sagen. Vong 2011 her. Aber 2011 ist das Basketballjahr des deutschen Adlers, nicht des Braunbären. Also hänge ich mich aus dem Fenster über den Salzsee und sage: Utah! Eine Mannschaft, die für die Postseason gebaut scheint. Defensivzentriert, langsam spielend, an guten Tagen eklig zu bearbeiten. Blöd, dass sie in Runde eins auf die „23 Siege in 22 Spielen gegen Utah“-Clippers treffen.

Schlechtriem: Die Jazz hätten die Mittel für einen Upset, bekommen aber gleich in der ersten Runde mit den L.A. Clippers ihr miesestes Matchup. Die wiederum haben gegen die Spurs und Warriors so gar nichts zu melden. Den Grizzlies und Thunder fehlt überall Qualität. Bleiben nur die Rockets, denen ich gleichzeitig sehr viel und sehr wenig zutraue. Wenn aber irgendwer die Conference Finals zwischen San Antonio und Golden State zu verhindern vermag, dann ist es der Dreierregen um James Harden.



Diese Serie muss kommen

Siemer: Ich hätte schon gerne „Warriors x Cavaliers, III. Akt“ im Programm. Kevin Durant wird bis dahin wieder auf dem Feld stehen und dann neben all den aus dem 3-1 des Vorjahres erwachsenden Revanchegelüsten auch irgendwo im Hinterkopf haben, dass LeBron 2012 eine potentielle Thunder-Dynastie gestoppt hat. Dazu das Duell Steph Curry gegen Kyrie Irving – gekauft!

Wiesinger: Houston gegen Utah. Die beste und schnellste Offense trifft auf das defensive Bollwerk der Liga. Ein Kampf der Systeme, der die NBA-Puristen in zwei Lager teilen wird. Eine ganze Menge interessanter Matchups und offener Fragen wartet auf uns: Wie kann Utah Houston den Dreier nehmen? Und sind sie in der Lage, vorne auch konstant über 110 zu scoren? In der regulären Saison gelang das den Jazz zumindest zwei Mal und die Crew aus Utah besiegte Houston in den Aufeinandertreffen mit 2-1.

Dupick: Die Warriors gegen die Thunder wäre schon geil. Spannend wäre diese Serie vermutlich nicht, aber aus dramaturgischen Gesichtspunkten ein Knaller. Durant kommt nach Oklahoma und der Frust und Hass der Thunder-Fans gegen den ehemaligen Liebling machen die Chesapeake Energy Arena zum Hexenkessel. Russell Westbrook wird versuchen, die Serie alleine zu gewinnen, legt 45-12-12-10 (Turnovers) auf und muss trotzdem mit ansehen, wie die Thunder mit einem Sweep aus den Playoffs ausscheiden. Für den neutralen Zuschauer dennoch ein Traum.

Haak: Ich würde ja sagen, 2016 Warriors gegen 2017 Warriors. Aber ich habe mir zu Weihnachten nie ein Pony gewünscht, also mache ich es bescheiden realistisch. Thunder gegen Rockets will ich sehen. Westbrook gegen Harden im Optimalfall über sieben(!) Spiele. Auf der einen Seite der größte MVP-Snub seit Jordan 1997, auf der anderen Seite Harden. Bis zu sieben Spiele diese beiden Monster (für Roboter hat Harden zuviel Haarwuchs)? Wow. Ich brauche keine Finals, ich brauche kein einseitiges KD vs. LeBron Rematch in den Finals. Die beste Erstrundenserie seit Sonics gegen Nuggets 1994, bitte!



Schlechtriem: Im Osten aus bereits genannten Gründen die Raptors gegen die Cavaliers. Torontos GM Masai Ujiri hat die ganze Spielzeit auf dieses Duell hingearbeitet und es sieht seit LeBrons Rückkehr erstmals nach starkem Gegenwind aus: Der Norden vergisst nicht! Im Westen war das MVP-Duell zwischen Russell Westbrook und James Harden geradezu unvermeidlich und wird eines der aufregenderen der ersten Runde. Bei den Finals bleibe ich abstrakt: Jedes Duell, das nicht die Cavaliers und die Warriors beinhaltet. Ein Mann braucht Abwechslung!