14 April 2017

14. April, 2017


Nicht, dass die abgelaufene Saison arm an guten Storylines gewesen wäre, aber... Playoffs, yo! In den nächsten acht Wochen ist endlich richtiger Basketball angesagt. Auch hier bei NBACHEF, wo wir euch mit Postseason-Content mästen. Zum Auftakt wie immer die acht Erstrundenserien im Schnellcheck - straight auf den Punkt.

von SEB DUMITRU @nbachefkoch & ANNO HAAK @kemperboyd

Entrée
Washington empfängt in der 4/5 Serie der Eastern Conference Atlanta. Das Team mit Heimvorteil wollte heuer seine enttäuschende Spielzeit 2015/16 vergessen machen - mit neuem Coach und neuer Ausrichtung. Stattdessen stolperten die Wizards zu einem 2-8 Fehlstart und 7-13 Bilanz nach dem ersten Saisonviertel.


John Wall und Bradley Beal waren das Gegenteil von BFFs, die Bank war mieser als Morgan Stanley, ein weiteres Jahr drohte den Abort hinunter gespült zu werden. Dann packte Scott Brooks seine gespeicherte "Ihr seid genauso gut wie Russ & KD" Ansprache aus.

Das Resultat? Washington drehte durch, gewann 17 Heimspiele in Folge, powerte direkt in die "Welches Ost-Team kann Cleveland schlagen wenn Cleveland sich selbst schlägt" Konversation. Der erste Division-Titel seit 1979 und eine günstige Ausgangsposition auf der anderen Seite des Cavs-Playoff-Brackets lässt de Wizards von den Conference Finals träumen.

Gäbe es Nulpen wie die Orlando Magic, das Chicago Bulls Front Office oder die Sacramento Kings nicht, wäre Atlanta das enigmatischste Team der Liga. Sie haben aus der Saison den Al Horford unter den Spielzeiten gemacht. Den All Star wollte man zwar halten, aber bitte zum Discount-Preis. Weil man frisch gefangene Austern nicht in der Fischkühltruhe bei Lidl findet, wurde das nichts.

Also schenkten sie Kyle Korver den Cleveland Schalters und setzten mit Millsap auf dem Tradeblock auf den Prozess des Südens. Millsap war aber die Austern, die die Lidl-Einkäufer vom Deadline-Day nicht finden wollten. Jetzt habe ich mein Bild verrissen, aber die Hawks spielten eine Saison, die weder Fisch noch Fleisch war.

Als Millsap niemand wollte und sich für Dunleavy kein drittes Team fand, entschieden die Hawks, dass sie in die Playoffs wollten. Und im Osten hatte ja auch niemand was dagegen. Man wird sie künftig die „Sie ließen Chicago Achter werden“-Conference nennen. Das war hässlich, aber immerhin ein luxuriöser Übungsplatz für Deutschland-Dennis. Am Ende gab es im Vakuum zwischen Rebuild und Playoff-Race 43 Siege und Platz fünf.


Warum Washington gewinnt
Weil Washington das bessere Team sind. Der Backcourt mit Wall und Beal zählt zu den drei, vier besten ligaweit - und ist definitiv um Längen besser als Atlantas. Wall ist der zweitbeste Passgeber der NBA, ein Rennwagen mit eingebautem Doppel-Turbo-Boost und perfekter Traktionskontrolle.

Beal hat es in seinem fünften Profijahr endlich geschafft, gesund zu bleiben - und liefert von der Shooting Guard Position Top-Leistungen ab. 23.1 Punkte pro Partie und 48 Prozent aus dem Feld sind neue Karrierebestleistungen in Beals Karriere-Jahr.


Die verbesserte Ersatzgarnitur ist zwar nicht all das, was wir direkt nach der Trading Deadline antizipierten; Bojan Bogdanovic ist abgekühlt, Brandon Jennings spielt kaum, Ian Mahinmi ist keine Offensivgefahr. Zumindest implodiert Brooks' Team aber nicht mehr gänzlich, sobald die Starter eine Verschnaufpause brauchen. Kelly Oubres starker April macht zusätzlich Mut.

Apropos Starter: Washingtons erste Fünf ist die am meisten genutzte der gesamten NBA, stand fast 500 Minuten länger auf dem Parkett als jede andere Fünf der Liga. Das exzellente Net-Rating dieser Kombo demonstriert obendrein, dass sich die Protagonisten hier nicht nur ausgezeichnet kennen, sondern fast perfekt harmonieren.

Ein weiterer Bonuspunkt: niemand hat mehr Wiederholungen in engen Crunchtime-Situationen gesehen als dieses Quintett. Seine Effizienz in den entscheidenden Phasen enger Partien ist überragend. Jeder weiss, wo er stehen muss, jeder weiss, wer was tun wird.

Washington ist vielleicht kein Elite-Team auf Top-Fünf Niveau. Die Wizards haben aber bewiesen, dass sie offensiv mit jedem mithalten können. Ihre Defensive fiel nach der All-Star Pause zwar scharf ab, platzierte aber zwischendurch im oberen Drittel. Aktive Hände und viele Live-Ball Turnovers powern das verheerende Transition-Spiel der Wiz an.

Die Reise in Richtung Conference Finals beginnt hier. Gegen einen Gegner, den die Wizards, davon sind sie in D.C. überzeugt, schon vor zwei Jahren geschlagen hätten, wenn sich Wall bei einem unglücklichen Sturz nicht die Hand gebrochen hätte. Eine schnelle Serie gegen überforderte/inkostante Hawks und eine Zugabe in Runde zwei gegen Boston oder Chicago wäre ganz nach den Vorstellungen in der Hauptstadt.


X Faktor Wizards
John Wall ist der beste Spieler in dieser Serie, and it ain't even close. Dennis Schröder, der gegen Washingtons Defensive mit die schlechtesten Splits seiner Saison auflegte, wird den Wizards All-Star unmöglich bremsen können. Backups wie José Calderon oder Malcolm Delaney noch weniger.


Wall - einziger NBA-Spieler mit mindestens 20 Punkten, zehn Assists und zwei Steals im Schnitt, führte Washington zu 36 Siegen in 50 Partien, wenn er ein Double-Double auflegte. Gegen die schwache Perimeter-Defense der Hawks wird er vermutlich jeden Abend daran kratzen - und Atlantas Chancen in dieser Serie damit mächtig spoilern.


Marquee Matchup
Markieff Morris gegen Paul Millsap. Der Hawk ist der mit Abstand beste, vielseitigste und verdienteste Akteur seines Teams. Morris war lange als enigmatischer Bad Boy mit Persönlichkeitsschwankungen bekannt, hat aber unter Brooks endgültig seine Nische als Stretch Vierer für Arme gefunden.


Gegen die Hawks legte Morris 17 Punkte, sieben Rebounds und zwei Steals im Schnitt auf. Seine aggressive Art kommt den Wizards im Fight gegen softe Falken zugute. Will Atlanta in dieser Serie irgend eine Chance haben, muss es im Frontcourt dominieren, wo es nominelle Vorteile besitzt. Ein motivierter, an beiden Enden effektiver Morris würde einen grossen Teil dieses Plus negieren.


Warum Atlanta gewinnt
Ich habe mehr Statistiken gewälzt als die wahlberechtigten MVP-Voter, um das auszufigurieren, und mir bleibt nur "Historie". Die Hawks sind ein Erstrundenbeast.

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Fünf ihrer neun Erstrundenmatchups haben sie gewonnen, seit sie 2007 den längsten Postseason-Dabei-Sein-Ist-Alles-Run östlich von San Antonio starteten.

Klingt nicht beeindruckend? Die vier Niederlagen kamen gegen einen Conference Finalisten oder den Meister zustande - zwei Mal gegen die Indiana Pacers, zwei Mal gegen die Boston Celtics. Und wer hat die Wizards unter den letzten Zwei im Osten? Na eben.

Paul Millsap hat Playoff-Erfahrung satt, Dwight Howard, Mike Dunleavy, José Calderon, Thabo Sefolosha, Kris Humphries und Ersan Ilyasova ebenfalls. Tim Hardaway legt seit Korvers Abgang starke Zahlen auf.


X Faktor Hawks
Ich könnte jetzt sagen Dwight Howard. Und die Frage hinterher werfen, ob er den „Playoff-Rondo in reverse“ hinter sich lassen kann. Der Mann, der sich selbst einen Champion nennt, hat in den letzten sieben Jahren eine einzige Playoff-Serie gewonnen und eine von den LA Chokers geschenkt bekommen.


Don’t call him a Big Man’s Melo. Ich gehe dennoch mit Taurean Prince und der Frage, ob er den Karrieremonat März wiederbeleben kann. Die Hawks werden ihn als Stopper am Flügel gegen die Punch-Kombo Porter/Oubre brauchen.


Marquee Matchup
Paul Millsap vs. Markieff Morris. P&M ist das Alpha und das Omega der Atlanta Hawks. Vor allem offensiv. Mit ihm sind sie eine der schlechteren Offensiven der Liga, von den Playoff-Teilnehmern nicht zu reden. Ohne ihn sind sie im Nets-Sprengel, schlicht grausam.


Liefert Millsap, liefern die Hawks. Insofern ist der direkte Gegenspieler fast schon egal. Gegen die Wizards lieferte Millsap in der abgelaufenen Saison ein Offensivrating von… Moment, da habe ich mich in der Spalte vertan… nein, doch nicht: 88,8. Öhm? Yikes?!? Aber die Historie, nicht wahr, die Historie…


Die Rechnung, bitte!