13 April 2017

13. April, 2017


Nicht, dass die abgelaufene Saison arm an guten Storylines gewesen wäre, aber... Playoffs, yo! In den nächsten acht Wochen ist endlich richtiger Basketball angesagt. Auch hier bei NBACHEF, wo wir euch mit Postseason-Content mästen. Zum Auftakt wie immer die acht Erstrundenserien im Schnellcheck - straight auf den Punkt.

von SEB DUMITRU @nbachefkoch & TORBEN SIEMER @lifeoftorben

Entrée
Eins gegen Acht. Golden State Warriors gegen Portland Trail Blazers. Das einzige Team, das in drei Jahren nacheinander mindestens 65 Spiele gewann, gegen die Mannschaft, die mit einer Bilanz von 41 Siegen und 41 Niederlagen genau die Hälfte ihrer Spiele gewinnen konnte.

Die 2016/17er Warriors zählen offensiv (1.) wie defensiv (2.) zur Ligaspitze. Die offensive Effizienz bewegt sich wie in den letzten beiden Jahren in den Top 15 – nicht des Jahres, sondern der NBA-Historie.


Mit Steph Curry und Kevin Durant prägen auf der einen Seite die Gewinner der letzten drei MVP-Votings das Spiel, während auf der anderen „nur“ ein ehemaliger Rookie of the Year in Damian Lillard und C.J. McCollum, seines Zeichens (noch) amtierender Most Improved Player, zu finden sind.

Die Ausgangspositionen sind also klar: Während es für Golden State um den zweiten Titel in drei Jahren und die Wiedergutmachung für die Implosion in den letztjährigen Finals geht, will Portland wie im Vorjahr das Upset in Runde eins vollbringen.


Warum Golden State gewinnt
Das beste Team der regulären Saison heisst zum dritten Mal in Folge Golden State Warriors. Obwohl die Kalifornier ihre rekordbrechenden 73 Siege aus dem Vorjahr nicht egalisieren konnten, führen sie die NBA einmal mehr bei den Siegen, der Punktedifferenz und dem Net-Rating an.

Und es war nicht einmal knapp. Die beste Offensive und zweitbeste Defensive der Liga ist gleichbedeutend mit dem zweithöchsten Net-Rating aller Zeiten - direkt hinter Michael Jordans 72-10 Chicago Bulls.

Mit anderen Worten: obwohl die Warriors ein Viertel der Saison ohne ihren besten Scorer, Rebounder und Shotblocker Kevin Durant auskommen mussten, spielten sie die Konkurrenz einmal mehr erst schwindelig und dann an die Wand.


Ist dieses Team also vielleicht sogar besser als im Vorjahr? Das müssen diese Playoffs zeigen. Auf dem Papier haben die Warriors tatsächlich noch mehr Firepower, noch mehr Variabilität und Qualität als in der Vergangenheit.

All das werden die Dubs brauchen, wenn sie sich von der Blamage der vergangenen Finals (erstes Team das jemals eine 3-1 Führung noch verschenkt hat) reinwaschen und in knapp acht Wochen den Larry O'Brien Pokal in die Höhe recken wollen.

Kevin Durant ist nach 19 verpassten Partien wieder am Start. Der 'Slim Reaper' verschwendete keine Zeit, sein brutal effizientes Game wiederzufinden. Portlands wattesofte Defensive - kein Playoff-Team im Westen verteidigt fluffiger - wird Durant die nötigen Wiederholungen am und ab vom Ball ermöglichen, um endgültig wieder auf Betriebstemperatur zu kommen.

Die vier Duelle in der regulären Saison waren nicht nur nicht eng. Sie waren wie wie das Debutalbum der Ultramagnetic MC's. Acht, zehn, 23 und 45 Punkte Unterschied trennten diese beiden Teams bei ihren bisherigen Aufeinandertreffen. Sicher: die fanden alle vor den Entwicklungen post-Deadline statt.

Zu glauben, die Blazers hätten in Jusuf Nurkic die Antidote gefunden, wäre vermessen. Selbst wenn das bosnische Biest fit und produktiv in diese Serie starten sollte: Golden State kann alles, was Portland kann, mindestens doppelt so gut. Und mindestens fünf Mal so viele Sachen, von denen die Trail Blazers keine Ahnung haben.


X Faktor Warriors
Klay Thompson ist, ähnlich wie Draymond Green, mittlerweile stark unterschätzt. Während die Welt von Curry und Durant schwärmt, liefert Thompson unbemerkt roboterhafte 22 PPG bei 41 Prozent von Downtown ab.


Was den All-Star zu einem der besten Wing-Player der Liga macht, ist seine Two-Way Fähigkeit als Angreifer und Verteidiger. Thompson wird es oft mit Lillard zu tun bekommen, der seit dem Nurkic-Trade die Liga abfackelt (30 PPG bei 41% Dreiern).

Wenn Thompson nicht 'Dame D.O.L.L.A' checkt, wird er seinem Klon McCollum hinterher hecheln. Dessen Game findet mehr off-the-ball statt als Lillards, ist jedoch nicht minder effektiv. Je besser Thompson die 'Mini Splash Brothers' eindämmen kann, desto schneller ist diese Serie vorüber.


Marquee Matchup
Curry gegen Lillard. Der Point Guard spielt vielleicht nicht so überragend wie in seiner geschichtsträchtigen MVP-Saison 2015/16, als er die Liga mit 67% True Shooting und absolut bekloppten 402 Dreiern zum stillen Bildschirmschoner degradierte.


Seine Statistiken heuer jedoch, egal ob kumulativ, fortgeschritten und/oder seit Durants Ausfall, sind weiterhin off the charts. Insbesondere gegen Portland und Lillard, denen er in drei Partien 27,3 Punkte bei 49 Prozent aus dem Feld und 48 Prozent von der Dreierlinie eingetrichtert hat.

Currys Einfluss auf das Spiel seiner Warriors schliesst ihn weiterhin in den Kreis meiner MVP-Mitkandidaten mit ein. Golden State ist 16 Punkte pro 100 Angriffe besser, wenn der Chef seine Suppe auf der Platte hat. Sitzt er, sinkt diese Zahl auf Null.

Ihr wisst, ebenso gut wie Portland, was das heisst: nur wenn Curry erneut auf einem Schweisstropfen ausrutscht oder sich anderweitig blessiert, haben die Trail Blazers in diesem ungleichen Offensivduell gegen den besten Shooter aller Zeiten eine kleine Chance.


Warum Portland gewinnt
Die Formkurve stimmt: Vor dem All-Star-Break noch mit 23 Siegen und 33 Niederlagen auf Platz zehn im Westen und auf Platz 21 ligaweit zu finden, legten die Blazers nach der Pause dank 18 Siegen bei nur acht Niederlagen eine der vier besten Post-All-Star-Bilanzen auf.

Unter anderem die Spurs und Thunder wurden je zweimal besiegt, die Rockets einmal. Vor allem die Offensive hat in dieser Phase zugelegt: Nur viermal blieb Portland unter 100 Punkten und nur beim 99-98 gegen die Spurs gab es dank des wilden Buzzerbeaters von Noah Vonleh dennoch einen Sieg.


16 Mal knackten Damian Lillard & Co. die 110 Punkte-Marke, 14 Siegen stehen dann zwei Niederlagen gegenüber – beide nach Overtime. Das Team von Coach Terry Stotts muss also offensiv ins Laufen kommen, wenn es wie im Vorjahr in die Conference Semifinals gehen soll.

Defensiv dagegen wird eine deutliche Steigerung zur regulären Saison nötig sein, um eine Chance zu haben: Platz 27 nur bei der zugelassenen gegnerischen Dreierquote sei da nur exemplarisch genannt, denn mit den Warriors steht das Team auf der anderen Seite, das den eigenen Dreier eh schon besser als 27 andere NBA-Clubs trifft.

Egal ob am eigenen oder am gegnerischen Korb: für vier Siege braucht es neben individueller Bestform auch das eine oder andere Quäntchen Glück, um eine Chance zu haben. Alles andere wäre beim Duell Erster gegen Achter aber auch durchaus überraschend.


X Faktor Trail Blazers
Jusuf Nurkic. Gerade mal 20 Spiele hat der bosnische Center für die Blazers absolviert – und wusste, diese zu nutzen: 15.2 Punkte und 10.4 Rebounds in 29.2 Minuten pro Spiel, dazu 3.2 Assists, 1.9 Blocks und 1.3 Steals. Der 22-jährige Sophomore kam in Denver nicht mehr an Nikola Jokic vorbei, in Portland sorgte er für den Ausbruch des #NurkicFever.


Sorgte, denn nach seinem letzten Einsatz am 30. März wurde bekannt, dass der 7-Footer einen glatten Bruch des rechten Wadenbeins erlitten hat. Nurkic nahm inzwischen teilweise am Shootaround teil, die Hoffnung auf eine Rückkehr besteht also.

Ohne ihn fehlt den Blazers eine Option auf den großen Positionen, denn nach den Ausfällen von Ed Davis und dem in dieser Saison noch gar nicht in Erscheinung getretenen Festus Ezeli stehen mit Noah Vonleh und Meyers Leonard nur noch zwei Big Men im Kader. Ohne Nurkic ginge den Blazers ein starker Offensiv-Rebounder verloren, gleichzeitig eine der wenigen Schwächen der Warriors.


Marquee Matchup
Damian Lillard gegen Steph Curry. Nicht die außergewöhnlichste Wahl, aber Lillard geht wieder einmal mit einer offenen Rechnung in die Playoffs – das All-Star-Game fand wie schon im Vorjahr ohne ihn statt, so richtig begeistert war der 26-Jährige davon selbstverständlich nicht.


Lillard aber wusste diesen Frust in positive Energie umzusetzen: In den 25 Spielen nach dem Break legte der Guard im Schnitt 29.6 Punkte bei Wurfquoten von 47 Prozent aus dem Feld, 41 Prozent von der Dreier- und 88 Prozent von der Freiwurflinie auf. Mit Ausnahme der Freiwurfquote alles klare Verbesserungen zur ersten Saisonhälfte. Bei gleichzeitig knapp zehn Prozent (von 30.7 auf 33.7 Prozent) steigender Nutzungsrate.

Und mal ganz abseits von den Stats: Lillard und Curry sind zwei der offensiv aufregendsten Guards in einer Liga, die im Backcourt insgesamt so viel Qualität wie wohl nie zuvor präsentieren kann.

Beiden ist jederzeit ein 25 Punkte-Viertel zuzutrauen, beide können ohne jede Vorwarnung Feuer fangen und im NBA Jam-Style das Netz in Brand setzen. Um es mit den Worten von Kings-Announcer Grant Napear zu sagen: „If you don’t like that, you don’t like NBA basketball!“


Die Rechnung, bitte!