14 April 2017

14. April, 2017


Nicht, dass die abgelaufene Saison arm an guten Storylines gewesen wäre, aber... Playoffs, yo! In den nächsten acht Wochen ist endlich richtiger Basketball angesagt. Auch hier bei NBACHEF, wo wir euch mit Postseason-Content mästen. Zum Auftakt wie immer die acht Erstrundenserien im Schnellcheck - straight auf den Punkt.

von GERRIT LAGENSTEIN @GAL_Sports

Entrée
Die San Antonio Spurs und die Memphis Grizzlies sind die Franchises im Westen mit den längsten beiden aktiven Playoff-Streaks. Dementsprechend häufig trafen die Divisionsrivalen in den letzten Jahren aufeinander. Das letzte Mal ist noch gar nicht lange her.

Vor zwölf Monaten fegten die Sporen die Grizzlies auf der Jagd nach der Larry O’Brien Trophy mit 4:0 von der Playoff-Karte - genauso wie zuvor schon 2013 und 2004 getan hatten.


Ist Memphis also der Lieblingsgegner des fünffachen Meisters aus Texas? Das ließe sich zweifellos sagen, wenn es da nicht diese eine Serie im April 2011 gegeben hätte. Gregg Popovichs Team hatte gerade 61 Siege eingefahren und wies die zweitbeste Bilanz der gesamten NBA nach den 62 Erfolgen der Bulls auf.

Memphis war froh mit seinen 46 „Ws“ noch nicht in der Offseason zu sein - und der Sommerurlaub musste noch länger warten. Zach Randolph, Mike Conley und Co gewannen nicht nur direkt Spiel eins im AT&T Center, sondern fünf Spiele später im heimischen FedExForum auch gleich die ganze Serie.


Das 4:2 war Memphis erste gewonnene Playoff-Serie überhaupt. Vielerorts wurde der Erfolg der Mannschaft aus Elvis-Town als Aufstieg in die oberen Sphären der NBA gesehen, vielleicht sogar als Öffnen des Championship-Fenster. Sechs Jahre später droht es sich wieder zu schließen oder doch nicht?


Warum San Antonio gewinnt
Captain Obvious: Die Spurs haben den Heimvorteil. San Antonio hat in der laufenden Runde zwar gleich neun Spiele mehr zu Hause verloren als 2015/16, die 40:1-Bilanz war aber auch ein beeindruckender NBA-Rekord. Die zehn Niederlagen heuer sind immer noch die zweitwenigsten der NBA.

Selbst wenn Memphis das Fort Alamo einmal stürmen sollte, muss Memphis immer noch seine eigenen Heimspiele gewinnen. Die 24:17-Bilanz in der regulären Saison war schlechter als der 30:11-Record der Spurs in fremden Hallen.

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Doch die 82 Spiele der Hauptrunde liegen hinter den Teams und spielen damit eine ebenso kleine Rolle wie der Fakt, dass die Regular-Season-Series 2:2 ausging. Die Playoffs sind taktsicher geprägt. Die Trainerteams haben mehr Zeit, um sich auf den Gegner einzustellen.

Dass der Vorteil hier bei den Spurs liegt, steht nicht zur Debatte. David Fizdale ist kein schlechter Übungsleiter. Doch ihm steht eben Trainer-Ikone Popovich gegenüber. Zudem haben beide Teams ihre Stärke in der Verteidigung, nur dass die von San Antonio weitaus erstickender ist.


X Faktor Spurs
Franchise-Player Tim Duncan ist in den texanischen Sonnenuntergang geritten. Was viele Teams vor arge Probleme stürzen würde, hat San Antonio spurs-typisch gelöst. Kawhi Leonard ist endgültig aus dem Schatten aller seiner (ehemaligen) Mitspieler gesprungen.


25,5 Punkte, 5,8 Rebounds, 3,5 Assists und 1,8 Steals im Schnitt sind Werte von MVP-Kaliber. Dass seine Wurfquoten aufgrund der höheren Frequenz etwas zurückgegangen sind, spielt keine große Rolle. Erwischt der frühere San Diego State Aztec einen schlechten Tag, muss er den Ball nur weitergeben.


Das kann San Antonio recht gut. Sie Spurs spielen ligaweit die siebtmeisten Assists und finden so die freien Schützen. Neun Spieler im Kader der Texaner treffen mindestens 37,5 Prozent ihrer Dreier. Die Spurs sind das effizienteste Team von Downtown.


Marquee Matchup
Wer soll Kawhi stoppen? Nach dem Saisonaus von Chandler Parsons startete mit James Ennis ein maximal durchschnittlich begabter Drittjahres-Profi auf Small Forward. Freilich hat Memphis noch Edel-Flügelverteidiger Tony Allen im Kader. Doch der ist 34 Jahre alt, angeschlagen und schadet seinem Team offensiv mehr als er ihm defensiv hilft.


Gegenspieler hin oder her. Leonard hat diese Saison bewiesen, dass er produzieren kann - egal wer ihm gegenüber steht. Gleiches gilt für LaMarcus Aldridge, den die Grizzlies in keinem Fall so vernachlässigen sollten, wie es in diesem Text bisher der Fall war.

Aldridge trifft auf JaMychal Green. Der 26-Jährige stand einst beim Farmteam der Spurs unter Vertrag, durfte sogar viermal in der NBA ran. Den Sprung zum Stammspieler in der besten Liga der Welt gelang dem Power Forward jedoch erst in Memphis und dort auch nur, weil in der letzten Saison so ziemlicher jeder seiner Konkurrenten um Spielzeit verletzt war.

Natürlich kann David Fizdale auch Marc Gasol auf L.A. abstellen, damit läuft er allerdings Gefahr, dass sein Defensivanker nach Außen gezogen wird. Aldridges durchschnittliche Wurfentfernung hat sich im Vergleich zum Vorjahr anderthalb Fuß vom Korb entfernt. Seine zugegebenermaßen wenigen Dreier trifft er mit 41 Prozent.


Warum Memphis gewinnt
Die Grizzlies sind eines der konstantesten Teams der letzten Jahre. Sie kamen sogar 2015/16 in die Playoffs, obwohl mit Marc Gasol und Mike Conley ihre beiden besten Spieler über lange Zeit ausfielen.

Die Postseason währte nicht lange. Doch was sollte man auch von einer Starting Five bestehend aus Matt Barnes, Zach Randolph, Chris Andersen, Vince Carter und Jordan Farmer erwarten. Memphis hatte seinem Slogan „Grit-N-Grind“ alle Ehre gemacht.

Trotzdem wurde im Sommer eine große Kehrtwende eingeleitet. David Fizdale wurde als neuer Coach verpflichtet und sollte den Spielstil der Grizzlies der NBA2k16 anpassen. Das Team aus Tennessee hatte seit 2010 jedes Jahr zu den sechs schlechten Dreier-Squads der Liga gehört.

2016/17 haben die Grizzlies bei ihrer größten Schwäche einen erheblichen Sprung nach vorne gemacht. Memphis ist erstmals Teil der besseren 15 Franchises von Downtown. Die Entwicklung von Marc Gasol macht es möglich.

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Der Spanier traf heuer fast zehnmal so viele Dreier wie in seiner ganzen Karriere zuvor zusammen. Die Versetzung von Zach Randolph auf die Bank sorgte für weiteres Stretching. Wenn die Würfe nicht fallen, kann Memphis immer noch auf Zonenarbeit umstellen.


X Faktor Grizzlies
Zach Randolph mag kein Starter mehr sein. Der Power Forward spielt aber immer noch 24,5 Minuten im Schnitt und füllt diese mit Werten, die ihn in die Konversation für den Sixth Man of the Year Award gebracht haben.


Z-Bo wird keine 20 und 10 auflegen, wie er es 2011 gegen die Spurs schaffte. Gegen San Antonios zweite Garde kann der 35-Jährige aber noch immer abliefern. Mit 59 Punkten und 36 Rebounds war während den vier Duellen in der regulären Saison der wichtigste Bankspieler.

Wer sich Randolph auch immer defensiv in den Weg stellt, wird einiges an Kraft aufwenden müssen, um den 117 Kilo Brocken vom farbigen Parkett zu schieben. Das macht dem Linkshänder die Arbeit zusätzlich leichter, wenn er selbst den Korb verteidigen muss.


Marquee Matchup
So wie Z-Bo von der Bank liefern muss, wenn die Grizzlies nicht allzu bald in den Sommerurlaub wollen, liegt die größte Verantwortung unter den Starten bei Mike Conley.


Der Point Guard unterschrieb im Sommer ein Kontrakt über 140 Millionen Dollar. Kein NBA-Spieler verdient aktuell mehr. In den vergangenen Monaten hat Conley bewiesen, dass er das Geld für die Grizzlies wert ist. Er knackte erstmals die 20 Punkte Marke und führte sein Team an, wie es sich für einen Spieler in dieser Gehaltskategorie gehört.

Mit Tony Parker steht im ein Aufbauspieler gegenüber, der seinen Zenit überschritten hat. Conley wird den lahmenden Franzosen offensiv alt aussehen lassen. Switchen die Spurs ergeben sich neue Miss-Matches für die Grizzlies.


Die Rechnung, bitte!