15 April 2017

15. April, 2017


Nicht, dass die abgelaufene Saison arm an guten Storylines gewesen wäre, aber... Playoffs, yo! In den nächsten acht Wochen ist endlich richtiger Basketball angesagt. Auch hier bei NBACHEF, wo wir euch mit Postseason-Content mästen. Zum Auftakt wie immer die acht Erstrundenserien im Schnellcheck - straight auf den Punkt.

von MARC LANGE @godzfave

Entrée
Platz vier gegen Platz fünf. In der Regel handelt es sich dabei um das Playoff-Duell, in dem es keinen klaren Favoriten gibt. Auch dieses Jahr ist keine Ausnahme. Beim Aufeinandertreffen der Los Angeles Clippers und Utah Jazz ist jede Menge Spannung angesagt, denn lediglich Nuancen werden ein Team am Ende in die zweite Runde der Postseason schicken.


Die Clippers haben das wichtigste Ziel der regulären Saison eigentlich nicht erreicht: sie verletzungsfrei zu überstehen. Sowohl Chris Paul als auch Blake Griffin hatten mit vielen Wehwehchen zu kämpfen, fielen lange aus. Deswegen war schlussendlich auch nur Platz vier im Westen drin.

Dennoch startet das Team aus Los Angeles mit viel Rückenwind in die Playoffs: acht der letzten neun Spiele wurden gewonnen. Darunter waren namenhafte Playoff-Konkurrenten wie die Houston Rockets, San Antonio Spurs und sogar die Utah Jazz. Allgemein ist die Mannschaft aus Salt Lake City kein Angstgegner der Clippers: In vier Partien 2016/2017 gab es drei deutliche Siege für L.A. Die Vorzeichen könnten also schlechter sein.


Die Jazz hingegen haben sich heimlich, still und leise zu einem Geheimfavoriten in der NBA entwickelt. Ebenfalls geplagt von Verletzungen, schaffte es Utah dennoch, das fünftbeste Net Rating der NBA zu wuppen (+ 4.8). Mit ihrer defensiv orientierten Spielweise sind sie für jeden Gegner unangenehm zu spielen.

Das Team vom salzigen See hat zudem eine der besten Starting Lineups der Liga: Wenn Hill, Hayward, Hood, Favors und Gobert gemeinsam ein Spiel beginnen, verbuchte Utah elf Siege in 13 Partien. Ob diese Fünf wohl auch in den Playoffs starten?


Warum L.A. gewinnt
Das Team von Coach Doc Rivers hat genau zum richtigen Zeitpunkt den Schalter umgelegt. Sowohl Chris Paul als auch Blake Griffin und DeAndre Jordan spielen gerade ihren besten Basketball.


Unter solchen Umständen in die wichtigste Phase der Saison zu starten, sollte der Playoff-gebeutelten Franchise Hoffnung machen. Dass es nicht einfach ist, heiße Clippers zu stoppen, mussten immerhin auch schon die hochfavorisierten San Antonio Spurs 2015 erfahren.

Hält Los Angeles seine Hot Streak in den Playoffs am Leben und konzentriert sich auf seine Stärken, muss den Jazz schon etwas ganz ausgefuchstes Einfallen, um diese Dampfwalze zu stoppen. Das unbestreitbare Talent der Clippers ist nämlich nach wie vor vorhanden.


X Faktor Clippers
Der X-Factor bei den Clippers mal wieder der gleiche wie sonst auch. Solange es dieses Team nicht einmal vollbringt, die zweite Runde der Playoffs zu überstehen, wird die Angst vor einem möglichen Kollaps omnipräsent sein.

Selbst wenn CP3 & Co. in dieser Serie 3:0 in Führung gehen sollten, ist das noch nicht das vermeintlich sichere Ticket für die nächste Runde. So ist ihr Ruf. So sind die Clippers. Und so werden sie auch bleiben, wenn sie ihren persönlichen Fluch nicht selbst durchbrechen.

Der Druck ist dabei so hoch wie nie: Das Schicksal der Franchise scheint besiegelt, wenn es am Ende nicht für die langersehnten (Conference) Finals reicht. 2018 würde dann ein total umgekrempeltes Team ins Staples Center einlaufen. Doch soweit sind wir noch nicht.

Eine letzte Reise durch die Gefilde der Playoffs wird die Mannschaft mit diesem Personal noch unternehmen. Ob die Nerven schon bei der ersten Haltestelle blank liegen, erfahren wir spätestens in den Morgenstunden des 30. Aprils.

Marquee Matchup
DeAndre Jordan vs. Rudy Gobert. Der beste Center der NBA ist... ganz klar: Rudy Gobert! Das dachte der Franzose zumindest über sich selbst, als er Ende Dezember auf diese Frage angesprochen wurde.

Als legitimer Anwärter auf die Defensive Player of the Year Auszeichnung und mit respektablen Stats von 14.1 PPG, 12.8 RPG und 2.7 BPG ist diese Behauptung zumindest nicht komplett aus der Luft gegriffen. Auch wenn der defensive Anker der Jazz wohl doch noch ein bis zwei Hochkaräter vor sich hat, wird er zumindest die Clippers-Offensive in dieser Serie vor große Probleme stellen.

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DeAndre Jordan spielt im System von Los Angeles zwar eine ähnliche Rolle wie Gobert, allerdings füllt er diese nicht ganz so eindrucksvoll aus wie der "Stifle Tower". Der Franzose hält den Gegner bei etwa 40 Prozent Trefferquote aus dem Feld, wenn er in der Nähe des abschließenden Spielers steht. Wenn der 23-Jährige das Parkett betritt, kassieren die Jazz durchschnittlich einen Punkt weniger pro gegnerischem Ballbesitz. Ein grandioser Wert!

Jedoch hat der 2,16 Meter Hüne eine Schwäche in seinem Spiel: Den Ballhandler beim Pick & Roll verteidigen. Während Jordan mit dieser Aufgabe keine Probleme hat, tut sich Gobert deutlich schwerer damit, wenn er nicht den abrollenden Spieler decken muss.

Das Pikante daran: Nur drei Teams rennen diesen Spielzug in einer ähnlich hohen Frequenz wie Los Angeles. Läuft das Pick & Roll zwischen Jordan und Paul also so exquisit wie sonst auch, zieht L.A. Utahs Center so einigermaßen aus dem Verkehr, wirkt die gesamte Defensive der Jazz auf einmal nicht mehr so furchteinflößend. Jordan (feat. Paul) vs. Gobert wird für die Clippers von daher das entscheidende Duell sein.


Warum Utah gewinnt
Das Team von Quin Snyder zählt einmal mehr zu den besten Verteidigungen der gesamten Liga. Angeführt von Rudy Gobert, einem der Mitfavoriten auf den Defensive Player of the Year Award, erlaubten die Jazz die drittwenigsten Punkte pro 100 Angriffe.


Trotz defensivem Fokus, ist auch die Offensive der Jazz ein Leckerbissen. Ein Pass folgt auf den nächsten, es wird gecuttet bis zum geht nicht mehr – und in den meisten Fällen auch erfolgreich abgeschlossen. Die große Stärke von Utah im Angriff ist dabei die Vielseitigkeit.

Gordon Hayward ist die erste Option und offensiv mit allen Wassern gewaschen. Rudy Gobert rollt erstklassig ab und kriegt dadurch einfache Punkte serviert. Alle Flügelspieler sind zudem stark im Pick & Roll.

Und dann wären da noch die Veteranen: Mit Joe Johnson und Boris Diaw haben die Jazz den Luxus, bärenstarken Smallball spielen zu können. Die beiden alten Hasen können als Power Forward (Johnson) und Center (Diaw) sowohl im Post als auch von außen scoren.

Bei so viel Defensiv-Power und offensiver Raffinesse werden es die Clippers schwer haben, ein adäquates Gegenmittel zu finden.


X Faktor Jazz
Die Offensive von Utah ist nicht von besonderen Einzelleistungen geprägt. Dennoch hatten sie in dieser Spielzeit Probleme gegen die Clippers, wenn es bei Gordon Hayward nicht rund lief. Mit anderen Worten: er ist der X-Faktor beim Team vom Salzsee.

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In drei Partien (eine verpasste er wegen Verletzung) kam der All-Star durchschnittlich nur auf 15.7 Punkte bei 38 Prozent aus dem Feld. Beim einzigen Sieg gegen Los Angeles waren es hingegen 27 Punkte bei 9 von 18 Wurfversuchen. Hier ist also ein klarer Trend zu erkennen.

Doc Rivers wird in dieser Serie größtenteils Kettenhund Luc Mbah a Moute auf Hayward ansetzen. Da der Kameruner in der Offensive so nützlich ist, wie ein Messer beim Essen einer Suppe, wird er sich auch zu 100 Prozent dieser Aufgabe widmen und seine Kräfte dementsprechend einteilen.

Leichte Punkte wird es für den Anführer der Jazz demnach eher selten geben. Hayward besitzt jedoch definitiv die Klasse, um das Spiel trotzdem an sich zu reißen.


Marquee Matchup
George Hill vs. Chris Paul. Hill stand in der regulären Saison nur 49 Mal auf dem Parkett. Der ehemalige Point Guard der Indiana Pacers wusste in diesen Spielen aber allemal zu überzeugen. Steht Hill auf dem Platz, gewinnen die Jazz, statistisch gesehen, zwei von drei Spielen.

Er selbst traf im Jazz Trikot dabei über 51 Prozent aus dem Feld und machte durchschnittlich 19 Punkte. Doch wie wird es laufen, wenn ihm dauerhaft Chris Paul gegenübersteht?

CP3 ist immer noch der beste pure Point Guard der NBA. Mit ihm steht und fällt die Offensive der Clippers - und er verteidigt seine Position besser als irgend jemand sonst. Von daher ist es für die Jazz überlebenswichtig, dass Hill seinen Rhythmus findet und im Angriff jederzeit gefährlich bzw. aggressiv bleibt.

Gerät Paul nämlich in Foul-Probleme, verliert das Spiel von Lob City deutlich an Struktur. Die Backups müssen rein, es werden fast nur noch Isolationen gelaufen, der explosive Angriff lahmt. Sollte Hill dieser Bärenaufgabe nicht gewachsen sein, wird es eng für Utah.

Ein spontanes Offensivfeuerwerk von den Bench-Guys Dante Exum, Shelvin Mack oder Raul Leto sollte in Salt Lake City lieber niemand erwarten. Trotzdem ist Optimismus angesagt: Wenn George Hill zu irgendeinem Zeitpunkt seiner Karriere bereit war, dem kleinen General die Stirn zu bieten, dann jetzt.


Die Rechnung, bitte!