13 April 2017

13. April, 2017


Nicht, dass die abgelaufene Saison arm an guten Storylines gewesen wäre, aber... Playoffs, yo! In den nächsten acht Wochen ist endlich richtiger Basketball angesagt. Auch hier bei NBACHEF, wo wir euch mit Postseason-Content mästen. Zum Auftakt wie immer die acht Erstrundenserien im Schnellcheck - straight auf den Punkt.

von ANDRÉ NÜCKEL @AndreNueckel

Entrée
Playoff-Time! Am Samstag startet die geilste Zeit im Basketball – und diesmal darf der Champion gleich eröffnen. Die Cleveland Cavaliers starten vor heimischer Kulisse gegen die Indiana Pacers in die Postseason und stehen ab sofort in der Bringschuld.


Bis zum Jahreswechsel schien der Meister um LeBron James als todsicherer Finals-Kandidat festzustehen. Dann folgte ein epochaler Einbruch. Vor allem in der Defense. Cleveland strauchelt seit der All-Star Pause gewaltig, geht mit enormen Fragezeichen in die Playoffs.

In die entgegengesetzte Richtung schwimmt seit Wochen Paul George. Der All-Star hat nicht nur seine Form wiedergefunden, sondern will nun mit seinen Indiana Pacers den Meister vorzeitig in den Sommerurlaub schicken. Während auf der einen Seite Coach Tyronn Lue Sorgenfalten hat, scheint Nate McMillan an den richtigen Schrauben gedreht zu haben.


Warum Cleveland gewinnt
Trotz der anhaltenden Krise bleiben die Cavs der haushohe Favorit auf die Krone im Osten. Daran ändert die 12-15-Bilanz nach der Allstar-Pause ebenso wenig wie die vier Niederlagen zum Ausklang der regulären Saison, oder der Verlust des Top Seeds an die Boston Celtics. Lue hat zu viele Waffen im Arsenal, die nach wie vor für eine tödliche Offense sorgen.

Laufen LeBron James, Kyrie Irving und Kevin Love heiß, stehen die Pacers vor einer Herkulesaufgabe, denn eine Elite-D wird auch in Indiana nicht (mehr) gespielt. 118.25 Punkte hat Cleveland in den bisherigen vier Duellen 2016/17 gegen den Division-Rivalen aufgelegt; drei wurden gewonnen.

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Was macht Indiana, wenn James endlich wieder verteidigt und George ausschaltet? Wer springt dann in die Bresche? Der Qualitätsunterschied zwischen den beiden Kadern ist enorm, auch wenn Lue seiner Ersatzgarnitur nach wie vor zu wenig Beachtung schenkt und den King mit 37.8 Minuten Einsatzzeit ans Limit bringt.

Der individuelle Vergleich ist für Cleveland allerdings untergeordnet. Im Juni schaffte die ansonsten so erfolglose Franchise eines der größten Comebacks der Sportgeschichte, heuer ist sie ein Schatten ihrer selbst.

Die erste Runde ist auch dafür da, um Selbstvertrauen zu tanken – und das dürfte mitunter schon das Hauptstreben sein, nachdem die Cavaliers seit Mitte Februar die zweitschlechteste Verteidigung stellen (Defensive Rating 111.1) und eines Champs oft nicht würdig waren.


X Faktor Cavs

Ist James ein X-Faktor, obwohl er individuell eine bärenstarke Saison gespielt und mit 8.6 Rebounds und 8.7 Assists neue Karrierebestwerte aufgelegt hat? Eher weniger.

Auch Irving und Love haben individuell gesehen gute Leistungen gezeigt, wenn der Blick auf das eigene Ende des Feldes nicht weiter verschärft wird. Viel eher kommt es für Cleveland darauf an, den sagenumworbenen Schalter auch tatsächlich umzulegen.




In der Franchise rumort es. Einige Entscheidung von Meister-Coach Lue wirken teilweise suspekt und die letzten Moves um die entlassenen DeAndre Liggins und Larry Sanders sowie die verpflichteten Dahntay Jones und Edy Tavares werfen ebenfalls Fragen auf.

Es wird höchstwahrscheinlich nicht alles sofort klicken, aber sofern James mit der nötigen Seriosität vorweg geht und den Kader (der talentierter ist als letzte Saison) anführt, ist das der erste Schritt in die richtige Richtung.

Und für die Cavs heißt die Richtung nur „Meisterschaft“. Jeder andere Saisonausgang wäre eine Enttäuschung und würde zu neuen Grundsatzdiskussionen am Lake Erie führen.


Marquee Matchup
Das wichtigste Duell... kann nur die Defensive sein. Anfang April präsentierte sich Indiana als ekelhafter Gegner, der die Fehler am eigenen Korb sofort bestraft hat. Nicht zuletzt kam es deshalb zu einem vehementen Wortgefecht zwischen Tristan Thompson und James, nachdem George zu einfachen Punkten kam. Diese Szene steht stellvertretend für die aktuelle Krisenzeit.


Zudem hat Cleveland viele unglaubliche Einbrüche wie beim 18-44 Debakel im letzten Viertel gegen die Hawks (125-126 in OT) gezeigt. Selbst die an sich so hochexplosive Offensive konnte das eigene Versagen bei gegnerischem Ballbesitz nicht kaschieren (-0.5 Net-Rating seit der Allstar-Pause).


Mindestens eine durchschnittliche Verteidigung braucht es selbst im Osten, ansonsten droht auf dem Weg in die angepeilten Festspiele gegen Golden State eine krachende Überraschung. Basics müssen funktionieren, es muss wieder gesprochen und geswitcht werden. Das geht allen voran über James, der dann doch zum X-Faktor wird.


Warum Indiana gewinnt
Mit der Ablösung von Frank Vogel und dem Trade von George Hill sollte im Pacer-Land eine neue Ära eingeleitet werden. Nach 82 Spielen und einer Bilanz knapp über 0.500 wissen wir: Dieser Plan ist nicht vollends aufgegangen.

Indianapolis besitzt zwar mit Jeff Teague, Monta Ellis, George, Thaddeus Young und Myles Turner eine der besten Starting Fives der Eastern Conference, aber Smallball braucht Zeit - und einen besser zusammengestellten Kader. 



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Als es jedoch zuletzt darauf ankam, sorgte ein 5-1-Lauf im April für das Erreichen der Playoffs – und die Pacers haben ihre Spiele nicht nur deutlich gewonnen, sondern auch einen formstarken Eindruck hinterlassen. Für ein Upset in Runde eins spricht auch das vorhandene Spielermaterial; vor allem die Starter. Turner ist ein Stretch-Five mit Defensivqualität, kann daher Thompson aus der Zone locken.

Da auch Young Gefahr von außen ausstrahlt und den defensiv obsoleten Love binden kann, dürfen sich Pacers-Fans wohl auf mehr als bislang 26.4 Drives pro Partie freuen. Der Korb von Cleveland muss attackiert werden. 



Am allerwichtigsten ist und bleibt Superstar George. Defensiv wird der Small Forward James das Leben zur Hölle machen und zudem vorne die eigene Offensive tragen. Seit Anfang März scheint der gescholtene Franchise-Player auch wieder endgültig auf dem Niveau vor dem Schien- und Wadenbeinbruch 2014 angekommen zu sein. 28.5 Punkte und 7.5 Rebounds sowie 42.2% von Downtown untermauern die Eindrücke.

Die zweite Garnitur wurde zuletzt mit Rückkehrer Lance Stephenson aufgewertet. Das Enfant terrible hat seither das beste Net-Rating der Pacers (5.3) und gehört zu den Spielern, die James auf der Gegenseite am meisten hasst. 


X Faktor Pacers
Wenn ein Team mit einer Bilanz von 42-40 abschließt, steht naturgemäß schon fest, woran es hapert: Konstanz. Auf viele Siege folgte unmittelbar direkt eine Niederlage. McMillan und Co. hatten Probleme mit verschiedenen Matchup-Situationen, aber genau das ist der Vorteil in der Postseason.


Der Gegner bleibt gleich, die Abläufe sind klar und in der Regel müssen von Partie zu Partie nur Adjustments und keine gravierenden Änderungen vorgenommen werden.

Außerdem ist die Unterstützung der Rollenspieler ausschlaggebend. Die Bank von Indiana ist unteres Mittelmaß. Wie reagieren die Pacers, wenn George an einem Abend kalt bleibt und neben sich steht? Findet der Trainerstab hierauf Antworten und kann zudem einen Ellis aus seinem absoluten Slump befreien, rückt ein Sweep der Cavaliers in weite Ferne.


Marquee Matchup
Ob hier die eigene Offense oder die Defense der Cavs zu nennen ist, spielt eigentlich keine Rolle. Indiana spielt an beiden Enden des Courts durchschnittlich (108.6 ORtg: Platz 15; 108.8 DRtg: Platz 16), aber bei eigenem Ballbesitz müssen die Fehler des Favoriten sofort bestraft werden.

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Auch wenn sicherlich eine klare Leistungssteigerung des Meisters zu erwarten ist, wird der nach wie vor Fehler machen. Die 130-135 Niederlage nach 2OT muss, obwohl es suspekt klingt, als Maßstab dienen, denn dort wurden reihenweise Geschenke der desolaten Cavaliers eiskalt bestraft. Das Duell George gegen James war eines der besten in der abgelaufenen Saison.

Hilfreich kann auch sein, entsprechende Körbe nach Patzern ausgiebig zu feiern, um Thompson und James zu provozieren und sich mental einen Vorteil zu verschaffen. Und um in die Köpfe des Kontrahentens zu kommen, hat McMillan mit Stephenson genau den richtigen Mann im Kader.


Die Rechnung, bitte!