20 April 2017

20. April, 2017


Die Playoffs sind live! Bei so viel irrsinniger Action pro Abend macht es nicht immer Sinn, traditionell zu berichten. Nicht weiter schlimm: die nbachefsquad ist zur Stelle wie Joe Johnson in Crunchtime und versorgt euch mit artgerechten Häppchen zur Postseason-Action 2017.

von NBACHEFSQUAD

Go-Go-Gadgeto-Superstar
Seb Dumitru @nbachefkoch ... Die Toronto Raptors haben ein Problem, so unmöglich wie Giannis Antetokounmpos’ voller Name für den ein oder anderen auszusprechen oder gar zu schreiben ist.

Der Greek Freak hat sich in der abgelaufenen Spielzeit als nicht nur als Most Improved Player in den Vordergrund gespielt. Seine Metamorphose zum eierlegenden Wollmilchschwein auf dem Basketballparkett schreitet ungebremst voran.

Dass Antetokounmpo längst zum Franchise-Player gereift ist, dass er eine komplette Stadt und deren zarte Hoffnungen auf den ersten Seriensieg in der Postseason seit 2001 tragen kann, bewies das 22-jährige Wunderkind in Toronto.


Die favorisierten Raptors haben in dieser Serie das selbe Problem wie alle anderen 28 Klubs der Liga: niemand kann den ‘Plastic Man’ mit der Nummer 34 verteidigen. Dessen illegale Ausmaße und Tarantula-auf-Rollerblades-Bewegungen machen es unmöglich, mit ihm mitzuhalten.

In Spiel eins traf Antetokounmpo 13 seiner 18 Wurfversuche für 28 Punkte. Das sind LeBron James Werte. Milwaukee klaute prompt den Heimvorteil. In Game zwei probierten es die Dinos mit mehr Double Teams und vollgepackter Zone bei Giannis’ Drives.

Der Grieche netzte nur neun seiner 24 Würfe ein, kam dennoch auf 24 Zähler, dazu 15 Rebounds und sieben Assists. Hätten seine Mitspieler ein paar der offenen Würfe getroffen, die ihnen der Freak kredenzte, die Bucks wären mit einer 2-0 Führung im Gepäck zurück nach Wisconsin gereist.

Dort steigt am Donnerstag Game drei. Um in Milwaukee nicht weiter in die Bredouille zu geraten, muss der Favorit die Kreise des neuesten Superstars am NBA-Firmament eindämmen. Das ist viel leichter gesagt als getan.


Besen raus!
Torben Siemer @LifeofTorben ... Wheels up to Rip City! Zwei Spiele sind gespielt, zwei souveräne Siege für die Golden State Warriors stehen zu Buche. Dass diese Serie deutlich würde, war eigentlich schon vor, spätestens dann aber nach Spiel eins klar.

Damian Lillard und CJ McCollum schweißten zwar einen Ball nach dem anderen ins Netz der Oracle Arena und legten 75 Punkte auf, die Portland Trail Blazers waren letztlich trotzdem chancenlos. Weil die Warriors mit ein, zwei Runs zur richtigen Zeit eben mal scheinbar locker davon ziehen und dir 121 Punkte einschenken.

In der zweiten Partie trafen die beiden Backcourt-Starter der Trail Blazers dann neun ihrer kombiniert 34 Würfe – und produzierten damit exakt so viele Treffer wie Turnover. Auf Seiten der Warriors stellte ein Big Man mit sieben Treffern und hundertprozentiger Feldwurfquote einen Franchise Rekord ein: JaVale McGee.

Der zweifache Shaqtin‘ MVP gibt der eh schon explosiven Offense eine weitere Dimension und dunkt alles, was ihm Steph Curry, Andre Iguodala oder Draymond Green in Ringnähe werfen. Dass er außerdem im Schnitt alle vier Minuten einen Wurf blockt, geschenkt. 81-110 war das finale Ergebnis in Spiel zwei, obwohl Kevin Durant wegen muskulärer Probleme an der Wade geschont wurde.

Eben genannter Green übrigens steht nach 67 Minuten gesamt bei 24 Rebounds, 19 Assists, vier Steals sowie acht Blocks. Und weil das alleine offenbar noch nicht eindrucksvoll genug ist, klaute er außerdem mit diesem unfassbaren Block, wie Andre Voigt es kommentierte, die Seele von Noah Vonleh.


Keine weiteren Fragen. Mit all den Eindrücken aus diesen bisher 96 Minuten ist kaum zu sehen, dass die Serie nochmal nach Oakland zurückkehrt. Vier Spiele. Vier Siege für den #1-Seed. Einmal feucht durchwischen in Gang Nummer acht bitte!


Love is the Silberstreif
André Nückel @AndreNueckel ... Die Cleveland Cavaliers sind zwar mit zwei (knappen) Heimsiegen gegen die Indiana Pacers in die Playoffs gestartet, doch der sagenumworbene Schalter wurde noch lange nicht umgelegt. Zu sehr erinnern die und 109:108- und 117:111-Siege an die letzten Monate der regulären Saison.

Zugegeben, es ist eine kleine Sample Size, aber der Meister hat weiterhin große Probleme in der Verteidigung und stellt nach wie vor eine miese Defense (Defensiv-Rating 115.3). Der große Unterschied zur Franchise von Larry Bird ist derweil nur, dass Indianapolis noch schlechter am eigenen Korb agiert (DRtg 119.6).

A post shared by Cleveland Cavaliers (@cavs) on

Dafür müssen nicht nur einfache Zahlen herangezogen werden. Der Eyetest genügt, um festzustellen, dass die Postseason-Intensität von beiden Teams nicht betrieben wird.  Während sich Paul George allerdings an beiden Enden des Courts aufreibt und sich vornehmlich um LeBron James kümmert, überlässt der King in aller Selbstverständlichkeit J.R. Smith das One-on-One mit PG13.


Besonders bezeichnend für den fehlenden Fortschritt gegen den Ball, ist das Defensiv-Rating der Spieler. In der Top 100 tauchen mit Tristan Thompson und Iman Shumpert lediglich zwei Cavs-Akteure auf.

Dass Shump nur wegen einer Verletzung überhaupt spielen durfte und seine meisten Minuten im starken dritten Viertel von Game zwei (33-20) abgerissen hat, nachdem er in Game eins ein DNP kassierte, wird in dieser Metrik natürlich nicht berücksichtigt. Double-T taucht erst auf Rang 95 auf.

Einziges Highlight bleibt Anti-Verteidiger Kevin Love, der sich sehr engagiert und bissig zeigt. Zudem treffen die Pacers gegen den Power Forward um 6.2 Prozentpunkte mieser. Ein Hoffnungsschimmer für die nächsten Wochen. Auch James zeigt sich engagierter (Defended Field Goal Percentage 40.7%), obgleich Monta Ellis kein Maßstab ist.

Ein Upset von Indiana wird es in diesem Duell mit Sicherheit nicht geben. Cleveland macht das Conference-Halbfinale in vier oder fünf Partien dingfest. Die anschließende Trainingszeit wird dringend benötigt, denn die Ratpors und Bucks haben eine Sache gemein: Sie können verteidigen – und darauf kommt es in den Playoffs an.


This is Why He Plays
Gerrit Lagenstein @GAL_Sports ... Die Boston Celtics sind in der langen Geschichte der NBA erst das zweite Team, das die reguläre Saison als Erster seiner Conference abschließt, nur um dann die ersten beiden Playoff-Heimspiele gegen den Achten zu verlieren. Anfang April hätte diese Vorhersage Isaiah Thomas vermutlich zur Weißglut getrieben.

Zwei Wochen später ist es nur eine Randnotiz. Basketball, Thomas’ Profession, die ihn von sieben Milliarden Menschen abhebt, scheint in den Hintergrund gerückt zu sein. Am 15. April kam die kleine Schwester von Thomas bei einem Autounfall ums Leben. 24 Stunden später sollte der kleine Guard schon wieder auf dem Parkett stehen.


An tröstenden Worten fehlte es im TD Garden nicht. Niemand der 18.000 Fans hätte es dem Celtics-Superstar böse genommen, wenn er nicht aufgelaufen wäre. Doch Thomas wollte spielen, auch wenn er beim Aufwärmen sichtbar mit den Tränen kämpfte. Spätestens mit dem Sprungball schien IT aber ganz der Alte zu sein.

In den folgenden 48 Minuten erzielte er 33 Punkte, traf zehn von 18 Würfen und 43 Prozent seiner Dreier. Klar waren da die sechs Turnover und seine gewohnten Defensiv-Probleme. Doch es war kein Vergleich zu den schwachen Auftritten, die er in den letzjährigen Playoffs hingelegt hatte. Vielleicht war es ganz gut, dass Thomas einfach versuchte, Basketball zu spielen und an nichts anderes zu denken.

Wenn der Sport ihm hilft, über seinen tragischen Verlust hinwegzukommen, kann ich den Celtics nur wünschen, dass sie die Serie noch drehen.


Kawhi so Good?
Georg Meinhardt @Vincisblog ... Leistungen von MVP Kandidaten werden heiß und innig diskutiert, sind omnipräsent und tragen eine ganze Franchise. Es sei denn der MVP-Kandidat kommt aus San Antonio.

Kawhi Leonard trug die Spurs souverän in die Playoffs, legte offensiv wie defensiv Fabelwerte auf und ist im Spurs System der Anführer. Gewürdigt wird er dafür aber außerhalb von Texas kaum. In den diesjährigen Playoffs sehen wir genau das wieder. Die Spurs schießen die Grizzlies zwei Mal aus der Halle, aber kaum jemand redet darüber. Weder über die Siege, noch über die Leistung von Kawhi.

In zwei Spielen stand er 72 Minuten auf dem Hardwood. Seine Feldwurfquote von 71,4% (20-28) und seine Freiwurfquote von 100% (28-28) ist genauso überragend wie seine 34,5 Punkte, 7,0 Rebounds und 3,5 Assists im Schnitt.


Sein Offensiv-Rating in den Playoffs 2017 liegt bei 157, sein Defensiv Rating bei 96, auf 100 Ballbesitze gerechnet. Diese Zahlen werden noch absurder wenn man bedenkt, dass die Grizzlies deutlich hinten lagen, somit also einiges an Garbage Time hinzu kam.

Ein besonderes Ausrufezeichen setzte 'The Klaw' in Spiel 2. Bisher hatte er noch nie 37 Punkte in einer Playoff-Partie erzielt. Dazu kamen 11 Rebounds und 19 von 19 von der Charity Stripe. So viele Freiwürfe konnte bisher nur Tim Duncan für die Spurs in einem Spiel verwandeln. Während die Spurs etwas nachließen, blieb Kawhi dran und lieferte kontinuierlich ab.

29 Punkte im ersten und 14 Punkte im zweiten Spiel lagen zwischen den Grizzlies und den Spurs. Dass zwischen Kawhi und dem zweitbesten Scorer der Spurs 18 Punkte pro Spiel liegen, macht deutlich, wie enorm wichtig er in Popovichs Kader ist.


Best of Five
Jan Wiesinger @WiesiG ... Spiel eins einer Playoff-Serie mit Heimvorteil zu verlieren, obwohl einer der vermeintlich wichtigsten Spieler des Gegners kurzfristig ausfällt, ist schon richtig dämlich. Fast so dämlich wie die ekelhaft blau-roten Blinke-Armbänder der Homecrowd im Staples Center an diesem Abend.

Die Bühne: Spiel zwei der Serie zwischen den nach der regulären Saison punktgleichen Jazz und Clippers. Ohne eben jenen ausgefallenen Rudy Gobert, der sich nach einem unglücklichen Zusammenprall beim ersten Blockstellen in Spiel eins eine für den Nicht-Mediziner böse anmutende Verletzung zugezogen hatte, starteten die Jazz mit Derrick Favors und Boris Diaw auf den großen Positionen.

A post shared by LA Clippers (@laclippers) on

DeAndre Jordan, beiden in Athletik und Geschwindigkeit überlegen, konnte davon stärker als in Spiel eins profitieren, dunkte für Punkte und griff Rebounds nach Belieben. Wenn dann noch Jeff Whitey ganze neun Minuten in einer Playoff-Serie außerhalb von Garbage-Time spielen muss, ist das Aussage genug über die Kräfteverhältnisse im Frontcourt.

Im Gegensatz zu Spiel eins war dieses Spiel ein Rohrkrepierer im Hinblick auf Thrill und Unterhaltung. Unter Führung von Clippers-General Chris Paul, der seine Mannen mit einem souveränen Double-Double zum Sieg führte, schossen die Jungs aus L.A. eine Führung im ersten Viertel heraus, die sie das ganze Spiel verteidigen konnten.

Game one Hero Joe Johnson und Jazz-Allstar Gordon Hayward erwischten mit 6-15 bzw. 5-15 aus dem Feld jeweils keinen guten Tag, was nicht zuletzt an der starken Verteidigung der Clippers und insbesondere Luc Richard Mbah a Moute lag.

Die Serie wird nun zum Best-of-Five und zieht  nach Utah. Die Jazz haben den Heimvorteil jetzt auf ihrer Seite und dürften bis zum Start von Spiel drei einige Gebete auf eine Rückkehr von Gobert, den die Experten als 'day-to-day' listen, gen Himmel schicken. Nur mit ihrem Franzosen in der Mitte scheint das Team vom Salzsee eine echte Chance zu haben.


MVPWHAT?
Mattis Oberbach @MattisOb ... Die NBA hat sich eine schöne Grube gegraben. Erst Ende Juni, also nach den Playoffs, werden die Awards vergeben, darunter der des Most Valuable Players. Dieses Jahr spielen in Runde eins mit James Harden und Russell Westbrook die beiden vermeintlichen Kandidaten direkt gegeneinander.

Anstelle eines Donnergrollens hörte man von den OKC Thunder in den ersten beiden Spielen aber nur ein leises Grummeln. Sollten sie den Rückstand von zwei verlorenen Spielen nicht aufholen und aus der Serie eine spannende machen, könnte die Auszeichnung des MVP zu einer Peinlichkeit verkommen.



Möglicherweise kommt dann ein Russell Westbrook auf die Bühne, nachdem er bereits knapp zwei Monate in der Sommerpause verbracht hat. Währenddessen sitzt James Harden im Publikum, obwohl er mit seinen Rockets in den Playoffs das deutlich bessere Team war.

Und so beeindruckend Westbrooks 51 Punkte-Triple Double in Game zwei auch war, Harden ist statistisch gesehen in vielen Bereichen besser und/oder effizienter. Im direkten Vergleich das schlechtere Team, der unterlegene Spieler - aber trotzdem MVP?

Zugegeben, die Playoffs spielen für den MVP-Award keine Rolle. Aber es sieht doch schon komisch aus, einem Spieler die höchste individuelle Auszeichnung der Branche zu verleihen, obwohl ihm in der ersten Runde sein Taschengeld geklaut wurde.

Die Diskussion wäre schon groß, wenn der Award direkt im Anschluss an die erste Runde vergeben wird. Danach noch einmal zwei Monate warten zu müssen, wird den Aufschrei aber nochmal lauter machen. Deshalb muss die Association jetzt hoffen, dass die Thunder zu Hause etwas bewegen können. Oder dass eben James Harden MVP wird.


Str8 Up Menace
Christoph Lenz @NBAKenner ... Als die Atlanta Hawks in Spiel eins der Conference Semifinals 2016 bis etwa vier Minuten vor Ende der Partie in Führung waren, lag das vor allem an einem: Dennis Schröder bot dem späteren Champion mit 27 Punkten und sechs Assists die Stirn, wurde am Ende allerdings weder an jenem Abend noch in der Serie (0-4) belohnt.

A post shared by Atlanta Hawks (@atlhawks) on

Heute, etwa ein Jahr später, ist Schröder Starter in Atlanta, und es ist wieder Playoff-Zeit. Die ersten beiden Spiele lassen den Schluss zu, es sei wieder “Schröder-Zeit”. Der 23-Jährige nimmt viele und wichtige Würfe, macht wenig Fehler und führt, in Abwesenheit der Playoff-Form bei Paul Millsap und Dwight Howard, das Team an. Diese Leistungssteigerung in den Playoffs wecken Erinnerungen an Vergleiche, die Schröder zu Beginn seiner NBA-Karriere Tag für Tag begleiteten.

Wir alle kennen “Playoff-Rondo”, und auch wenn die Vergleiche zwischen den beiden Point Guards aufgrund von Schröders geschärftem Profil und Rondos Problemen mit der Zeit weniger wurden, liegt es hier wieder auf der Hand: Diese Version des DBB-Stars ist “Playoff-Schröder”.

Verdeutlicht wird dies durch den historischen Kontext in dem seine beiden guten Auftritte stehen. Nur etwas mehr als eine handvoll NBA-Spieler, viele heute zu den ganz großen Namen zählend, konnten zuletzt in Schröders Alter den Playoffs auf diese Weise einen Stempel aufdrücken.

Die sechs anderen Spieler die in den letzten zehn Jahren im Alter von 23 Jahren oder jünger in zwei aufeinanderfolgenden Playoff-Spielen mindestens 23 Punkte und sechs Assists im Schnitt aufgelegt haben heißen: Damian Lillard (2014), Russell Westbrook (2012), Derrick Rose (2011), Rajon Rondo (2009), LeBron James und Chris Paul (beide 2008).