17 April 2017

17. April, 2017


*"I think, I've done enough." James Harden

von ANNO HAAK @kemperboyd

MVPTD
Es ist in diesem Jahr Usus, zwischen 7.000 und 10.000 Wörtern zu ver(sch)wenden, um die eigene Qual bei der Auswahl des wertvollsten Spielers mit der schieren Zahl von buchstäblich märchenhaft vielen Zeichen zu illustrieren.

Ich glaube kaum, dass die Welt auf diese Art von literarischer Autoerotik gewartet hat. Ich lasse das auch, weil andere das absätzelange Räsonieren darüber, wer mit 12 minus X Sekunden auf der Schussuhr aus der Mitteldistanz halbrechts im dritten Viertel effizienter seine Mitspieler ignoriert hat, besser beherrschen. Vor allem aber ist die Sache eigentlich relativ eindeutig.

Viele, eigentlich alle bis auf Simmons, reden vom engsten, anstrengendsten, knappsten, wahnwitzigsten und besten MVP-Rennen aller Zeiten. Das mag auch stimmen. Jedenfalls war das Pferderennen in dieser Saison noch nicht zu einer Zeit entschieden, in der die Phoenix Suns noch versuchen, Basketballspiele zu gewinnen, also Ende Februar.

Doch am Ende der regulären Saison ist die Spielzeit 2016/2017 Russell Westbrooks Saison. Das ist der Anfang und das Ende jeder Debatte. 2015 und 2016 gehörten Stephen Curry, 2008 gehörte Kobe, 2013 gehörte LeBron. In den anderen Saisons seit der Jahrtausendwende hätte man länger diskutieren können als in diesem Jahr.


Die Saison gehört Westbrook und Westbrook allein. Er führte ein im besten Fall mediokres Team, das einen der vier besten Spieler der Liga verlor, zu 47 Siegen (nur ein paar weniger als mit Durant), er machte aus einem Zehn-Mann-Spiel Nacht für Nacht eine Ein-Mann-Theater-Performance, deren Rücksichtslosigkeit gegen sich selbst ohne Präzedenz ist. Und ja: das Triple Double.

Gib Podoloff an RW0, aber nicht wegen des Triple Double, schallt es aus tausenden Zach-Lowe-befeuchteten Kehlen. Darf man fragen, warum nicht? Es mag ja eine willkürliche Grenze sein. Es mag ja eine Erfindung eines Lakers-PR-Angestellten zur immerwährenden Lobpreisung Magic Johnsons gewesen sein. Es ist ein Triple Double.

Nur Schweizer fragen, wer es erfunden hat. Es ist eine Benchmark wie das Offensivrating oder die 100 in einem Spiel von Wilt. Ob es eine willkürliche ist, ist irrelevant. Ich kann heute mit allen möglichen Seiten und Werkzeugen jeden willkürlich gesetzten statistischen Grenzwert abklopfen und sehen, wieviele Spieler ihn erreicht haben. Zeigen Sie mir einen, den in den letzten 55 (!) Jahren nur ein einziger erreicht hatte und der Einzige ist der nächste MVP.

Diese Saison gehört Westbrook und Westbrook allein. In 55 Jahren wird es Russells Saison sein und Russells allein. Woher ich das weiß? Ohne nachzugucken: wer war MVP 1962? Wären es nicht die 60er und wären die Celtics nicht immer Champion in den 60ern gewesen, wüsste man nicht einmal, wer Meister war. Niemand weiß es und es interessiert nicht, weil es Robertsons Saison war. Und Robertsons Saison allein.

Der Einwand, warum er es dann werden muss, ist berechtigt. Aus Selbstsucht. Wo warst Du, als Russell Westbrook eine Halbjahrhundert-Saison spielte und der MVP gewählt wurde? Niemand will "Auf der Seite von James Harden, also auf der richtigen Seite der damaligen advanced-metrics" antworten, wenn seine Enkel ihn fragen. Ich mag Harden, ich bewundere Kawhi, ich liebe LeBron. Der MVP ist Russell Westbrook und Russell Westbrook allein.


Vegas, Baby
Der Rest der Awards steht im noch längeren Schatten als sonst. Dem Schatten von Russell Westbrook (und dann höre ich auch auf). In diesem Jahr auch in Ermangelung klarer Kandidaten. Setzt noch schnell 10 Außenseiter-Euro auf folgende Kandidaten:

Sixth Man: Greg Monroe
ROY: Malcolm Brogdon
DPOY: Draymond Green
MIP: Kemba Walker
COY: Eric Spoelstra
EOY: Masai Ujiri

Es werden Williams, Lou (weil viele Punkte), Saric (weil über die Rookie Wall geklettert), Gobert (weil Big Man und weil verdient), Giannis (weil gibt keine andere Wahl), D’Antoni (weil mit Recht) und Meyers (weil Durant und Lebenswerk für Draft von drei All-NBA-Teamern an Stellen, wo man sie normal nicht findet).


All, All, All-Teams
DAS war wirklich hart. Ohne weitere Westbrook-Lobpreisung und sonstige Vorreden:

1st Team
Russell Westbrook
James Harden
Kawhi Leonard
LeBron James
Rudy Gobert

2nd Team
Steph Curry
John Wall
Kevin Durant
Giannis Antetokounmpo
Anthony Davis

3rd Team
Isaiah Thomas
Chris Paul
Jimmy Butler
Gordon Hayward
Nikola Jokic

Das 4th Team, wenn es das gäbe, sähe immer noch wie ein NBA-Champion aus und deshalb stellt man das in der tiefsten NBA seit Bird, Magic, Jordan auch auf:

Damian Lillard
Kyle Lowry
Paul George
Draymond Green
DeMarcus Cousins

Für den Swag gibt es noch ein fünftes Team. DeMar DeRozan, der das Midrange Game wieder fame macht, George Hill, der den Oldschool Swag zurückbringt, Carmelo Anthony, der schafft, was Krause verwehrt bliebt, den Machtkampf mit dem Zen-Master zu gewinnen, Dirk / Vince Carter, die sich die Minuten altersbedingt teilen müssen und Zaza, weil er ein Land, dem man Breitband abgesprochen hat, einhellig zur AllStar-Wahl rief.


Fundstück der Woche
Ein Head Coach entlassen, eine Franchise verblödet, ein GM arbeitslos and counting. Die übelste Umarmung, bis Harden Podoloff bekommt. Keep ballin'!