04 April 2017

4. April, 2017


von GÜVEN TAŞ @GuvenTas

Toni Kukoč
Im Alter von 24 Jahren wechselt der Kroate 1993 in die NBA. Zu diesem Zeitpunkt sieht seine Vita bereits enorm beeindruckend aus:

Mit seinen Klubs:
4-mal kroatischer Meister (1988-1991)
2-mal kroatischer Pokalsieger (1990,1991)
3-mal Sieger der EuroLeague (1989,1990,1991)
1-mal italienischer Meister (1992)
1-mal italienischer Pokalsieger (1993)

Zwei mal Europameister (1989,1991), Weltmeister (1990) mit der Nationalmannschaft Jugoslawiens

Individuelle Auszeichnungen:
3-mal Europas Basketballer des Jahres (1990,1991,1992)
3-mal Kroatiens Sportler des Jahres (1989,1990,1991)
3-mal MVP der EuroLeague (1990,1991,1993)
1-mal MVP der Weltmeisterschaft (1990)
1-mal MVP der Europameisterschaft (1991)

Angesichts dieser Zahlen fehlen dem Autoren die Superlative, um diese Errungenschaften angemessen zu würdigen. Aber da geht es wohl nicht nur mir so. Von der ebenso üppigen Titelsammlung als Junior mal ganz zu schweigen!

Toni Kukoč ist zweifelsfrei einer der besten Allrounder in der Geschichte des Basketballs. Bei einer stattlichen Länge von 2,11 Metern überragt er auf der Position des Small Forwards nahezu jeden Gegner um Haupteslänge.

Seine Vielseitigkeit ist fabelhaft. Der edle Techniker aus dem sonnigen Split besitzt eine unglaubliche Spielübersicht. Sein Jumper ist sehenswert und gefährlich. Trotz seines freundlichen Aussehens hat Kukoč auch die nötige Aggressivität, um direkt am Korb abzuschließen.

A post shared by Chicago Bulls (@chicagobulls) on

Die Kombination dieser Attribute hatte es zuvor nur extrem selten gegeben. Da verwundert es auch nicht, dass die Universalwaffe während der Karriere eben mal alle fünf Positionen spielt, auf hohem Niveau wohlgemerkt.

Zwischen 1993 und 2006 spielt Kukoč schließlich in der NBA. Sieben Jahre davon verbringt er bei den Chicago Bulls an der Seite von Ziege Jordan und Scottie Pippen. Die Bullen aus Illinois hatten ihn bereits beim Draft 1990 ausgewählt (2. Runde, insgesamt 29.Pick).

In dieser Zeit gewinnt er 3-mal den Titel (1996,1997,1998) mit den roten Stieren. Zudem erhält er nach der Saison 1995/96 die Trophäe des “Sixth Man of the Year” der NBA und zum vierten Mal die Auszeichnung zu Europas Basketballer des Jahres.

Insgesamt sammelt der ehemalige Star der Jugoslawischen Nationalmannschaft über 10.000 Punkte, 3.500 Rebounds und 3.000 Assists. Ein Alleskönner vor dem Herrn!


Dino Radja
Der vielseitige Big Man aus Split ist noch heute der Rekordscorer der kroatischen Nationalmannschaft. Bereits 1991, also im Alter von gerade mal 24 Jahren, wird Radja zu den 50 besten FIBA-Basketballern aller Zeiten gewählt. Zu diesem Zeitpunkt hat er einige extrem erfolgreiche Jahre hinter sich.

Sowohl mit seinem Klub Jugoplastika Split als auch mit der jugoslawischen Nationalmannschaft feiert Radja große Erfolge. In seinen fünf Jahren bei Jugoplastika Split (1985-1990) dominiert er an der Seite seines kongenialen Partners Toni Kukoč die europäische Basketballszene. Besonders gefährlich sind die blitzschnellen Konter der beiden 2,11 m Schlakse.

Gemeinsam mit Center Žan Tabak, SG Velimir Perasović und PG Zoran Sretenović stellt Jugoplastika Split damals eine formidable Mannschaft. Trainer ist zu dieser Zeit Boza Maljković. Von 1988 bis 1990 gewinnt Dino Radja mit seinem Team drei Meistertitel in Folge. Die Krönung dieser Zeit sind die drei konsekutiven Titel in der EuroLeague (1989, 1990, 1991).


Den letzten EuroLeague Titel kann Radja allerdings nicht mehr mit feiern. Obwohl er bereits 1989 beim NBA Draft von den Boston Celtics in der zweiten Runde gepickt wird, unterschreibt der Kroate Ende 1990 zunächst beim italienischen Spitzenteam Virtus Roma. Auch in Italien überzeugt der agile Hüne. Knappe drei Jahre verbringt Radja in Italien, ehe er 1993 den Sprung über den großen Teich wagt und bei den Boston Celtics unterschreibt.

Seine Zeit bei den Kelten verläuft sehr wechselhaft. Wenn er spielt, kann er sich oft auszeichnen. Ein NBA Karriereschnitt von knapp 17 Punkte und 8,5 Rebounds kann sich allemal sehen lassen. Der zuvor sehr athletische Radja wird jedoch von mehreren Verletzungen immer wieder zurückgeworfen und verlässt die Celtics Anfang 1997 wieder Richtung Europa. Radja gilt unter Experten verdientermaßen als einer der besten Zonenspieler in der Geschichte Europas.


Peja Stojakovic
Einer der besten Shooter aller Zeiten ist der in Kroatien geborene Serbe Peja Stojakovic. Der Scharfschütze trug sich als zweifacher Gewinner des NBA Three Point Shootouts in die Geschichtsbücher ein. Er war der erste in Europa geborene Profi überhaupt, der einen der Wettbewerbe beim NBA All Star Game gewinnen konnte.

Nach einer rasanten Karriere im Jugendteam von Roter Stern Belgrad und PAOK Saloniki, wo er MVP der griechischen Liga und Euroleague-Topscorer war, wechselte der Small Forward 1998 zu den Sacramento Kings in die National Basketball Association. Die hatten ihn zwei Jahre zuvor mit dem 14. Pick gedraftet.


In Sacramento erlebte der Feinmotoriker seine produktivsten Jahre. Nach zwei Jahren als Backup rutschte er 2000 in die Starting Five - und fackelte fortan die Hallen ab. Bis zu seinem Wechsel zu den Pacers inmitten der Saison 2005/06 legte Stojakovic mehr als 20 Punkte pro Spiel auf - bei über 40 Prozent von der Dreierlinie.

Die Kings gewannen 70 Prozent ihrer Partien, erreichten vier Mal in Folge das Conference Halbfinale, scheiterten 2002 Minuten vor den NBA Finals gegen die Los Angeles Lakers in einem der kontroversesten Playoff-Duell aller Zeiten.

Stojakovic gewann in diesem Zeitraum EM-Gold in der Türkei und krönte sich 2002 zum Weltmeister in Indianapolis. Jugoslawiens Viertelfinal-KO gegen die gastgebenden Amis gilt bis heute als grösste Pleite in der Geschichte von Basketball USA.


Stojakovics Karriere nahm über Indiana, New Orleans und Toronto interessante Wendungen, ehe er 2010/11 zu den Dallas Mavericks getradet wurde. An der Seite von Dirk Nowitzki, Jason Kidd, Shawn Marion, Tyson Chandler und Jason Terry gewann Stojakovic als designierter Sniper die Meisterschaft. Das 105-95 in Spiel sechs gegen die Miami Heat um LeBron James, Dwyane Wade und Chris Bosh sollte das letzte Spiel in der Karriere des künftigen Hall of Famers bleiben.

Die Kings zogen seine Nummer 16 am 16. Dezember 2014 unter die Hallendecke. Heute arbeitet Stojakovic an der Seite seines alten Weggefährten Vlade Divac im Front Office der Kings, ist leitender General Manager bei deren Farmteam Reno Bighorns in der NBDL.


Velimir Perasović
Perasović stammt genau wie Landsmann Radja aus Split im Süden Kroatiens. Die dalmatinische Großstadt ist zu dieser Zeit nicht nur eine Touristenhochburg Jugoslawiens, sondern auch eine der größten Basketball Standorte des Landes. Viele der talentiertesten Spieler des Balkans stammen aus dieser Region. Dazu zählen u.a. der bereits erwähnte Dino Radja, der legendäre Dražen Petrović und Toni Kukoč.

Und auch Velimir Perasović nennt diese Region seine Heimat. Der 1,96 m große Offguard verbringt den Großteil seiner Karriere bei Jugoplastika Split. Insgesamt spielt er 13 Jahre für seinen Heimatverein, sieben davon als Profi (1985-1992). Mehrere Jahre führt er dabei seine Mannschaft als Kapitän aufs Spielfeld.

Perasović hat seine Stärken in der Offensive. Insgesamt elf Jahre spielt der dynamische Scorer in Spanien. In dieser Zeit gewinnt der Kroate mehrere Scoring Titel in der renommierten spanischen Liga. In der Nationalmannschaft ist Perasović ebenfalls fester Bestandteil und gewinnt bei der EM 1989, WM 1990 und EM 1991 die Goldmedaille mit Jugoslawien.


Im Oktober 1991 finden in Paris die McDonald's Open statt. Neben dem französischen Primus Limoges, Spaniens Spitzenklub Joventut und den Los Angeles Lakers (mit Vlade Divac) nimmt auch Perasović mit seinem Team Jugoplastika am Turnier teil.

Während des Aufwärmens kommt es zu einer sehr befremdlichen Begegnung zwischen Divac und Perasović. Keine vier Monate nachdem sie bei der EM 1991 gemeinsam die Goldmedaille gewonnen haben, sprechen die beiden alten Freunde kein Wort mehr miteinander. Sinnbildlich für die damals vergiftete Atmosphäre auf dem gesamten Balkan. Brüder von gestern, sind Feinde von heute.


Žarko Paspalj
Paspalj gehört zur starken Formation von Partizan Belgrad in den 80er Jahren. Gemeinsam mit Vlade Divac, Saša Djordjević und Željko Obradović stellen sie einen der besten Klubs Jugoslawiens. Gleich in seiner Debütsaison gewinnt Paspalj mit diesem Team die jugoslawische Meisterschaft, im Finale gegen den Erzrivalen Roter Stern Belgrad.

Der Small Forward mit montenegrinischen Wurzeln verfügt über eine feine Technik und hat mit 2,07 m eine sehr gute Größe für seine Position. Der schlaksige Flügelspieler hat ein weiches Handgelenk und kann aus allen Lagen abdrücken.

Der Linkshänder hat eine unorthodoxe und dadurch schwer berechenbare Spielweise. Der Mix aus Aggression und Spielübersicht macht Paspalj zu einem unangenehmen Gegenspieler.


In der NBA spielt er nur für kurze Zeit. 1989 bricht er gemeinsam mit Vlade Divac und Dražen Petrović nach Amerika auf. In seiner einzigen Saison in der Eliteliga absolviert Paspalj 28 Spiele für die San Antonio Spurs, ein Spiel davon als Starter.


Jure Zdovc
Zdovc ist der tragische Held von Rom. Niemals wird der Slowene diesen Tag, den 28. Juni 1991, vergessen. Bei der Europameisterschaft macht Jugoslawien mit seinen Gegnern meist kurzen Prozess. So auch im Halbfinale gegen Frankreich.

Dieses Spiel muss das Dream Team aus Jugoslawien jedoch ohne seinen 1,98 m großen Spielmacher bestreiten. Die Faxnachricht aus Slowenien verdammt Jure Zdovc zur Untätigkeit.


Mit seiner ungewöhnlichen Größe beherrscht er die meisten seiner Gegner mühelos. Dazu kommen ein überragender Basketball-IQ und bissiger Einsatz in der Defense. Zdovc ist zu dieser Zeit ein sehr beliebter Athlet. Auch bei den Trainern genießt er aufgrund seiner Arbeitsmoral hohes Ansehen.

Das bizarre Szenario vor dem Halbfinale der EM 1991 bringt einen verdienten Sportsmann um den Lohn. Das letzte Turnier mit seinen Brüdern aus der Nationalmannschaft endet auf extrem unwürdige Art und Weise. Für Jure Zdovc, der satte 20 Jahre (!) als Profi bestreitet, ist es ein bitterer Tag. Doch die Basketballgötter und die Menschen auf dem Balkan meinen es gut mit dem langjährigen Kapitän von Olimpija Ljubljana.

Im Jahre 2005 finden zum ersten Mal seit dem Ende des Krieges die Europameisterschaften in einer ehemaligen Republik Jugoslawiens statt. Beim Turnier in Serbien kommt es zu einer wunderbaren und versöhnlichen Geste. Mit 14-jähriger Verspätung überreichen ihm die Verantwortlichen die Goldmedaille von der EM 1991. Die Zuschauer in Belgrad feiern den Slowenen mit stehenden Ovationen. Zdovc lächelt sichtlich glücklich.


Krešimir Ćosić
Der Krieg In Kroatien und Bosnien-Herzegowina findet im Dezember 1995 mit dem Dayton-Abkommen endlich ein Ende. Vier lange Jahre dauert das schreckliche Blutvergießen zwischen den einst verbrüderten Nachbarn.

Genauso lange kämpft ein Exilant in Baltimore für den Frieden in seiner alten Heimat Jugoslawien. 1991 musste er nach dem Ausbruch des Krieges in die USA fliehen. In der US-Hauptstadt Washington D.C. arbeitet er als Diplomat in der kroatischen Botschaft.

Das Friedensabkommen kurz vor Weihnachten 1995 erlebt er tragischerweise selbst nicht mehr. Ein halbes Jahr zuvor - im Alter von nur 46 Jahren - stirbt Krešimir Ćosić im US-Bundestaat Maryland an einer Lymphom Erkrankung.

Bereits lange vor den Kriegen in Jugoslawien lebte Ćosić in den USA. Zwischen 1970 und 1973 besuchte der Center die Brigham Young University (BYU) in Utah. Er wird der erste Ausländer, der von der „United Press International“ in die All-American Teams gewählt wird (1972, 1973).


In dieser Zeit schließt sich der Sohn einer kroatisch-katholischen Familie der „Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage“ an. Kurz: er wird Mormone.

Ćosić gehört zum kleinen Kreis der Athleten, die gleich zweimal gedraftet werden. Bereits nach seinem zweiten Jahr auf dem College wird er beim Draft 1972 von den Portland Trailblazers ausgewählt, wenn auch erst mit 144. Pick in der zehnten (!) Runde.

Nach einem weiteren Jahr auf der BYU wird er 1973 erneut gedraftet, dieses Mal von den Los Angeles Lakers an 84. Stelle in der fünften Runde. Ein Spiel in der NBA wird der 2,11 Meter Hüne jedoch nie bestreiten. Nach seiner College Ausbildung lehnt Ćosić mehrere lukrative Angebote ab, um in die alte Heimat zurückzukehren.

Die ersten drei Jahre spielt er für sein Heimteam KK Zadar, wo er bereits im Alter von 16 Jahren seine Karriere gestartet hatte. Weitere Stationen seiner sportlichen Karriere sind Union Ljubljana, Bologna und Cibona Zagreb, wo er 1983 seine Sneaker an den Nagel hängt.

Seine Medaillensammlung mit dem Nationalteam ist sehr beeindruckend. Olympiasieger 1980, Weltmeister 1970 und 1978 sowie Europameister 1973, 1975 und 1977. Sechs große Titel innerhalb einer einzigen Dekade! Diese Kollektion macht Ćosić zu einem der erfolgreichsten Teilnehmer an Großereignissen in der Geschichte des Basketballs.

So wundert es auch keinen Menschen, dass er 1991 in die Liste der „Top 50 FIBA Players of all time“ gewählt wird. Auch wenn er nie ein Spiel in der NBA bestritt, nimmt ihn auch die Association in ihre Basketball Hall of Fame auf.

Am 4. März 2006 wird Krešos Trikot von der Brigham Young University retired, d.h. die Rückennummer 11 wird von dieser Uni nicht mehr vergeben. Nach Danny Ainge ist Ćosić somit erst der zweite Spieler in der Geschichte der BYU, dem diese große Ehre zuteil wird.

Ein feinmotorischer Seven Footer mit gazellenartiger Geschmeidigkeit, der praktisch alle fünf Positionen bekleiden konnte - eine absolute Rarität, damals wie auch heute.

Nach seiner aktiven Laufbahn widmet sich Ćosić seinem Glauben. Nach dem Ende der kommunistischen Ära Anfang der 90er Jahre, übernimmt er in Kroatien einen leitenden Posten als Mormonen Priester. Bereits vor dieser Zeit ist Ćosić aktiv an der Einführung des Mormonentums in Jugoslawien beteiligt. So übersetzt er das „Book of Mormon“ und deren religiöse Doktrin ins Kroatische.

Krešimir Ćosić' Name ist heute allgegenwärtig in seiner Heimat Kroatien. Der Pokalwettbewerb trägt ebenso seinen Namen wie die Arena des KK Zadar. Dazu wurden Straßen und Plätze nach dem Volkshelden benannt.


Bekannte und Zeitzeugen bezeichnen Krešimir Ćosić als couragierten und ungewöhnlichen Menschen. Zu seinem 20. Todestag organisiert die mormonische Gemeinde in Kroatien ein Gedenkveranstaltung am 23. Mai 2015 in Zagreb. Sehr viele Menschen nehmen daran teil.

Tochter Ana: “Besonders stolz sind wir, dass mein Vater nicht nur als großartiger Basketballer in Erinnerung blieb, sonder auch als Mann mit großem Herz, der überall positive Eindrücke hinterließ.”

Auch sein alter Freund und Teamkollege Doug Richards erinnert sich an den sanftmütigen Riesen: “Er hatte als Botschafter wesentlichen Anteil daran, den Krieg auf dem Balkan zu beenden. Bis heute genießt seine Person allerhöchsten Respekt, sowohl in Europa als auch bei uns in den Staaten. Selbst so lange nach dem Tod meines Freundes Krešo muss ich nie für etwas zahlen, wenn ich in Kroatien bin.”


Fortsetzung folgt - Vol. 4 am Donnerstag, 6. April