22 März 2017

22. März, 2017


Vergangene Woche machten die Houston Rockets knapp einen Monat vor Ende der Regular Season als drittes Team der Liga, nach den Golden State Warriors und San Antonio Spurs und noch vor dem Champion, den Cleveland Cavaliers, ihre Playoff-Teilnahme klar. Auf den Lorbeeren ausruhen dürfen sich James Harden und seine Artilleristen bis April aber nicht. Denn bereits in den ersten Runde warten Hochkaräter.

von DANIEL SCHLECHTRIEM @W14Pick

Mit derzeit fünfeinhalb Spielen Rückstand auf Rang zwei sowie sechs Spielen Vorsprung auf den vierten Platz ist Houstons finale Position bereits so gut wie in den Büchern. Gemäß NBA-Arithmetik rückt damit der Fokus auf den sechsten Rang, der den Erstrundengegner der Rockets bestimmen wird.

Hier ist das Rennen deutlich enger, noch ganze vier Teams kommen bis zum Ende der Regular Season am 12. April für diese Platzierung infrage. Manche der potentiellen Kontrahenten wären den Texanern gewogen, andere weniger. Dies sind die möglichen Gegner...



#4: UTAH JAZZ (43-28)

Saisonbilanz: 2-1 UTA
Keine weiteren Duelle

Ähnlich wie die Rockets den dritten Platz verteidigen die Mormonen schon seit einigen Wochen Rang vier mit Händen und Füßen. Wegen ihrer bis an die Zähne bewaffneten Zone – angeführt von Rudy Gobert – wären die Jazz das schwierigste Matchup für Houstons mäßige Inside-Defense und die zuletzt immer wieder auftretenden Probleme am Brett.

Utah bringt nach den beiden Tabellenführern des Westens die effizienteste Defensive der Liga aufs Parkett, ist passend dazu zweitbester bei der gegnerischen Trefferquote (44,1%) und lässt die ligaweit zweitwenigsten Dreierversuche (23,1 pro Spiel) sowie die drittwenigsten erfolgreichen Dreier (8,2 pro Spiel) zu. Außerdem ist der Tabellenführer der Northwest Division viertbester in der Rebound Rate (51,7).

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Auch die Bank als einer von Houstons wichtigsten Faktoren greift der Statistik nach gegen die Jazz nicht so sehr wie gegen die anderen Kandidaten. Utahs zweite Garde hat mit einem Net Rating von +1,8 die achtbeste Bilanz der Liga, Coach Quin Snyders Team verschlechtert sich nur marginal, wenn die Reservisten auf dem Feld stehen.

Daher weist Houston nicht zufällig unter den möglichen Erstrundengegnern einzig gegen Utah eine negative Saisonbilanz auf. Weil die Rockets allerdings ein ordentliches Polster auf die Jazz haben und die wiederum ein kleines auf den sechsten Rang, ist ein Aufeinandertreffen in der ersten Playoff-Runde äußerst unwahrscheinlich. Houston wird’s freuen – soll sich der Rest mit dem Bollwerk vom Salzsee auseinandersetzen.



#5: LOS ANGELES CLIPPERS (43-29)

Saisonbilanz: 2-0 HOU
Weitere Duelle: 10. April, HOU @ LAC

Dem ewigen zweiten Team der Stadt der Engel droht eine weitere enttäuschende Saison und der womöglich letzte Anlauf der Ära Chris Paul/Blake Griffin. Seit sechs Jahren misslingt diesem All-Star-Duo der ersehnte Einzug in die Conference Finals (und weiter). Diverse Verletzungen, das fortgeschrittene Alter von Leistungsträgern wie Jamal Crawford und J.J. Redick sowie die seit Jahren chronisch dünne Bank geben dem Team von Doc Rivers wenig Hoffnung, dass dieses Jahr alles besser werden wird.

Das macht sie jedoch nicht zu einem gerne gesehenen Erstrundengegner. Chris Paul agiert weiterhin auf einem elitären Level (Assist/Turnover-Ratio: 3,75), die Clippers sind eingespielt wie sonst kaum ein Team der Liga und trotz aller Schwierigkeiten stellen sie auch das sechste Jahr in Folge eine Top 10 Offensive.

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Die Defensive befindet sich allerdings nicht mehr auf dem Level der letzten Jahre und das macht L.A. für die Rockets interessant. Houston schenkte Steve Ballmers Truppe in den bisherigen Duellen 140 und 122 Punkte ein, obwohl die Dreierquote der Texaner jeweils alles andere als überragend war (35% und 38,5%). Die Rockets dominierten die Clippers an den Brettern (62-36 und 45-38) und brachte deren Defensive in beiden Partien in arge Foulprobleme (Freiwurfversuche: 43 und 33).

L.A. spielt unterdurchschnittlich langsam (18. in Pace), gehört zu den schlechteren Teams der Liga beim Verteidigen der eigenen Dreierlinie und hat nicht den einen überragenden Flügelverteidiger im Aufgebot, der James Harden einzuschränken vermag. Auch wenn die Veteranen der Westküste in den Playoffs eine Schippe drauf packen, wären die Rockets für sie ein unangenehmerer Gegner als umgekehrt.

Mit acht der restlichen zwölf Partien im heimischen Staples Center und ebenso acht Partien gegen Teams mit einer negativen Bilanz hat L.A. den einfachsten Spielplan der Kandidaten. Dass sie tiefer als Platz fünf fallen ist trotz des nur knappen Vorsprungs folglich nicht zu erwarten. Ein Wiedersehen mit den Rockets und damit ein Re-Match der (in Houston) legendären Serie in den Conference-Semifinals 2015 muss also warten.


Sollte Chris Paul – oder gar er und Blake Griffin – erneut ausfallen, ist ein Abrutschen der Clippers bis auf Platz sieben nur schwer vermeidbar. Dann wären die sie auf einen Schlag der einfachste Gegner im Westen... Portland lässt grüßen.



#6: OKLAHOMA CITY THUNDER (40-30)

Saisonbilanz: 2-1 HOU
Weitere Duelle: 26. März, OKC @ HOU

Die Thunder stehen und fallen mit Russell Westbrook, so weit so bekannt. Ein Playoff-Duell der beiden MVP-Kandidaten Westbrook und Harden wäre nach dieser von beiden individuell außergewöhnlichen Saison aus dramaturgischer Sicht nur konsequent. Allerdings ist es bis dahin noch ein weiter Weg.

Oklahoma City steht seit Wochen fast gleichauf mit den Memphis Grizzlies und spielt sieben ihrer letzten zwölf Begegnungen auf fremdem Parkett, wo sie mit 14-20 eine verbesserungswürdige Bilanz aufweisen. Neun dieser Matches finden gegen Teams auf Playoff-Rängen oder in deren unmittelbarem Dunstkreis statt. Neben dem noch bevorstehenden Showdown mit den Rockets warten mit den Spurs ein weiteres Top-Team und den Grizzlies ein direkter Konkurrent.


Schwerstarbeit also für die Thunder, sodass sich Rang sechs aller Voraussicht nach zwischen ihnen und Memphis entscheidet. Kommt es zum Showdown mit den Rockets, wäre das erst die zweite Begegnung dieser beiden Teams in den Playoffs. Die erste aus dem Jahr 2013 ist beiden Seiten wegen Patrick Beverleys Zusammenprall mit Westbrook und dessen daraus resultierender schweren Verletzung bis heute präsent.

Eben jener Beverley wäre bei der Neuauflage der dritte Hauptprotagonist, denn zum einen erfreut er sich aufgrund besagter Verletzung Westbrooks noch heute in Oklahoma City des Status als persona non grata. Zum anderen ist er Houstons X-Factor gegen OKC, ihre beste Waffe gegen Westbrook, den der energetische „Wolverine“ nötigenfalls sämtliche 48 Minuten übers Parkett zu scheuchen vermag.

Zwar hat das Team von Head Coach Billy Donovan zur Trade Deadline mit der Akquisition Doug McDermotts und Taj Gibsons qualitativ nachgelegt, doch noch immer stellen die Thunder keine Playoff-taugliche Bank (Net Rating: -3,6). Im Matchup mit den Rockets bleibt die Frage, wer die Scharfschützen der zweiten Garde Eric Gordon und Lou Williams verteidigt, unbeantwortet.


OKC gehört zu den Teams mit der schlechtesten Dreierquote der Liga (32,9%, 28.), wirkliche Gefahr vom Perimeter strahlt keiner der Blauen aus. Sie sind derzeit 17. in Offensiver Effizienz, 12. in Defensiver und damit in beiden Kategorien nicht überragend. Ihre stark zentralisierte Spielweise macht sie ein gutes Stück weit ausrechenbar.

Selbstverständlich spricht aber nicht alles in diesem Matchup für die Raketen. Deren größtes Problem heißt Andre Roberson, der James Harden in dieser Spielzeit womöglich besser als jeder andere verteidigte (Hardens Wurfquoten in den bisherigen drei Spielen: 4-16, 6-23, 6-16).

Mit der Addition von Gibson bekommt der – vor allem dank Steven Adams – toughe Frontcourt mehr Erfahrung und Härte hinzu, was sich an den Brettern bemerkbar macht (2. in Rebound Rate, 53,0). Die jungen Thunder (7. in Pace) können außerdem mit Houstons schneller Spielführung mithalten und ihre Tempogegenstöße dadurch effektiv verhindern.

Die bisherigen Partien waren allesamt bis zum Ende offen, der höchste Sieg Houstons 102-99 Erfolg im Dezember. Auch wenn die Zahlen derzeit für die Rockets sprechen, wäre mit einer hochgradig intensiven Serie zu rechnen, die neutralen Beobachtern den größten Spaßfaktor verspricht, den Anhängern beider Lager jedoch mehrere Jahre Lebenszeit kosten könnte.



#7: MEMPHIS GRIZZLIES (40-31)

Saisonbilanz: 2-2
Keine weiteren Duelle

Nichts Neues in Tennessee. Die Grizzlies widersetzen sich dem Trend nach schnellem Spiel und vielen Dreiern. Sie sind alt, verletzungsanfällig – und vor allem stets für blaue Flecken gut, weshalb keiner so richtig gerne im „Grindhouse“ spielt.

Im ersten Jahr unter Coach David Fizdale hat sich das Gesicht der Bären nicht signifikant geändert: Memphis' Offensive ist noch immer höchstens mittelmäßig (19. in Offensiver Effizienz), die Verteidigung unter den besten Zehn der Liga (6. in Defensiver Effizienz). Während Marc Gasol, Zach Randolph und neuerdings JaMychal Green in der Zone wüten, gehört der Backcourt zum Züchtigsten der Playoff-Kandidaten.

Die Suche nach einem gefährlichen Schützen neben Aufbauspieler Mike Conley findet ein schnelles Ende. Troy Daniels ist zwar auf den Dreier spezialisiert und trifft ihn mit 38,6 Prozent bei über fünf Versuchen pro Spiel ordentlich, kann aber davon ab das Spiel kaum positiv beeinflussen und steht folgerichtig nur rund 17 Minuten pro Abend auf dem Feld.

Chandler Parsons war die große Hoffnung, endlich wieder Gefahr vom Flügel auszustrahlen, doch dessen 94 Mio. $ schwerer Vertrag entpuppt sich immer mehr als Fiasko. Parsons' Saisonwerte (6,2 PPG, 2,5 RPG, 1,6 APG, 33,8% FG, 26,9% 3P) spotten jeder Beschreibung, sodass es für sein Team vorerst womöglich sogar besser ist, dass der einstige Borderline-All-Star verletzungsbedingt den Rest der Saison verpassen wird. Dass für Parsons der 40-Jährige Vince Carter in die Bresche springen muss, bringt die Problematik der Grizzlies auf den Punkt.


Abgesehen vom 29-Jährigen Mike Conley kennen die Leistungsträger die 30-Jahre-Marke nur aus dem Rückspiegel, vor allem gegen schnelle und dynamische Gegner tun sich die Bären sehr schwer. Die eigene Schwäche an der Dreierlinie steht komplementär zur größten Schwäche in der Defensive, der Verteidigung eben des Dreiers. Das macht es schwierig, in der NBA 2017 zu bestehen.

Dafür kommt ihnen die Playoff-Charakteristik sehr entgegen: Das Spiel wird langsamer, es gibt keine Back-to-Backs, Erfahrung und Routine gewinnen an Bedeutung. Und in diesem Faktor reicht kaum einer an die Schlachtrösser Gasol, Randolph oder Tony Allen heran. Houstons Clint Capela und Nenê haben den beiden Erstgenannten wenig entgegenzusetzen.

Im vergangenen Jahr gingen die Bären schwer dezimiert, auf dem Zahnfleisch über die Ziellinie, wurden folgerichtig von den Spurs nach vier Spielen in den Sommerurlaub geschickt. Damals waren allerdings in Conley und Gasol ihre besten Spieler nicht an Bord. Derzeit sieht es danach aus, als bekämen sie im April ihre Chance auf Revanche – inklusive Bruderduell.


Sollten sich die Grizzlies entgegen des aktuellen Trends (sechs der letzten zehn verloren) auf Platz sechs vorkämpfen und es doch mit den Rockets zu tun bekommen, erwartet uns ein Duell der Gegensätze. Auf der einen Seite die knallharten Veteranen, auf der anderen die dynamische Schar von Scharfschützen. Unerbittliche Defensive gegen brachiale Offensive, Toughness gegen Dreierregen.

Dank der besseren Bank, James Hardens individueller Qualität – und weil ein Dreier eben einen Punkt mehr bringt als ein Treffer innerhalb des Halbkreises, wären die Rockets wenigstens leicht favorisiert – allerdings andererseits noch abhängiger von einer guten Dreierquote als ohnehin schon.


Fazit

Einfache Gegner gibt es dieses Jahr im Westen nicht – vorausgesetzt, alle Schlüsselspieler bleiben gesund. Weil es sehr nach einer Serie zwischen den Clippers und Jazz aussieht, dürften sich Houstons Scouts bereits auf die Thunder und Grizzlies konzentrieren. Ein MVP-Duell zwischen Harden und Westbrook ist zum jetzigen Zeitpunkt das wahrscheinlichste Szenario.