04 März 2017

4. März, 2017



von AXEL BABST @CoachBabst

Letztes Jahr zogen die Verantwortlichen Louisvilles das Basketballteam aufgrund des Escort-Skandals mehr oder minder freiwillig aus dem Rennen und erlegten sich selbst eine Sperre für das NCAA Tournament und alle weiteren Postseason Tournaments auf. Bereits 2016 waren die Cardinals ein Dark Horse und hätten sich im März durch die Runden tanzen können.

In dieser Saison wirkt die Truppe von Hall of Fame Coach Rick Pitino noch gefestigter und gefährlicher. Besonders die talentierte Sophomore Class hat sich in dieser Spielzeit prächtig entwickelt. Donovan Mitchell explodiert derzeit förmlich.

Obwohl in dieser Saison wesentlich mehr Verantwortung auf ihm lastet, hat er die Effizienz seines Spiels deutlich erhöhen können. Sein Dreier sieht stark verbessert aus und als Playmaker trifft er sehr ordentliche Entscheidungen. Auch Sophomore Kollege Deng Adel ist dieses Jahr gesund und spielt auf solidem Niveau. 


Die wahre Feuerprobe wird jedoch das ACC Tournament sein. Dabei geht es gar nicht mal so sehr darum, ein möglichst gutes Seeding im großen Tournament zu erzwingen. Viel eher muss sich das insgesamt immer noch relativ junge und unerfahrene Team beweisen, dass sie ihren Stiefel auch in einem solchen Turniermodus auf das Parkett bringen können.

Eigentlich sollte das Battle 4 Atlantis auf den Bahamas diesen Ernstfall schon simulieren. Allerdings war Halbfinalgegner Wichita State zu diesem frühen Zeitpunkt noch mitten im Rebuild und anschließend wurde ein hoher Vorsprung gegen Baylor aus der Hand gegeben.

Umso wichtiger wird es im Conference Tournament sein, über mehrere Spiele hinwege in der besten Liga der NCAA eine gute Leistung zu zeigen und möglichst auch knappe Spiele für sich zu entscheiden. Gerade erneute Aufeinandertreffen mit Virginia und North Carolina wären wünschenswert, da diese beiden Kontrahenten als einzige Louisville wirklich zu kontrollieren schienen, was dem Wettbewerbsfanatiker Pitino sicher nicht geschmeckt haben dürfte.

Offense
Besonders an diesem Ende des Courts konnte Louisville in den bisherigen 30 Spielen positiv überraschen. Gegen wenige Gegner hatten die Cardinals wirklich Probleme dabei, Punkte auf die Anzeigetafel zu schaufeln. Das ist keineswegs selbstverständlich, wenn man sich die Teams vergangener Jahren vor Augen führt.

Umso bemerkenswerter wird dieser Umstand durch die Tatsache, dass Quentin Snider als einziger gelernter Aufbauspieler einige Spiele im Februar verletzungsbedingt verpasste und in Folge dessen zwei Sophomores, die als Spielmacher entweder keine Erfahrung haben (Mitchell) oder die letzte Saison größtenteils selber verpassten (Adel), die Organisation der Offense übernehmen mussten.

Dabei ist die Offense der Cardinals eine der komplexesten der NCAA, weil sie viele verschiedene Elemente beinhaltet, die sich nicht ständig wiederholen, sondern durch Reads aneinander gekettet werden. Spätestens nach der dritten Option müssen alle Spieler auf dem Feld sehr genau darauf achten, was die Defense für Fehler begeht und entsprechend diese Versäumnisse ausnutzen.

Das richtige Lesen der Verteidigung beginnt schon bei der Early Offense. Auf ein simples Side Pick & Roll folgt oft eine Überzahlsituation in der Zone, die einerseits nur von kurzer Zeit Bestand hat und andererseits eine milimetergenau Ausführung auf engstem Raum erfordert:


Denn während ein Big Man einen Block für den Ballhandler stellt und sich anschließend abrollt, hat der andere Big Man die Aufgabe, seinen beiden Mitspielern einen Vorteil zu kreieren. Dieser Vorteil kann zum einen dadurch entstehen, dass sich der Big in der Zone aggressiv aufpostet und so entweder seinen Verteidiger bindet oder ihn fast schon selber screent. Eine andere Möglichkeit besteht darin, dass er zur Dreierlinie sprintet und sich als Passstation für das High-Low anbietet. Letztere Variante wird von den Louisville Bigs allerdings eher selten gewählt.

In der ersten Beispielszene verteidigt UNC das Pick & Roll per se schon nicht gut. Durch Jaylen Johnsons Präsenz in der Zone entsteht zusätzlich Konfusion. Es gibt keine eindeutige Hilfe. UNCs Verteidiger versteckt sich hinter Johnson und wird nicht aktiv. Quentin Snider kann sich aussuchen, ob er selber abschließen möchte oder Center Anas Mahmoud per Alley-Oop in Szene setzt.

Später verteidigt UNC das Pick & Roll besser und kann den Ballhandler ohne Zuhilfenahme eines weiteren Verteidigers rechtzeitig stoppen, allerdings sorgt das dafür, dass Mangok Mathiang sehr gute Position beim Postup hat. Auch der Australier zeigt, dass er sich im Laufe seiner College Karriere ordentlich steigern konnte, indem er per elegantem Spinmove über die Baseline abschließt.

Grundsätzlich will Pitino im Setplay vor der ersten Aktion mit Drang zum Korb viel Bewegung aller fünf Spieler sehen, um den Gegner so müde zu spielen. Sobald die gegnerische Defense jedoch pennt, wird das eiskalt ausgenutzt. Folgendes Backscreen Play, das die Cards sehr häufig laufen, schafft den Spagat zwischen viel Bewegung und gezielten ersten Optionen gut:


Virginia Tech begeht den Fehler, auch die Bigs sehr eng zu verteidigen. Da alle fünf Verteidiger oberhalb der Freiwurflinie positioniert fehlt somit die Absicherung unter dem Korb, was die Tür für Lobplays und Alley-Oops öffnet. Gegen die athletischen Cardinals müssen sich Gegner immer darauf einstellen, dass solche Pässe versucht werden und auch größtenteils beim Adressaten landen.

In der zweiten Situation verteidigt Virginia Tech die Backscreens etwas besser, was auch daran liegt, dass die Verteidiger der Außenspieler unter den Screens langen gehen und damit den Weg zum Korb abschneiden. Adel liest das und fordert den Ball an der Dreierlinie. Zwar wirft er nicht, doch für das folgende Pick & Roll hat er eine bessere Ausgangsposition.

Wake Forest versucht die Lobs zu verhindern, indem die Bigs absinken und ihre Größe abspielen. Diese Maßnahme ist zwar insofern erfolgreich, als dadurch keine Alley-Oops zustandekommen, allerdings hat Louisville auch hierfür die passende Antwort parat: Den zweiten Backscreen löst Ray Spalding sehr früh auf und sprintet in den Ballscreen. Dadurch überrumpelt er seinen Gegenspieler, der wiederum zu viel Abstand zu Snider hat und den offenen Dreier in Kauf nehmen muss.

Ein weiteres Problem für die Defense besteht darin zu erkennen, welches Play die Cardinals überhaupt gerade laufen. Die Einstiege ähneln sich und auch Raumaufteilung ist oft identisch. Beispielsweise ist der Entry der Handoff Series exakt gleich im Vergleich zum beschrieben Backscreen Play:


Wieder passt der Aufbauspieler den Ball zum Trailer, der den Ball per Dribble Handoff auf den Flügel trägt. Es folgt ein weiterer Handoff. Nun entscheidet der dritte Außenspieler darüber, wie es weitergehen soll, sofern Pitino das nicht selber ansagt. Die Optionen sind reichhaltig.

Im ersten Beispiel entscheidet sich Mitchell für den Pass zum Big Man. Er folgt seinem Pass und streift am Big Man seinen Bewacher ab. Ist Mitchell frei, kann Mathiang einen relativ einfach Pass direkt unter den Korb spielen. In diesem Fall erhält jedoch Adel einen Pindown von der Weakside und holt sich den Ball per Handoff ab. Zwar kann er gestoppt werden, doch mit dem Handoff zu Snider kollabiert die Defense endgültig. Snider marschiert in die Zone und kann dank Mathiangs indirektem Block den Layup im Korb unterbringen.

Geht der Ball nicht zum Highpost, sondern zum Außenspieler auf den Flügel, mündet der Angriff in einem Side Pick & Roll. Spalding steht seinem Guard auf den Füßen und lässt wegen seiner Gestik vermuten, dass ihm nicht so ganz klar ist, was er zu tun hat. Dennoch retten er und Adel diese Angriffsbemühung per Handoff und Pullup Jumper.

Eine andere Variation, die zum Side Pick & Roll führt, ist ein Iverson Cut des Außenspielers:


Das Play ist dem vorherigen Spielzug verblüffend ähnlich. Aufbauspieler Snider cuttet dieses Mal allerdings nach seinem Pass zum Trailer auf die Weakside und Mitchell erhält dieses Mal nicht den Ball per Handoff, sondern ist der Cutter entlang der Freiwurflinie. Nach dem Ballerhalt splittet er die Defense beim Pick & Roll und behält die Übersicht. Kollege Snider dankt für den ausgezeichneten Kickout mit einem Dreier.

Traditionell versuchen viele Teams die Cardinals mit einer Zonenverteidigung aus dem Konzept zu bringen. Was grundsätzlich ein gutes Stilmittel ist, um einen Gegner aus dem Rhythmus zu bringen, drängte sich bei den Cards in den vergangenen Jahren nahezu auf.

Chronische Schussschwäche vom Perimeter und unterirdisches Entscheidungsverhalten waren die Hauptmotivation für diese taktische Maßnahme. In der aktuellen Saison ist Pitinos Teams aber wesentlich besser entlang der Dreierlinie unterwegs und spielt zudem Angriffe strukturierter aus, wie das folgende Setplay zeigt:


Dieser Spielzug gehört eigentlich zu den Standardplays gegen eine 2-3-Zone. Auf ein erstes Side Pick & Roll, das eigentlich nur die Verteidigung zusammenziehen lassen soll, folgt in der Regel ein High Pick & Roll, das die intendierte Attacke bildet. In diesem Fall reicht jedoch Sniders dynamischer Drive, um alle fünf Verteidiger von sich zu vereinnahmen. Auf der Weakside liest Adel dieses Fehlverhalten und cuttet im Rücken der sehr hochstehenden hinteren Zonenreihe hart zum Korb. Snider findet den Australier per Alley-Oop.

Dieses Play ist nur ein Beispiel dafür, wie souverän Louisville diese Saison vergleichsweise mit einer Zonenverteidigung umzugehen weiß.

Unabhängig von Mann- oder Zonenverteidigung hängt Louisvilles offensive Produktion sehr eng mit dem Entscheidungsverhalten der Guards zusammen. Zwar machen Snider, Mitchell und Adel ihre Sache im Vergleich zu vielen ihrer Vorgänger wirklich gut, dennoch bleibt genug Raum zu Verbesserungen.

Da die Cardinals das hektische Spiel in der Defense forcieren und haben wollen (dazu später mehr), ist auch automatisch die Offensive anfälliger für Flüchtigkeitsfehler. Sollte es eine Statistik dazu geben, wie oft auf einen forcierten Turnover des Gegners ein eigener Ballverlust folgt, dürfte Louisville in dieser Kategorie nach West Virginia einen soliden zweiten Platz belegen.

Das kann durchaus zum Problem werden, da Louisville anfällig dafür ist, hohe Vorsprünge zu verspielen. Einige Beispiele aus dem Wake Forest Spiel, das die Cards mit sieben Zählern verloren, obwohl sie zwischenzeitlich mit fast 20 Punkten Abstand führten:


Zunächst kreieren die Cardinals aus einem Pick & Roll ein Mismatch. Um dieses zu attackieren, passt Snider den Ball und erhält direkt den Rückpass - ein probates Mittel, um den langsameren Big zu überrumpeln oder durch mögliche Fakes aus der Balance zu bringen. Problem ist hier jedoch, dass sich Snider für die erste Variante entscheidet, obwohl die Zone viel zu dicht besiedelt ist. Adel steht mitten in der Zone, wodurch Snider irritiert wird und ein ungestümes Offensivfoul begeht.

Die Szenen zwei und drei zeigen schlechte Passauswahl und -qualität gegen druckvolle Verteidigung. Erst wird Shooter Ryan McMahon hinter die Brettkante abgedrängt, anschließend sieht Adel aufgrund des Doppelns im Pick & Roll nicht, dass hinter Teamkollege Mathiang bereits ein Verteidiger auf den Pass lauert.

Drittens müssen die Cardinals aufpassen, dass sie es mit dem Splitten des Pick & Rolls nicht übertreiben. Auch wenn das sicherlich eine Strategie ist, die Pitino seinen Spielern an die Hand gibt, versuchen die Guards noch zu oft mit der Brechstange und auf eigene Faust gleich zwei Verteidiger mit einer Aktion aussteigen zu lassen. Selbst dann, wenn es eigentlich nicht nötig ist und es genügend andere Optionen gibt. Mitchell könnte hier ganz einfach Mathiang als Passstation nutzen, stattdessen sammeln die Deamon Deacons zwei einfache Fastbreakpunkte ein.

Gelingt es den Cardinals die Kleinigkeiten im Angriff richtig umzusetzen, sind sie auf einem ähnlichen offensiven Niveau wie das Meisterschaftsteams aus 2013. Dafür müssen sie ihre Turnovers reduzieren, ihre Freiwürfe und Dreier hochprozentig(er) verwandeln und grundsätzlich ihre Entscheidungen schärfen.

Defense
Die Schokoladenseite der Cardinals ist und bleibt allerdings die Verteidigung. Vermutlich gibt es wenige NCAA Teams, bei denen die Spielvorbereitung dem Gegner so schwer fällt wie bei Louisville. Die Cardinals praktizieren verschiedene Pressverteidigungen. Manche sind darauf ausgelegt, schon den Einwurfpass zu verhindern. Andere arbeiten mit Traps an der Mittellinie. Wieder andere Spielweisen wollen einfach nur möglichst viel Zeit von der Uhr nehmen, bis ein geordneter Halbfeldangriff initiiert wird.

Unabhängig davon, welche Presse Louisville gerade praktiziert: Die Cardinals forcieren Chaos und Ballverluste, die oft zu eigenen Punkten im Schnellangriff führen. Hier einige Beispiele:


Im ersten Beispiel lassen die Guards zumindest den Einwurf zu. Danach wird der Ballhandler allerdings in einer Hetzjagd schonungslos von gleich zwei Verteidigern quer über das ganze Spielfeld gescheucht. Pitino bringt seinen Außenspielern bei, von hinten nach dem Ball zu schlagen und ihn den hinten lauernden Bigs zuzuspitzeln. In diesem Fall gelingt das Mitchell exakt nach Plan. Sobald der Steal gesichert ist, sprintet gleich vier Cards nach vorne und kreieren zeitweise eine Vier-gegen-Zwei-Überzahl. Dadurch hat Spalding gute Insideposition am Brett und kann per Tip-In für die schnellen Punkte sorgen.

In der zweiten Situation lässt Mitchell nicht mal den Einwurf bei seinem Gegenspieler ankommen. Auch das ist durch taktisches Kalkül vorbereitet. Snider überspielt zunächst den vorrangigen Ballhandler Wake Forests. Anschließend positioniert sich Mitchell so an der Seite, dass sein Matchup nur auf der Ballseite anspielbar ist. Im letzten Moment hechtet Mitchell dann jedoch nach vorne und ergaunert sich das Spielgerät.

In der dritten Situation kommen beide Komponenten zusammen. Mitchell versucht wieder im letzten Moment den Einwurf abzufangen, ist jedoch zu spät dran. Allerdings gibt er sich nicht geschlagen, sondern verfolgt den Gegner über das ganze Feld. Der Ballhandler steht so unter Druck, dass er ungebremst in den gut positionierten Big Man rennt und sich ein ziemlich offensichtliches Offensivfoul einhandelt.

Doch selbst wenn das gegnerische Team sich nicht zu solchen Kurzschlussreaktionen hinreißen lässt, heißt das nicht, dass es im Setplay wesentlich leichter wird. Auch hier arbeiten die Cardinals mit aktiven Händen und sind aggressiv unterwegs. Aus ihrer 2-3-Matchup-Zone heraus wechseln sie immer wieder den Zeitpunkt, zu dem sie in Mannprinzipien übergehen oder wieder zurück in ihre Zonenaufstellung zurückfallen. Viele Teams wissen daher oft nicht, ob sie Mann- oder Zonenoffense laufen sollen. Die fehlende Organisation machen sich die Cards mit guter Kommunikation und vielen Rotationen zu Nutze:


Louisville beginnt mit einer 2-3-Grundaufstellung. Doch bereits hier beginnt die Kommunikation der Spieler für den Übergang in Mannprinzipien. Cutter werden nicht nur lautstark angesagt, sondern auch per Handzeichen identifiziert. Geht der Ball in eine Spielfeldecke, scheut Pitino auch nicht davor zurück, seinen nominellen Centerspieler vom Korb wegzueisen und das lange Closeout laufen zu lassen.

Wird der Ball schnell um die Dreierlinie bewegt, sind die Verteidiger mindestens genauso handlungsschnell und rotieren wieder auf die Angreifer in ihrem Verteidigungsareal zurück. Durch die Schnelligkeit und Länge auf allen Positionen entstehen selten unvorteilhafte Situationen.

Gerade die Länge macht sich gegen Ende der Sequenz bemerkbar. Gleich zwei Mal sind mindestens zwei Verteidiger am Ballhandler dran und halten ihn aufgrund ihrer Länge vom Drive zum Korb ab. Schnelle Hände sorgen wieder für den Ballbesitzwechsel.

Die Alternative, ein Abschluss über die lange Garde hinweg, erweist sich jedoch nur selten als aussichtsreicher, wie die nachfolgend zu sehen ist.


Louisville hat nicht umsonst die fünfhöchste Blockrate der NCAA: Die Länge und die kurzen Rotationswege sorgen dafür, dass die Zone regelmäßig zum Schauplätz spektakulärer Defensivaktionen wird.

Problematisch wird es dennoch, wenn die Kommunikation ausbleibt und nicht alle fünf Verteidiger auf derselben Wellenlinie treiben:


Zunächst geht Louisville aus der Matchup-Zone in Mannprinzipen über und die Außenspieler folgen brav den cuttenden Angreifern. Mitchell bleibt allerdings in einem Block hängen, wodurch Big Man Matz Stockman zum Switch gezwungen wird. Prompt entsteht das entscheidende Missverständnis unter dem Korb: Mitchell will auch beim nächsten Downscreen switchen, sagt das aber nicht an, sondern stürmt einfach nach draußen. Da Mitspieler V.J. King keine Gedanken lesen kann, folgt er seinem Gegenspieler, was den Blocksteller mutterseelenallein in der Zone stehen lässt.

In der Zone kommt hinzu, dass oft nicht klar ist, wer für wen zuständig ist, da sich Zonen- und Mannprinzipien vermischen können. Beim Pick & Pop sollte nach Zonenprinzipien eigentlich Snider den Blocksteller übernehmen. Johnson will aber Mannprinzipien folgen, was angesichts der verwaisten Spielfeldseite keine schlechte Idee ist.

Da die Kommunikation ausbleibt, sprinten jedoch beide zum Ball. Durch das schnelle Swingen sind die Cards auf der Weakside gefordert, schnelle Rotationen an den Tag zu legen. Adel und Mahmoud rotieren auch tatsächlich sehr zügig, allerdings lässt der Ägypter die Zone vollkommen ungeschützt und niemand von der Weakside rotiert runter.

Das Risiko solcher Fehler ist Pitino grundsätzlich einzugehen, weil die wenigsten Teams mit diesen wechselnden Verteidigungsstrategien zurecht kommen und auf diese Weise letztlich die Vorteile überwiegen.

Grundsätzlich ähneln die Cardinals diese Saison sehr stark dem Meisterteam, da sie über viel Tiefe und Ausgeglichenheit im Kader verfügen. Im Frontcourt haben sie viel Länge aufzubieten, was sich gerade defensiv positiv bemerkbar macht. Offensiv fehlt zwar ein wenig ein zweiter gelernter Ballhandler und Organisator, doch solange Mitchell und Adel ihre Rollen als Assistenten weiter zufriedenstellend ausführen, ist das kein riesiges Manko.

Will Louisville ins Final Four, müssen sie besonders die Foulstatistik besser in den Griff bekommen. Einerseits foulen die Cards selber zu häufig und schicken den Gegner teils unbegründet an die Freiwurflinie, was hohe Vorsprünge innerhalb von wenigen Angriffen gefährden kann. Andererseits sind sie selber nicht in der Lage, oft an die Freiwurflinie zu treten und von dort verlässlich zu treffen. Das kann sich in einem engen, nervenaufreibenden Spiel am zweiten Wochenende rächen.