21 März 2017

21. März, 2017


Die erste Woche des NCAA-Turniers 2017 ist vorbei. Ab Donnerstag geht es mit dem Sweet Sixteen weiter. #BabstMadness blickt auf Runde eins und zwei zurück, analysiert die Winner und füllt euch gleichzeitig das Matchup-Bracket bis zum Final Four aus. 

von AXEL BABST @CoachBabst


EAST
#3 Baylor, #4 Florida, #7 South Carolina, #8 Wisconsin

Die überraschendste Entwicklung des ersten Wochenendes trug sich in Greenville zu, wo sich mit den South Carolina Gamecocks ein Team für das Sweet Sixteen qualifizierte, das vermutlich in den wenigsten Brackets so weit durch getippt wurde. Das hat viele Gründe. Immerhin musste das SEC Team die Duke Blue Devils, das talentierteste Team der NCAA und während des ACC Tournaments in Hochform, aus dem Tournament werfen. Doch neben dieser David gegen Goliath Einteilung, die sich im März überall finden lässt, hat dieser Sweet Sixteen Einzug noch ganz andere Geschichten zu erzählen.

Frank Martin ist in seinem fünften Jahr Trainer bei den Gamecocks und konnte in dieser Saison erstmals das Tournament erreichen. 44 Jahre vergingen seit dem letzten Tournament Sieg des Programms - eine schier unfassbar lange Zeitspanne für ein Power-5 Conference Team. Wie bedeutsam dieser Erfolg ist, wurde besonders an den Reaktionen nach dem Spiel deutlich, als selbst Coach Martin die Freudentränen nicht zurückhalten konnte, obwohl er im Regelfall mit seinen tödlichen Blicken und harten Ansagen den Ruf als harter Knochen redlich verdient hat.


Zusätzlich überrascht auch die Art und Weise der Siege ein wenig. Mit 93 Punkten gegen Marquette und 88 Punkten gegen Duke konnten die Gamecocks die meisten Punkte in den ersten zwei Tournament Spielen erzielen. Die 65 Punkte in der zweiten Halbzeit gegen Duke überboten die Endwerte South Carolinas in zehn Partien in dieser Saison. NCAA MIP Sindarius Thornwell kann gute Argumente vorbringen, dass er das individuell dominanteste Wochenende der ersten Tournament Runden hatte.

Im Sweet Sixteen treffen die Gamecocks nun auf die Baylor Bears, die sich in der ersten Runde gegen New Mexico State lange mühten und auch gegen USC bis zur Schlussminute zittern mussten. Besonderen Dank sollte Manu Lecomte von seinen Mitstreitern erfahren haben. Ein zwischenzeitlicher 8-0-Lauf, der aus einem Rückstand von zwei Zählern einen Sechs-Punkte-Vorsprung werden ließ, sorgte für eine Führung bis hinein in die letzten Sekunden. Dort war es erneut der Belgier, der per Goaltending für die Entscheidung sorgte.


Doch auch der andere Ast der Region bedeutete nicht weniger Spektakel. Die Wisconsin Badgers nahmen Rache für das schwache Seeding und kickte den amtierenden Champ Villanova aus dem Rennen. In beiden Partien zeigte sich, dass Erfahrung dann doch die vielleicht wichtigste Zutat im März ist. Bronson Koenig hatte im ersten Spiel stets eine Antwort für Virginia Tech parat und war auch am späten Run gegen 'Nova maßgeblich beteiligt. Nur wenige Teams sind in der Lage, aus einem 57:50 für den letztjährigen Meister wenige Minuten vor dem Ende noch einen Sieg herauszuholen.

Die Florida Gators hatten von allen vier Teams vermutlich das leiseste erste Wochenende, traten jedoch mit Abstand am dominantesten auf. East Tennessee hatte in der ersten Runde keine Chance aufs Upset, Virginia wurde im zweiten Spiel überrollt. Halbzeitübergreifend konnten die Cavaliers zwischenzeitlich fast acht Minuten keinen Punkt erzielen, während die Gators besonders dank ihrer Tweener Justin Leon und Devin Robinson erfolgreich waren. Insgesamt nur 39 Punkte zuzulassen ist ein Statement.

Da mit Villanova, Duke und SMU die heißen Final Four Kandidaten aus dem Rennen sind, wird nun ein Team ins Final Four einziehen, das am Selection Sunday nur wenige auf dem Zettel hatten. Wagt man sich angesichts des zerstörten Brackets noch an Prognosen, scheint der Sieger der Partie Wisconsin-Florida die besten Chancen auf eine Reise nach Glendale zu haben.

Wisconsin bringt die meiste Erfahrung mit, Florida hat die beste Defense und kann sich am variabelsten auf den Gegner einstellen. Kaum ein NCAA-Coach trifft mit seinen Adjustments so sehr den Nagel auf den Kopf wie Floridas Mike White. Im zweiten Spiel werden die Gamecocks sicher die Länge aufweisen können, um Baylors Bigs zu irritieren. Gegen die Zone kann erneut Thornwell als Playmaker vom Highpost entscheidend sein.

Tatsächlich haben alle vier Teams gute Chancen aufs Elite Eight und sogar das Final Four. Wisconsin gewinnt Spiele über Intelligenz und Nervenstärke. Sollten die Spiele also eng bleiben, haben sie einen Vorteil. Je schneller das Spiel gegen Florida wird, desto mehr sollten die Gators Herr der Lage sein. Baylor profitiert von einem dünnen Frontcourt und Wurfschwächen des Gegners. In einem Matchup gegen Florida wäre das Final Four daher durchaus realistisch. South Carolina muss sich in dieser Form jedoch vor keinem Gegner verstecken. Bleibt die Offense so produktiv, gibt es angesichts der elitären Defense kein Team, das gegen South Carolina spielen möchte.


MIDWEST 
#1 Kansas, #3 Oregon, #4 Purdue, #7 Michigan

In dieser Region waren sicher die Michigan Wolverines die große Geschichte, die aber an dieser Stelle etwas ausgeklammert werden soll. Die Kansas Jayhawks wurden ihrer Favoritenrolle bisher absolut gerecht. Zwar fiel das Ergebnis gegen Michigan State letztlich etwas zu hoch aus, doch die Leistung war sehr imposant.

Josh Jackson lässt Zweifel an seinem Wurf momentan nur noch lächerlich erscheinen und war im direkten Duell mit Miles Bridges kaum zu stoppen. Große Erleichterung sollte bei den Anhängern der Jayhawks, die in Tulsa Heimspielatmosphäre kreierten, der wiedergefundene Shooting Touch von Devonte' Graham auslösen.

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Die Purdue Boilermakers wirkten hingegen alles andere als gefestigt. Biggie Swanigan spulte zwar sein Programm runter und war bisweilen unstoppable, doch Purdue musste sich gegen Vermont und Iowa State gewaltig strecken. Besonders Coach Matt Painter muss sich Kritik gefallen lassen. Erst mit der Auswechslung von Swanigan holten die Cyclones den deutlichen Vorsprung auf und kämpften sich innerhalb von drei Minuten auf sieben Zähler heran.

Swanigan bettelte die Assistant Coaches um eine zügige Einwechslung förmlich an. Entsprechend übermotiviert agierte Swanigan anschließend auf dem Court und gab vor allem defensiv keine gute Figur ab. Iowa State ging sogar mit zwei Punkten zwei Minuten vor dem Ende in Führung, war letztlich aber nicht konsequent genug, um Swanigan bis zum bitteren Ende zu attackieren.

Die Oregon Ducks bewiesen am Wochenende, wie variabel sie Spiele gewinnen können. Auch wenn es letztlich mal wieder Dillon Brooks und Tyler Dorsey waren, die das Sweet Sixteen in trockene Tücher packten, war nur die eigene Vielseitigkeit dafür verantwortlich, gegen zwei absolut unterschiedliche Gegner eine Siegchance zu haben. Iona ist ein gefährlicher Mid-Major, der am liebsten schnell spielt, was Oregon zu 93 Punkten nutzte. Rhode Island ist hingegen eines der toughsten NCAA Teams, das mit unheimlich hoher Intensität spielt und gegen Oregon zudem viele halbgare Würfe traf. Sich innerhalb von zwei Tagen gegen zwei so unterschiedliche Gegner durchzusetzen, ist ein rares Qualitätsmerkmal.


In dieser Region hat sich durch das erste Turnierwochenende tatsächlich sehr wenig geändert. Kansas ist weiterhin der absolute Favorit. Purdue kann Kansas zwar wehtun, da die Boilermakers mit Swanigan und Isaac Haas zwei Bigs haben, um die dünne Frontcourt Rotation der Jayhawks (de facto Landen Lucas in Personalunion) auszunutzen, doch Kansas' Backcourt hat zu viel Firepower für die Boilermakers. Zudem wird Swanigan defensiv viel zutun bekommen, was ihm gar nicht schmeckt.

Das Spiel zwischen Oregon und Michigan dürfte über die bessere Dreierquote und ein gewonnenes Reboundduell entschieden werden. Michigan hat die Schützen, um die Matchup Zone der Ducks zu filettieren. Doch andersherum stellt sich die Frage, wie Michigan die Athletik der PAC12 Champs matchen soll. Einzig Oregon scheint Kansas wirklich gefährlich werden zu können, doch die Aufgabe gegen Michigan muss erstmal gelöst werden.


SOUTH 
#1 North Carolina, #2 Kentucky, #3 UCLA, #4 Butler

Obwohl diese Region auf den ersten Blick wie die härteste aussah und mit Middle Tennessee State und Wichita State die beiden gefährlichsten Mid-Majors enthielt, konnten im Süden alle vier Top-Seeds das zweite Wochenende erreichen.

North Carolina machte in der ersten Runde kurzen Prozess mit Texas Southern, hatte dann aber gegen Arkansas in der zweiten Runde Mühe. 17 Punkte Rückstand holten die Razorbacks auf und gingen in Führung. Erst in den letzten drei Minuten konnte UNC einen Fünf-Punkte-Rückstand noch überwinden. Bessere offensive Ausführung im Setplay und schwindende Kräfte bei den Razorbacks waren in der Crunchtime die Schlüssel zum Sieg.

Die Butler Bulldogs konnten zwei undankbare Aufgaben relativ souverän lösen. Das Auftreten gegen Winthrop war zum Teil sehr dominant, obwohl Keon Johnson ein kleiner Wirbelwind ist und die Eagles keinen schlechten Basketball spielen. Gegen Middle Tennessee State war die Leistung noch herausragender. Meisterhaft gingen die Bulldogs mit den wechselnden Verteidigungsvarianten um und sorgten mit ihrer Defense dafür, dass zwei der drei wichtigsten Blue Raiders nie ihren Rhythmus fanden. Besonders Andrew Chrabascz, über den nach wie vor viel zu wenig berichtet wird, zeigt mal wieder, wie schwierig er zu verteidigen ist.


Die UCLA Bruins hätten nicht typischer ins Sweet Sixteen einziehen können. In der ersten Halbzeit hatte der Gegner jeweils Oberwasser, doch UCLAs Offensive war trotzdem gut genug, um das Spiel offen zu halten. In der zweiten Halbzeit zündete dann Lonzo Ball - speziell gegen Cincinnati - den Turbo und sorgte für ein wahres Offensivspektakel. In den kommenden Spielen wird es nun verstärkt darauf ankommen, dass die Defense einen Zahn zulegt. Zwar wird weiterhin über die verbesserte Bruins Defense gesprochen, doch nach wie vor ist das eine Fata Morgana. Einzig gegnerisches Unvermögen und die eigene 3-2-Zone sorgen für verbesserte Statistiken.


Kentucky sollte sich so langsam die Marke 'Comeback Cats' patentieren lassen. War es bereits in den vergangenen Saisonmonaten das Motto, unter dem die Truppe von John Calipari ihre Spiele noch irgendwie gewinnen konnte, verlief die Partie gegen Wichita State in exakt gleicher Manier. Lange Zeit bissen sich die jungen Wildcats an der harten Verteidigung der Shockers die Zähne aus, bis sie Mitte der zweiten Halbzeit ins Laufen kamen und die Führung erobern konnten. Am Ende waren es schlechte Offensiventscheidungen der Shockers und zwei von Kentucky geblockte Würfe, die über den Einzug ins Sweet Sixteen entschieden.

Das Rematch zwischen Kentucky und UCLA dürfte die beste und spannendste Partie der insgesamt hochwertigen Sweet Sixteen Begegnungen werden. Bereits das erste Match im Dezember war reich an Tempo, spektakulären Aktionen und Spannung. Dass UCLA letztlich als Sieger die Halle in Lexington mit im Stolz verletzten Kentucky Anhängern verließ, dürfte eine gewisse Würze am Freitag vorprogrammieren. Tatsächlich ist der Ausgang komplett offen, allerdings scheint UCLA die gefährlicheren Waffen in der Offense zu haben.


UNC wird gegen Butler ebenfalls alle Hände voll zu tun bekommen. Schaffen die Tar Heels es nicht, das Spiel schnell zu machen oder ihre Vorteile am Brett auszuspielen, kann Butler das durchaus bestrafen. Die Bulldogs laufen in der Offense erstklassige Angriffe, die die Schwächen des Gegners exakt treffen und daher in der Regel für gute Würfe sorgen. Ein Upset wäre daher alles anderes als überraschend. Wer jedoch am Ende ins Final Four einzieht, wird stark von der Tagesform abhängen. UCLA könnte hier noch am ehesten die Nase vorn haben.


WEST 
#1 Gonzaga, #2 Arizona, #4 West Virginia, #11 Xavier

Auch in dieser Region ereignete sich am ersten Wochenende eine Menge. Die Gonzaga Bulldogs hatten in beiden Partien Mühe zu gewinnen. Im Vergleich zu anderen Teams gelang es den Zags dieses Mal jedoch, einen kühlen Kopf zu bewahren. Besonders das Northwestern Spiel war ein Wechselbad der Gefühle. Eine sehr hohe Führung, die besonders der starken Verteidigung (20 zugelassene Punkte zur Halbzeit) geschuldet war, schmolz in der zweiten Halbzeit zusehends. Erst ein nicht gegebenes Goaltending, über das sich Chris Collins derart beschwerte, dass er ein technisches Foul erhielt und damit das Momentum seines Teams verlor, brachte die Bulldogs zurück ins Spiel.

Genau diese Nervenstärke müssen die Zags gegen 'Press Virginia' an den Tag legen. Die West Virginia Mountaineers zeigten sich in den ersten Partien so erbarmunglos, wie man es von ihnen gewohnt ist und forcierten jede Menge Ballverluste. Weder Bucknell noch Notre Dame konnten dem Druck standhalten. Ein wichtiger Faktor war jedoch auch, dass Press Virginia im Angriff konstant scoren und somit die Presse aufstellen konnte. Ob das gegen die Zags, die gerade am Brett mehr Größe mitbringen, genauso gut funktionieren kann, wird wahrscheinlich die entscheidende Frage sein.

Größe bringen auch die Arizona Wildcats mit. Arizona legte ein beeindruckendes erstes Wochenende hin, glänzte dabei jedoch keineswegs. Im ersten Spiel gegen North Dakota waren sie dazu fähig, mehr Punkte als der Gegner zu erzielen und den 100:82 Shootout dadurch zu gewinnen. Zwei Tage später spielten sie gegen das zweitlangsamste Team der NCAA, das über den besten Innenspieler verfügt. Trotz Rückstand in der gesamten ersten Halbzeit und einer Verletzung von Rawle Alkins kamen die Wildcats zurück und konnten das Spiel am Ende drehen.


Das Überraschungsteam der Region ist Xavier. Seit sich Aufbauspieler Edmond Sumner das Kreuzband riss, konnten die X-Men nur noch fünf Spiele gewinnen - drei davon gegen Power-5 Schlusslicht DePaul. Auf einen Sieg über ein junges und verunsichert wirkendes Maryland Team folgte eine Machtdemonstration gegen die Florida State Seminoles. Schlüssel zu diesen Erfolgen war in erster Linie eine fabelhafte Coaching-Leistung von Chris Mack.

Wechselnde Zonenverteidigungen hielten beide Gegner auf Trab und davon ab, einen Rhythmus zu finden. In der Offensive war die Wahl der Setplays angepasst an die Schwächen der Gegner, die Ausführung der Plays absolut zielsicher und exakt. Zudem liefen Trevon Bluiett und Kaiser Gates von der Dreierlinie heiß, während Sean O'Mara eine verlässliche Inside-Option darstellte.


Die Matchups in dieser Region werden weitere Härtetests für die beiden Top-Seeds. Gonzaga bekommt mit West Virginia das Team als Gegner, das sicher die wenigsten Coaches sehen möchten. Wie gut werden die Zags mit dem Druck umgehen können und auf den Ball aufpassen? Bisher wurden sie eher selten von einer Ganzfeldpresse drangsaliert.

Arizona hatte im bisherigen Saisonverlauf immer wieder Schwächen gegen Zonenverteidigung und dürfte von Xavier wenig anderes sehen. Alkins wird zwar wieder einsatzfähig sein, hat allerdings durch seine Verletzung an der Wurfhand an Gefahr verloren. Wieder mal wird daher sehr viel von Lauri Markkanen abhängen, wenn Sean Miller endlich das Final Four erreichen und dabei seine alte Wirkungsstätte Xavier aus dem Rennen werfen will. 2015 war dazu ein glänzend aufgelegter T.J. McConnell notwendig.