15 März 2017

15. März, 2017



Das NCAA Tournament-Feld 2017 ist gesetzt. Ab Donnerstag starten 64 Mannschaften in die amüsanteste Basketball-Competition der Welt. Wir haben für euch alle Teams durchgecheckt, verraten euch wen und was es warum zu beachten gilt... und helfen euch nebenbei, eure Brackets wie ein Boss auszufüllen. Mehr March Madness geht nicht!

von AXEL BABST @CoachBabst & SEB DUMITRU @nbachefkoch


Villanova Wildcats


MVP: Josh Hart, Guard, 6’5’’, Senior
Die Evolution von Josh Hart ist wirklich beachtlich und verdient größte Anerkennung. Übertrieben formuliert lässt sich an seiner spielerischen Entwicklung, die Entwicklung von Villanova als Programm festmachen. Waren die Wildcats bei Harts Ankunft zwar immer ein potentes March Madness Team, sahen die Prognosen dann spätestens im Sweet Sixteen das Aus für das Team aus der Big East voraus. Erst in den vergangenen eineinhalb Jahren konnte Nova das Loser-Image ablegen und sich zu einem der vorbildhaftesten Programme der NCAA wandeln, obwohl das in Wahrheit schon seit Jahren der Fall ist. Hart entwickelte sich vom Rollenspieler zum Starter zum Star zu einem der drei besten Spieler der NCAA. Als bester Spieler des amtierenden Meisters will Hart sicher seinen Teil zur Titelverteidigung beitragen.

X-Faktor: Kris Jenkins, Wing/Big, 6’6’’, Senior
Spätestens seit seinem Gamewinner im vergangenen April dürfte der Name Kris Jenkins nicht nur College Enthusiasten ein Begriff sein. Der personifizierte Stretch Vierer durchlief eine ähnliche, wenn auch nicht ganz so spektakuläre Entwicklung wie Hart und will nun ebenfalls alles daran setzen, mit einem Sieg und der erneuten Meisterschaft die College Karriere zu beenden. Jenkins ist nach wie vor der wichtigste Dreierschütze der Cats, weil er das Feld in die Breite zieht und oft einen Big Man außerhalb der Dreierlinie lockt. Während einer Schächephase im Januar, als sein Wurf nicht fiel, hatten plötzlich auch die Wildcats Probleme und büßten etwas an Souveränität ein.


NBA & BBL Kandidaten: Josh Hart sollte spätestens Ende der ersten Runde gedraftet werden. Er ist mindestens ein vorbildlicher Rollenspieler und eine Entwicklung zum Starter ist nicht auszuschließen. Kris Jenkins bringt dank seines Wurfes ein schlagkräftiges Argument, allerdings fehlen im etwas die Größe und die Schnelligkeit. Für Europa sollte es auf jeden Fall reichen. Gespannt darf man auf die Entscheidung von Mikal Bridges sein, der im Schatten der beiden Seniors eine ebenfalls prächtige Entwicklung hinlegte und vielleicht das größte Langzeit-Potential besitzt.

Style: Eine ausführliche Analyse gibt es hier.

Fun/Quick Facts: Auch wenn die Namen Hart, Jenkins und Bridges in aller Munde sind, ist speziell Jalen Brunson jemand, der Hart den Titel zum Big East Spieler des Jahres hätte streitig machen können. Seine individuellen Statistiken sind nicht weit von Harts Zahlen entfernt und in Teilen sogar besser. Dennoch wird der Floor General kaum beachtet in der öffentlichen Diskussion. Mit Omari Spellman, der als Freshman Big keine Spielfreigabe auf akademischer Basis erhielt, und Phil Booth, der im letztjährigen Finale einen entscheidenden Anteil am Sieg hatte, fehlten Nova zwei wichtige Spieler die (fast) komplette Saison.

Tournament: Sind die Wildcats der erste Titelverteidiger seit Florida vor zehn Jahren? Der Kern des Teams ist immer noch an Bord, auch wenn die Verluste von Ryan Arcidiacono und Daniel Ochefu gerade zu Saisonbeginn zu bemerken waren. Auf der großen Position scheint es auch immer noch ein wenig Klärungsbedarf und keinen klaren Favoriten zu geben. Geschuldet einiger Verletzungen und Formtiefs, starteten bereits Darryl Reynolds und Eric Paschall (eigentlich ein Power Forward mit Tendenz zur Drei). Reynolds ist eigentlich eher nach dem Geschmack von Coach Jay Wright, doch mit Paschall als Stretch/Playmaking Fünfer, erlangen die Wildcats maximale Flexibilität an beiden Enden des Feldes. Defensiv wird alles geswitcht, offensiv können fünf Spieler werfen oder zum Korb ziehen. Gerade wenn Paschall, Jenkins und Bridges als Frontcourt Spieler zusammen im Tournament in guter Form sind, will auf den amtierenden Champ vermutlich niemand treffen.

Prognose: Elite Eight


Duke Blue Devils


MVP: Luke Kennard, Wing, 6’5’’, Sophomore
Vor der Saison sprachen die College Experten darüber, was für eine grandiose Saison Grayson Allen haben würde und was seine Rückkehr bedeuten werde. Auch die erstklassige Freshman Class war brisantes Gesprächsthema. Luke Kennard ließ sich davon aber nicht beirren und machte allen Zuschauern einen dicken Strich durch die Rechnung. Nach wenigen Spielen kristallisierte sich bereits heraus: Luke Kennard ist Dukes wichtigster Spieler. Mit gnadenloser Effizienz scort der Sophomore jede Nacht seine 15 bis 25 Zähler und führt die Blue Devils damit auf die Siegerstraße oder bringt sie zumindest in Reichweite zum Sieg. Dreier, Midrange Pullup, Pick & Roll, Kickout und Penetration reihen sich in beliebiger Reihenfolge aneinander und bringen die Verteidigung zur Verzweiflung.

X-Faktor: Grayson Allen, Guard, 6’5’’, Junior
Kaum zu glauben, aber (fast schon) wahr: Grayson Allen ist drauf und dran, Christian Laettner als unbliebtesten Blue Devil abzulösen. Bereits jetzt zieht er Spott und bisweilen sogar Hass auf sich wegen diverser Vorkommnisse und seiner Spielweise. Zwar ist ein Großteil der Kritik an Allen überzogen und auch die Reaktionen gegnerischer Fans sind nicht die feine englische Art, allerdings hat Allen das zum Teil auch selber verschuldet. Außerdem ist dieser Umstand nicht erst gestern entstanden und Allen muss Wege finden, mit den Provokationen und Beleidigungen zu leben. Das ist einfacher gesagt als getan - gerade wenn noch gesundheitliche Probleme dazukommen. Allen plagt sich seit Wochen mit Knöchelproblemen. Klar ist aber: Duke kann nur soweit im NCAA Tournament vordringen. wie Allen es zulässt.

NBA & BBL Kandidaten: Jayson Tatum ist eine jüngere und defensivstärkere Version von Carmelo Anthony. Seine ACC Tournament Performances geben nur einen Vorgeschmack, wie gut der Forward einmal sein kann. Auch Harry Giles wird sich wohl zum Draft anmelden, auch wenn sein Draftwert nach zwei Kreuzbandrissen und (verständlicherweise) ernüchternden Auftritten gesunken ist. Luke Kennard und Grayson Allen könnten und sollten vermutlich ebenfalls über eine Draft Anmeldung nachdenken. Amile Jefferson und Matt Jones sind als Seniors Rollenspieler Kandidaten für die NBA. Im Fall von Jones erscheint Europa realistischer.


Style: Eine ausführliche Analyse gibt es hier.

Fun/Quick Facts: Luke Kennard wirft zwar mit links, allerdings ist er eigentlich Rechtshänder. Daher kann er bei seinen Abschlüssen in der Zone mit beiden Händen gleichermaßen sicher abschließen. Luke Kennard und Matt Jones sind die einzigen Spieler, die in jedem Spiel der Blue Devils auf dem Parkett standen. Selbst Coach K verpasste sieben Partien wegen seiner Rückenoperation.

Tournament: Vom Gerede über das womöglich stärkste College Team aller Zeiten, von dem überall (auch hier an dieser Stelle) die Rede war, ist nicht mehr viel zu vernehmen. Zu konfus verlief die Saison für die Preseason Favoriten. Viele Verletzungen, Formschwankungen und Suspendierungen führten dazu, dass die Blue Devils bis jetzt noch nicht über eine glasklare Identität verfügen. Die Starting Lineups und Minuten können immer noch wechseln. Gerade offensiv scheint die geballte Firepower nicht effizient ausgekostet zu werden, weil sich viele Spieler eher gegenseitig im Weg stehen als voneinander zu profitieren. Zudem ist die Defense weit von dem Niveau entfernt, das andere ACC Konkurrenten oder Final Four Contender aufweisen können. Für ein Upset ist die individuelle Qualität zu hoch, aber schon um das Sweet Sixteen könnten die Blue Devils kämpfen müssen. Die Auftritte beim ACC Tournament, das die Dukies gewinnen konnten, waren hingegen sehr dominant und bildeten mit Abstand die beste Saisonwoche. So ein dominantes Verhalten hatte man eigentlich seit Saisonbeginn erwartet. Die Blue Devils könnten zur richtigen Zeit in bester und bestechender Form sein.

Prognose: Finale


Baylor Bears


MVP: Johnathan Motley, Big, 6’9’’, Junior
Johnathan Motley ist ein typischer Big Man unter Scott Drew. Motley bringt Länge, Touch und Rebounding mit, was ihn an beiden Enden des Court auf College Ebene zu einem schwierigen Mismatch werden lässt. Offensiv bringt der Junior mittlerweile ein sehr komplettes Paket mit, das er Jahr um Jahr erweitern konnte. Er scort im Lowpost dank seines guten Touches und ordentlicher Fußarbeit. Auch aus der Mitteldistanz strahlt er Gefahr aus, da er werfen, passen und zum Korb ziehen kann. An guten Tagen fällt sogar der Dreier. Probleme hat Motley dann, wenn er physisch beackert wird und keine Chance bekommt, seine Schnelligkeit auszuspielen. Defensiv passt er hervorragend in die spezielle Zonenvariante der Bears und trägt seinen Teil dazu bei, dass sich gegnerische Teams häufig die Zähne ausbeißen.

X-Faktor: Manu Lecomte, Guard, 5’11’’, Junior
Der Guard ist einer von zwei Spielern, die in der Lage sein sollten, die Offensive als Point Guard zu strukturieren. Das Problem ist allerdings, dass Manu Lecomte von Natur aus eher ein Scorer ist, der vor allem sich selber einen guten Wurf kreieren kann. Einer Teamoffense Struktur zu verleihen und Kommandos durch die Arena zu brüllen, ist hingegen eher nicht so seine Sache. Wird der Belgier unter Druck gesetzt beim Spielaufbau, vergisst er oft das Organisieren und entscheidet sich für die Flucht nach vorne. Das kann relativ schnell in wilden Drives und Abschlüssen im Eins-gegen-Drei enden. Je unkontrollierter und schneller das Spiel allerdings wird, desto weniger trifft diese Spielweise den Geschmack von Coach Drew.

NBA & BBL Kandidaten: Ish Wainwright ist der ultimative Glue Guy und der einzige Senior des Kaders. Ob seine basketballerische Fähigkeiten für die NBA reichen, darf bezweifelt werden. In Europa könnte ihm dennoch eine Karriere winken. Johnathan Motley muss sich entscheiden, ob er sich zum Draft anmelden oder doch lieber noch ein Jahr warten sollte. Ende der ersten oder Anfang der zweiten Runde könnte der Big gezogen werden.

Style: Eine ausführliche Analyse gibt es hier.

Fun/Quick Facts: In dieser Saison waren die Bears das erste Mal in der Unigeschichte die Nummer eins in den AP Polls. Nach UNC sind die Bears das zweitbeste Offensivrebounding Team gemessen an der Offensivreboundrate. Da die Bears immer zwei Bigs auf dem Feld haben, die allen Würfen hinterhergehen, müssen Gegner ihre Matchups immer pflichtbewusst ausboxen, sonst laufen sie Gefahr, zweite oder gar dritte Chancen für die Bears zuzulassen.

Tournament: Wie gut ist Baylor wirklich? Der Hype ist langsam etwas abgeklungen und die meisten Beobachter sollten eingesehen haben, dass Baylor nicht das beste Team der NCAA ist, auch wenn sich das Resümee nicht schlecht liest. Die Gefahr eines frühen Ausscheidens besteht durchaus. Zuletzt waren die Bears auch immer wieder Opfer spektakulärer Upsets. 2015 war es Georgia States wahnsinniges Comeback, im vergangenen Jahr die Makai Mason Show. Aufgrund ihrer Spielweise sind die Bears einfach anfällig dafür, einem Gegner nichts entgegensetzen zu können, wenn dort ein Spieler plötzlich heißläuft oder das ganze Team einen guten Tag hat. Ihre Zonenverteidigung kann eine ekelhafte Knobelaufgabe für das andere Team sein, gleichzeitig aber auch dazu führen, dass die eigene Mannschaft in Lethargie fällt und nicht mehr auf neue Impulse reagiert. Je nach Matchup in den ersten Runden ist ein erneutes Upset am ersten Wochenende durchaus ein wahrscheinliches Szenario.

Prognose: 1. Runde


Florida Gators


MVP: KeVaughn Allen, Guard, 6’2’’, Sophomore
In der letzten Saison schon als Scorer auffällig, gehört KeVaughn Allen in dieser Spielzeit zu den besten Eins-gegen-Eins Spielern der gesamten NCAA. In Allen schlummert einfach das Scorergen, das es ihm erlaubt, selbst aus schwierigsten Lagen mit den unmöglichsten Winkeln unter höchster Bedrängnis irgendwie noch den Ball durch das Netz kullern zu lassen. Zudem hat sich sein Wurf stabilisiert und als Ballhandler bezieht er auch immer öfter seine Mitspieler mit ein. Im Pick & Roll findet er mittlerweile eine gute Mischung aus eigenen Abschlüssen und Pässen zu den Mitspielern. Dass er grundsätzlich so viel Aufmerksamkeit auf sich zieht, ermöglicht vielen Rollenspielern Freiräume effizient zu nutzen.

X-Faktor: Kevarrius Hayes, Big, 6’9’’, Sophomore
Nach der Verletzung von John Egbunu schien die gerade aufbrausende Euphoriewelle in Gainesville schon wieder abzuflauen. Doch die bisherigen Leistungen von Hayes waren insgesamt deutlich über dem, was viele Pessimisten und Skeptiker erwartet hatten. Hayes muss nicht wie Egbunu die Zone im Alleingang zementieren und offensiv ähnlich effektiv sein. Es reicht schon, wenn Coach Mike White 25 solide Minuten bekommt, in denen Hayes den Ring beschützt, Rebounds holt, gute Blöcke stellt, sich anschließend hart abrollt und insgesamt das finisht, was er von seinen Mitspielern auf dem Silbertablett serviert bekommt. All diese Aufgaben erfüllt Hayes im letzten Monat trotz größerer Rolle und mehr Verantwortung sehr ordentlich.

NBA & BBL Kandidaten: Kasey Hill und auch Justin Leon werden sicher ihr Glück als NBA Rollenspieler versuchen. Hill könnte durchaus einen interessanten Backup abgeben. Die NBA dürfte ihm vielleicht sogar mehr liegen als die NCAA. Leon ist offensiv hingegen zu limitiert, aber als Energizer in Europa wäre eine Karriere möglich.

Style: Eine ausführliche Analyse gibt es hier.

Fun/Quick Facts: Die ersten elf Saisonspiele mussten die Gators entweder auswärts oder auf neutralem Boden austragen, weil die Renovierungen der eigenen Heimhalle noch nicht abgeschlossen waren. Canyon Barry ist nicht nur der Sohn von Rick Barry, sondern hat sich auch dessen Freiwurftechnik, dank der er fast 88 Prozent seiner Freiwürfe trifft. Nebenbei arbeitet der Graduate Transfer an seinem Master in "Nuclear Engineering".


Tournament: Sobald die Gators das zweite Wochenende erreichen und sie ein wenig das Gefühl bekommen, die Pflicht erfüllt zu haben und nun nur noch Bonusrunden vor sich zu haben, können sie extrem gefährlich werden. Zwar haben sie nach der Egbunu Verletzung etwas an Flexibilität eingebüßt und sind vermehrt zur Improvisation gezwungen, doch gerade die Smallball Lineup mit drei Combo Guards und zwei Tweenern hat sich bisher als sehr unangenehm für den Gegner herausgestellt. Dennoch besteht ein wenig die Gefahr eines frühen Ausscheidens. Denn die Gators sind in ihrer Spielweise etwas zu berechenbar und von den Skills ihrer Guards abhängig. Fallen die Dreier nicht oder reihen sich die Ballverluste aneinander, kann so ein Auftaktmatch ganz schnell eine Zitterpartie werden.

Prognose: 2. Runde


Virginia Cavaliers


MVP: London Perrantes, Guard, 6’2’’, Senior
In der Schwächephase von Virginia, die etwa fünf bis sechs Spiele umfasste, schien es ein wenig so, als würden alle Cavaliers Anhänger gebannt darauf warten, dass ihr Aufbauspieler endlich seine schwierige Shooting Serie hinter sich lassen würde. Alleine dieser Umstand sollte einen Eindruck davon vermitteln, wie wichtig der Kalifornier für seine Cavaliers ist. Als Senior ist er nach den Abgängen von Malcolm Brogdon und Anthony Gill mittlerweile die erste und wichtigste Option im Angriff. Er hat die Offense von Tony Bennett bis in die hinterste Körperzelle verinnerlicht und kennt alle Tricks und Kniffe, die sich als Optionen anbieten. Umso wichtiger ist es, dass er den vielen jungen Spielern Anleitungen geben kann, wie auch sie sich durch geschicktes Ausnutzen von indirekten Blöcken gute Wurfoptionen erarbeiten können.

X-Faktor: Kyle Guy, Guard, 6’3’’, Freshman
Bei Kyle Guy befindet sich Coach Bennett oft in einem schwierigen Zwiespalt. Einerseits ist eine gute Verteidigung das A und O und der Hauptgrund, warum die Cavaliers in den vergangenen Jahren einen derartigen Aufschwung erlebten. An diesem Ende des Feldes muss Guy noch eine Menge lernen und macht entsprechend viele Fehler zum jetzigen Zeitpunkt, was eigentlich dazu führen sollte, dass großartige Einsatzminuten nicht zu rechtfertigen sind. Allerdings sieht Bennett auch, dass es nur wenige Spieler im Kader gibt, die keine großen Schwierigkeiten haben, Punkte zu erzielen. Guy gehört zu dieser erlesenen Sorte und muss daher eigentlich so oft und lange es geht auf dem Court stehen. Hier die richtige Mischung zu finden, kann für Bennett darüber entscheiden, wie tief der Run geht.

NBA & BBL Kandidaten: London Perrantes wird sicher sein Glück in der Summer League versuchen, aber dass er so einschlägt wie sein ehemaliger Backcourt Kollege Brogdon, scheint eher unwahrscheinlich zu sein. Eine Karriere in Europa ist da die realistischere Alternative.

Style: Eine ausführliche Analyse gibt es hier.


Fun/Quick Facts: Die vier Spiele währende Niederlagenserie war die längste, die Virginia in der Amtszeit von Tony Bennett hinnehmen musste. Kyle Guys Man Bun ist mittlerweile bei den Virginia Fans so beliebt, dass sie die Frisur in den "Guy Bun" umbenannt haben und sich öfter mal entsprechend für die Heimspiele kostümieren.

Tournament: Ein tiefer Run scheint diese Saison einfach nicht drin zu sein. Zumindest legen das die Leistungen so mancher Spiele nahe. Dann sieht man jedoch im Vergleich dazu, wie die Cavs wenige Wochen später mit UNC einen möglichen Final Four Contender und eine der gefährlichsten Offensivmaschinerien bei 43 Punkten halten. Gemäß der Redewendung "Defense travels" scheint UVA dank der bombensicheren Defense immer irgendwie eine Siegchance zu haben. Um diese zu realisieren, müssen sie es aber schaffen, konstant über 60 Punkte zu erzielen, was in dieser Spielzeit eine wahre Herausforderung ist. Selbst ein Erstrundenaus scheint dieses Jahr nicht ausgeschlossen zu sein.

Prognose: 1. Runde


SMU Mustangs


MVP: Semi Ojeleye, Big, 6’8’’, Junior
Die Story von Semi Ojeleye ist einer der interessantesten der gesamten NCAA und die SMU Mustangs gehören zu den besten Teams, die momentan im College Basketball unterwegs sind. Dennoch erhalten weder Ojeleye noch seine Mannschaftsmitglieder die würdige Aufmerksamkeit. Ojeleye startete seine College Karriere 2013 bei Duke, wo er neben Jabari Parker und Matt Jones das dritte Kronjuwel einer starken Recruiting Class werden sollte. Doch in all den Jahren unter Coach K erhielt der Power Forward kaum Gelegenheiten sich zu präsentieren, weswegen er sich zum Transfer entschloss. Die Rechnung ist aufgegangen. 46 Punkte scorte er in 23 Spielen als Freshman und Sophomore für die Blue Devils. In seinem ersten Jahr für SMU hat Ojeleye mittlerweile mehr Assists verzeichnet, als er Punkte für Duke erzielte. Er ist der wichtigste Spieler bei einem der dominantesten Teams der NCAA. Als Vierer ist der Kanadier ein riesiges Mismatch. Als geballtes Energiepaket liebt Ojeleye den Nahkampf in der Zone - egal ob Postup, Putback oder Finish nach Durchstecker. Vom Perimeter netzt er zwei Dreier pro Spiel bei über 40-prozentiger Quote ein. Drives gehören ebenfalls zum Repertoire des Mustangs.


X-Faktor: Shake Milton, Guard/Wing, 6’5’’, Sophomore
Shake Milton war in der vergangenen Saison die Entdeckung bei den Mustangs. Das ging jedoch überregional ein wenig unter, weil die Mustangs nicht am NCAA Tournament teilnahmeberechtigt waren. Besonders als Catch-and-Shoot-Maschine erlangte Milton schnell den Respekt gegnerischer Verteidiger. In dieser Saison agiert Milton jedoch mehr als Allrounder. Da ein glasklarer Aufbauspieler im Kader fehlt, verteilt sich die Spielorganisation auf mehrere Schultern. Milton übernimmt diesen Part sehr oft und macht seine Sache ausgesprochen solide. Über vier Assists verteilt der vormalige Spot-up-Shooter in der laufenden Saison. Für ein erfolgreiches Tournament muss Milton weiterhin die richtige Balance zwischen eigenen Abschlüssen und Pässen zu seinen Mitspielern finden.

NBA & BBL Kandidaten: Sterling Brown ist als 3-and-D-Spieler sich jemand, der es in den Kader einer NBA Franchise schaffen kann. Er verteidigt wirklich auf sehr hohem Niveau, hat einen NBA Körper und ist verlässlich aus der Distanz. Ben Moore könnte ebenfalls als vielseitiger Big in der NBA landen. Allerdings hat er keine Qualität, auf die er in der NBA zu 100 Prozent zählen kann. Daher wäre er für europäische Teams ein interessanter Kandidat. Moore ist ein spielintelligenter Allrounder, der passen, scoren und rebounden kann. Langfristig hat Shake Milton sicher die beste NBA Perspektive. Semi Ojeleye wird seine Senior Saison spielen und danach seinen NBA Versuch starten.

Style:  Tim Jankovich übernahm vor dieser Saison das Amt seines ehemaligen Vorgesetzten Larry Brown. An der Spielidee änderte sich wenig. Die Mustangs setzten auf Teambasketball. Sechs gleichwertige Akteure bilden die Rotation, die besonders im Halbfeld den meisten Gegnern überlegen ist. Die klaren Strukturen, die Masse an Optionen und der eingespielte Kern sorgen dafür, dass die Defense nicht alles verteidigen kann, was die Mustangs erreichen wollen. Die Wildpferde sind erfahren genug, diese Fehler der Verteidigung zu bestrafen. Das Side Pick & Roll spielt SMU nah der Perfektion. Im schlechtesten Fall erlangen die Bigs nach dem Abrollen exzellente Position im Lowpost, wo sie von ihren Mitspielern gefunden werden. Grundsätzlich ist jedoch das Ballmovement und die uneigennützige Spielweise aller Akteure hervorzuheben. Sechs Spieler verzeichnen eineinhalb Assists oder mehr im Durchschnitt. Positionsloser Smallball Basketball erlangt bei den Mustangs Perfektion.

Fun/Quick Facts: Ojeleyes vollständiger Name lautet Jesusemilore Talodabijesu Ojeleye. Knapp zwei Jahre betrat er nicht das Basketballfeld, da er mitten in seinem Sophomore Jahr Duke verließ und damit nach dem Redshirt Jahr erst Mitte der vergangenen Saison ins Geschehen hätte eingreifen dürfen. Da SMU jedoch nicht im Tournament antreten durfte, setzte er die zweite Saisonhälfte freiwillig aus, um nicht sein Junior Jahr zu verschwenden.

Tournament: SMU ist kein normaler Mid-Major. Das Team ist erfahren, variabel und eingespielt. Angesichts einer dünnen Personaldecke gibt es immer zwei mögliche Betrachtungsweise. Aus der ersten Perspektive heraus bewertet überwiegt die Sorge vor Foulproblemen oder Müdigkeit. Auf der anderen Seite muss jedoch jeder Verantwortung übernehmen und kann sich nicht zurücklehnen, was eine eingeschworene Einheit formiert. Für die Mustangs trifft eindeutig die zweite Version zu. Die Spieler kennen sich in- und auswendig und vertrauen einander. In jedem Spiel kann jemand anderes einen offensiven Ausbruch haben und das Spiel so entscheiden. Die Konstanten sind eigentlich nur Ojeleye als Topscorer und Milton als Spielgestalter. Die anderen Spieler haben je nach Gegner und Tagesform ihren Anteil am Sieg. Hinzu kommt das gute Coaching von Jankovich. Solange die Mustangs im Tournament von Foulproblemen verschont bleiben und nicht auf aggressiv pressende Gegner treffen, können sie jedem NCAA Team einen harten Kampf auf hohem spielerischen Niveau liefern.

Prognose: Sweet Sixteen


South Carolina Gamecocks


MVP: Sindarius Thornwell, Guard, 6’5’’, Senior
Kaum ein Spieler steht so sehr als Symbolbild für das eigene Programm wie South Carolinas Sindarius Thornwell. Thornwell begann seine Karriere in South Carolina im zweiten Jahr von Coach Frank Martin, dessen Aufgabe es war, den Rebuild einzuleiten. Thornwell arbeitete sich Jahr für Jahr in der nur schwer zu erlangenden Gunst seines grimmig dreinblickenden Trainers nach oben. Doch noch immer schreckt Coach Martin nicht davor zurück, seinem Anführer und besten Spieler einen Denkzettel zu verpassen, wie Thornwell mitten in der Saison mit einer Suspendierung zu spüren bekam. Thornwell ist in erster Linie ein exzellenter Verteidiger. Er kann vier Position auf College Level kontrollieren. Ermöglicht wird ihm diese Vielseitigkeit durch Schnelligkeit, Athletik, lange Arme und Kampfgeist. Offensiv konnte sich Thornwell zu einem soliden Allrounder und Scorer entwickeln. Der Wurf fällt deutlich konstanter, was seinen Drive nur noch gefährlicher macht. Über acht Mal steht der SEC Spieler des Jahres an der Freiwurflinie.

X-Faktor: P.J. Dozier, Guard, 6’6’’, Sophomore
Ein ähnlich starker Allrounder wie Thornwell ist auch Sophomore Point Guard P.J. Dozier. Mit einem Gardemaß von fast zwei Metern behält er fast immer die Übersicht und weiß genau, wie er seine Größenvorteile ausnutzen kann. Er passt und wirft einfach über seine Bewacher hinweg. Zu Saisonbeginn wirkte Dozier extrem dominant und schien endlich das Potential, das in ihm steckt zur Gänze zu entfalten. Doch dieses Niveau konnte er nicht ganz halten, auch wenn die Verbesserung im Vergleich zu seiner Freshman Saison immer noch immens ist. Dozier liebt die Mitteldistanz, von wo aus er aufpostet, Pullups im Pick & Roll trifft oder seinen patentierten Floater nutzt. Trotzdem fehlt dem Sophomore gelegentlich noch die Sicherheit in der Spielorganisation.

NBA & BBL Kandidaten: Sindarius Thornwell sollte als Allrounder auf hohem Niveau mindestens einen soliden Rollenspieler in der NBA abgeben. Seine körperlichen und athletischen Voraussetzungen sind gepaart mit seinem Einsatz und seiner Defense ein attraktives Paket.

Style: In der Tat ist es nicht immer ein Vergnügen, sich Spiele der Gamecocks unter Coach Martin anzusehen. Dennoch hat die Spielweise auf ihre Art etwas Faszinierendes an sich. Martin will von jedem Spieler auf dem Level in jeder noch so kleinen Aktion pure Intensität und Leidenschaft sowie eine Fehlerquote gen Null sehen. Unterlaufen seinen Spielern doch Fehler oder läuft es etwas nicht seinen Vorstellungen entsprechend, erfolgen die Konsequenzen unmittelbar: Auswechslungen, eine verbale Tracht Prügel oder ein Blick, der vermutlich bei leichtbesaiteten Menschen einen Herzinfakt auslösen könnte. Dadurch ist South Carolina vor allem defensiv etwa so angenehm wie ein Besuch im Schlachthaus. Martin hat so eine tiefe Rotation, dass ihm prinzipiell egal ist, wie viele Fouls seine Spieler einsammeln, solange diese Fouls Intensität und nicht eigenes Unvermögen widerspiegeln. Offensiv haben die Gamecocks viele interessante Sets, mit denen sie den Ball in die Zone bringen möchten, allerdings fehlt gerade den Innenspielern noch der Feinschliff, um dort etwas mit dem Spielgerät anfangen zu können.

Fun/Quick Facts: Frank Martin lernte sein Handwerk als Assistant Coach von Bob Huggins, den er 2007 als Cheftrainer von Kansas State beerbte. Setzt man Freiwurf- und Feldwurfversuche ins Verhältnis, schickt kein anderes Tournament Team seinen Gegner relativ gesehen so oft an die Freiwurflinie wie South Carolina. Auf der anderen Seite hatten die Kampfhähne bereits in zehn Spielen 30 oder mehr Freiwurfversuche selber zur Verfügung.

Tournament: Mit der ersten Tournament Teilnahme unter Coach Martin dürfte die Rebuildphase endgültig abgeschlossen sein. Bereits in der vergangenen Saison hätten die Gamecocks gute Argumente für ein at-large Bid vorbringen können, doch das Entscheidungsgremium sah die Dinge anders. In jedem Fall weiß jeder Gegner, dass er sich gegen South Carolina auf ein wahres Gemetzel auf dem Spielfeld einstellen muss. Die Spielweise ist für den Zuschauer vielleicht nicht attraktiv, doch genauso entnervt sie auch den Gegner und sorgt für Kurzschlussreaktionen und Hektik. Allerdings muss South Carolina seinerseits aufpassen, dass nicht zu viele Fouls angehäuft werden und der Gegner nur seine Freiwürfe verwandeln muss, um das Spiel zu gewinnen. Zudem sollte in der eigenen Offense ein Mindestmaß an Rhythmus nicht unterschritten werden. Das Auftaktmatch könnten einen Sieg für die Gamecocks beinhalten. Das zweite Wochenende scheint jedoch eher unwahrscheinlich.

Prognose: 1. Runde


Wisconsin Badgers


MVP: Ethan Happ, Big, 6’9’’, Sophomore
Obwohl er erst in seinem zweiten Jahr für die Badgers spielt, ist er jetzt schon der Dreh- und Angelpunkt im Spiel der Dachse. Wenn es um die Wurst geht, sucht Greg Gard seinen Big Man und vertraut ihm das Spiel an. Gegen Rutgers, das abgeschlagene Schlusslicht der Big Ten, tat sich Wisconsin beispielsweise über weite Strecken der Begegnung schwer. Erst nach Verlängerung mühte sich der Favorit zum Sieg. Happ erzielte 32 der 61 Punkte inklusive vieler Zähler gegen Ende der regulären Spielzeit und in der Verlängerung. Der Big Man hat eine Vielzahl an Moves, Fakes und Bewegungen, ist ein exzellenter Passgeber und Rebounder und überrascht seine Gegenspieler mit relativen unkonventionellen Aktionen.

X-Faktor: Bronson Koenig, Guard, 6’4’’, Senior
Koenig ist nach wie vor der solideste Spieler des Teams und in dieser Saison sogar Topscorer. Seine Dreier können Spiele entscheiden und mit ihm als Spielleiter muss Wisconsin eigentlich nie befürchten, dass das Spiel aus den Fugen gerät und die Badgers sorglos mit ihren Angriffen umgehen. Dank seiner Erfahrung, seiner Führungsqualitäten und seinem Talent dafür, auch unmögliche Würfe im Korb zu versenken, ist er der Mann für den letzten Wurf eines Spiels. In der Vergangenheit bewies er hier durchaus schon Nervenstärke. Anhängern der Xavier Musketeers dürfte da der Dreier aus dem letztjährigen Turnier noch in der Erinnerung haften.

BBL/NBA Kandidaten:
Es ist nicht auszuschließen, dass Koenig dank seiner Größe und seiner Schussstärke in der NBA landet, doch von seiner Spielweise her gehört der Aufbauspieler nach Europa. Nigel Hayes spielt zwar ein solides Senior Jahr, doch der Durchbruch, den sich viele Fans erhofften, blieb unerreicht. Seine sinkende Freiwurf- und Dreierquote werden NBA Teams womöglich abschrecken. Kann er in Workouts überzeugen, wird er einen Rosterspot erhalten. Als potentielles Mismatch hätte Hayes aber auch durchaus eine Zukunft in Europa. Vitto Brown bringt Qualitäten als Stretch Vierer mit. Ob das für die NBA reicht, muss abgewartet werden.


Style: Auch in diesem Jahr sind die Badgers eines der langsamsten Teams der NCAA. Ihre Pace liegt unter den fünf langsamsten im diesjährigen Teilnehmerfeld. Die Swing Offense gehört nach wie vor zum festen Inventar in Wisconsin, allerdings streut Greg Gard auch immer mal wieder geschickte Setplays ein. Gerade nach Auszeiten ist er immer für eine Überraschung oder einen kleinen Kniff gut. Turnovers sind hingegen nur selten zu beobachten und werden meist mit einer Auswechslung kommentiert, falls sie sich doch ereignen sollten. Defensiv ist Wisconsin grundsolide unterwegs. Im Eins-gegen-Eins muss jeder Spieler in der Lage sein, seinen Kontrahenten ohne Foul vor sich zu halten. Andernfalls wird die Einsatzzeit drastisch reduziert, so es denn überhaupt welche gibt.

Fun/Quick Facts: Auf dem Feld sorgen die Badgers nur selten für Schlagzeilen. Dafür sind sie zu lange so gut und ändern sich nicht, was sie für die meisten Medien einfach langweilig erscheinen lässt (und in Frage gestellt werden sollte). Ganz anders verhält sich die Sache jedoch abseits des Courts. Kein anderes Team ist so oft in aller Munde, wenn es darum geht, die Stimme für Grundrechte zu erheben. Hayes, der schon mehrfach die NCAA in der Vergangenheit kritisierte und sich beispielsweise für eine Bezahlung von College Athleten aussprach, äußerte und positionierte sich zu Saisonbeginn zum Thema Rassismus. Koenig, der indigene Abstammung aufweist, beteiligte sich an Protesten gegen den Bau einer Gaspipeline in North Dakota, der Grabstätten und Reservate betreffen würde.

Tournament: Normalerweise müssten die vergangenen Saisonwochen etwas Anlass zur Sorge geben. Fünf der letzten sieben Regular Season Spiele der Big Ten Saison wurden abgeschenkt und der scheinbar unerstreitbare Big Ten Titel aus den Händen gegeben. Doch spätestens nach der Vorsaison, in der es vor Weihnachten nicht mal nach einer Tournament Teilnahme aussah und die dann im Sweet Sixteen endete, muss man den Badgers alles zutrauen - negativ wie positiv. Vom Aus am ersten Wochenende bis zum Einzug ins Final Four scheint vieles möglich zu sein, wobei zumindest hinter der Final Four Qualifikation dann doch ein dickes Fragezeichen stehen sollte. Dafür war die Saison dann doch zu schwach und die Konkurrenz ist zu groß.

Prognose: 1. Runde


Virginia Tech Hokies


MVP: Seth Allen, Guard, 6’1’’, Senior
Nur sehr wenige Teams erlauben sich den Luxus, ihren besten und wichtigsten Spieler von der Bank zu bringen. Bei Virignia Tech ist das jedoch weniger eine Luxusangelegenheit, sondern eher dem besonderen Wohlfühlfaktor von Seth Allen geschuldet. Er mag es, als sechster Mann in die Partie zu kommen und das Geschehen zunächst auf sich wirken zu lassen, ehe er das Kommando übernimmt und die Partie dominiert. Der ehemalige Maryland Guard ist offensiv der wichtigste Spieler für Buzz Williams. Allen ist derjenige, der eine Verteidigung mit seinen Drives zum Kollabieren bringen kann. Gerade für das Pick & Roll beweist er immer wieder Geschick. Er liest die Verteidiger und spielt mit ihnen. Dabei kommen ihm gerne mal einfallsreiche Tricks in den Sinn, die so in keinem Lehrbuch zu finden sind. Aus diesen direkten Blöcken kann Allen selber zum Korb ziehen und finishen, den Roller mit No-Look-Pässen finden oder auch einen dritten Angreifer miteinbeziehen.

X-Faktor: Zach LeDay, Big, 6’7’’, Senior
Trotz seiner geringen Körpergröße ist Zach LeDay der Topscorer der Hokies und schafft es regelmäßig seine Gegenspieler zu dominieren. Seine fehlende Größe gleicht LeDay mit ungewöhnlichen Bewegungsabläufen aus. Er hat so viel Gefühl für Winkel im Handgelenk, dass er seinen Ellenbogen bei Layups extrem weit nach außen drehen kann, was im Normalfall ein typischer Detailfehler ist, der dazu führt, dass Spieler ihre Eins-gegen-Eins Layups nicht finishen können. Doch LeDay hat diese Abschlüsse perfektioniert. Zudem verfügt er über ein gutes Ballhandling, das es ihm erlaubt, seine Gegenspieler von der Dreierlinie aus zu attackieren. Dort fühlen sie sich in der Regel nicht wohl, weswegen er sie einfach stehen lässt. Die gegnerischen Center müssen ihn jedoch auch an der Dreierlinie verteidigen, da er an guten Tagen durchaus mal zwei Dreier treffen kann.

NBA & BBL Kandidaten: Seth Allen und Zach LeDay sind die beiden einzigen Seniors und sollten in Europa einen Verein finden können. Für die NBA fehlen dann doch die Größe beziehungsweise eine Spezialfähigkeit, die ihnen einen Nischenplatz ermöglichen würde.

Style: Normalerweise ist man von Coach Williams harte, kompromisslose Defense gewohnt, doch die Hokies definieren Toughness anders als die früheren Marquette Teams von Williams. Der Kader ist massiv ausgedünnt. Vor der Saison verlor Williams schon zwei Spieler durch Verletzungen und im Februar riss sich Allrounder Chris Clarke das Kreuzband. Daher stehen Williams nur noch sieben Spieler zur Verfügung. Dieser verbliebende Rest beweist jedoch immer wieder Kämpferherz und bringt trotz hoher Minutenzahl immer noch die Energie für Aufholjagden oder eine konzentrierte Crunchtime auf. Die Hokies spielen wunderbaren Teambasketball, was dadurch vereinfacht wird, dass alle Spieler in der Rotation den Dreier treffen und das Spacing gut ist. In der Verteidigung haben die Hokies eine 2-3-Matchup Zone installiert, die Fouls reduziert, Kräfte spart und beim Gegner für Verwirrung sorgt.


Fun/Quick Facts: Buzz Williams ist einer der bekanntesten und beliebtesten College Coaches, weil es oft Spaß macht, ihm bei der Arbeit zuzugucken und man das Spiel eigentlich nicht mehr verfolgen muss. Wie zufrieden er mit der Leistung seines Teams ist, kann man daran ablesen wie schnell er, Jackett und anschließend Weste ablegt. Gegen Wake Forest war sogar fast ein neues Hemd nötig, weil Williams plötzlich mysteriöserweise Blut an der linken Schulter hatte.

Tournament: Ist man auf der Suche nach einem möglichen Sleeper aus der ACC, sollte die Wahl dringend auf Virginia Tech fallen. Zwar wäre es nicht risikofrei, Virginia Tech im eigenen Bracket munter durch die Runden spazieren zu lassen, doch es scheint unwahrscheinlich, dass die Hokies bereits im ersten Spiel oder gar am ersten Wochenende ihre Koffer packen müssen. Abhängig von ihren Gegnern, der Dreierquote und der Linie der Schiedsrichter können die Hokies einige Runden im Tournament überstehen. Solange sie es vermeiden, gegen ein tief besetztes Team zu spielen, das die ganze Zeit presst oder Größenvorteile am Brett konsequent ausspielt, ist alles im grünen Bereich und die Siegchancen stehen nicht schlecht.

Prognose: 2. Runde


Marquette Golden Eagles


MVP: Luke Fischer, Big, 6’11’’, Senior
Während es bei den Golden Eagles fast schon einen Überschuss an Schützen gibt, die sich entlang der Dreierlinie auf den Füßen stehen, ist Luke Fischer die Insidepräsenz, die dafür sorgt, dass die Außenspieler dann doch sehr viel Platz haben. Fischer stellt einen Screen nach dem nächsten, rollt sich hart ab und hat dank seiner guten Hände und seiner Athletik keine Probleme damit, dieses Tempo 30 Minuten lang zu gehen und auch schwierige Pässe zu verwerten. Der ehemalige Indiana Hoosier hat sich zu einem der besten Innenspieler der NCAA während der vergangenen zwei Jahre gemausert. Fischer ist ein starker Finisher: Krachende Dunks sind genauso Bestandteil wie filigrane Jumphooks über beide Schultern.

X-Faktor: Markus Howard, Guard, 5’11’’, Freshman
Der Freshman aus Arizona ist die Guard Hoffnung für Steve Wojciechowski (kurz "Wojo"). Für sein Alter spielt der Point Guard schon extrem abgezockt und lässt sich kaum beeindrucken. Selbst die verschiedenen Pressformen der Big East waren für ihn fast nie ein Hindernis. Howard ist der typischer Denker und Lenker, der dem Spiel einerseits Ruhe verleiht und andererseits seine Mitspieler besser macht. Seine Erfahrungen mit der U17 Nationalmannschaft im vergangenen Sommer haben ihn dieser Hinsicht deutlich unterstützt. Howard ist ein kräftiger Guard mit gutem Wurf, der im Halbfeld das Pick & Roll beherrscht und daraus gute Entscheidungen trifft. Spielt er auch im Tournament mit dieser Übersicht, gibt es keine Hindernisse für eine der besten Offensiven der NCAA.

NBA & BBL Kandidaten: Luke Fischer ist der ideale moderne NBA Big. Er ist athletisch, kann das Pick & Roll verteidigen, rebounden, den Korb beschützen und gibt sich offensiv als Blocksteller und Roller zufrieden. Jajuan Johnson wird vermutlich eher in Europa landen und eine Karriere als Highflyer und Schütze hinlegen.


Style: Spacing, Pick & Rolls und Ballmovement - das ist die Kurzfassung der Offensive. Marquette gehört tatsächlich zur Elite der NCAA, was vor allem an der extrem hohen Dreierquote liegt. Mit 43 Prozent haben sie zu Tournament Beginn die beste Quote der NCAA und liegen in der Rangliste der erfolgreichen Distanzwürfe auf Platz 15. Die Golden Eagles wollen hohes Tempo und schnelle Entscheidungen im Spiel haben. Sie lieben den Fastbreak Dreier und lassen sich nur ungerne zum Durchlaufen von Sets zwingen. Diese sind meist simpel, aber effizient konzipiert. Chin Pick & Rolls, Side Pick & Rolls und Handoffs werden mit ein paar Cuts vorbereitet und anschließend in vollem Tempo und mit hoher Präzision ausgeführt. In der Verteidigung experimentiert "Wojo" gerne mal mit einer 1-3-1- oder 2-3-Zone.

Fun/Quick Facts: "Wojo" ist nun in seiner dritten Saison als Headcoach aktiv und konnte mit Marquette erstmals in das Tournament einziehen. Nach dem Abgang von Buzz Williams war die Lücke nicht gerade klein und ein Rebuild stand an. Als neuer Coach setzte er jedoch immer wieder Zeichen, wie wichtig ihm Disziplin ist und ließ beispielsweise sein Team in der vergangenen Saison nach einem schwachen Auftritt bei einem Tournament in Brooklyn am nächsten Tag ohne Trainingsausrüstung auf einem Freiplatz trainieren.

Tournament: Marquettes Weg zum Erfolg führt über die Offense und eine gute Dreierquote. Scoren die Golden Eagles über 80 Punkte in einem Spiel haben sie sehr gute Chancen diese Partie zu gewinnen. Im bisherigen Saisonverlauf lautet die Bilanz 17-3. Mit dem Sieg über Villanova in Philadelphia, für den übrigens 74 Punkte reichten, sollte auch der breiteren Öffentlichkeit klar geworden sein, wie gefährlich Marquette in der Tat ist. Defensiv müssen sie darauf hoffen, dass der Gegner entweder mit einer Zonenverteidigung nicht klarkommt oder aber die Schwächen in der Eins-gegen-Eins Verteidigung nicht ausnutzt.

Prognose: 2. Runde


USC Trojans


MVP: Jordan McLaughlin, Guard, 6’1’’, Junior
Als Freshman war Jordan McLaughlin noch ein reiner Scoring Guard, der in kürzester Zeit heißlaufen konnte, dann aber auch für weite Strecken des Spiels rasant abkühlte. Der Junior ist mittlerweile nicht nur wesentlich konstanter in dieser Hinsicht, sondern hat sich auch viele zusätzliche Facetten in seinem Spiel angeeignet. Nach der NBA Draftanmeldung von Julian Jacobs im vergangenen Frühling musste McLaughlin als Aufbauspieler in die Bresche springen. Obwohl dies nicht seine angesammte Position ist, überzeugt er in dieser Funktion bislang. McLaughlin findet eine relativ gute Mischung aus eigenem Scoring und Organisation des Spiels. Er bekommt dabei natürlich auch Unterstützung von den erfahrenen Spielern im Team. Ohnehin soll der Ball nicht lange in einer Hand verweilen, weswegen McLaughlin sich auch öfter mal abseits des Balls befindet. In der Crunchtime muss der Ball allerdings zum Guard, da er hier oft die besten Resultate erzielt.

X-Faktor: Bennie Boatwright, Big, 6'10’’, Sophomore
Eigentlich bestehen die Trojans nur aus X-Faktoren, weil sie insgesamt ausgeglichen besetzt sind und mehrere Spieler eine Partie entscheidend beeinflussen können. Doch bei Bennie Boatwright liegt die Situation noch etwas anders. Eigentlich war er in den ersten Saisonwochen in bestechender Form, als variabler Shooting Big ein wandelndes Mismatch und die erste Option im Angriff. Eine Verletzung am Knie zwang ihn jedoch zur Pause und in dieser Phase verloren die Trojans ihren Rhythmus. Die Rollen mussten neu gefunden und verteilt werden. Als Boatwright zurückkehrte, musste dieser Prozess wiederholt werden. Das Problem ist jedoch, dass Boatwright bei weitem nicht zu alter Stärke finden konnte und erst langsam wieder Fuß fasst. Wenn die Trojans ihre ganze Macht entfalten wollen, muss Boatwright wieder fit werden und sein Spiel wiederfinden.

NBA & BBL Kandidaten: Die Trojans sind sehr jung und verfügen über keinen einzigen Senior. Das Talent für die NBA ist bei vielen Spielern zweifellos vorhanden, doch die Frage wird sein, ob und wer sich vorzeitig zum Draft anmeldet. Am ehesten hätten De'Anthony Melton und Chimezie Metu in diesem Jahr schon Chancen.

Style: Die Trojans sind eines der gefährlichsten Offensivteams der gesamten NCAA. Es gibt wenige Teams, die sich so mühelos einen guten Wurf erspielen können und ein Team derartig aus der Halle feuern können. Doch das war in dieser Saison viel zu selten der Fall. Die Trojans verfügen über Athletik und Schnelligkeit, was sich besonders im Fastbreak bezahlt macht. Halfcourt Alley-Oops sind keine Seltenheit. Doch auch im Setplay verbraucht USC oft nicht mal die Hälfte der verfügbaren Angriffszeit. Die Kombination aus Firepower von der Dreierlinie, Athletik im Frontcourt und mehreren verlässlichen Ballhandlern kann keine Defense auf Dauer kontrollieren. Allerdings müssen es die Trojans schaffen, ihre guten Würfe öfter zu nutzen. Metu ist beispielsweise immer dafür gut, einen Dunk sehr spektakulär auf die hintere Ringkante zu feuern. Zudem scheinen sie nicht erkennen zu können, welche der vielen Waffen gerade am besten einzusetzen wäre. Haben Spieler einen Lauf, müssen sie durch Einzelaktionen dafür sorgen, dass sie heiß bleiben. Gezielt gesucht werden sie aber häufig nicht. Defensiv nutzen sie manchmal eine 2-3-Zone, um schlechte Würfe zu forcieren und schneller umschalten zu können.


Fun/Quick Facts: De'Anthony Melton ist bereits als Freshman integraler Bestandteil der Trojans, obwohl ihn vor der Saison niemand auf dem Zettel hatte. Das liegt vor allem an der Variabilität und Abgeklärtheit des Freshmans. Lange Zeit war er auf dem Weg der einzige Freshman der NCAA Geschichte (Steals und Blocks werden allerdings erst seit etwa 30 Jahren erfasst) zusammen mit Dwayne Wade zu werden, der mindestens zehn Punkte, fünf Rebounds, drei Assists, zwei Steals und einen Block pro Spiel erzielt (derzeit 8,7 Punkte und 4,9 Rebounds).

Tournament: Dass das Team von Andy Enfield am Selection Sunday so zittern musste, um in das Feld aufgenommen zu werden, war Anfang Februar nach dem Heimsieg über UCLA unvorstellbar. Doch in den vergangenen Wochen sank die Formkurve rasant. Mutmacher sollte aber das Conference Viertelfinale gegen UCLA sein. Auch hier war der Start viel zu verschlafen, doch das Team zeigte Charakter, kämpfte sich zurück und hatte in der Crunchtime die Chance zum Sieg. Die Trojans haben gerade offensiv das Talent für das zweite Wochenende, doch zunächst müssen sie sich erstmal in das Feld der 64 spielen. Dafür werden sie fokussierter auftreten müssen als zuletzt. Besonders Boatwright und Metu sollten sich zusammenreißen und wieder zu alter Form finden.

Prognose: 1. Runde


UNC Wilmington Seahawks


MVP: Chris Flemmings, Wing, 6’5’’, Senior
Bereits im vergangenen Jahr konnte Chris Flemmings beim Aufeinandertreffen mit Duke einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Sein Aufstieg vom Division II Spieler über den Walk-on Status bis hin zur Führungsrolle eines zweifachen NCAA Teilnehmers und eines gefährlichen Mid-Majors ist bemerkenswert. In der Tat konnte sich Flemmings in dieser Saison nochmals steigern. Er versteht es mittlerweile besser, mit größeren Gegenspieler klarzukommen und erfüllt seine Rolle als Smallball Vierer noch effizienter. Dank langer Arme und Athletik löst er seine Aufgaben defensiv mit viel Geschick und Fingerspitzengefühl. Im Angriff ist er fast nicht zu stoppen, da er auf so viele verschiedene Arten Punkte erzielt und zusätzlich auch als Playmaker für seine Mitspieler in Erscheinung tritt.


X-Faktor: Devontae Cacok, Big, 6’7’’, Sophomore
Devontae Cacok gibt seinem Team eine Insidepräsenz, die es in dieser Form in der vergangenen Saison nicht hatte. Cacok legte im Sommer deutlich an Muskelmasse zu und gewann ebenfalls an Explosivität. Durch seine besseren körperlichen Voraussetzungen ist Cacok mittlerweile nicht mehr am Brett zu stoppen. Seine Feldwurfquote von fast 80 (!) Prozent ist zwar einerseits Resultat von einer spärlichen Wurfauswahl und guten Anspielen seiner Mitspieler. Allerdings lässt sich die Effizienz, mit der Cacok seine Chancen nutzt in keinster Weise kleinreden. Viele seiner Punkte erarbeitet er sich auch selber durch harte ehrliche Arbeit beim Rebound. Kann der Big mit seinen Fouls haushalten und möglichst lange auf dem Feld stehen, wäre das ein riesiger Gewinn für die Seahawks.

NBA & BBL Kandidaten: Die Reise von Chris Flemmings wird nach diesem Turnier nicht beendet sein. Ob es letztlich für einen NBA Kaderplatz reichen wird, lässt sich nicht prognostizieren. Die athletischen Möglichkeiten des Wings sind imponierend und auch das Skillset ist annehmbar. In Europa wird er auf jeden Fall einen Arbeitgeber finden.

Style: UNC Wilmington geht auch in dieser Saison ein sehr hohes Tempo an beiden Enden des Feldes. Die Seahawks versuchen den Gegner dadurch ins Verderben zu reißen, dass sie ihn zu schnellen Abschlüssen und überhasteten Entscheidungen zwingen. Um das Spiel schnell zu machen, bedient sich Coach Kevin Keatts aller möglichen Stilmittel. Angefangen von scheinbar einfach Dingen wie einem schnellen Einwurf bis hin zu verschiedensten und kommunikativ anspruchsvollen Pressvarianten ist viel Variation dabei. Gerade in der Verteidigung macht sich die Schule von Rick Pitino, aus der Keatts entspringt, sehr oft bemerkbar. Aber auch offensiv lassen sich gewisse Einschläge erkennen. Doppelte Dragscreens oder diverse staggered Screens kommen in der Early Offense oder im Halbfeld zum Einsatz. Grundsätzlich laufen die Seahawks eine 4 Out Offense mit viel Pick & Roll. Da jederzeit vier potentielle Ballhandler auf dem Feld stehen und jeder Außenspieler ein zumindest solider Schütze ist, sind die Seahawks schwer ausrechenbar.
Fun Facts: Der CAA Champ geht zwar ein ordentlich Tempo und scheut vor schnellen Entscheidungen und zügigem Umschalten nicht zurück, dennoch ist die Fehlerquote vergleichsweise gering. In Bezug auf die Turnoverrate teilen sich die Seahawks den ersten Platz in der NCAA mit Iowa State und Notre Dame.

Tournament: Im letztjährigen Tournament stand Brandon Ingram dem Upset der Seahawks im Weg. Aus dieser Erfahrung scheinen sie jedoch eine Menge gelernt zu haben. Das Team wirkt gefestigter und wesentlich spielstärker. Sowohl die Individuen als auch das Kollektiv haben sich weiterentwickelt und sollten nun bereit sein, einem Favoriten ein Bein zu stellen. Ihre Geschwindigkeit und Furchtlosigkeit werden selbst für die großen Namen keine Alltäglichkeit darstellen. Um den Upset oder vielleicht sogar das zweite Wochenende im Idealfall zu erreichen sind drei Dinge notwendig: Erstens müssen die Dreier ihr Ziel finden, zweitens darf Cacok nicht in Foulprobleme geraten und drittens müssen die Seahawks dringend das eigene Brett beim Defensivrebound besser bewachen.

Prognose: Sweet Sixteen


ETSU Buccaneers


MVP: T.J. Cromer, Guard, 6’3’’, Senior
Unter allen Mid-Majors gehört T.J. Cromer zu den besten Scoring Guards, wenn er nicht sogar der beste ist. Selbst auf die ganze NCAA bezogen muss sich der Guard mit den Rastalocken vor niemandem verstecken. Cromer wollte seine College Karriere unbedingt mit einer NCAA Teilnahme beenden und hat im Conference Tournament einen großen Beitrag dazu geleistet, dass sich dieser Traume erfüllt. Alleine im Halbfinale erzielte die "0" der Buccaneers 41 Punkte und stellte damit den Finaleinzug sicher. Im Finale war er mit 17 Punkten in der zweiten Halbzeit maßgeblich am Comeback beteiligt. Doch nicht alleine seine Leistungen im Conference Tournament sollten eine Würdigung erfahren. Nur wenige Teams konnten den Senior bislang vom Punkten abhalten. Das Paket aus Wurfstärke, Drive über beide Hände und toughen Abschlüssen trotz Kontakts ist nur schwer zu matchen.


X-Faktor: Hanner Mosquera-Perea, Big, 6’9’’, Junior
Der Big Man begann seine College Karriere als Indiana Hoosier, wurde dort jedoch frühzeitig rausgeworfen und fand bei ETSU eine Chance zum zweiten Anlauf. Der Kolumbianer kann ein wichtiges Puzzleteil zu einem möglichen Upset sein, da er die Größe und Physis mitbringt, die fast alle Major Conference Teams unter den Körben aufweisen. Zudem bringt er durch seine Zeit in Indiana einige Erfahrungen aus der Big Ten mit. Allerdings muss Mosquera-Perea dafür mit seinen Fouls haushalten und sich dämliche Aktionen sparen.

NBA & BBL Kandidaten: T.J. Cromer wird zwar in der NBA keine Chance haben, aber zumindest eine Profikarriere in Europa erscheint überaus realistisch.

Style: Die Buccaneers sind hungrig. Jeder einzelne Spieler hat sich oder anderen Schulen etwas zu beweisen. Das vereint alle Spieler im Kader miteinander. Und genau so spielt ETSU auch. Die Mannschaft von Steve Forbes will immer das Team auf dem Feld sein, das mit mehr Energie und Willen spielt. Aggressive Defense, Fastbreaks und generell viel Spektakel gehören daher zum Standardprogramm. Forbes schafft es allerdings, die ganze Energie zu bündeln und in gelenkte Bahnen zu leiten. Es ist selten, dass ein Mid-Major Team, das sich selber über Attribute wie Energie definiert so präzise in der Ausführung Halbfeldsets ist, wie es die Buccaneers teilweise demonstrieren. Diese Kombination aus Energie und Disziplin ist besorgniserregend für den Kontrahenten.

Fun/Quick Facts: Sechs der neun Rotationsspieler sind von anderen Division I Schools oder vom Junior College zu den Buccaneers gewechselt. Steve Forbes nutzte diese Möglichkeit der Transfers, um einen schnellen Rebuild einzuleiten und so schon in seinem zweiten Amtsjahr das NCAA Tournament zu erreichen. Die 41 Punkte von Cromer im Conference Halbfinale waren die meisten Punkte im SoCon Tournament, seit Stephen Curry zu Davidson Zeiten der Topscorer der Conference war.

Tournament: Wie hungrig sind die Buccaneers nun, nachdem sie sich das große Ziel vom NCAA Tournament erfüllt haben? Vermutlich nicht weniger als zuvor und tendenziell sogar noch hungriger, muss wohl die Antworten lauten. Gerade die Transfers von den großen Programmen wie Indiana oder Wichita State werden nicht von einer Teilnahme in ihrer College Karriere geträumt haben, sondern auch den einen oder anderen Tournament Sieg mehr oder weniger fest eingeplant haben. Dazu kommen die Seniors, die ihre Karriere am liebsten mit dem größten aller Ausrufezeichen beenden würden. Das Team vereint Spielstärke, Defense und offensive Feuerkraft, was es zu einem heißen Upset Kandidaten aufschwingen lässt. Teams aus der Southern Conference, die in diesem Jahr nochmals an Stärke zulegen konnte, sind traditionell gefährlich und für Überraschungen gut. Schlüsselaspekte werden die Form von T.J. Cromer und den Bigs sowie Allrounder A.J. Merriweather sein. Cromer hatte gegen die bessere Competition zu Beginn der Saison Probleme (1-11 aus dem Feld gegen Dayton z.B.).

Prognose: 1. Runde


New Mexico State Aggies


MVP: Ian Baker, Guard, 6’0’’, Senior
Ian Baker ist schon seit Jahren der Aufbauspieler der Aggies und für das diesjährige Team der perfekte Aufbauspieler. Er bringt viel Erfahrung mit und gibt in der Offensive den Takt vor. Dabei kann er zwischen verschiedenen Geschwindigkeitsstufen variieren. In der Transition ist der muskulöse Guard nur schwer zu stoppen. Doch auch im Halbfeld schafft Baker es fast immer in die Zone. Oft nutzt er dazu ein Pick & Roll, das er sehr geschickt liest. Sein weicher Jumper ist vielleicht die größte Waffe, über die Baker verfügt. Die Wurfbewegung ist in ihrer Form aus dem Lehrbuch kopiert und sorgt dafür, dass Baker in jedem Spiel vier oder fünf Dreier treffen kann, wenn es für den Teamerfolg notwendig ist.


X-Faktor: Eli Chuha, Big, 6’8’’, Sophomore
Eli Chuha ist ein kräftiger Power Forward, der den Großteil seiner Punkte in der Zone erzielt. Lange Arme und ein muskelbepackter Oberkörper sorgen dafür, dass er sich gute Ausgangspositionen am Zonenrand oder am offensiven Brett in Reboundsituationen erarbeiten kann. Er liebt den Nahkampf in der Zone und weicht Kontakt keineswegs aus. Chuha ist jedoch kein Grobmotoriker, der über keinerlei basketballerischen Talente verfügt. Sein Touch und seine Instinkte um den Korb herum sind wichtige Instrumente, die dafür sorgen, dass er seinem Team eine verlässliche Scoring Option am Brett bietet. Er kann beide Hände zum Abschluss nutzen, hat aber noch nicht wirklich Postmoves im Repertoire. Seine Strategie besteht eher darin, seinen Gegner solange nach hinten zu schieben, bis er den Ball nur noch in den Korb legen muss.

NBA & BBL Kandidaten: Ian Baker hat durchaus das Zeug, um in europäischen Ligen zu bestehen. Er war bereits als Underclassman ein Leader im Team und konnte den Stilwechsel im Spiel der Aggies als Hauptverwantwortlicher bei der Umsetzung sehr souverän meistern.

Style: Vor der Saison verließ mit Marvin Menzies der langjährige Erfolgstrainer der Aggies das Programm, um in UNLV anzuheuern. Er übergab den Staffelstab an seinen Assistant Coach Paul Weir. Während die meisten Assistants das Werk ihrer Lehrmeister übernehmen und dafür sorgen, dass der Betrieb in gewohnten Bahnen weiterläuft, entschied sich Weir dazu, das Tempo im Spiel deutlich zu erhöhen und insgesamt moderneren Basketball spielen zu lassen. Die Aggies wollen sehr schnell spielen und den Gegner zu einem Wettlauf verleiten. Durch verschiedene Pressverteidigungen wird der Gegner gerne unter Druck gesetzt, um die Gangart zu beschleunigen. Im Halbfeldangriff nutzen die Aggies meist Pick & Rolls und überlassen Baker die Verantwortung. Egal ob im Side oder im High Pick & Roll: Baker findet fast immer eine Lösung und profitiert vom deutlich besseren Spacing.

Fun/Quick Facts: Zwischendurch hatten die Aggies mit 20 Siegen in Folge nach Gonzaga die längste Siegesserie der NCAA. Im WAC Finale scorten die Aggies in der ersten Halbzeit lediglich 20 Punkte. In der zweiten Halbzeit führten dann 50 Punkte dazu, dass ein zwischenzeitlicher 13-Punkte-Rückstand aufgeholt werden konnte.

Tournament: Die Aggies sind einer dieser gefährlichen Underdogs, gegen die man sich besser von seiner besten Seite präsentieren sollte. Die Aufholjagd im Conference Finale war ein Sinnbild dafür, zu welchen Runs New Mexico State fähig ist. Genau auf solche Spiele und auf das Tournament haben sich die Aggies die ganze Saison vorbereitet. Im non-conference Spielplan waren viele schwierige Auswärtsaufgaben dabei und trotzdem konnte das Team von Coach Weir die meisten davon lösen. Für sie sollte die Aufmachung des Umfelds im Tournament keine Hürde sein. Das Team ist erfahren, gut eingespielt und hat eine klare Identität. Zudem ist auch die WAC stärker geworden und sollte an der Spitze nicht unterschätzt werden. Ein Upset ist auf jeden Fall in Reichweite.

Prognose: 2. Runde


Troy Trojans


MVP: Jordon Varnado, Big, 6’6’’, Sophomore
Jordon Varnado erzielte im Sun Belt Finale den entscheidenden Treffer aus dem Feld, um seine Trojans auf die Siegerstraße zu führen. Nicht nur in dieser Szene wird Varnado gezielt am Elbow isoliert. Die Trojans kreieren oft Isolations, um ihren zu klein geratenen Fünfer in günstige Eins-gegen-Eins Situationen zu verwickeln. Varnado hat neben seinen Geschwindigkeitsvorteilen einen guten Touch und einen gefährlichen Spinmove. Als netter Bonus fällt auch der Dreier sehr sicher für Varnado, dessen Bruder Jarvis den Alltime NCAA Rekord für Blocks während seiner Karriere bei Mississippi State aufstellte. Varnado ist zusätzlich ein guter Rebounder an beiden Enden des Feldes, da er seine Gegenspieler oft ausboxt und sich geschickt einen Vorteil verschafft.

X-Faktor: Wesley Person, Guard, 6’3’’, Junior
Wesley Person bildet den Gegenpol zu Varnado am Perimeter. Bevorzugt wird Person um Screens geschickt, damit er nach dem Ballerhalt direkt zum Korb vorstoßen kann. Seine engen Curls sind relativ oft von Erfolg gekrönt, was auch mit der kräftigen Statur des Juniors in Zusammenhang steht. Person strahlt aber die größte Gefahr von der Dreierlinie aus. Bei über sechs Versuchen pro Spiel erzielt Person knapp 41 Prozent aus der Distanz. Als Closer in einer engen Partie kann Person auch in Erscheinung treten, auch wenn diese Aufgabe primär in die Hände von Varnado fällt. Person ist der sicherste Freiwürfschütze des Teams und bringt so Vorsprünge über die Ziellinie.

NBA & BBL Kandidaten: Keiner der Trojans wird in der nahen Zukunft in den europäischen Topligen als Profi in Erscheinung treten.

Style: Der Ball soll vor allem in die Hände von Varnado wandern. Am liebsten startet der Big Man seine Aktionen im Mitteldistanzbereich, von wo aus er seinen Gegenspieler weiter Richtung Korb schiebt und anschließend scort. Das Spacing ist gut und wann immer es geht, wollen die Trojans ins Laufen kommen und schnelle Fastbreakpunkte erzielen. Im Halbfeld laufen die Trojans gerne Floppy Sets, um zum Korb zu curlen oder tiefe Postups Position zu ermöglichen. In der Verteidigung macht sich das Team die Länge und Athletik auf den Außenpositionen zu Nutze, um mit viel Energie schwierige Würfe zu forcieren. Die Abpraller landen in der Regel in den Händen der Trojans. Pick & Rolls werden häufig geswitcht, was allerdings dazu führen kann, dass Guards den Ring beschützen sollen und Bigs kleinere, schnellere Gegenspieler vor sich halten müssen. Das funktioniert nicht immer.

Fun/Quick Facts:  Vor dieser Saison gelang es den Trojans sechs Jahre in Folge nicht, mehr Siege als Niederlagen zu erzielen. Ein bekannter Name des Kaders dürfte der von DeVon Walker sein. Der ehemalige Florida Gator, der sich als Junior das Kreuzbandriss, wechselte im vergangenen Jahr aus der SEC zu den Trojans und bringt dadurch Final Four Erfahrung in den Kader.

Tournament: Während der letzten Tournaments konnten sich die Sun Belt Champs einen Ruf als Favoritenschreck erarbeiten. 2015 sorgte Georgia State mit einem sensationellen Comeback über Baylor für Furore. In der vergangenen Saison war es der Upset von Little Rock über Purdue nach zweifacher Verlängerung. Auch Troy ist nicht ungefährlich, da sie einige potentielle Mismatch Kandidaten im Kader beherbergen und durchaus von der Dreierlinie heißlaufen können. Dennoch scheint ein weiterer Überraschungserfolg des Sun Belt Vertreters eher unwahrscheinlich zu sein. Dafür leisten sie sich zu viele Ballverluste, die relativ schnell eine Entscheidung im negativen Sinne herbeiführen können.

Prognose: 1. Runde


Mount St. Mary's Mountaineers


MVP: Elijah Long, Guard, 6’0’’, Sophomore
Elijah Long führt als Sophomore das junge Team der Mountaineers an. In der Offensive ist er die unangefochtene erste Option. Er genießt seine Freiheiten und kostet sie voll aus. "Learning by doing" ist das Credo und entsprechend weit gefächert sind die Resultate, die bei Longs Unternehmungen herausspringen. Zwar ist der Guard eher klein, dafür aber sehr schnell. Er hat einen tödlichen Crossover, auf den ein schneller erster Schritt folgt. Die wahre Herausforderung setzt dann meist an dieser Stelle an: Hat er seinen Gegenspieler geschlagen, weiß Long die Defense noch nicht so richtig zu lesen. Seine Furchtlosigkeit führt dennoch zu einigermaßen akzeptablen Resultaten.

X-Faktor: Junior Robinson, Guard, 5'5’’, Junior
Mit offiziell 5'5'' ist Junior Robinson der kleinste Spieler des NCAA Tournaments, was ihn jedoch nicht davon abhält die zweitmeisten Punkte seines Teams zu erzielen. Es ist faszinierend dem kleinen Aufbauspieler bei seiner Arbeit zuzusehen, da er immer wieder schafft, seinen vermeintlich massiven körperlichen Nachteil in einen Vorteil umzuwandeln. Besonders in der Verteidigung setzt der Junior seine Duftmarken. Er verteidigt über das ganze Feld und ist dank Schnelligkeit und Wendigkeit bei jedem Dribbling seines Gegenspielers in Reichweite, um den Ball zu klauen. Selbst wenn es ihm nicht gelingt, raubt er seinen Gegnern oft den letzten Nerv und spielte seine Rolle als Wadenbeißer exzellent.

NBA & BBL Kandidaten: Das Team ist jung und unerfahren. Eine Profikarriere kommt zunächst für keinen Spieler in Betracht.

Style: Jamion Christian lernte sein Handwerk vor allem als Assistant Coach von Shaka Smart bei VCU. Und den Havoc-Style hat er direkt in seiner ersten Position als Headcoach übernommen und installiert. Die Mountaineers pressen und spielen druckvolle, auf Ballgewinne ausgelegte Verteidigung. Das müssen sie auch, um ihre körperlichen Defizite zu kaschieren. Nicht nur im Backcourt fehlen einige Zentimeter, sondern auch im Frontcourt sind die Bigs oft eher unterlegen. Rebounds werden in der Regel durch das große Kämpferherz und das Plus an Einsatz gewonnen. Offensiv spielt Mount St. Mary's durchaus einige clevere Sets, am Ende hängt jedoch viel von den Einzelaktionen und dem Entscheidungsverhalten des Guard Triumvirats ab.

Fun Facts: Coach Christian hat während seiner bisherigen Amtszeit immer einen toughen non-conference Spielplan zusammengestellt. Einerseits sicherlich auch aus der Not geboren, traten die Mountaineers in dieser Saison in den ersten neun Spielen auswärts an und trafen dabei auf March Madness Teams wie Michigan, Arkansas, West Virginia, Iowa State oder Minnesota. Gewinnen konnten sie keines dieser Duelle, doch die Erfahrung ist sicher Gold wert.

Tournament: Mount St. Mary's ist eines dieser Teams, für die eine Tournament Teilnahme zunächst ein riesiger Erfolg ist. Ein Upset sollte aufgrund unterschiedlicher Gegebenheiten nahezu ausgeschlossen sein. Vorrangig fehlen Größe und Erfahrung, um einen Favoriten ernsthaft in Bedrängnis bringen zu können. Doch gerade dieser Tournament Auftritt soll dazu beitragen, dass das Team wichtige Erfahrungen sammelt. Schließlich wird die Mannschaft im Kern mindestens ein, in vielen Fällen sogar zwei oder mehr Jahre noch zusammenspielen.

Prognose: 1. Runde


Kansas Jayhawks


MVP: Frank Mason III., Guard, 5’11’’, Senior
Kein Spieler hat eine bessere Saison als der Bulldozer auf der Aufbauposition. In der vergangenen Saison schon ein integraler Bestandteil des Erfolgs der Jayhawks, ist er nach dem Abgang von Perry Ellis endgültig zum unbestrittenen Leader aufgestiegen. Würde man die Coaches der NCAA danach fragen, welchem Spieler sie am liebsten ihren letzten Wurf anvertrauen würden, wäre der Anteil der für Mason Stimmenden mit Sicherheit beträchtlich. Mason findet gerade in der Crunchtime nahezu jedes Mal eine Lösung, um seinen Jayhawks zum Sieg zu verhelfen. Und von engen Schlussphasen hatten die Jayhawks eine Menge. Lassen seine Bewacher zu viel Abstand, netzt er fast schon traumwandlerisch sicher ein. Seine Quote liegt immer noch bei fast 50 Prozent. Mindestens genauso effektiv sind seine Drives zum Korb, wo er scheinbar immer genug Kontakt zum Foulpfiff kreiert und dank guter Körperkontrolle ein Dreipunktspiel schinden kann.

X-Faktor: Josh Jackson, Wing, 6’8’’, Freshman
Bill Self stellte extra seine Denkweise um und ging von einer 3-Out-2-In Offense zu einer 4 Out Offense über, um Josh Jackson optimale Bedingungen liefern zu können. Jackson dankte es auf dem Court mit sensationellen Spielen, in denen er als Freshman für längere Phasen des Spiels dominierte und seine elektrisierende Spielweise darbot. Selbst am Dreier gibt es mittlerweile nur noch wenig auszusetzen. Der kleine Ruckler in der Wurfbewegung ist so gut wie verschwunden, was die Quote drastisch ansteigen ließ. Allerdings leistete sich der Freshman abseits des Spielfelds Fehltritte und wurde dafür zuletzt im Big12 Tournament suspendiert. Diese Strafe sollte ihm eine Lehre sein und dabei helfen, in seinem letzten Monat als College Spieler alles aus sich herauszuholen.


NBA & BBL Kandidaten: Josh Jackson sollte eigentlich relativ sicher als dritter Pick im kommenden Draft gezogen werden. Spätestens an vierter oder fünfter Stelle muss ein GM nicht mehr lange überlegen. Frank Mason wird ebenfalls seine Chance in der NBA erhalten und sie sicherlich nutzen. Landen Lucas kann als Rebounder und Blocksteller mit Sicherheit auch eine Nische finden, in Europa würden ihn die meisten Teams mit Kusshand nehmen.

Style: Eine ausführliche Analyse gibt es hier.

Fun/Quick Facts: Kansas hat es in dieser Saison tatsächlich geschafft. Zum dreizehnten Mal in Folge konnte Coach Self mit KU die Big12 gewinnen oder sich zumindest die Co-Meisterschaft sichern. Selten war die Meisterschaft so früh in trockenen Tücher wie in dieser Saison, als bereits drei Spieltage vor dem Ende niemand mehr Kansas den Titel streitig machen konnte. Damit zieht Kansas mit den legendären UCLA Bruins bestückt mit einigen Legenden gleich.

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Tournament: Kansas sah über weite Strecken der Saison so aus, als würden sie zusammen mit Villanova und UNC auf einem anderen Level spielen als die anderen NCAA Teams. Allerdings sollte man sich von den reinen Resultaten nicht täuschen lassen. Auch wenn die Big12 Saison vermeintlich deutlich war und die Einstellung des UCLA Rekords höchste Anerkennung verdient, muss man doch einige Faktoren relativierend anführen. Zunächst ist der Heimvorteil, den Kansas im Tournament nicht genießen wird, eine riesige Einflussgröße (West Virginia, Baylor oder Oklahoma würden das bestätigen). Außerdem ist die Big12 diese Saison schwächer, als sie oft dargestellt wird. Des Weiteren waren die Jayhawks in der Lage, viele Spiele die auf des Messers Schneide standen, dank einer Kombination aus Glück, Erfahrung und Können für sich zu entscheiden. Ob das jedoch im Tournament reproduzierbar ist, bleibt abzuwarten. Zumal die Defense nach wie vor zu wünschen übrig lässt und die dünne Rotation keine Aussetzer verzeiht. Das frühe Aus im Big12 Tournament dürfte nochmal den Fokus geschärft haben und gerade für Josh Jackson als Extramotivation dienen, die er eigentlich gar nicht braucht.

Prognose: Champion


Louisville Cardinals


MVP: Donovan Mitchell, Guard, 6’3’’, Sophomore
Bereits als Freshman deutete Donovan Mitchell an, welches Potential in ihm steckt. Seine Athletik, seine Einstellung und seine Furchtlosigkeit auf dem Feld sind wichtige Grundbausteine für Mitchells bisherigen Erfolg und weiteren Werdegang. Mitchell konnte sich speziell von der Dreierlinie extrem verbessern und ist mittlerweile mit 37 Prozent bei zweieinhalb Treffern pro Begegnung ein mehr als passabler Schütze. Doch auch andere Facetten seines Spiels haben sich wesentlich verbessert. Da er auch als Playmaker aushelfen muss, ist sein Spielverständnis für Pick & Roll Situation gestiegen. Bei eigenen Drives wirkt er etwas kontrollierter und scheint generell öfter die bestmögliche Lösung zu finden. Über seine Defense muss man eigentlich kein Wort mehr verlieren. Hier gehört er zur Spitze der NCAA.


X-Faktor: Deng Adel, Wing, 6’7’’, Sophomore
Der Australier mit sudanesischen Wurzeln kann neben Quentin Snider und Mitchell als Point Forward ein dritter Playmaker und Aktivposten in der Offensive der Cardinals sein. In der vergangenen Saison bremsten ihn noch Verletzungen. Doch als Sophomore sieht die Sache ganz anders aus. Er zeigt, wie gut er mit dem Ball in den Händen umgehen kann und lässt vor allem im Pick & Roll ungeahnte Qualitäten aufblitzen. Dank seiner Größe und Länge behält er das Feld gut im Blick und findet seine Mitspieler. In der Verteidigung antizipiert er Situationen sehr gut und klaut dadurch viele Bälle. Mit Adel in Topform sind die Cardinals ein anderes Team.

NBA & BBL Kandidaten: Mangok Mathiang ist der einzige Senior des Teams. Für die NBA wird es wohl nicht reichen, dafür ist er offensiv dann doch zu limitiert. Europäische Teams könnte die Rimprotection, für die Mathiang sorgen kann, gut zu Gesicht stehen.

Style: Eine ausführliche Analyse gibt es hier.

Fun/Quick Facts: Freshman Ryan McMahon sorgt gelegentlich mit seinen Dreiern dafür, dass die Fans der Cardinals in Jubelstürme ausbrechen. Das verdanken sie aber nicht primär Rick Pitino. Denn entdeckt wurde der schmächtige Shooter von ESPN Ikone Dick Vitale, der daraufhin Pitino kontaktierte und ihm nahelegte, sich den Guard doch mal anzugucken.

Tournament: Bereits in der vergangenen Saison hätten die Cardinals ein gefährliches Team im Tournament sein können. Nach einem Jahr Verzögerung kann die talentierte Sophomore Class endlich beweisen, wie gut sie wirklich ist. Das Team ist vergleichsweise unerfahren und hat in Mangok Mathiang lediglich einen einzigen Senior, doch das sollte angesichts der Spielweise keine allzu große Rolle spielen. Schließlich sind die Spieler es gewohnt, eine gewisse Hektik während des Spiels in Kauf zu nehmen, um den Gegner ins Verderben zu stürzen. Entscheidend wird sein, wie gut Louisville die Dreier trifft. Hier unterlegen viele Akteure großen Schwankungen, die stark von der Tagesform abzuhängen scheinen. Außerdem dürfen die Cardinals ihren Gegner nicht zu oft an die Linie schicken.

Prognose: 2. Runde


Oregon Ducks


MVP: Dillon Brooks, Wing, 6’6’’, Junior
Neben der ACC weist die PAC12 a.k.a. Conference of Champions die höchste Talentdichte in der NCAA auf. Mit Lonzo Ball und Markelle Fultz spielen der erste und zweite Pick (in genau dieser Reihenfolge) an der Pazifikküste. Den Award zum Spieler des Jahres gewann jedoch Oregons Dillon Brooks - und zwar vollkommen zurecht. Er ist der Dagobert unter den Ducks, ihm folgen alle andere und profitieren von seinem Talentreichtum. Zwei Gamewinner und mehrere famose Crunchtime Performances sind nur die Spitze des Eisbergs. Wann immer Oregon einen spielentscheidenden Run hinlegt, ist Brooks daran beteiligt. Der Kanadier ist auf dem College das ideale Mismatch. Mit seiner bulligen Statur verschafft er sich beim Drive immer einen Weg zum Korb, wo er ein exzellenter Finisher ist. Dazu trifft er den Dreier extrem sicher und bezieht seine Mitspieler mit ein. Als Power Forward aufgestellt, wissen viele Gegner nicht mit dem Kanadier umzugehen. Größere Gegenspieler sind meist zu langsam, kleinere zu schmächtig.

X-Faktor: Jordan Bell, Big, 6’8’’, Junior
Jordan Bell ist das Herz und die Seele der Oregon Ducks. Besonders in der Verteidigung personifiziert er den Spielstil, für den Oregon steht. In der Matchup Zone kommuniziert er und orchestriert seine Nebenleute. Er selber kann auf College Ebene tatsächlich alle fünf Positionen auf dem Spielfeld verteidigen. Er hat die Schnelligkeit und Athletik, um Guards aus der Zone herauszuhalten, kann aber auch jederzeit deren Sprungwürfe und Dreier blocken. Als Rimprotector und Lowpostverteidiger kann Bell sich kaum noch verbessern. Timing, Positionierung und Vehemenz seiner Blocks sind extraklasse. Doch gerade offensiv hat sich der Senior erheblich verbessert. Im Lowpost scort er regelmäßig und als Playmaker kann er aus allen Lagen seine Mitspieler in Szene setzen.


NBA & BBL Kandidaten: Jordan Bell wird auf jeden Fall einen Platz in der NBA finden - als Rollenspieler oder sogar als Starter. Allerdings ist er Junior und müsste sich dazu entscheiden, seine College Karriere vorzeitig zu beenden. Ob das realistisch ist, scheint fraglich zu sein. Sein Frontcourt Buddy und der zweite Swatter Boy Chris Boucher geht allerdings in seine letzten Spieler als Ente. Zwar ist er immer noch spindeldürr, doch seine Kombination aus Shooting und Rimprotection gibt ihm eine Chance auf die NBA. Dillon Brooks muss sich ähnlich entscheiden, ob er sich zum Draft anmelden möchte oder nicht.

Style: Eine ausführliche Analyse gibt es hier.

Fun/Quick Facts: Dylan Ennis ist im Dezember 1991 geboren, was ihn zu einem der ältestesten Spieler der NCAA macht. Freshman Peyton Pritchard ist der einzige Ducks Spieler, der tatsächlich aus Oregon stammt. Der Guard streifte sich nicht nur beim Hoop Summit 2016 das Trikot der USA über, sondern vertrat die Vereinigten Staaten auch bei der 3x3 U18 WM in Ungarn.

Tournament: Im letzten Jahr wurden die Ducks Opfer von Buddy Hield, was viele Teams von sich behaupten konnten. In dieser Saison ist das Team noch erfahrener und ausgeglichener besetzt. Auch wenn Elgin Cook nach wie vor vermisst wird, weil er gemeinsam mit Brooks eine tödliche Flügelzange bildete, kann man mittlerweile guten Gewissens davon sprechen, dass die Ducks diese Saison besser und gefährlicher sind als je zuvor. Ihr Auftritt gegen Arizona war die dominanteste Performance, die ein College Team diese Saison ablieferte. Treffen die Ducks ihre Dreier, was aufgrund des Ballmovement, der Wurfstärke so vieler Spieler und der klaren Identität eigentlich nur eine Frage der Zeit ist, sind die Ducks nur sehr schwer zu schlagen. Zumal ihre Matchup Zone oft undurchdringlich ist und viele Fastbreakpunkte generiert. Von allen West Coast Teams waren die Ducks dasjenige mit dem größten Potential, bis Chris Boucher sich das Kreuzband im Halbfinale des Conference Tournaments riss. Dieser Verlust wiegt schwer und ist auch für Boucher persönlich eine Tragödie. Kein NCAA Spieler kann eine interessantere Hintergrundgeschichte aufweisen (der Sports Illustrated Artikel von Luke Winn ist überaus empfehlenswert).

Prognose: Sweet Sixteen


Purdue Boilermakers


MVP: Caleb Swanigan, Big, 6’9’’, Sophomore
Will man Konstanz definieren, sollte in Betrach gezogen werden, das ganze am Praxisbeispiel Caleb Swanigan zu erklären. Er führte die NCAA lange Zeit unangefochten in Double Doubles an und scheint unabhängig vom Gegner immer sein Programm runterzuspulen und nur darauf zu reagieren, was die Defense ihm gibt. Tatsächlich ist er für die meisten College Teams einfach ein schwieriges Matchup. In der Zone schließt "Biggie" dank seiner Physis und seinem Touch nahezu immer hochprozentig ab. Im Eins-gegen-Eins am Zonenrand kommen noch gute Fußarbeit und variantenreiche Moves hinzu. Der Dreier fällt in dieser Saison auch wesentlich besser, wobei Swanigan hier immer ein wenig aufpassen muss, sich nicht in seinen Jumper zu verlieben.


X-Faktor: Vince Edwards, Wing, 6’7’’, Junior
Sieht man sich die Kaderzusammenstellung der Boilermakers an, gibt es eigentlich für die Außenspieler nur ein herausstechendes Charakteristikum: Alle Außenspieler können werfen. Während die meisten allerdings sehr auf diese Dimension festgelegt sind, kann Vince Edwards wesentlich mehr aufweisen. Allerdings kommt er oft nicht dazu. Edwards hat einen guten Drive und könnte sicher auch als Ballhandler im Pick & Roll Akzente setzen. Doch die Marschroute besteht ganz klar darin, den Ball nach innen zu den Bigs zu bringen und die sich daraus ergebenden Freiräume zu offenen Würfen oder Cuts zu nutzen. Auch hier überzeugt Edwards, aber man wird das Gefühl nicht los, dass der Junior mit angezogener Handbremse spielt.

NBA & BBL Kandidaten: Caleb Swanigan muss sich entscheiden, ob er in die NBA gehen möchte oder die nächsten zwei Jahre weiter die NCAA dominiert. Zwar erscheint es angesichts seiner großartigen Leistungen etwas seltsam zu sagen, dass Swanigan tatsächlich eher zurückkehren sollte, doch tatsächlich würde das in seinem Fall sinnvoll sein. Swanigan muss dringend seine Pick & Roll Defense verbessern, um in der NBA bestehen zu können.

Style: Die Boilermakers spielen klassischen Inside-Outside-Basketball. Mit cleveren Setplays versucht der Coaching Staff zunächst immer die Bigs in gute Position zu bringen. Dabei haben die Boilermakers die Eigenart, dass die Assistant Coaches das nächste Set auf eine Tafel schreiben, die sie ihren Spielern kurz entgegenhalten, um so den Playcall vor den gegnerischen Assistant Coaches, die das Playbook auswendig kennen, zu verheimlichen. Die Sets ähneln einander stark. Vier Spieler cutten entlang der Dreierlinie und stellen sich gegenseitig oder ihren Bigs indirekte Blöcke, bis der Lobpass in die Zone kommt. Anschließend kommt es zum Eins-gegen-Eins oder zum Kickout an die Dreierlinie. Mit Swanigan lässt sich zudem gut Pick & Pop am Ende der Shotclock laufen.

Fun/Quick Facts: Spike Albrecht wechselte im Sommer aus Michigan nach Purdue. Der ehemalige Shooting Star der Wolverines, der beim Final Fou 2013 mit einer sensationellen ersten Halbzeit auf sich aufmerksam machte, schien eigentlich seine Karriere nach Operationen an beiden Hüften beendet zu haben. Dass er nun doch wieder aufläuft, war ähnlich überraschend wie der Wechsel zum Big Ten Rivalen.

Tournament: Die Boilermakers wirkten zwischendurch wie das dominanteste Team der Big Ten, was vor gut zwei Jahren eine unvorstellbare und absolut euphorische Nachricht gewesen wäre. Ärgerlich ist an dieser Feststellung allerdings, dass die Big Ten in diesem Jahr in der Spitze einfach nicht das Niveau der Vorjahre hat. Für die Boilermakers sind zwei Dinge von äußerster Wichtigkeit. Erstens müssen sie ihre Vorteile am Korb konsequent nutzen. Auch wenn es für die Außenspieler auf Dauer etwas langweilig werden könnte, wäre jeder Angriff, in dem Swanigan oder 2,18m Gigant Isaac Haas den Ball nicht berühren und ihr Glück im Lowpost versuchen, eine Verschwendung. Oft werden die Spieler am Perimeter ungeduldig und nehmen überhastete Jumpshots. Zweitens mögen die Boilermakers Pressverteidigungen gar nicht. Hier können sie ganz schnell hohe Vorsprünge verspielen und komplett ihren Faden verlieren. Können sie einem Gegner ausweichen, der solche Methoden anwendet, und offensiv ihren Gameplan durchziehen, ist das zweite Wochenende in Reichweite.

Prognose: 1. Runde


Iowa State Cyclones


MVP: Monté Morris, Guard, 6’2’’, Senior
Das große Qualitätsmerkmal, das der Floor General der Cyclones auf das Parkett bringt, ist seine absurd niedrige Fehlerquote. Ein Blick auf die Assist-Turnover-Ratio (etwa 6:1) vermittelt bereits einen guten Eindruck darüber, wie sicher Morris im Umgang mit dem Ball ist. Führt man sich dann noch vor Augen, wie oft er den Ball in den Händen hält, erscheint diese Statistik noch sagenhafter. Doch auch im Laufe seiner Karriere zeigte Morris, wie smart er auf dem Feld ist. Ohne große Einbrüche verkraftete er den Übergang auf der Trainerbank von Fred Hoiberg zu Steve Prohm. Obwohl sich die Stile durchaus ähneln, ist eine solche Veränderung für einen Aufbauspieler nie einfach zu verarbeiten. Auch in dieser Spielzeit ist er hauptsächlich Spielgestalter und Taktgeber.

X-Faktor: Naz Mitrou-Long, Guard/Wing, 6’4’’, Senior
Nach seiner Verletzungspause kehrte Naz Mitrou-Long in dieser Saison in altbekannter Stärke zurück in den Kader. Seine Spielweise ist unverändert geblieben, allerdings nicht weniger schwierig zu verteidigen. Aus allen erdenklichen Lagen und Positionen verwandelt der Senior seine Distanzwürfe. Seine Treffer können wahre Neckbreaker sein. Am liebsten setzt er die Nadelstiche ganz zu Beginn einer Partien, um seinen Farben einen hohen Vorsprung herauszuarbeiten, oder in der Crunchtime, wenn das Spiel auf der Kippe steht. Dabei ist Mitrou-Long allerdings nicht mehr so sehr auf präzise Anspiele von Morris angewiesen wie noch in der Vergangenheit. Der Pullup Dreier aus dem Pick & Roll ist nun auch eine ernstzunehmende Waffe.


NBA & BBL Kandidaten: Monté Morris wird einen sehr soliden Backup Point Guard in der NBA abgeben. Über seine Anwesenheit würden sich viele Coaches und potentielle Mitspieler sicher freuen. Naz Mitrou-Long und Matt Thomas könnten ihr Glück als Dreierspezialisten versuchen. Perspektivisch erscheint Europa wegen fehlender Größe (Mitrou-Long) oder Athletik (Thomas) wahrscheinlicher. Ein interessanter Fall ist Deonte Burton. Am College ein personifiziertes Mismatch, wäre er in der NBA dann doch etwas zu klein als Power Forward.

Style: Der Ball befindet sich in der Regel in den Händen von Monté Morris. Coach Prohm vertraut seinem Spielgestalter und lässt ihn auf dem Spielfeld viele Entscheidungen nach eigener Fasson treffen. Das Pick & Roll mit Morris oder das Pick & Pop von Morris und Burton ist extrem schwer zu verteidigen, weil Morris fast immer die Defense richtig liest und entsprechend handelt. Der Dreier spielte eine weitere wichtige Rolle. Fünf Spieler treffen zwischen 38 und 45 Prozent aus der Distanz. Spitzenreiter sind natürlich Mitrou-Long und Thomas in Bezug auf die Quantität. Viele ihrer Würfe ersprinten sie sich im Schnellangriff. Trotz ihres Tempos sind die beiden in der Regel so kontrolliert, dass sie aus vollem Lauf ihre Füße sortieren, den Pass verarbeiten und den Dreier versenken können. Im Halbfeld ist ein Baseline Runner Spielzug sehr beliebt. Versetzte Blöcke abseits des Balls sind ebenfalls im Playbook etabliert.

Fun/Quick Facts: Iowa State ist eines der ältesten und erfahrensten Teams der NCAA. Gleich vier Seniors starten in die Begegnung. Drei davon kennen sich bereits seit Jahren und sind entsprechend informiert, wie Vorlieben und Interessen verteilt sind. Auch die Option der Transfers wird von den Cyclones gern genutzt. Fünf der neun Rotationsspieler sind von anderen Colleges oder Junior Colleges nach Ames gewechselt - ein sehr hoher Wert für ein Team aus einer Power 5 Conference.

Tournament: Die Cyclones leben und sterben mit dem Dreier. Treffen sie ihre Würfe über ein gesamtes Spiel oder zumindest so geschickt verteilt, dass dem Gegner der Glaube an den Sieg entzogen wird, haben die Cyclones gute Chancen auf das zweite Wochenende. Sie waren in dieser Saison das einzige Team, das einen Sieg aus der Festung in Lawrence, Kansas entführen konnte. Dieses Ausrufezeichen sollten sich Gegner hinter die Ohren schreiben. Zusätzlich wird den Bigs eine entscheidende Rolle zukommen. Prohm scheint in Freshman Solomon Young seinen Starter auf der Centerposition gefunden zu haben. Bei Burton wechseln sich hingegen weiter Genie und Wahnsinn ab. Er könnte einer der dominantesten Spieler der NCAA ein, weil die wenigsten Teams ein passendes Matchup aufweisen. Doch mit schlechter Defense und seltsamen Einzelaktionen gerät er oft in den Fokus der Kritik. Dass er keine rechte Hand hat, macht die Sache nicht einfacher. Der erneute Gewinn des Big12 Tournaments ist nicht nur der dritte für die Senior Class, sondern sollte Antrieb für das Tournament geben.

Prognose: Sweet Sixteen


Creighton Blue Jays


MVP: Marcus Foster, Guard, 6’3’’, Junior
Vor der Saison war die Skepsis bei den Blue Jays vorhanden und angesichts der Vorgeschichte auch angebracht, ob Marcus Foster und Mo Watson Jr. einen funktionierenden Backcourt bilden würden. Die Antwort ist zweigeteilt. Tatsächlich waren Foster und Watson in den ersten Saisonmonaten ein extrem dynamisches Duo, das kaum bis gar nicht zu stoppen war. Fosters Scoring war vom ersten Spieltag an ein wahnsinniges Upgrade, das die Machtverhältnisse in der Big East und sogar der gesamten NCAA zu kippen drohte. Nach der Watson Verletzung brauchten die Blue Jays etwas, um den Schock aus den Beinen zu schütteln, doch mittlerweile ist gerade Foster wieder als Aktivposten unterwegs und übernimmt mehr Verantwortung. Die Effizienz ist zwar leicht abgerutscht, aber es reicht, um seinem Team Siege zu sichern.

X-Faktor: Justin Patton, Big, 6’11’’, Freshman
Ein Mysterium schon zu Highschool Zeit, das erst spät in den landesweiten Rankings landete und von den meisten großen Programmen nicht beachtet wurde, spielt Justin Patton genau diese Rolle wieder am College. Vor der Saison wurde kaum über den Freshman berichtet, doch mittlerweile ist er die entscheidende Komponente, wenn die Blue Jays die ersten Runde überstehen wollen. Der dünne Freshman bringt viele Skills mit, die von NBA Bigs zum Teil nicht beherrscht werden. Patton beschützt die eigene Zone und reboundet gut dank seiner Länge und Athletik. Im Angriff kann er sich auf seinen guten Touch berufen, der sogar bis zur Dreierlinie rausreicht. Wenige Teams haben ein geeignetes Matchup für den Big Man.

NBA & BBL Kandidaten: Justin Patton hat durchaus Potential für die späte Lottery oder die erste Runde, allerdings muss der Redshirt Freshman dringend an Masse zulegen und sein offensives Potential besser entfalten, um unter den Brettern, die die Welt bedeuten, bestehen zu können.

Style: Creighton spielt hochattraktiven Basketball. Es wird nicht lange gefackelt, sondern Fehler sind vertretbar, solange die Idee dahinter gut ist. Vom Einwurf bis zum Abschluss vergehen phasenweise weniger als fünf Sekunden, womit sie viel Druck auf die gegnerische Transition Defense ausüben. Lehnt sich der Gegner nur einen Moment zurück oder wiegt er sich in Sicherheit, droht ein blitzschneller Run. Im Halbfeldangriff lässt Greg McDermott seinen Schützlingen ebenfalls viele Freiheiten, versucht aber seit dem Ausfall von Quarterback Mo Watson dann doch etwas mehr Ordnung und Disziplin zu etablieren. Das Pick & Roll ist sehr beliebt von unterschiedlichen Stellen das Courts. Da das Spacing ausgezeichnet ist, ergeben sich oft zahlreiche gute Optionen. Mindestens genauso erschwinglich ist das Pick & Pop, da fast alle Bigs den offenen Dreier treffen.


Fun/Quick Facts: Kobe Paras verbringt zwar als Freshman nur sehr wenig Zeit auf dem Court, doch die Unterstützung seiner vielen Bewunderer in der philippischen Heimat ist ihm gewies. Besonders seine spektakulären Dunks und Auftritte bei den U18 3x3 Meisterschaften brachten ihm die Gunst der Zuschauer.

Tournament: Nach der Verletzung von Watson ist doch ein deutlicher Bruch spürbar. Kein Wunder, da Watson der Motor einer florierenden Offensive war und nicht von heute auf morgen ersetzt werden kann. Aufgrund begrenzter Trainingsgelegenheiten und des späten Saisonzeitpunkts musste Coach McDermott viele Veränderungen spontan einführen und teils erst im Spiel ausprobieren. Das raubte Rhythmus und Selbstverständnis. Im März muss die Maschinerie wieder laufen, sonst könnte eine überaus erfolgsversprechende Saison viel früher enden, als die Fans im heimischen Nebraska wahrhaben wollen. Aus der anderen Perspektive betrachtet, können die Blue Jays dank ihrer Wurfstärke jeden Gegner aus der Halle schießen, wenn sie erstmal richtig Feuer fangen.

Prognose: 1. Runde


Michigan Wolverines


MVP: Derrick Walton Jr, Guard, 6’0’’, Senior
Als Michigan ein Auswärtsspiel gegen Illinois verlor und Illinois' Big Maverick Morgan auf der Pressekonferenz über Michigan sinngemäß sagte, sie seien ein softes Team, zog Senior Derrick Walton Jr. die Notbremse und berief am folgenden Morgen ein Meeting nur unter den Spielern ein. Seit diesem Treffen der Spieler treten die Wolverines ganz anders auf. Von softer Spielweise kann nicht mehr die Rede sein. Senior Walton ging selber mit gutem Beispiel voran und performte auf derart hohem Niveau, dass es in der Big Ten keinen besseren Guard während dieser Zeitspanne zu finden gab. Walton trifft seine (teils gut verteidigten) Dreier zu einer astronomischen Quote, kreiert mit seinen Drives Freiräume für Mitspieler und ist der beste Verteidiger und Rebounder des Teams.


X-Faktor: Moritz Wagner, Big, 6’10’’, Sophomore
Diese Wahl ist kein Versuch schamlosen Clickbaitings, sondern entspricht tatsächlich der Realität. Mit Ausnahme von Walton, der momentan auf einer anderen Galaxie herumwandert, ist Wagner derjenige, der die meisten Emotionen und den größten Siegeswillen demonstriert. Seine Emotionalität steht im starken Kontrast zu seinen ruhigeren Mannschaftskameraden und befeuert dadurch Fans und Mitspieler gleichermaßen. Zudem wird Wagner mit jedem Monat und mit jeder Woche routinierter. Offensiv besitzt er ein Skillset, das nur wenige Bigs in der gesamten NCAA matchen können. In der Big Ten ist das eigentlich nur Caleb Swanigan, einem Akteur im Dunstkreis der Spieler des Jahres Auszeichnung, vorbehalten. Doch Wagner ließ Swanigan und seinen Frontcourt Kollegen Isaac Haas ziemlich alt aussehen. Der Berliner trifft den Dreier, scort aus dem Faceup Drive und im Lowpost. Beim Drive liebt er den Crossover hinter dem Rücken, der schon eine Art Signature Moves ist. Im Lowpost kontert er seinen Gegenspieler mittels guter Fußarbeit. Defensiv hat der Sophomore allerdings noch Arbeit vor sich. Foulprobleme oder Kommunikationsfehler rauben ihm derzeit noch Minuten auf dem Court.


NBA & BBL Kandidaten: Derrick Walton Jr. wird wohl nicht in der NBA landen, doch es spricht wenig gegen eine gute Karriere in Europa. Auf eine solche hofft ebenfalls Senior Kollege Zak Irvin, der vor allem mit Inkonstanz besticht.

Style: Die Offense von John Beilein gehört zum Besten, was die NCAA aufzuweisen hat. Oft als soft verschrien, lieben die Wolverines den Dreier, dürfen ihn aber nicht zu sehr ausreizen. Um in gute Wurfposition zu gelangen, ist die Offense auf Read & React ausgelegt. Viele indirekte Blöcke müssen richtig gestellt und die entsprechende Verteidigung dazu richtig interpretiert werden. Gelingt das, ist die Defense immer einen Schritt zu langsam und hat eigentlich keine Chance mehr, einen guten Wurf zu verhindern. Verlieren die Cuts und Entscheidungen allerdings an Schnelligkeit und Wille, kann der Angriff schnell sehr statisch aussehen.

Fun/Quick Facts: Eine riesigen Schrecken musste das Team auf der Anreise zum Big Ten Tournament wegstecken: Ein Startversuch des Flugzeugs musste abgebrochen werden, was die Maschine von der Startbahn abtreiben ließ. Trotz Schaden an der Maschine blieben alle Insassen, auch die Spieler, unverletzt und kamen mit dem Schrecken davon. In Trainingsjerseys demolierten sie knapp 24 Stunden später Illinois, gewannen einen Tag später nach Verlängerung gegen Purdue, fegten im Halbfinale Minnesota vom Parkett.

Tournament: Michigan wird in vielen Brackets der Darling sein, der als relativ hoher Seed das zweite Wochenende erreicht und auch dort seine Rolle als Favoritenschreck weiter sehr gekonnt inszeniert. In der Tat sprechen zwei Dinge dafür, Michigan einen tiefen Run und Überraschungssiege zuzutrauen. Erstens ist die Spielweise perfekt für ein Cinderella Team. Treffen die Wolverines ihre Dreier, sind sie einfach nicht aufzuhalten. Zweitens spielt in die Dreierquote die exquisite Form, in der sich Michigan momentan befindet. Seit dem Weckruf Mitte Januar gegen Illinois gab es lediglich ein Spiel, in dem Michigan in alte Muster verfiel. Viel häufiger wurden die Gegner aus der Halle geschossen, bevor sie wussten, wie ihnen geschah. Schaffen die Bigs Wagner und D.J. Wilson für ein wenig Entlastung zu sorgen, wird Michigan erstrecht unangenehm.

Prognose: Elite Eight


Miami Hurricanes


MVP: Bruce Brown, Guard/Wing, 6’5’’, Freshman
Freshman Bruce Brown hat eingeschlagen - und wie. Einer Kanonenkugel nicht unähnlich sauste Brown in der stark besetzten ACC an so manchem Gegner vorbei, der einfach nicht realisieren konnte, was gerade geschieht. Brown ist vielleicht der große Aufsteiger der Conference und unter allen Freshmen. Der Allrounder macht auf dem Flügel fast alles, was sich Coaches von einem modernen Wing erhoffen können. Dank seiner bulligen Statur und atemberaubenden Explosivität ist er besonders im Fastbreak überhaupt nicht zu kontrollieren. Auch beim Drive im Halbfeld helfen ihm seine breiten Schultern, sich trotz Kontakt durchzusetzen. Sein Dreier fällt ebenfalls zu einem vernünftigen Prozentsatz. Die vielleicht wichtigste Eigenschaft besteht jedoch darin, dass Brown ein überdurchschnittlich guter Ballhandler im Pick & Roll, der variantenreich handeln kann. In der Defense spart sich Brown keineswegs Energie. Auch hier entpuppt er sich gelegentlich als Schlüsselspieler und Edelstopper.

X-Faktor: Ja'Quan Newton, Guard, 6’1’’, Junior
Eigentlich wollte Jim Larrañaga dem Junior die Schlüssel zum Team übergeben und ihn als Leader installieren. Doch die Saison verlief alles andere als nach Plan. Ja'Quan Newton konnte in den ersten Saisonmonate spielerisch nicht wirklich überzeugen. Seine Spielweise wirkte eigensinnig, obwohl von ihm erwartet wurde, auch mehr das Spiel zu organisieren und Mitspieler in gute Positionen zu bringen. Das gelang jedoch fast gar nicht. Zu allem Überfluss handelte sich der Guard aus Philadelphia auch noch eine Suspendierung für drei Spiele zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt ein. Doch auch ohne ihren vermeintlichen Leader gewannen die Canes drei wichtige Spiele in Folge und schlossen die Serie mit einem dominanten Sieg über Duke ab. Newton muss so langsam Wiedergutmachung betreiben. Das NCAA Tournament wäre eine gute Gelegenheit.

NBA & BBL Kandidaten: Bruce Brown hat sich mit seinen Leistungen in die Lottery Diskussion gebracht. Ob er tatsächlich die Draftanmeldung einreicht und dann so früh gezogen werden sollte, gehört an anderer Stelle diskutiert. Sein NBA Talent ist unabstreitbar. Kamari Murphy kann als Rollenspieler in der NBA landen, würde aber auch in Europa mit offenen Armen empfangen werden. Davon Reed ist ein möglicher 3-and-D-Kandidat, der allerdings auch sein Handling deutlich verbessert hat.

Style: Kaum ein Team läuft mehr Pick & Roll als die Miami Hurricanes. Oft in einer 4 Out Offense wechseln sich die Außenspieler als Ballhandler ab und forcieren die Defense zu höchster Konzentration aller beteiligten Verteidiger. Kommt keine Fastbreaksituation zustande, in denen Miami naturgemäß sehr gefährlich ist, startet der organisierte Halbfeldangriff oft mit Dragscreens. Egal ob Side oder High Pick & Roll: Die Canes finden fast immer eine Lösung und sind in der Regel sehr gut auf die Pick & Roll Verteidigungsform vorbereitet. Dadurch haben sie immer die richtige Antwort auf Lager und sezieren die Teamverteidigung stellenweise. Nach Auszeiten gibt es immer wieder Special Plays, die den Schützen oder den Athleten per Alley-Oop/Flarescreen gewidmet sind. In der Verteidigung wechseln sich Mannverteidigung und 2-3-Zone ab.

Fun/Quick Facts: Headcoach Jim Larrañaga nutzt gerne seine schrillen Pfiffe, um sich die Aufmerksamkeit der Canes zu sichern. Nach eigener Angabe lernte er diese Pfiffmethode in seiner Kindheit. Als Kind wollte er seiner Mutter ein eindeutiges Signal geben können, wenn er von der Schule nach Hause kam, damit sie die Tür öffnen konnte und Larrañaga nicht klingeln musste.

Tournament: Für Miami wird viel davon abhängen, wie sich Newton im Tournament präsentiert. Zeigt er sein teamdienliches Gesicht und spielt er mit der angemessenen Aggressivität, kann er Miami auf ein deutlich höheres Spielniveau befördern. Zudem wäre Miami nicht so berechenbar und abhängig von Brown, wenn Newton seinen Drive zum Korb auf die richtige Art und Weise anbringt. Des Weiteren müssen die Canes die Rebounds kontrollieren. Auf allen Positionen haben sie gute Rebounder, die einen Vorteil an den Brettern erarbeiten können. In der ACC waren sie an zu vielen Abenden nicht Herr der Lage und ließen sich beim Kampf um die Rebounds die Butter vom Brot nehmen.

Prognose: 1. Runde


Michigan State Spartans


MVP: Miles Bridges, Wing/Big, 6’7’’, Freshman
Mit einem dicken Ausrufezeichen startete Miles Bridges in die Saison und ließ die bis dahin durchaus vorhandenen, aber dann doch eher verhaltenden Erwartungen schlagartig steigen. Highlights am Fließband produzierte der Tweener, der als Power Forward aufläuft. In dieser Position war er zu Saisonbeginn für die meisten Gegner ein alptraumhaftes Mismatch. Allerdings blieb der Teamerfolg angesichts des harten Auftaktprogramms auf der Strecke und auch Bridges hatte mit kleineren Verletzungen zu kämpfen. Doch seit einigen Wochen ist Bridges wieder auf einem Niveau, das Michigan State nicht nur ins NCAA Tournament gebracht hat, sondern gegnerischen Coaches Kopfzerbrechen bereitet und seinen Gegenspieler die Knie schlottern lässt.


X-Faktor: Nick Ward, Big, 6’8’’, Freshman
Nach wie vor ist und bleibt die Hauptthematik bei den Spartans jedoch die fehlende Tiefe und Erfahrung auf den großen Positionen. Ausgerechnet dort, wo Tom Izzo eigentlich immer eine ganze Armee tougher Rebounder und Finisher hatte. Doch Nick Ward gibt sein Bestes, um die Ausfälle von Ben Carter und Gavin Schilling in Vergessenheit geraten zu lassen. Man könnte sogar durchaus argumentieren, dass Ward - als der Freshman, von dem am wenigsten erwartet wurde - die beste Saison unter allen Freshmen hatte. Ward ist zwar auf seine linke Hand limitiert und könnte noch an Kraft und Kondition zulegen, doch der Einsatz des jungen Innenspielern entspricht den Erwartungen von Izzo.

NBA & BBL Kandidaten: Miles Bridges wird sich nach dem Tournament zum Draft anmelden. Daran gibt es gar keinen Zweifel. Je nach Bewertung der Scouts und GMs ist Bridges ein Lottery-Talent.

Style: Normalerweise besteht Izzos Marschroute darin, den Ball in jedem Angriff mindestens ein Mal an den Zonenrand zu bringen, wo ein talentierter und erfahrener Innenspieler seinen körperlichen Vorteil ausspielen kann. Doch da Ward der einzige wirkliche Innenspieler des Kaders ist und er noch nicht die nötige Erfahrung und das nötige Skillset aufweist, um eine dauerhafte erste Option zu sein, haben sich Izzos Prioritäten in dieser Saison etwas verschoben. Wesentlich öfter als in den vergangenen Jahren sind die altbekannten Shooter Plays, bei denen versetzte Blöcke gestellt werden, gelaufen. Auch einfache High Pick & Rolls sind wesentlich öfter an der Tagesordnung als in den vergangenen Jahren. Um Bridges in Szene zu setzen, streuen die Spartans immer wieder Alley-Oop-Plays ein oder verwickeln ihn als Blocksteller ins Pick & Pop.

Fun/Quick Facts: Eron Harris verletzte sich bei einer schmerzhaften Landung im Spiel gegen Purdue so schwer am Knie, dass eine Operation, die das vorzeitige Ende seiner College Karriere bedeutete, unumgänglich war. Zur allgemeinen Überraschung wechselte Izzo Harris im letzten Heimspiel, als das Spiel entschieden war ein und gewährte ihm damit eine Standing Ovation. Der vollkommen überwältigte Harris humpelte daraufhin mit dick bandagiertem Bein auf den Court, schaffte es irgendwie sich hinzuknien und das Spartans Logo zu küssen.


Tournament: So erfreulich und berührend diese Szene auch war, Eron Harris wird von den Spartans vermisst. Er war bis zu seiner Verletzung der beste Schütze der Spartans, die ohnehin Probleme haben, konstant zu punkten. Nun lastet noch mehr Druck auf den jungen Freshman und vor allem auch auf Lourawls Nairn. Der Guard hat zwar seinen Starterposten wieder und ist derjenige, der in der Verteidigung mit gutem Beispiel vorangeht, doch seine offensive Gefahrlosigkeit kostet die Spartans viele Punkte. Denn so fällt es der Verteidigung einfacher, sich nur auf Bridges zu konzentrieren. Cassius Winston ist hingegen jemand, der mit seiner Schnelligkeit und seinem guten Auge für den Mitspieler für leichte Punkte sorgen kann. Auch wenn es März ist, dieses Jahr wäre schon ein Erstrundensieg ein Erfolg für die Spartans und würde den Izzo Mythos nach der bitteren Upset Pleite in der vergangenen Saison wiedererwecken.

Prognose: 2. Runde


Oklahoma State Cowboys


MVP: Jawun Evans, Guard, 6’0’’, Sophomore
Kaum ein Spieler hat vom Trainerwechsel so profitiert wie Jawun Evans. Der Point Guard genießt viele Freiheiten in der Offense, hat gleichzeitig aber auch viele Vorteile durch die strukturierte Halbfeldoffense der Cowboys. Oft kommen Vergleiche mit Chris Paul auf und in der Tat kann man Evans zumindest als eine Art Collegeversion des Clippers Stars ansehen. Evans ist zwar relativ klein, kann aber auch in der Zone abschließen und hat ein Talent dafür, seinen Gegenspielern Fouls anzuhängen. Besonders das Pick & Roll beherrscht er meisterhaft. Er findet fast immer eine Lösung und das in wenigen Augenblicken, weshalb die Defense oft nicht die Zeit hat, sich auf seine Entscheidungen einzustellen.

X-Faktor: Phil Forte, Guard, 5’11’’, Senior
Phil Forte ist einer der wenigen Spieler des Kaders, der Tournament Erfahrung aufweisen kann. Der Shooter ist auch in seinem fünften Jahr eine wichtige Option im Angriff. Mit seinen Qualitäten als Schütze muss die Defense ihm immer besondere Beachtung schenken. Selbst aus sieben oder acht Metern trifft der bullige Guard immer noch besser als die meisten anderen College Spieler unmittelbar von der Dreierlinie. Dass Forte die ganze Saison über fit war, ist ein gutes Zeichen, da die Cowboys durchaus ein hohes Tempo gehen und Forte trotzdem kein bisschen an Effizient eingebüßt hat. Seine Dreier können Spiele entscheiden und mit seiner Erfahrung sollte er gleichgestellt mit Evans die erste Option in einer engen Crunchtime sein.

NBA & BBL Kandidaten: Leyton Hammonds und Phil Forte sind beides potentielle Profis - allerdings in Europa und nicht in der NBA. Hammonds fehlen dafür die spielerischen Mittel und Forte ist zu klein. Jawun Evans sollte es Monté Morris von Iowa State gleichmachen und vier Jahre am College bleiben.

Style: Die Cowboys haben die vielleicht beste Offensive der NCAA nach UCLA und Villanova. Das Selbstvertrauen, mit dem die Cowboys hier agieren, ist erstaunlich und sorgt dafür, dass sie speziell von der Dreierlinie ein sehr gefährliches Team sind. Sechs Spieler der Rotation treffen über 40 Prozent von der Dreierlinie. Brad Underwood hat sein Playbook, das er bereits bei Stephen F. Austin sehr erfolgreich verwenden konnte, ebenfalls mitgebracht. Die Highpost Motion sorgt für viel Bewegung abseits des Balls und zwingt die Defense dazu, viel Energie zu verpulvern, die dann im Angriff fehlt. In der Verteidigung war Underwood es immer gewohnt, über das ganze Feld zu pressen und den Gegner müde zu spielen. Zu Beginn der Big12 Saison erwies sich diese Strategie jedoch als ein Schuss in den Ofen, weil die Gegner weder müde wurden noch Probleme mit der Presse hatten und stattdessen zu haufenweise einfachen Punkten kamen. Underwood entschied demnach, nur noch im Halbfeld zu verteidigen, was die Cowboys zurück in die Erfolgsspur und ins Tournament brachte.

Fun/Quick Facts: Brad Underwood kam vor der Saison von Stephen A. Austin, wo er eine sagenhafte 89-14 Bilanz und drei Tournament Teilnahmen in ebenso vielen Jahren aufweisen konnte. Für den 100. Karrieresieg und gleichzeitig ersten Big12 Sieg musste Underwood jedoch eine Menge Geduld aufbringen, da seine Mannschaft die ersten sechs Spiele verlor. Dennoch ist Underwood immer noch der gemeinsame zehntschnellste Trainer, um 100 Siege zu erreichen.

Tournament: Oklahoma State ist ein extrem unangenehmer Gegner. Auch wenn Evans, Forte und MIP Jeffrey Carroll die Konstanten bei den Cowboys sind, haben sie eine extreme Kadertiefe, bei der selbst die Spieler an den Positionen acht oder neun in ein Spiel kommen und es entscheiden können. Sich darauf vorzubereiten ist unmöglich. Außerdem sollten sich potentielle Gegner darauf einstellen, dass Underwood jederzeit wieder die Presse aus dem Ärmel schüttelt und ein Team damit überraschen will. Treffen die Cowboys ihre Dreier, können sie tatsächlich jedes Team in der NCAA in die Bredouille bringen. Da Underwood in seinem ersten Jahr bereits viel über sein neues Team lernen konnte, wird er als guter Stratege die Schwachstellen des Gegners sehr gekonnt beobachten und die richtigen taktischen Mittel finden, um zu gewinnen. Das zweite Wochenende ist für Oklahoma State drin, sofern die Würfe fallen und Evans das Geschehen dominiert.

Prognose: 1. Runde


Rhode Island Rams


MVP: E.C. Matthews, Guard, 6’5’’, Junior
Es war eine der bittersten Geschichten im vergangenen NCAA Jahr. E.C. Matthews riss sich gleich zu Beginn der Saison das Kreuzband, womit der Guard nicht nur die gesamte Saison zum Zuschauen verdammt war, sondern auch die Hoffnungen der Rhodies mit einem lauten Knall zerplatzten. In dieser Saison ist der groß geachsene Aufbauspieler wieder fester Bestandteil des Teams und spielt mit einer solchen Souveränität, dass man meinen könnte, er wäre niemals weg gewesen. Matthews ist einfach ein geborener Anführer, der auf dem Spielfeld eine natürliche Autorität besitzt und das Spiel seiner Mitspieler positiv beeinflusst. Der Linkshänder ist zwar nicht der athletischste Spieler, doch seine Übersicht, Spielintelligenz und Skills tragen ihn dorthin, wo er sein will.

X-Faktor: Hassan Martin, Big, 6’7’’, Senior
Auch in dieser Saison blieben die Rams nicht von Verletzungen verschont. Hassan Martin verpasste den ganzen Dezember, war aber in der Conference Saison wieder verfügbar. In diesem Zeitraum wurde dennoch offensichtlich, wie wichtig Martin für den Teamerfolg ist. Er ist trotz eher geringer Körpergröße eine Macht am Brett und kann Begegnungen vielfältig manipulieren. Zunächst steht seine Rimprotection über allen anderen Fähigkeiten. Martin hat ein exzellentes Timing und relativ lange Arme, weswegen er alle Würfe in Korbnähe irgendwie verändert. Auch als Rebounder räumt Martin ordentlich auf. Im Angriff ist Martin zwar auf gewisse Weise limitiert, da er eigentlich nur die linke Hand nutzt und kaum nennenswerte Postmoves auf Lager hat, doch seine Physis und Willensstärke sind kaum zu matchen.

NBA & BBL Kandidaten: Hassan Martin fehlen etwas die Größe und die Fähigkeiten in der Pick & Roll Defense, in Europa scheint er daher besser aufgehoben zu sein. Hier kann er Spiele durch seine körperlichen Voraussetzungen dominieren. Kuran Iverson fehlt der Wurf für die NBA. In Europa könnte sein Spielertyp ebenfalls schwer zu vermitteln sein.

Style: Der Kader der Rams ist ein Sammelsorium von Athleten und interessanten Einzelspielern. Der Fokus liegt ganz klar auf der Verteidigung, wo die Rams in Bestform besetzt zu den besten der NCAA gehören. Nicht nur Hassan Martin ist ein Rimprotector. Oft sorgen eine Vielzahl von weit ausgebreiteten Armen dafür, dass Würfe ihr Ziel nicht erreichen oder Angreifer ihre Würfe verändern. Hinter Oregon weist Rhode Island die zweithöchste Block Percentage der NCAA auf. Probleme kommen hingegen auf der anderen Seite des Feldes auf. Hier wirkt das Offensivspiel gelegentlich viel zu statisch und alle Akteure auf dem Feld scheinen darauf zu vertrauen, dass Matthews sich schon was Großartiges ausdenken wird. Doch das gelingt dem Junior nicht immer. Zu selten werden Setplays konsequent ausgespielt und angewandt.


Fun/Quick Facts: Dan Hurley kommt aus einer Coaching Familie. Vater Bob Senior ist eine Legende im Highschool Basketball, wo seine St. Anthony's Highschool Titel und Collegespieler in Dauerproduktion generiert. Bruder Bobby Junior coacht momentan für Arizona State und hat seinem Bruder bisher eine Tournament Teilnahme mit Buffalo vorausgehabt. Für Dan Hurley ist es die erste March Madness seiner Coaching Karriere.

Tournament: Nach der ernüchternden vergangenen Saison dürfte die Freude über die letztlich doch sehr erfolgreiche  aktuelle Saison ausgesprochen groß sein. Als die Rams das letzten Mal im Tournament standen, war Lamar Odom noch Topscorer. Im Tournament selber besitzen die Rams die Härte und Erfahrung, um es mit jedem Team aufnehmen zu können. Das gewonnene A10 Tournament dürfte als zusätzlicher Mutmacher und positiver Motivationsschub verstanden werden. So ein Push für das Selbstvertrauen ist besonders für die Dreierquote zuträglich, die insgesamt dann doch unter dem Niveau rangiert, das möglicherweise notwendig wäre, um das zweite Wochenende zu erreichen. Solange ihre Defense geordnet ist und Zement anrührt, erzielen die Gegner eigentlich keine leichten Punkte mehr.

Prognose: 2. Runde


Nevada Wolfpack


MVP: Jordan Caroline, Big, 6’7’’, Sophomore
Da Nevada tatsächlich als ein Rudel ohne wirkliche Anführer auftritt, kann Jordan Caroline getrost als wichtigster Spieler für den ehemaligen NBA Coach Eric Musselman durchgehen. Carolina mag vielleicht nicht der talentierteste oder technisch versierteste Spieler des Teams sein, doch zumindest was Verlässlichkeit angeht, steht er unangefochten an der Spitze im teaminternen Ranking. Caroline ist in jedem Spiel für ein Double Double gut. Das liegt daran, dass er als Lexikonumschreibung für den Begriff Power Forward dienen könnte. Der Sophomore ist ein fantastischer Energizer, der jedem Wurf seiner Mitspieler hinterhergeht und somit sich selber Putbacks erarbeitet und seinen Mitspielern entlang der Dreierlinie zweite oder gar dritte Gelegenheiten zur Korrektur gibt. Als Finisher in der Zone ist Carolina ebenfalls eine Option.

X-Faktor: Marcus Marshall, Guard, 6’1’’, Senior
Als einer der wenigen Seniors im Team und Topscorer der Mannschaft sollte Marcus Marshall eigentlich unangefochtener Leader sein. Doch der Aufbauspieler schwankt immer sehr stark zwischen Genie und Wahnsinn während einer Partie. In erster Linie ist der Guard auf eigene Punkte aus und kein gelernter Spielgestalter, was man oft an seinen Passentscheidungen und seiner Passqualität erkennen kann. Doch dafür sollte man Marshall nicht einfach an der Dreierlinie stehen lassen. Hier netzt er gerne mal drei oder vier in Folge ein. Pro Spiel nimmt Marshall weit über acht Dreier. Trifft er diese Würfe und behält er einigermaßen die Kontrolle über den Ball, läuft es meist gut für Nevada. Werden seine Pässe jedoch hektisch oder die Wurfauswahl schlechter, gerät das ganze Team in Gefahr.

NBA & BBL Kandidaten: Der talentierteste Spieler im Kader ist Cameron Oliver. Er startet als Fünfer, ist aber ein Stretch Vierer mit viel Athletik und Rimprotection. Konstanz und Körpersprache halten ihn jedoch in der zweiten Runde, weshalb eine Rückkehr keine gänzlich verkehrte Idee wäre.




Style: Manchmal wirkt es ein wenig, als würden die Wölfe Handball spielen, weil alle fünf Spieler entlang der Dreierlinie verteilt sind. Dort halten sie sich bevorzugt auf. Grundsätzlich ist das auch kein Problem, da alle Spieler ihre Distanzwürfe zumindest solide, wenn nicht gar überdurchschnittlich gut treffen. Doch es gibt Phasen in ihren Spielen, in denen wären etwas mehr Körperspannung und Wille zum Drive schön. Grundsätzlich merkt man den NBA Einfluss von Musselman. Während normale College Teams zehn Sekunden verstreichen lassen, bis ein Play angesagt wird und sich alle aufgestellt haben, befolgt das Wolfsrudel meist nur Prinzipien. Dragscreens zur Baseline sollen für frühe Breakdowns der Defense sorgen, die meist zu Layups oder offenen Dreiern nach Kickouts führen. In der Verteidigung wird viel geswitcht und wenig gefoult, was angesichts der dünnen Rotation ein wichtiger Faktor ist.

Fun/Quick Facts: Musselman übernahm Nevada, als die Wölfe ihre Saison mit neun Siegen abschlossen. In seiner Premierensaison waren es bereits 24 Siege. In der jetzigen zweiten Saison konnte Musselman den Wert nochmals auf 28 erhöhen und damit bislang die zweitmeisten Siege in einer Saison in der Unigeschichte ercoachen.

Tournament: Das Wolfsrudel ist ein unangenehmer Mid-Major, auf den kein Team gerne in der ersten Runde trifft. Ein Upset scheint hier schwer in der Luft zu liegen. Gerade wenn die Dreier fallen, können sich die Wölfe in einen Rausch spielen. Dadurch sind auch halbwegs komfortable Vorsprünge nicht sicher, wie New Mexico leidvoll erfahren musste, als Nevada insgesamt 25 Punkte und davon 14 Punkte Unterschied in einer Minute und 14 Sekunden aufholte und noch den Comeback Sieg in der Verlängerung sicherte. Doch nicht nur die Dreier helfen dem eingespielten Kern Nevadas. Durch das Switchen in der Verteidigung werden Kräfte gespart und gleichzeitig entsteht Verwirrung beim Gegner. Mit Oliver und Caroline hat man zudem zwei sich hervorragend ergänzende Spielertypen im Frontcourt Schulter an Schulter.

Prognose: 1. Runde


Vermont Catamounts


MVP: Trae Bell-Haynes Guard, 6’2’’, Junior
Aus dem Kollektiv von Vermont einen einzelnen Spieler hervorheben zu wollen, ist eigentlich eine relativ sinnlose Angelegenheit, da in der Tat mehrere Spieler an einem guten Tag den Sieg sichern können und letztlich der Teambasketball für viele Siege der Schlüssel war. Der Kanadier Trae Bell-Haynes hat allerdings dann doch den leichten Vorteil, dass er als Aufbauspieler viele Dinge direkt beeinflussen kann. In der Transition ist er besonders gefährlich. Im Halbfeld nutzt er seine Schnelligkeit, um in die Zone einzudringen und mehrere Verteidiger zur Hilfe zu zwingen. Mit seinem anschließenden Kickout leitet er gutes Ballmovement ein.

X-Faktor: Payton Henson, Big, 6’8’’, Junior
Auch hier ist es schwierig einen einzelnen Charakter aus der Masse zu picken. Doch am ehesten scheint sich hier noch Payton Henson absetzen zu können. Im Angriff  wird er oft im Lowpost gesucht, wo er ein solides Spiel mit dem Rücken zum Korb aufweisen kann. Genauso gut ist jedoch sein Faceup Game. Selbst von der Dreierlinie strahlt der Big Man Gefahr aus. Überstürzt sein Verteidiger das Closeout, kann er aber auch problemlos zum Korb penetrieren und seinen Drive finishen. Insgesamt ist Henson einfach ein smarter Spieler und ein Mann für die großen Momente. Dass er den entscheidenden Korb im Conference Finale erzielte, dürfte kein Zufall gewesen sein.


NBA & BBL Kandidaten: Keiner der beiden Seniors wird in der nächsten Saison in der NBA oder der BBL spielen.

Style: John Becker ist ein Taktiker, der dem Gegner mit variablen Verteidigungsformen vor schwierige Denkaufgaben stellen kann. Sehr gerne pressen die Catamounts nach eigenem Korberfolg ein wenig an. Bei der 1-2-2-Zonenpresse steht Power Forward Henson vorne, um den Aufbauspielern die Sicht zu nehmen. Je nach Spielweise, die vor allem vom Kontext des Spiels abhängt, kann die Zonenpresse lediglich dazu dienen, Zeit von der Uhr zu nehmen oder in anderen Fällen aggressiv zu doppeln. Im Angriff finden die Catamounts eine gute Mischung aus gezielten Setplays und freier Offense, die auf Penetrations und Kickout fußt. Um die Bigs im Lowpost zu finden, nutzt Becker gerne Hawk Plays, bei denen der Aufbauspieler auf eine Seite dribbelt und der Big auf der Stronside einen Backscreen erhält.

Fun/Quick Facts: Vermonts Saison war in mehrfacher Hinsicht besonders. In der America East Conference gingen alle individuellen Auszeichnungen an Catamounts: Spieler des Jahres, sechster Mann des Jahres, Freshman des Jahres, Verteidiger des Jahres und Coach des Jahres. Vermont ist das erste Team, das mit einer 18-0 Bilanz die Conference Saison beenden konnte, seit in der America East zehn Teams vertreten sind. John Becker ist zudem der Coach mit den meisten Siegen in seinen ersten sechs Saisons als America East Coach(139 Siege). Vermont ist seit Ende Dezember ungeschlagen und hat mit einer Erfolgsserie von 21 aufeinanderfolgenden gewonnenen Spielen die längste Siegesserie der NCAA.

Tournament: 21 Spiele in Folge zu gewinnen, ist schon eine Kunst, die ein hohes Maß an Anerkennung verdient. Allerdings hatten es Teams wie Albany in den vergangenen Jahren immer schwer, sich von der America East Conference an das Niveau der großen Teams anzupassen. Besonders zwei Dinge werden für ein mögliches Upset Grundvoraussetzung sein. Erstens müssen die Catamounts vom Perimeter aus ihre Gegenspieler schlagen können. Dazu muss es ein Spieler schaffen, seinen direkten Gegenspieler im Eins-gegen-Eins zu schlagen, um für die Mitspieler Closeouts zu kreieren. Auch das Pick & Roll kann hier hilfreich sein. Gelingt es nicht, in die Zone zu kommen, werden die Angriffsbemühugen massiv ins Stocken geraten. Zweitens wird spannend zu sehen sein, wie sich die Bigs im Lowpost verhalten, wenn ihre Gegenspieler auf einmal größer sind und cleverer verteidigen. Je nach Gegner ist ein Upset möglich, aber dafür müsste tatsächliches Vieles auf einmal klappen.

Prognose: 2. Runde


Iona Gaels


MVP: Jordan Washington, Big, 6’8’’, Senior
Jordan Washington ist der perfekte Fünfer für das System, das die Gaels praktizieren. Im Uptempo-System ist Washington von vier Schützen umgeben, die auf die Tube drücken. Washington selber bringt eine interessante Kombination aus Masse, Power und Athletik mit. Dadurch kann er die hohe Geschwindigkeit seiner Teamkollegen mitgehen und oft auch seine direkten Gegenspieler auf halber Strecke abschütteln. Seine Energie überträgt sich auch auf die Reboundarbeit, wo kein Fehlwurf seiner Mitspieler von ihm unberücksichtigt bleibt. An Produktivität ist Washington kaum zu übertreffen. Auf 40 Minuten hochgerechnet erzielt er über 33 Punkte und greift fast 14 Rebounds pro Spiel ab.

X-Faktor: Jordan Washington, Big, 6’8’’, Senior
Warum ich die auf 40 Minuten hochgerechneten Zahlen liefere? Naja, Washington steht leider nur 21 Minuten pro Begegnung auf dem Feld, weswegen diese bärenstarken Statistiken für den Big Man bei weitem nicht erreicht werden kännen. Schuld daran ist nicht etwa fehlende Kondition oder ein tiefbesetzter Frontcourt, sondern Washingtons Emotionalität. Zwar zieht er aus ihr einerseits einen großen Nutzen und wird dadurch angeleitet mit einer Energie zu spielen, die niemand sonst auf dem Parkett matchen kann. Auf der anderen Seite schießt Washington gerne mal über das Ziel hinaus: Eigene Fehlwürfe frustrieren ihn und er gerät in Hektik, (ausbleibende) Foulpfiffe von Schiedsrichtern werden gerne mal kommentiert und auch Gegenspieler bleiben von seinen hitzigen Tiraden nicht verschont. Washington muss es im Tournament irgendwie schaffen, seine Emotionen in gelenkte Bahnen zu bugsieren.

NBA & BBL Kandidaten: Auch wenn zuletzt mit Scott Machado und A.J. English zwei ehemalige Gaels im Summer League Rostern auftauchten und sogar in dieser Spielzeit in der BBL Minuten sahen, dürfte maximal Washington in diese Sparte fallen. Ob NBA oder BBL Teams dem Talent des Bigs mehr Wert zuschreiben als dem Drama, wird darüber entscheiden, wohin Washingtons Reise geht.

Style: Iona gehört auch in dieser Saison wieder zu den Teams, die einen sehr schnellen Stiefel bevorzugen und lieber einen Fehlwurf oder Ballverlust mehr in Kauf nehmen, als sich den Rhythmus im Spiel durch überanalysierte Gedankengänge kaputt zu machen. Das kann Segen und Fluch zugleich sein. Erwischen die Gaels ihren Gegner in einer Tiefschlafphase, können sie das gnadenlos für ihre Zwecke ausnutzen. Ein gutes Beispiel war der 17:0-Lauf aus dem Conference Halbfinale unmittelbar nach der Halbzeit, der ihnen den Sieg und den Finaleinzug brachte. Blöd ist es allerdings, wenn die Gaels sich selber einen frühen hohen Vorsprung erspielen und dann durch unüberlegte und überhastete Offensivaktionen den Gegner wieder ins Spiel kommen lassen.


Fun/Quick Facts: Die zweite Tournament Teilnahme in Folge bedeutet für Coach Tim Cluess das insgesamt vierte Tournament seit seiner Ankunft in 2010. Damit hat er Iona so oft ins Tournament geführt wie kein Gaels-Headcoach zuvor (u.a. coachte hier Jim Valvano). Iona verlor in der Regular Season der MAAC beide Duelle mit Meister Monmouth. Im Tournament schied Monmouth jedoch schon im Halbfinale aus, weswegen Iona ein drittes Meeting erspart blieb.

Tournament: Iona ist immer ein gefährliches Team für die großen Namen, was eng mit der Spielweise der Gaels verbunden ist. Zudem steckt eine Toughness und ein Wille in dem Team aus MAAC, das viele Contender einfach nicht gewohnt sind. Das Conference Tournament ist traditionell eines der am heißesten umkämpften, in dem Emotionen gerne hochkochen. Wer diese Conference übersteht, hat auch vor den großen Namen der NCAA keine Angst mehr. Treffen die Gaels ihre Dreier und schafft Washington es vor allem Fouls sowie Emotionen einigermaßen zu managen, kann eine kurze Schwächephase des Favoriten wegbereitend für ein Upset sein.

Prognose: 1. Runde


Jacksonville State Gamecocks


MVP: Malcolm Drumwright, Guard, 6’3’’, Junior
Malcolm Drumwright ist die Allzweckwaffe des OVC Champs. Er bringt den Ball nach vorne, organisiert das Spiel, findet seine Mitspieler und trifft seine Würfe sehr sicher. Gerade die letzte Eigenschaft ist für den Underdog in einem NCAA Tournament Spiel immer wichtig. Solange der Außenseiter einen Ballhandler in den eigenen Reihen hat, der ein wenig das Tempo des Spiels kontrollieren kann und bei herunterlaufender Wurfuhr erfolgreiche Abschlüsse aus dem Hut zaubert, kann das Spiel bis in die Schlussminuten engbleiben. Drumwright hat zwar eine leichte Tendenz, beim Wurf mit den Zehenspitzen auf der Dreierlinie zu stehen, doch grundsätzlich ist seine große Reichweite eine enorme Waffe. Dreier aus sieben oder acht Metern können bei dem Junior durchaus fallen.


X-Faktor: Norbertas Giga, Big, 6’10’’, Junior
Der Litauer ist der einzige Spieler der Rotation, der wirklich etwas Größe und Länge mitbringt. Diese Eigenschaften fehlen Mid- und Low-Major-Teams im Vergleich zu den Favoriten meistens. Sollte der Junior also in Foulprobleme geraten, wären die Gamecocks gegen die meisten Schwergewichte der Power Conferences extrem unterlegen in der Zone. Dann wird es schwer, den Upset überhaupt in greifbarer Nähe zu haben. Neben seiner Größe ist Giga aber auch durchaus beweglich und bringt ein gutes Skillset mit. Unter dem Korb scort er dank guter Fußarbeit, am Perimeter kann er den Ball aufsetzen und mit seiner Schnelligkeit zum Korb ziehen oder auch mal einen Jumper einnetzen.

NBA & BBL Kandidaten: Für die BBL und NBA reicht es in der kommenden Saison höchstwahrscheinlich für keinen Spieler des Kaders.

Style: Jacksonville State spielt ansehnlichen Basketball in der Offensive. In der Regel wird der Ball gut bewegt und aus Auszeiten heraus scort das Team von Ray Harper regelmäßig. Auch mit wechselnden Verteidigungsformen kommen die Gamecocks gut zurecht. Malcolm Drumwright kontrolliert das Geschehen wie ein Quarterback beim Football, hat aber auch spielstarke Guards neben sich, die ihn unterstützen können. Fraglich ist jedoch, ob im Kader die nötige Erfahrung und Physis vorhanden ist, wenn sie auf die defensive Intensität eines starken Colleges aus einer gehobenen Conference treffen. 

Fun/Quick Facts: Jacksonville State nimmt erstmals in der Unigeschichte am Tournament teil. Für Erstjahres-Coach Ray Harper ist das Tournament jedoch kein Neuland. Mit Western Kentucky war er 2012 und 2013 schon Teilnehmer. In allen drei Fällen gewann er das Conference Tournament, obwohl seine Teams nie höher als 3 Seed in die Turniere ging.

Tournament: Für Jacksonville State ist die Teilnahme schon ein riesiger und unerwarteter Erfolg. Vor der Saison wurden sie als Letztplatziertes Team in der Conference eingestuft, in das OVC Turnier gingen sie als 4 Seed und Belmont schien Herr der Lage zu sein. Doch der Sieg über Belmont und die NCAA Teilnahme sind Teil des Wahnsinns im März, wo kein Favorit sicher ist. Nichtsdestotrotz sollte bereits in der ersten Runde für die Gamecocks Schluss sein. Es fehlen Erfahrung und Größe. Sobald Drumwright, Giga oder Scoring Guard Greg Tucker einen schlechten Tag haben, wird der Underdog vor einer unlösbaren Aufgabe stehen.

Prognose: 1. Runde


UC Davis Aggies


MVP: Brynton Lemar, Guard, 6’4’’, Senior
Wenn es einen Spieler bei UC Davis gibt, der sich seinen eigenen Wurf konstant selber erarbeiten kann, dann ist dies Brynton Lemar. Der Guard bringt gute körperliche Voraussetzungen mit. Neben seiner Größe, die seiner Übersicht zuträglich sind und auch beim Finish helfen, verfügt der Senior über eine enorme Spannweite. Lemar kann mit seinen langen raumgreifenden Schritten besonders in der Transition seinem Gegenspieler enteilen. Der Dreier fällt ebenfalls sehr sicher und ist fast immer drin, wenn Lemar seinen Wurf vorbereiten kann. Im Conference Finale bewies er seine Clutchness, indem er die letzten acht Punkte seines Teams erzielte und besonders bei den Freiwürfen seine Nerven behielt.


X-Faktor: Chima Moneke, Big, 6'6’’, Junior
Der Junior wird öfters gezielt im Lowpost gesucht, wo er seinem Team einfache Punkte ermöglichen soll. Allerdings ist er für einen Innenspieler etwas zu klein, was sich gerade im Tournament negativ zu Buche schlagen könnte. Moneke hat noch Probleme damit, Drucksituationen zu verkraften. Aggressive Defense eines einzelnen größeren Verteidigers oder gar Doppeln, erhöhen die Fehlerquote des Brillenträgers. Erschwerend kommt hinzu, dass Moneke außerhalb der Zone keine wirkliche Gefahr für die Defense darstellt. Nichtsdestotrotz liefert er dem Team viel Energie und ist dadurch ein exzellenter Rebounder.

NBA & BBL Kandidaten: Bryton Lemar hat mittelfristig das Potential zu einem soliden Profi in Europa zu reifen, sollte sich zunächst jedoch an den anderen Stil akklimatisieren.

Style: UC Davis ist ein Team, das offensiv vor allem davon lebt, dass die Guards im Pick & Roll Lösungen finden. Eigentlich gibt es mehrere Guards und potentielle Ballhandler, die dazu im Stande sind, doch die Entscheidungsfindung ist nicht immer konstant. Je mehr der Ball vor dem Pick & Roll von Seite zu Seite wandert und die Defense sich bewegen muss, desto höher wird die Erfolgswahrscheinlichkeit für die Aggies. Spiele der Aggies werden aber meistens über Kampf und Leidenschaft entschieden. UC Davis verteidigt selber physisch sehr hart und zwingt den Gegner diese Spielweise anzunehmen. Dadurch sind Freiwurffestivitäten an der Tagesordnung.

Fun/Quick Facts: Für die Aggies ist es die erste NCAA Tournament Teilnahme in der Unigeschichte. Sie standen überhaupt das erste Mal im Finale der Big West Conference, in dem sie die UC Irvine Anteaters bezwangen.

Tournament: Die Aggies sind froh überhaupt dabei zu sein und werden das Spiel genießen, denn es wird nur eins geben. Ein Upset scheint einfach nicht drin zu sein, weil dafür viele Qualitäten und Eigenschaften fehlen, die für einen Überraschungserfolg jedoch unabdingbar wären. Zwar verfügen sie mit Lemar über einen soliden Guard, der das Spiel übernehmen kann, doch der Rest des Teams ist zu inkonstant und offensiv limitiert. Nimmt man den Rollenspielern ihre eine Stärke weg, gibt es keine weitere Alternative und die ganze Teamoffense stagniert. Selbst wenn die Aggies ihre wenigen Dreier treffen sollten, haben sie zudem am Brett deutliche körperliche Nachteile, die sie auf diesem Niveau nicht alleine durch Einsatz kompensieren können.

Prognose: 1. Runde



North Carolina Tar Heels


MVP: Justin Jackson, Wing, 6’8’’, Junior
Wer zum besten Spieler der besten Conference der NCAA gewählt wird, muss eine starke Saison spielen. In der Tat ist der Junior dieses Jahr in vielen Bereichen seines Spiels deutlich verbessert unterwegs und konnte sich mit zunehmenden Saisonverlauf zum verlässlichsten Scorer des Teams und schwierigsten Matchup für den Gegner entwickeln. Zwar ist Jackson körperlich immer noch nicht auf dem Level, um als lupenreiner NBA Spieler durchgehen zu können, doch zusätzlich zu seinem tödlichen Midrange/Floater-Game hat er sich in dieser Spielzeit einen verlässlichen Dreier angeeignet. Mit seinen Distanzwürfen kann Jackson tatsächlich Spiele entscheiden.

X-Faktor: Isaiah Hicks, Big, 6’9’’, Senior
In seinen ersten drei Jahren in Chapel Hill musste sich Hicks mit der Rolle als sechstem Mann hinter Brice Johnson begnügen und erhielt nur mehr Spielzeit, wenn sich sein derzeitiger Frontcourt Partner Kennedy Meeks in Foulprobleme manövrierte. In seinen relativ kurzen Auftritten erwies sich Hicks immer überaus produktiv. Doch in dieser Saison wird der Power Forward selber oft Opfer von unnötigen Fouls, die seine Präsenzzeit auf dem Court beschneiden. Kriegt er dieses Manko unter Kontrolle, hat UNC unter dem Korb einen sehr verlässlichen Scorer und Energizer, der eine gute Ergänzung zu Jackson darstellt und aufgrund seiner Physis von den wenigsten Gegner im Zaun gehalten werden kann.


NBA & BBL Kandidaten: Justin Jackson könnte eventuell Ende der ersten Runde über die Ladentheke gehen, sollte er sich zum Draft anmelden. Ein weiteres interessantes Talent ist Freshman Tony Bradley, der über sensationelle Instinkte als Rebounder und Finisher verfügt, die ihn neben seinen körperlichen Anlangen als NBA Talent etikettieren. Allerdings ist es vorstellbar, dass auch er noch ein Jahr an der Uni bleibt. Isaiah Hicks ist ein potentieller Rollenspieler und Kennedy Meeks wird es zumindest in der NBA versuchen, sollte aber aufgrund seiner fehlenden Schnelligkeit eher in Europa landen.

Style: Die Tar Heels wollen rennen. Dieses Credo wird sich vermutlich in näherer Zukunft auch nicht so schnell ändern, dafür ist diese Spielweise zu sehr in der DNA des Programms verwurzelt. Neben einfachen Punkten im Fastbreak oder in der Early Offense (siehe Video), kontrollieren die Tar Heels die Bretter an beiden Enden des Feldes und führen die NCAA in Sachen Rebounding Percentage an. Dieses Jahr hat sich auch die Defense verbessert, was die Hoffnung erwecken kann, dass der Vorjahresfinalist im Finale einen möglichen letzten Wurf dieses Mal besser verteidigen könnte.


Fun Facts: Gegen Virginia erzielten die Tar Heels Ende Februar nur erbärmliche 43 Punkte in der gesamten Partie. Das war die niedrigste Punktausbeute in der Ära unter Roy Williams (seit 2003). Die Tar Heels sind außerdem nur eines von zwei NCAA Teams, das über vier Spieler im Kader verfügt, die in ihrer Karriere 1000 Punkte oder mehr erzielt haben. Kennedy Meeks hat zudem die Chance, bei einem tiefen Run die Marke von 1000 Karriererebounds zu knacken (momentan 983).

Tournament: Im letzten Jahr war UNC einen Stop von der Meisterschaft entfernt und trug zu einem der besten Finalspiele der vergangenen Jahre bei. In dieser Saison ist ein ähnlicher Ausgang möglich. Final Four und sogar Meisterschaft sind möglich. Die Tar Heels sind erfahren, hungrig, tief besetzt und haben viele Spieler, die ein Spiel im Alleingang entscheiden können. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Defense - wie bereits beschrieben - wesentlich besser. Im Pick & Roll können die Bigs trotzdem immer noch attackiert werden. Wollen die Carolina Blauen tatsächlich die Trophäe erobern, müssen Jackson und Joel Berry ihre Würfe treffen, die Bigs ordentlich verteidigen und sich aus Foulproblemen heraushalten und Theo Pinson nach einer verletzungsgeplagten Saison zu einem weiteren X-Faktor mutieren. Die vergangenen Saisonwochen waren aber nicht sonderlich überzeugend.

Prognose: Sweet Sixteen


Kentucky Wildcats


MVP: Malik Monk, Guard, 6’3’’, Freshman
Vor der Saison gab es kritische Stimmen, die Malik Monk als schwachen Schützen bezeichneten, dessen Spiel sich nur schwer mit John Caliparis Philosophie vereinen ließe. Die vergangenen Monate haben diese Stimmen verstummen lassen. Genauer gesagt hat Monk für dieses Schweigen im Walde gesorgt. Seine 47 Punkte gegen North Carolina zählen zu den besten individuellen Leistungen eines Freshman in der jüngeren NCAA Geschichte. Doch auch in anderen Spielen stellte Monk unter Beweis, dass er Spiele als Scorer entscheiden kann. Besonders als Mikrowelle, die nach einer durchwachsenen ersten Halbzeit innerhalb von wenigen Angriffen auf gefährliche Temperaturen erhitzt, konnte der explosive Guard sein Können demonstrieren. Er ist einer dieser Spieler, der scheinbar mühelos 30 Punkte nach Belieben erzielen kann.

X-Faktor: De'Aaron Fox, Guard, 6’3’’, Freshman
Auch wenn seine Saison alles andere als enttäuschend war, muss De'Aaron Fox im Tournament zusehen, dass er wieder ein wenig aus dem Schatten seines Backcourt Partners hervortritt. Verletzungen und Krankheiten sorgten dafür, dass er in den vergangenen Wochen seinen Rhythmus ein wenig verlor. Will Kentucky aber einen tiefen Run starten, muss Fox wieder zu seinem explosiven Drive der ersten knapp zwei Saisonmonate wiederfinden und auch defensiv endlich als Stopper in den Vordergrund treten. Der eine oder andere erfolgreiche Wurf jenseits der Dreierlinie wäre ein netter Bonus und scheint nicht gänzlich ausgeschlossen, da der Wurf technisch keineswegs im Eimer ist. Seine Leistungen im SEC Tournament geben Anlass zur Hoffnung, dass Fox wieder zu Höchstleistungen im Stande ist.


BBL/NBA Kandidaten: Monk und Fox werden im Juni beide in der Lottery gezogen werden - zurecht. Für beide ist auch die Top10 realistisch. Daneben wird sich Bam Adebayo entscheiden müssen, ob er es seinen Guards nachmacht oder nicht doch noch ein Jahr dranhängt. Einerseits wird er wohl nicht vor Mitte/Ende der ersten Runde gezogen, andererseits sollte sich ein weiteres Jahr nicht nennenswert für ihn rechnen.

Style: Anders als noch 2015 oder 2012 fehlt in diesem Jahr vor allem in der Defense die Überlegenheit und Dominanz im Spiel der Wildcats. Adebayo kann nicht im Alleingang alles wegpflücken, was die Guards zu ihm in die Zone lassen. Zudem ist er selber auch kein elitärer Shotblocker. Es startet also damit, dass die Guards besser und insbesondere konstanter verteidigen. Offensiv sehen die Angriffe deutlich strukturierter und gefährlicher aus, als in den Vorjahren. Das liegt einerseits daran, dass der Kader ordentlich Shooting aufweist (Monk, Mychal Mulder, Derek Willis). Zum anderen sind die Rollen klarer verteilt, da sich die Spielertypen besser ergänzen und sich seltener gegenseitig auf den Füßen stehen. Der Ball geht allerdings nicht mehr so oft nach innen. Zumindest Adebayo hat sich aufgrund seiner Statur und seines Touches in Ringnähe aber mehr Ballberührungen verdient:


Style: Eine ausführliche Analyse gibt es hier.

Fun/Quick Facts: Die Wildcats ziehen viele Fouls und stehen häufig an der Linie, belohnen sich dort allerdings zu selten. Lässt man Mulder und Dominique Hawkins außen vor, die zusammen weniger als zwei Freiwürfe pro Spiel zugesprochen bekommen, ist Monk der einzige Spieler der Rotation, der über 80 Prozent seiner Freiwürfe trifft. Gerade Adebayo und Isaiah Briscoe müssen sich dringend steigen, da sie unter/um 65 Prozent liegen.

Tournament Aussichten: Im Spiel gegen UNC zeigten die jungen Wildcats, wie gut sie sein können. In einem hochklassigen Spiel gegen den amtierenden Vorjahresfinalisten, der bis dahin gut in die Saison gestartet war, bewahrten sie am Ende die Nerven und das bessere Ende für sich. Ein solches Level erreichten die Calipari Truppe seitdem jedoch nicht mehr. Verletzungen und schwankender Einsatz waren die Hauptgründe. Besonders Fox, Adebayo und Briscoe müssen dringend ihr A-Game auflegen, wenn es in das zweite Wochenende geht. Doch selbst das zu erreichen kann schnell zu einer Aufgabe werden, wenn die Wildcats nicht aufpassen. In den letzten Wochen erwischten sie immer wieder einen sehr schlechten Start in ihre Partien und liefen von Beginn an einem Rückstand hinterher. Das sollte im Tournament nach Möglichkeit nicht passieren. Die SEC ist keine sonderliche gute Conference und die Freshmen wären gut beraten, ihre ersten Gegner nicht zu unterschätzen.

Prognose: Sweet Sixteen


UCLA Bruins


MVP: Lonzo Ball, Guard, 6’6’’, Freshman
Auch wenn Lavar Bell, der Vater von Lonzo, schon eine Fehde mit Charles Barkley hat, bevor sein Sohn überhaupt in der NBA spielt, und er von sich behauptet Michael Jordan im Eins-gegen-Eins eine Abreibung zu verpassen, ist er manchmal inhaltlich gar nicht so sehr auf dem Holzweg. Lonzo ist definitiv ein sehr spezielles Talent, das in der Lage ist, ein Team im Alleingang auf ein ganz anderes Niveau zu hieven. Denn genau das hat er in dieser Saison getan. UCLA war im vergangenen Jahr nicht mal im Tournament, wies eine negative Bilanz auf und Coach Steve Alford saß auf einem brandheißen Stuhl. Davon ist nicht mehr viel zu spüren. Westwood sieht die Bruins wieder gerne spielen, was zu mehrfach ausverkauften Heimspielen führte - in den vergangenen Jahren vollkommen undenkbar. Beeindruckend an Ball ist jedoch, dass er nicht mal mit wahnsinnigen Scoring Ausbrüchen Spiele entscheidet, sondern seine Präsenz und seine Vielseitigkeit einen wesentlich Einfluss nehmen.


X-Faktor: Bryce Alford, Guard, 6’3’’, Senior
Die Ankunft von Ball hatte auch einen positiven Effekt auf Senior Bryce Alford, der nun endlich seinem Naturell entsprechend darauf konzentrieren kann, abseits des Balls um diverse Screens zu hetzen und nach Ballerhalt blitzschnell abzudrücken. Knapp dreieinhalb Treffer pro Spiel netzt Alford zu einer Quote von etwa 45 Prozent ein. Wollen die Bruins tatsächlich angreifen und das Final Four erreichen oder sogar die Meisterschaft gewinnen, muss Alford heißlaufen. Gleichzeitig ist Alford jedoch eine Schwachstelle in der Verteidigung. Viele Teams haben sich mittlerweile Alford als denjenigen herausgepickt, den sie gezielt attackieren wollen. Oft spart sich Alford seine Kräfte lieber für den Angriff auf.

NBA & BBL Kandidaten: Lonzo Ball wird als erster oder zweiter Pick gezogen werden und hat das Potential zum Franchise Player. Ike Anigbogu und T.J. Leaf könnte ebenfalls mit der NBA liebäugeln. Anigbogu sollte allerdings noch etwas an seinem Game feilen, während Leaf defensiv wohl niemals auf NBA Level verteidigen können wird, offensiv aber ein nettes Paket mitbringt. Bryce Alford kann als Shooter eine Nische finden oder in Europa landen.

Style: Eine ausführliche Analyse gibt es hier.


Fun/Quick Facts: Bryce Alford unterstrich zuletzt seine Qualitäten als Shooter, indem er sich auf Platz eins der ewigen Bruins Liste bezogen auf erfolgreiche Dreipunktewürfe vorschob. Über 300 Treffer versenkte Alford in seinen vier Jahren. T.J. Leaf, der ursprünglich Arizona als Ziel ausgewählt hatte, sich dann aber umentschied, spielte 2015 für die U18 Israels, da er in Tel Aviv geboren ist.

Tournament: Die Bruins sind offensiv das beste Team der NCAA. Daran gibt es nichts zu rütteln. Nicht nur diverse Statistiken belegen diese Aussage, auch beim Zuschauen sorgen die Bruins für die größte Begeisterung. Sie spielen schnell, haben viele Schützen und attackieren die Zone. In den ersten beiden Runden wird daher kein Underdog eine Chance haben, dem Inferno Einhalt zu gebieten. Interessant wird es jedoch ab dem zweiten Wochenende. Hier wird nun entscheidend sein, wie gut die Bruins tatsächlich aus der Distanz treffen, wenn es darauf ankommt. Vielleicht noch entscheidender ist jedoch die Verteidigung. Auch wenn vielerorts geschrieben und berichtet wird, die Defense der Bruins habe sich verbessert, ist das schlicht nicht der Fall. Sie spielen einfach nur mehr Zone, was angesichts der individuellen Defensivallergiker und der Länge im Team ein verständlicher Move ist und tatsächlich dazu führt, dass viele Gegner vermehrt Probleme bekommen. Besonders mit Ball an der Spitze sind häufig schon die Entrypässe ein Wagnis. Nichtsdestotrotz gibt es auch hier Lücken, die eine gut geordnete Offense auskosten kann. Gelingt es einem Gegner, die Bruins hier zu überrumpeln, ist die Final Four Teilnahme in Gefahr. Wenn nicht, ist sogar die Meisterschaft realistisch.

Prognose: Final Four


Butler Bulldogs


MVP: Andrew Chrabascz, Big, 6’7’’, Senior
Bei den Bulldogs hat es einfach Tradition, dass im Kader einer der ungewöhnlichsten Spieler der gesamten NCAA steht. Nachdem Roosevelt Jones nicht mehr im Kader steht, entfällt diese Rolle auf Andrew Chrabascz, der schon in den zwei Jahren zuvor ein heißer Kandidat war. Ihm eine Position zuordnen zu wollen, kommt einer Sisyphosarbeit gleich. Chrabascz hat ein Spiel, das niemals altern wird, da er kaum Sprungkraft oder Schnelligkeit braucht, um seinen Moves nachgehen zu können. Stattdessen vereint der Big Man Skills, Körperkontrolle, Touch und Spielverständnis. Für die meisten Bigs ist er dann aber doch zu wendig oder trickreich und Guards überspielt er relativ leicht mit seiner Masse.

X-Faktor: Kelan Martin, Wing, 6’6’’, Junior
Coach Chris Holtmann war im Februar alles andere als angetan von dem, was ihm sein talentiertester Offensivspieler zu bieten hatte. Also degradierte er ihn zum sechsten Mann, was zu fruchten schien. In den ersten beiden Spielen erzielte Martin insgesamt neun Zähler. Angespornt von der Maßnahme seines Trainer zeigte sich Kelan Martin im Folgenden jedoch von einer anderen Seite. Gerade das Rebounding und die Wurfauswahl konnte Martin zuletzt deutlich verbessern. Für den Teamerfolg ist es ungemein wichtig, dass Martin wieder ein produktives Level erreicht und dem Team auf diese Weise hilft, Spiele zu gewinnen.

NBA & BBL Kandidaten: Kelan Martin hat sicher das Talent und den Körper zum Scoring Wing in der NBA. Ob er jedoch vorzeitig das College verlässt, bleibt abzuwarten. Andrew Chrabascz sollte in Europa eine Anstellung finden.

Style: Besonders im Halbfeld spielen die Mannen von Coach Holtmann sehr gepflegten Basketball. Die Bulldogs haben immer eine genaue Vorstellung davon, wo der Ball landen soll. In der Regel erreicht der Ball dann auch die Hände des Zielsubjekts. Um dorthin zu kommen, nutzen die Bulldogs sehr viele trickreiche Setplays mit verschiedenen Optionen, die nur der Dekoration dienen und die Defense auf eine falsche Fährte locken sollen. Screen-the-Screener Aktionen sind daher besonders beliebt. Grundsätzlich ist hervorzuheben, wie diszipliniert die Spieler, die Ansagen ihres Übungsleiters umsetzen.


Fun/Quick Facts: Tyler Lewis ist zwar "nur noch" Backup auf der Aufbauposition, doch einst verließ die Reinkarnation von "White Chocolate" die Highschool als All American und schloss sich dem Wolfsrudel von NC State mit mehr Vorschusslorbeeren an als sein späterer Erbe Anthony "Cat" Barber.

Tournament: Niemand scheint Butler wirklich auf dem Zettel zu haben. Sie haben mal wieder das Image der grauen Maus, die irgendwo zwischen 7 und 9 im Bracket landen könnte (allerdings nicht sollte), das zweite Spiel erreicht und sich dort dann dem Favoriten nach hartem Kampf geschlagen geben muss. Doch sollten die Gegner so denken, würden sich die Bulldogs vor Freude die Hände reiben. Denn in ihrer bisherigen Saisonbilanz sind zwei Siege über den amtierenden Champion Villanova und auch ein Sieg gegen Arizona auf neutralem Boden verankert. Ist man mutig und sucht noch den exotischen Geheimtipp für das Final Four im eigenen Bracket, wäre die Alma Mater von Gordon Hayward keine schlechte Wahl. Dafür müssen allerdings die Veteranen Martin, Chrabascz und Lewis ein wenig über ihrem Saisondurchschnitt agieren, während die Überraschungen der Saison, Big Nate Fowler und Freshman Guard Kamar Baldwin, ihre Leistungen bestätigen müssen.

Prognose: 2. Runde


Minnesota Golden Gophers (5)


MVP: Nate Mason, Guard, 6’1’’, Junior
In jedem Jahr konnte sich Nate Mason kontinuierlich verbessern. Mittlerweile ist er der vielleicht am meisten unterschätzte Guard der Big Ten. Eilt ihm der Ruf als scorender Combo Guard voraus, hat er sich in Bezug auf Spielorganisation und -gestaltung massiv verbessert. Die Anwesenheit von weiteren Playmakern hilft ihm mittlerweile ebenfalls, weswegen er eine gute Mischung aus eigenen Abschlüssen, für die er weniger hart arbeiten muss, und Vorlagen zu den Mitspielern findet. Mason beherrscht das Pick & Roll auf hohem Niveau und zieht scheinbar nach Belieben mitten in das Herz der Zone. Dort zieht er entweder reihenweise Fouls oder findet den freien Schützen an der Dreierlinie.

X-Faktor: Amir Coffey, Wing, 6’8’’, Freshman
Der Linkshänder ist kein gewöhnlicher Freshman. Am besten lässt sich Amir Coffey als Point Forward bezeichnet. Er gibt den Golden Gophers eine valide zweite Option und einen weiteren Playmaker auf dem Flügel. Für sein Alter ist Coffey mit einer hervorragenden Courtvision ausgestattet, die er sich auch scheinbar mühelos zu Nutze macht. Seine Pässe sind oft spektakulärer als der darauffolgende Abschluss. Neben seiner Rolle als Assistgeber kann Coffey aber auch durchaus selber das Scoren übernehmen. Coffeys Drive über die starke linke Hand ist nur schwer zu verteidigen. Da Coffey selbst aus ungünstigen Winkeln wegen seines Touches die Layups versenkt, muss die Defense eigentlich verhindern, dass er überhaupt die Zone berührt. Das ist einfach gesagt als getan.

NBA & BBL Kandidaten: Die Golden Gophers sind ein junges Team mit nur einem Graduate Senior. Es ist unwahrscheinlich, dass sich jemand vorzeitig zum Draft anmelden wird.

Style: Richard Pitino hat sein Team dieses Jahr voll im Griff. Besonders die Ausführung und Präzision der Halbfeldangriffe verlangt Anerkennung. Der Ball zirkuliert mit einem guten Fluss durch die eigenen Reihen und wandert so lange von Spieler zu Spieler, bis entweder der offene Dreier oder der Layup unter dem Korb zur Wahl steht. Durch die Mischung aus Penetration, Postups und Shooting sind die Golden Gophers nicht auf ein Stilmittel angewiesen. Das Ballhandling im Pick & Roll können ebenfalls mehrere Spieler übernehmen. Spektakuläre Alley-Oops und andere clevere Sets aus Auszeiten heraus sorgen für Highlights. Die vielleicht wichtigste Entwicklung hat jedoch in der Verteidigung stattgefunden, wo die Intensität deutlich besser ist und sich die Außenspieler sich auf Rimprotection in ihrem Rücken verlassen können.


Fun/Quick Facts: Transfer Reggie Lynch hat in seinem ersten Jahr in der goldgelbenen Uniform bereits seinen Status als Rimprotector unter Beweis gestellt. Eine besondere Duftmarke hinterließ der ehemalige Big Man von Illinois State gegen Penn State, als er elf Würfe blockte. Ein Double-Double blieb ihm dennoch verwährt, da er weder die nötigen Punkte noch Rebounds aufweisen konnte. Dank seiner Blockwerte rangiert Minnesota auf Rang drei der Block Percentage hinter Oregon und Rhode Island.

Tournament: Minnesota ist eines der am meisten verbesserten Teams der NCAA. Allerdings redet kaum jemand über den jungen Pitino und seine Mannschaft. Das könnte jedoch spätestens beim Zusammenstellen des Brackets ein gewaltiger Fehler sein. Abgesehen von Michigan sind die Golden Gophers vielleicht die Mannschaft der Stunde. Die Golden Gophers haben fast alles, um das zweite Wochenende zu erreichen: Mehrere Scorer und Playmaker, Rimprotection und Defense. Einzig eine schwache Dreierquote und fehlende Erfahrung auf diesem Level könnten ernsthafte Hindernisse sein. Auf der anderen Seite könnten die Golden Gophers eine schwache Dreierquote eventuell dadurch ausgleichen, dass sie regelmäßig an die Freiwurflinie gehen. Neben Maryland sind sie in dieser Hinsicht das beste Big Ten Team.

Prognose: 1. Runde


Cincinnati Bearcats


MVP: Jacob Evans, Wing, 6’6’’, Sophomore
Der Scoring Guard ist der Hauptgrund dafür, warum Cincy in dieser Saison offensiv ganz anders auftritt als in den vergangenen Jahren. Evans bringt ein sehr interessantes Kombipaket mit, um als Scorer zu glänzen. Zunächst ist sein guter Wurf zu nennen, den Evans ohne zu Zögern aus allen Distanzen anbringen kann, wenn die Defense den Fehler begeht, zu viel Abstand zu lassen. Gleichzeitig besitzt Evans aber auch einen verdammt guten Wurffake, mittels dessen er herannahende Verteidiger von den Füßen lockt und sie aus dem Spiel nimmt. Dank Ballhandling und Athletik kommt Evans in die Zone, wo er in seinem zweiten Jahr genug Power besitzt, um abzuschließen.


X-Faktor: Troy Caupain, Guard, 6’3’’, Senior
Von seinem Senior erwartet Coach Mick Cronin mehr. Das zeigen Körpersprache und Art und Weise der Ansagen des Coaches. Und in der Tat hat Cronin nicht ganz Unrecht. Der Senior ist insgesamt einfach sehr inkonstant. Er führt zwar gut Regie und kontrolliert in der Regel das Spielgeschehen, allerdings ist die Spielweise der Bearcats auch darauf ausgelegt, dass sie die spielbestimmende Mannschaft sind. Insofern ist das ganze Team für die Tempokontrolle verantwortlich. Als Allrounder ist der Senior jedoch ein Hauptgewinn. Er macht viele Dinge, die nicht in der Statistik auftauchen und behält oft trotz aller Hektik im Spiel die Übersicht. Lernt er noch, Spiele an sich zu reißen, wofür das Tournament der beste und gleichzeitig letzte Moment wäre, wären die Bearcats gleich ein wesentlich besseres Team.

NBA & BBL Kandidaten: Jacob Evans bringt Anlagen mit, die sich gut mit der Spielweise in der NBA vereinen lassen. Weitere Jahre unter der Anleitung von Cronin könnten Evans jedoch nicht schaden. Troy Caupain wird auf jeden Fall in Europa eine Unterkunft finden.

Style: Seit jeher spielt Cincy harten Basketball, der defensivorientiert ist und manchmal die Grenzen des Erlaubten auslotet. Das war unter Bob Huggins so und setzte sich in den vergangenen Jahren unter Cronin fort. Beliebtes Hilfsmittel sind dabei die Zonenpresse und die Matchup Zone im Halbfeld. Dank der vielen Athleten und willensstarken Verteidiger wird oft der Spielaufbau schon zu einem Abenteuer für den Gegner. Die Grundaufstellung ist eine 2-2-1-Zonenpresse, kann aber variabel an die Aufstellung der Offensive angepasst werden. Das erste Ziel ist den Gegner massiv zu entschleunigen. Sobald der Aufbauspieler jedoch verunsichert ist, wie er die Presse handhaben soll, wird der Druck erhöht. Besonders die Passoptionen werden gut verteidigt. Offensiv sieht der Angriff strukturierter aus und der Ball läuft flüssiger. Einerseits liegt das an den vielen Waffen, die Cronin zur Verfügung hat. Weitere wichtige Faktoren sind jedoch das verbesserte Spacing und der Wille zum Smallball in der Crunchtime.


Fun/Quick Facts: Um seine Offensive zu verbessern, holte sich Mick Cronin im Sommer Rat bei einem Trainerkollegen. Da Notre Dame zu den besten Offensivteams der NCAA zählt und sich Cronin und Mike Brey kennen, trafen sie sich und Cronin hörte sich an, welche Philosophie Brey im Angriff verfolgt.

Tournament: Da die AAC insgesamt sehr schwach ist dieses Jahr, finden die Teams aus dieser Conference wenig Beachtung. Die größeren Namen UConn, Memphis und Temple hatten mit diversen Problem zu kämpfen, was das Niveau dramatisch sinken ließ. Dennoch verdient Cincys gezeigte Leistung Anerkennung. Siege gegen Iowa State und Stadtrivale Xavier waren emotionale Höhepunkte der Saison und bewiesen die Spielstärke der Bearcats. In den vergangenen Jahren war Cincy oft das Musterbeispiel eines 8/9 Seed, der sich im ersten Match eine absolute Schlacht liefert und mal gewinnt oder mal den Kürzeren zieht, dann aber im zweiten Spiel zu aufgerieben und offensiv limitiert ist, um das zweite Wochenende zu erreichen. Gerade dieser letzte Kritikpunkt sollte in dieser Saison wegfallen. Cincy ist gefährlich und das Sweet Sixteen überaus realistisch.

Prognose: 2. Runde


Dayton Flyers


MVP: Scoochie Smith, Guard, 6’2’’, Senior
Eine glorreiche College Karriere neigt sich ihrem Ende zu. Bereits als Freshman war der Besitzer des besten Spitznamens der NCAA Starter und Teil des sensationellen Runs bis ins Sweet Sixteen 2014. Scoochie Smith war seitdem stets der Spiritus Rector der Flyers, wenn sich der März im Kalender näherte. Auch in dieser Saison bewies der Senior wieder regelmäßig, wie wichtig er für den Erfolg der Flyers ist. Gegen Davidson initiierte er beispielsweise ein monströses Comeback, das in einem Overtime Krimi ein glückliches Ende fand. Smith verrichtet alle Aufgaben, die das Team gerade am dringendsten benötigt. Er organisiert das Geschehen, kontrolliert das Tempo und läuft das Pick & Roll wie ein Profi. In der Verteidigung ist er ebenfalls Taktgeber und Anpeitscher. Mit seiner Nase für Steals sorgt er für viele Fastbreakpunkte.

X-Faktor: Kendall Pollard, Big, 6’6’’, Senior
Dass Dayton auch in diesem Jahr wieder tanzen darf, liegt zum Großteil am Verdienst von Kendall Pollard. Denn unter den Körben klaffte über weite Strecken der Saison eine riesige Lücke, die Pollard de facto im Alleingang ausfüllen musste. Nach dem tragischen Tod von Steve McElvene im vergangenen Sommer und der gefährlich aussehenden Verletzung von Transfer Josh Cunningham blieben Coach Archie Miller kaum mehr Optionen und Pollard musste eine Menge Verantwortung schultern. Doch diese schwierige Phase löste er mit Bravour, obwohl er selber verletzungsbedingt einige Partien verpasste und teils nicht im Vollbesitz seiner Kräfte war. Wollen die Flyers mal wieder das zweite Wochenende erreichen, muss Pollard die Zone als sein Hoheitsgebiet beanspruchen.

NBA & BBL Kandidaten: Scoochie Smith und Kendall Pollard sollten in Europa als Profis bestehen können. Charles Cooke könnte sich über Summer League oder Trainingscamps vielleicht sogar in NBA Teams spielen, denn er hat das größte Potential aller Spieler des Teams. Auf Dauer wird aber auch er eher in Europa anzutreffen sein.

Style: Archie Miller hat in Dayton eine Art "winning culture" etabliert. Egal wie unglücklich die Umstände sind oder mit welchen Problemen sich die Mannschaft herumzuschlagen hat: Sie findet einen Weg damit fertig zu werden. Das Markenzeichen ist nach wie vor die exzellente Teamdefense, die dafür Sorge trägt, dass die Flyers in jedem Spiel in Schlagdistanz bleiben können. Gerade aus der stabilen Verteidigung heraus initiiert Dayton oft Runs durch viele Punkte im Umschaltspiel. Ein zweites herausstechendes Merkmal ist die Vielseitigkeit einiger Spieler. Pollard und Charles Cooke können mehr Positionen spielen und sind auf den Positionen, auf denen sie eingesetzt werden, oft ein Mismatch. Pollard ist zu schnell für herkömmliche Bigs und Cooke zu lang und athletisch, um von Guards oder Wings verteidigt werden zu können. Zusätzlich beherrschen die Flyers das Pick & Roll und haben hier mit Smith einen klugen Denker und Strategen. Laufen die Flyers ihre Sets, die meist Screen-the-Screen Elemente vereinen, ist die Ausführung sehr diszipliniert.


Fun/Quick Facts: Leider durfte er in diesem Jahr noch nicht ins Geschehen eingreifen, da ihm die NCAA die Freigabe verweigerte, doch in der nächsten Saison freut sich Coach Miller auf die Dienste von Kostas Antetokounmpo. Der Grieche ist der dritte des Brüdergespanns und hat ähnliche Anlagen wie Giannis, sollte allerdings erstmal auf College Ebene zeigen, wie gut er als Point Forward sein kann.

Tournament: Die Flyers haben eine ganze Menge Erfahrung und die Erlebnisse der letzten zwölf Monate haben die Routine im Spiel des Teams nur nochmals erhöht. Dayton kann noch so schlecht in eine Partie starten: Sie lassen sich nicht abschütteln und kämpfen sich wieder heran. Ihre Defense ist bärenstark und offensiv verfügen sie mittlerweile wieder über sehr viele verschiedene Optionen, die einander gut ergänzen. Jeder profitiert von der Anwesenheit des anderen. Orchestriert wird das ganze durch Smith und Coach Miller, die zusammen einen hervorragenden Job machen. Treffen die Flyers ihre Würfe und können sich die "Bigs" aus Foulproblemen heraushalten, ist das zweite Wochenende gar nicht so unwahrscheinlich.

Prognose: 1. Runde


Arkansas Razorbacks


MVP: Moses Kingsley, Big, 6’10’’, Senior
Mike Anderson hat ein Händchen für interessante Bigs. Er lockte bereits Bobby Portis auf den Campus und formte ihn zu einem NBA Spieler. Soweit hat es Moses Kingsley zwar noch nicht geschafft, doch auf College Ebene ist er zumindest einer der dominanteren Innenspieler. Gerade in der SEC gibt es wenige Gegner, die dem Nigerianer Einhalt gebieten können. Im Lowpost dominiert Kingsley durch ordentliche Fußarbeit und guten Touch, auch wenn seine Bewegungen immer etwas hölzern und die Abschlüsse unorthodox wirken. Zudem sichert der Senior seinem Team die Hoheit am Brett, da er fast alle Rebounds abgreift, die er nur irgendwie zu fassen bekommt. Manche Teams gehen schon dazu über Kingsley zu doppeln, womit er ein wenig Schwierigkeiten hat.

X-Faktor: Jaylen Barford, Guard, 6’3’’, Junior
Eigentlich müssten an dieser Stelle Jaylen Barford und Daryl Macon in einem Atemzug genannt werden. Die beiden Junior College Transfers sind hauptverantwortlich dafür, dass die Razorbacks tatsächlich wieder ein Tournament Team sind. Bei Junior College Spieler besteht gelegentlich die Gefahr, dass sie nicht in der Lage sind, sich in ein funktionierendes Team einzubringen. Gerade bei Scorertypen haben Coaches oft Bedenken, ob nicht die Eigenwilligkeit siegt. Doch im Fall von Barford und auch im Fall von Macon ist genau das Gegenteil eingetreten. Die beiden heben das spielerische Niveau erheblich an und spielen genauso uneigennützig wie die dienstälteren Razorbacks.

NBA & BBL Kandidaten: Moses Kingsley wird sicher zu Training Camps eingeladen und er könnte sich auch eine Rolle als Rebounder, Blocksteller, Shotblocker erarbeiten. Die Physis für die NBA hat der Big Man. Ob das spielerische Potential ausreicht, wird sich zeigen. Dusty Hannahs ist ein exzellenter Shooter, der ein wenig an Indianas Jordan Hulls erinnert. Insofern könnte Europa für ihn eine Option sein.

Style: Coach Anderson deklariert sein Spiel gerne als die schnellsten 40 Minuten Basketball, die gespielt werden. Tatsächlich gehen die Razorbacks ein relativ hohes Tempo und spielen effektiven Offensivbasketball. Das liegt vor allem an der Firepower auf den Guard Positionen. Mit Barford, Hannahs und Macon hat Anderson drei Guards zur Auswahl die auf verschiedene Arten scoren können. Barford ist der schnellste Spieler des Teams, der alle Aktionen in einem halsbrecherischen Tempo ausführt, im entscheidenden Moment aber irgendwo noch Reserven mobilisiert und noch schneller wird. Seine Hesitation Dribbling lassen mehrere Verteidiger auf einmal aussteigen. Hannahs ist eher der Shooter und Macon organisiert das ganze ein wenig. Grundsätzlich verweilt der Ball selten in einer Hand und wird im Halbfeld von Seite zu Seite bewegt, bis sich Lücken ergeben. Alle Spieler der regulären Rotation verteilen zwischen einem und zweieinhalb Assists.


Fun/Quick Facts: Ursprünglich wollte Anderson das Team um Malik Monk aufbauen. Der aus Arkansas stammende Kentucky Guard wurde schon lange von Anderson bearbeitet und sogar das komplette Team sah sich ein Spiel von Monks Highschool Team an, um Kentucky ausstechen zu können, doch am Ende waren alle Versuche zwecklos.

Tournament: Relativ früh konnte sich Arkansas diese Saison der Bubble Diskussion entziehen und schien vergleichsweise früh als relativ sicherer Teilnehmer am NCAA Tournament festzustehen. Alleine das ist schon ein großer Erfolg. Im Tournament selber sind die Razorbacks sicher nicht zu unterschätzen, da ihr Stil nicht alltäglich ist und unaufmerksame Gegner auf dem falschen Fuß erwischen kann. Die vielen Scoring Guards sind ebenfalls nur schwer zu kontrollieren und wenige Teams weisen gleich drei adäquate Bewacher auf. Dennoch erscheint bereits das zweite Wochenende außer Reichweite zu sein. Denn gelingt es den Razorbacks nicht, das Tempo zu forcieren und den Gegner auf Trab zu bringen, haben sie keinen guten Plan B in der Hinterhand.

Prognose: 1. Runde


Seton Hall Pirates


MVP: Angel Delgado, Big, 6’9’’, Junior
In der Regel fällt der Name Caleb Swanigan, wenn es darum geht, den dominantesten Big Man der NCAA zu identifizieren. Diese Wahl ist auch durchaus legitim, allerdings sollte Angel Delgado zumindest erwähnt werden, da es durchaus Argumente gibt, den Dominikaner in mancherlei Hinsicht bevorteilt zu sehen. Zum einen hat er sein ohnehin schon starkes Rebounding nochmal deutlich steigern können. Er markiert nicht nur im Schnitt ein Double-Double, sondern konnte insgesamt 26 Mal mit einer zweistelligen Punkt- und Reboundausbeute das Parkett verlassen, womit er die NCAA in dieser Hinsicht anführt. Besonders auf mentaler Ebene hat sich Delgado massiv gesteigert und lässt sich nicht mehr so leicht aus dem Konzept bringen. Über zwei Assists pro Spiel und weniger Fouls trotz gestiegener Spielzeit (wobei weniger Foulprobleme der Grund für das Plus an Minuten sind) wären in den vergangenen Jahren unvorstellbar gewesen.

X-Faktor: Khadeen Carrington, Guard, 6’3’’, Junior
Der Aufbauspieler musste in dieser Saison noch mehr Verantwortung übernehmen, nachdem sich Isaiah Whitehead im vergangenen Frühjahr vorzeitig zum Draft anmeldete. Carrington konnte die Herausforderung exzellent meistern und sein Spiel in vielen Bereichen verbessern. Sein Wurf wird besser, was auch mit einer besseren Wurfauswahl zusammenhängt. Im Halbfeld ist sein Umgang mit dem Ball ebenfalls sicherer geworden, auch wenn er in jedem Spiel ein oder zwei Phasen hat, wo er wieder in alte Muster verfällt und sehr konfuse Aktionen einleitet. Grundsätzlich hat Carrington aber das Potential mit seiner Länge, Athletik und Schnelligkeit eine Defense im Alleingang schlecht aussehen zu lassen.

NBA & BBL Kandidaten: Solange sich Angel Delgado nicht vorzeitig zum Draft anmeldet, wird in der kommenden Saison kein Pirat in der NBA oder in Europa spielen.

Style: Da die Pirates über viele Athleten im Team verfügen, besteht das primäre Ziel darin, so viele Fastbreaks wie möglich zu laufen und die ganze Power des Teams auszukosten. Zwingt der Gegner Seton Hall dann doch ins Halbfeld, wird vor allem Delgado im Lowpost gesucht. Dazu haben die Pirates verschiedene Sets, um ihre Double-Double-Maschine in günstige Scoring Positionen zu bringen. Klappt das, geht Delgado ins Eins-gegen-Eins oder zeigte seine Passstärke. Klappt das nicht versuchen sich Desi Rodriguez als Slasher oder Carrington als Ballhandler im Pick & Roll. In der Verteidigung gamblen die Pirates gerne in Passwegen, da sie wissen, dass der Ring von den Bigs gesichert wird un es keine einfachen Punkte in der Zone gibt.

Fun/Quick Facts: Seton Hall kann in seiner Historie auf einige bekannte Namen als Trainer zurückblicken. Bill Raftery, der im Tournament als Kommentator auftreten wird und zu den besten seines Fachs gehört, Tommy Amaker (nun Harvard) und P.J. Carlesimo sind nur einige Beispiele. Kevin Willard stand bis zur vergangenen Saison mächtig unter Druck, weil ihm keine Tournament Teilnahme gelang. Nun ist er erst der zweite Übungsleiter, der zwei aufeinanderfolgende Tournaments erreichen konnte - neben Carlesimo. Diesem gelang beim zweiten Anlauf übrigens der Einzug ins Finale.

Tournament: Ein erneuter Run im Big East Tournament blieb den Pirates nur knapp verwehrt, als Angel Delgado einen relativ offenen Layup zur möglichen Verlängerung im Halbfinale gegen Villanova auf die vordere Ringkante setzte. Dennoch zeigt die Formkurve eher nach oben, da mittels Siegen über die Konkurrenten Butler, Xavier und Marquette die Tournament Teilnahme schon vor dem Conference Turnier in trockene Tücher gewickelt werden konnte. Die Pirates haben den Vorteil, sich sehr verschiedenen Spielweisen anpassen zu können. In schnellen und punktereichen Spielen nutzen die Pirates ihre Athletik, ruppige und zähe Partien liegen ihnen vielleicht sogar noch mehr. Mit Delgado, Carrington und Rodriguez haben die Pirates eine erfahrene Achse, die Spiele entscheiden kann.

Prognose: 2. Runde


Wichita State Shockers


MVP: Landry Shamet, Guard, 6’4’’, Freshman
Ein Backcourt, der nicht auf die Namen Fred VanVleet und Ron Baker hört, schien eigentlich nicht mehr vorstellbar zu sein. Die erfolgreichsten Spieler der Shockers Historie hinterließen kein einfaches Erbe. Umso bemerkenswerter ist daher die Saison einzustufen, die Landry Shamet bislang abliefern konnte. Bereits in der vergangenen Saison deutete der höchste Rekrut der Gregg Marshall Ära an, zu welch famosen Dingen er möglicherweise im Stande ist. Eine Stressfraktur im Mittelfuß beendete jedoch vorzeitig seine Saison, weswegen er den Rest der Saison redshirtete und nun als Freshman erneut aufläuft. Shamet ist ein großer Aufbauspieler, der anders als seine Vorgänger vor allem von seiner Athletik zum jetzigen Zeitpunkt seiner Karriere lebt. Das heißt jedoch nicht, dass er nicht ebenso raffinierte Anspiele an den Mann bringen kann und über eine bemerkenswerte Übersicht verfügt. Für einen Freshman ist seine Fehlerquote überaus gering. Es gibt bereits jetzt wenig, was der Guard nicht kann. Einzig Erfahrung und Masse fehlen.


X-Faktor: Markis McDuffie, Wing, 6’8’’, Sophomore
Ähnlich wie Shamet war Markis McDuffie ein hochgelobter Highschool Rekrut, der für Bobby Hurley Senior seine Körbe erzielte. Nach aussichtsreichen Ansätzen als Freshman, konnte er sein Spiel den Erwartungen entsprechend auf ein neues Level hieven. Neben Shamet ist er als Underclassman der zweie von drei Shockern, der im zweistelligen Bereich scort. Was als Testament an die Teamdienlichkeit der Shockers verstanden werden kann, ist zusätzlich ein Beweis für das Scoring Talent des Flügelspielers. Auf der großen Bühne wird McDuffie allerdings noch mal eine Schippe drauflegen müssen.

NBA & BBL Kandidaten: Markis McDuffie hat NBA Talent. Größe, Lange und Basketballfähigkeiten bilden das Bild eines prototypischen NBA Wings. Allerdings wird er wahrscheinlich am College bleiben und Muskelmasse aufbauen, die ihm momentan noch fehlt.

Style: “Play Angry“ ist das Motto der Shockers. Und genau das verkörpern sie dieses Jahr wie selten zuvor. Die Rotation ist sehr tief, damit alle Spieler in ihren Minuten auf dem Court das Maximum an Energie liefern können. Anders als viele Teams mit diesem Credo pressen die Shockers nicht, doch ab er Mittlerweile wird der Druck derartig erhöht, dass man durchaus von einer Halbfeldpresse sprechen kann. Pick & Rolls werden gerne gedoppelt, Pässe bis weit hinter die Dreierlinie erschwert. Zudem rebounden die Shockers extrem stark. Ihre Rebound Percentage ist NCAA weit auf dem sechsten Platz und Nummer fünf unter allen Tournament Teilnehmern. Offensiv spielen die Shockers sehr geduldig, reihen Pick & Roll an Pick & Roll und forcieren das gegnerische Teams mindestens 20 Sekunden lang hart in der Defense zu arbeiten. Durch diese Intensität an beiden Enden des Courts und die unnachgiebige Disziplin, spielen die Shockers ihre Gegner müde und zermürben sie langsam. In Rückstand sollte man auf keinen Fall geraten.


Fun/Quick Facts: Gregg Marshall gibt seinen Spielern nicht nur vor, wie sie zu spielen haben, sondern geht mit Beispiel voran. Das kann durchaus dazu führen, dass er über die Strenge schlägt. So wurde er beispielsweise in einem Exhibition Game in Kanada im vergangenen Sommer aus der Halle geworfen, weil er kurz davor war, die Schiedsrichter anzugehen.

Tournament: Die Floskel wird zwar im Rahmen des NCAA Tournament oft benutzt, aber selten trifft sie so sehr zu wie bei den Shockers: Niemand, absolut niemand will gegen Wichita State antreten oder sie überhaupt in ihrer Region des Brackets wissen. Während bereits über Gonzaga kaum geredet wird, werden die Shockers fast totgeschwiegen, dabei scheinen auch sie durchaus Format für das Final Four zu besitzen. In den ersten Runden werden wenige Gegner die Kombination aus Skills und Intensität der Shockers matchen können, weswegen das zweite Wochenende fast schon sicher zu sein scheint. Will Wichita State noch weiter schockieren, wären gute Leistungen von Shamet und McDuffie enorm wichtig. Auch Conner Frankamp, der dank seiner Wurfstärke der ultimative Zonebuster ist, und Shaquille Morris, der am Brett für drei arbeitet und den Korb beschützt, sind Schlüsselspieler im Tournament.

Prognose: 2. Runde


Kansas State Wildcats


MVP: Wesley Iwundu, Wing, 6’7’’, Senior
Als einer der besten Allrounder der NCAA führt Wesley Iwundu die Kansas State Wildcats an und entfaltet endlich das Potential, das bei ihm schon als Freshman ersichtlich war. Iwundu spielt in dieser Saison aggressiver als zuvor und ist alleine dadurch schon ein besserer Spieler. In den ersten drei Jahren war seine Rolle zwar auch kleiner, dennoch hätte Iwundu die sich bietenden Gelegenheiten öfter mit mehr Vehemenz beim Schopf packen müssen. Angesichts seiner Athletik und seiner Ballhandling Skills ist Iwundu auf dem Papier eigentlich nicht zu stoppen. Doch Iwundu ist ein sehr selbstloser Spieler, der sich in den Dienst der Mannschaft stellen möchte und alle Tätigkeiten ausführt, die gerade anfallen und benötigt werden. Er verteidigt auf hohem Niveau, kämpft um Rebounds, verteilt den Ball als Point Forward, läuft das Pick & Roll und klaut Bälle in der Verteidigung. Er schrieb daher im Januar Geschichte: Als erster Spieler der K-State Geschichte konnte er im Laufe seiner Karriere über 1000 Punkte, 500 Rebounds, 300 Assists und 100 Steals sammeln.

X-Faktor: D.J. Johnson, Big, 6’9’’, Senior
In mehrfacher Hinsicht ist D.J. Johnson der Spieler, der bei Kansas State den meisten Einfluss über Sieg oder Niederlage ausübt, sofern man Wes Iwundu außer Acht lässt. Johnson ist zunächst der einzige wirkliche Big Man im Kader, der sich nach dem Geschmack von Bruce Weber in der Zone um Rebounds prügelt, hart verteidigt und am Brett scort. Zudem ist der Senior in seinem fünften College und damit der erfahrenste Spieler des Kaders. Als er das letzte Jahr verletzungsbedingt verpasste, wurde er gerade in der Defense extrem vermisst. Auch in dieser Saison kommt ein Bruch in Spiel, wenn der Veteran mit Foulproblemen das Spielfeld verlässt. Hier muss er tatsächlich mehr Acht geben und sich im Tournament zurückhalten. Beachtung findet Johnson auch durch seine Freiwurftechnik, die in dieser Saison relativ neu ist:


NBA & BBL Kandidaten: Wes Iwundu ist ein perfekter NBA Rollenspieler, der verschiedenste Aufgaben erfüllen kann und die notwendigen athletischen Voraussetzungen hat. D.J. Johnson kann auf eine Karriere in Europa hoffen. Über harte Arbeiter freut sich jeder Coach.

Style: Die Wildcats sind unter Weber eigentlich dafür bekannt, dass sie ein Spiel langsam machen wollen und dem Gegner ihren defensivorientierten, destruktiven Spielstil aufbürden, der an den Nerven zehrt und spielerisches Niveau bisweilen vermissen lässt. Doch in dieser Saison haben sich die Wildcats ein wenig neu erfunden. Das Spacing ist viel besser und auch der Ball wird schneller und uneigennütziger bewegt. Iwundu übernimmt oft die Rolle des Point Forwards, indem er mittels eines Pick & Rolls in die Zone vordringt und dann seine Größe nutzt, um kluge Kickouts zu spielen, sobald die Hilfe anrückt. Mit Dean Wade hat K-State den perfekten Stretch Vierer, der beispielsweise gegen State Rivale Kansas beinahe für die riesige Sensation im Allen Fieldhouse gesorgt hätte. Die Defense genießt weiter einen hohen Stellenwert und hilft Kansas State in vielen Spielen auf Tuchfühlung zu bleiben.

Fun/Quick Facts: Bruce Weber weiß durchaus, wie sich Erfolg im März anfühlt. 2005 zog er mit Illinois ins Final Four ein und musste sich erst im Finale North Carolina geschlagen geben. Sein Aufbauspieler damals war Deron Williams. Bei Kansas State hat Weber zwei schwere Jahre hinter sich, in der das Tournament deutlich verfehlt wurde und der Kader komplett umgewälzt wurde.
Tournament: Mit einem überraschend starken Start begann die Saison für Kansas State und auch die ersten Spiele der Big12 Saison waren vielversprechend. Allerdings folgte dann relativ zügig der Einbruch, der die Wildcats in die Bubble Team Diskussion hineinzog. Besonders die 30-Punkte-Klatsche gegen Oklahoma war eine herbe Backpfeife, die die Tournament Tauglichkeit der in lilafarbenen Trikots spielenden Wildcats bedenklich in Zweifel zog. Der Sieg im Conference Tournament gegen Baylor könnte tatsächlich noch mal den Kollaps abgewendet haben. Nun gilt es, diesen positiven Schwung in das Play-in Spiel gegen Wake Forest mitzunehmen. Überstehen die Wildcats diese erste harte Kostprobe, ist eventuell ein zweiter Sieg drin. Das zweite Wochenende scheint dann doch unerreichbar zu sein. Dafür fehlte in den letzten Wochen die Konstanz.

Prognose: 1. Runde


MTSU Blue Raiders


MVP: Giddy Potts, Guard, 6’2’’, Junior
Vielen wird der einprägsame Name noch vom vergangenen Jahr ein Begriff sein. Tatsächlich hat sich Giddy Potts in dieser Saison nochmals weiterentwickelt und ist nun der unbestreitbare Leader, der Scorer und der Mann für die Crunchtime. Potts übernimmt immer wieder den Spielaufbau und überzeugt mit guten Entscheidungen im Pick & Roll. Vor allem tritt er in Erscheinung, wenn er seinen tödlichen Jumper, bei dem er perfekte Balance hat, aus allen möglichen Lagen anwendet. Mit über 39 Prozent ist seine Dreierquote dieses Jahr zwar nicht mehr so absurd hoch wie zuvor, doch verlernt hat er das Werfen nicht. Für einen Guard ist Potts dank seiner bulligen Statur und beachtlichen Sprungkraft ein exorbitant guter Rebounder.

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X-Faktor: Jacorey Williams, Big, 6’8’’, Senior
Der Arkansas Transfer bringt eine neue Dimension in das Spiel des ohnehin gefährlichen Mid-Majors. Bereits häufiger konnte Williams mit seinem Scoring Spiele entscheiden. Aktuellstes Beispiel war die Crunchtime gegen UAB vor drei Wochen, als Williams mit einem Mitteldistanzwurf den Gamewinner erzielte. Williams ist als Linkshänder starke auf seine besser geschulte Hand ausgerichtet, schafft es aufgrund seiner unorthodoxen Spielweise doch irgendwie immer mit dem Kopf durch die Wand zu kommen. Neben seinen Leistungen im Angriff ist Williams ein weiterer athletischer Spieler, der gut am Brett beim Rebound mitarbeitet und zusätzlich auch immer wieder mal einen Wurf blocken kann.

NBA & BBL Kandidaten: Reggie Upshaw und Jacorey Williams haben beide die Chance auf eine Profikarriere. Upshaw könnte es vielleicht sogar in die NBA schaffen, da er ein guter Allrounder ist und als Spielmacher auf der Power Forward Position fungieren kann.

Style: Kermit Davis versteht sein Handwerk auf vielen Ebenen. Er hat Programm nicht nur schrittweise aufgebaut und sich von Rückschlägen nicht unterkriegen lassen. Auch als Taktiker gehört er zu den besten seines Fachs und sorgt dafür, dass MTSU höchstansehnlichen Basketball spielt. An beiden Enden des Feldes agieren die Spieler diszipliniert, bekommen aber auch gewisse Freiheiten zugestanden. Lithuanian Transition, Backdoorsets und viel Pick & Roll sind die Hauptbestandteil der Offensive. Die Kombination aus mehreren guten Dreierschützen, potentiellen Ballhandler auf vier Positionen und einer gehörigen Portion Athletik sorgen dafür, dass die Defense nicht alle Aktionen verteidigen kann und irgendwas abgeben muss. Die Blue Raiders sind sehr gut darin, die Fehler der Defense exakt zu lesen und auszukosten. In der Defense wechselt Davis die Verteidigungsformen gerne. Meistens starten die Blue Raiders in ihrer 1-3-1--Halbfeldpresse. Sobald der Ball jedoch unterhalb der Freiwurflinie landet, gehen sie entweder in eine 2-3-Zone oder Matchups über.


Fun/Quick Facts: Zum ersten Mal in der Unigeschichte konnte MTSU die magische Marke von 30 Siegen knacken und dadurch eine ganz andere Atmosphäre erreichen. Die 30 Siege übertreffen den vorherigen Bestwert von 28 Erfolgen aus der Saison 2012/2013. Damals waren übrigens die Brüder Knight Starter. Marcos mischt in dieser Saison erfolgreich die BBL auf. Schon am College war er eine Wucht als bulliger, aber deutlich kleinerer Vierer.

Tournament: Letzte Saison gelang Coach Davis mit einem der größten Upsets der NCAA-Geschichte das Husarenstück, das für das College von unfassbarer Bedeutung war, um nationale Relevanz zu erlangen. Doch viel wichtiger war es, die Euphoriewelle in die aktuelle Saison mitzunehmen und das ist den Blue Raiders absolut gelungen. Im Vergleich zum Vorjahr sind sie sogar besser. Potts und Upshaw treten mit einem ganz anderen Selbstverständnis auf und Williams gibt dem Team eine verlässliche dritte Option im Angriff. Doch nicht nur in der Spitze ist das Team besser aufgestellt. Die Kadertiefe hat sich deutlich verändert. Spieler wie Xavier Habersham oder Freshman Point Guard und Starter Tyrik Dixon verleihen dem ganzen Konstrukt eine annehmbare Tiefe. Nichtsdestotrotz agieren die Blue Raiders weiterhin als Einheit und Starallüren sind überhaupt nicht auszumachen. Dieses Jahr sollte nicht nur der Upset in der ersten Runde drin sein. Sogar das zweite Wochenende ist in greifbarer Nähe, auch wenn Gegner sich diese Saison möglicherweise mehr in Acht nehmen.

Prognose: Elite Eight


Winthrop Eagles


MVP: Keon Johnson, Guard, 5’7’’, Senior
Keon Johnson als kleinen Wirbelwind zu bezeichnen wäre eine Untertreibung. Gerade mal 1,70m misst der Senior und das ist noch wohlwollend ausgelegt. Dennoch hat Johnson in der Regel die Kontrolle über das Geschehen auf dem Parkett. Hilfreich ist ihm dabei sein guter Wurf aus der Distanz, der selbst einige Schritte hinter der Dreierlinie relativ sicher sein Ziel findet. Dank seines hohen Absprung und seiner schnellen Wurfbewegung braucht er trotz geringer Körpergröße auch nicht übermäßig viel Platz. Zieht er dann doch mal aus ins Land der Riesen und nähert sich den Gefilden in der Nähe des Korbes, weiß er geschickt Kontakt zu kreieren und Foul zu ziehen.


X-Faktor: Xavier Cooks, Wing/Big, 6’8’’, Junior
Der Australier hat ein extrem weit gefächertes Skillset, das ihn mit seiner Größe zu einem sehr interessanten Spieler aufsteigen lässt. Cooks hat die Länge und Größe, um unter dem Korb Würfe zu erschweren und Rebounds einzusammeln. Gleichzeitig verfügt er aber auch über ein ordentliches Ballhandling, das ihn dazu bemächtigt, den Ball selber nach vorne zu treiben und Coast-to-Coast Layups zu finishen. Im Halbfeldangriff behält der Junior die Übersicht und kann den Ball verteilen. Entscheidend ist jedoch die Frage, ob der relativ dünne Point Forward die Kraft und Toughness besitzt, seine vorhandenen Skills gegen die Physis und Athletik eines Power Conference Frontcourts auf das Parkett zu bringen.

NBA & BBL Kandidaten: Keiner der Spieler im Kader ist für die NBA geeignet und auch BBL Teams dürften eher kaum Interesse bekunden.

Style: Winthrop spielt sehr ansehnlichen Basketball. Die Eagles mögen schnellen Basketball und sind entsprechend darauf bedacht, das Tempo anzuziehen. Da mehrere Spieler in der Mannschaft den Ball bringen können, überquert das Leder die Mittellinie oft binnen kürzester Zeit nach dem Ballgewinn oder Rebound. Im Halbfeld nutzt Winthrop die gesamte Spielfeldbreite und sorgt für gutes Spacing. Durch die vielen Schützen müssen Hilfe genau abgewogen werden und können jederzeit bestraft werden. Johnson und Cooks ziehen viel Aufmerksamkeit auf sich, was anderen Spielern Freiheiten verschafft und dem ganzen Team hilft.

Fun Facts: Coach Pat Kelsey ist der erste Coach in der Geschichte der Big South Conference, der in seinen ersten fünf Saisons 100 Siege erringen konnte. Der vorherige Rekordhalter war Gregg Marshall, der nun die Wichita State Shockers in eines der besten College Programme der NCAA verwandelt und 99 Siege in seinen ersten fünf Jahren als Coach von Winthrop verbuchen konnte.

Tournament: Winthrop spielt eloquenten Basketball, hat viele gute Schützen im Kader und zwei klare Leader, an denen sich die anderen Spieler hochziehen können. Allerdings sind beide physisch deutlich unterlegen, wenn sie auf die Schwergewichte der NCAA treffen. Johnson kann in der Big South zwar seine geringe Körpergröße ausgleichen, doch mit ebenso schnellen Bewachern und noch größeren Hilfsverteidigern dürften sich Abschlüsse innerhalb der Zone noch schwieriger gestalten. Doch nicht nur offensiv fehlt es an Physis. Gerade das eigene Brett dürfte sehr anfällig sein. Da kann auch Kraftpaket Duby Okeke relativ wenig entgegensetzen, wenn er sich einer Übermacht an gegnerischen Bigs gegenüberstellen muss. Ein Sieg in der ersten Runde wäre bei allem Respekt vor Spielweise, Skills und Einstellung der Eagles doch eine relativ große Überraschung.

Prognose: 1. Runde


Kent State Golden Flashes


MVP: Jimmy Hill, Big, 6’7’’, Senior
Um Jimmy Hill baut sich das ganze Spiel der Golden Flashes auf. Hill wird sehr gezielt im Lowpost gesucht, wo er fast jeden Angriff mindestens ein Mal den Ball berührt. Hill ist ein sehr versierter Offensivspieler, dessen gute Hände und Touch unter allen Fähigkeiten am deutlichsten hervorstechen. Er nutzt bei seinen Abschlüssen oft den Ring als Blockschutz und muss daher nicht mal den Boden verlassen beim Finish. In der Conference gehen viele Teams dazu über, den Senior bei Ballberührungen in der Gefahrenzone direkt zu doppeln. Das kann phasenweise ein probates Mittel sein, auf Dauer ist sein Passspiel jedoch zu gut, um sich davon großartig irritieren zu lassen. Zuletzt ist Hill in bestechender Form. Im MAC Tournament führte er Kent State mit 24,5 Punkten pro Spiel zur Meisterschaft und dem auto-Bid.

X-Faktor: Jaylin Walker, Guard, 6’1’’, Sophomore
Wie wichtig Jaylin Walker sein kann, demonstrierte er im entscheidenden Spiel gegen Rivale und Conference Krösus Akron, als er mit 30 Punkten Topscorer und Hauptgrund für den Tournament Einzug war. Grundsätzlich sorgt er dafür, dass Gegner sich doch genauer überlegen müssen, ob sie tatsächlich Hill unter dem Korb doppeln wollen. Walker ist dank seiner dünnen, drahtigen Statur sehr flink auf den Beinen und hat trotzdem genug Kraft in sich, um bei Drives in die Zone nicht herumgeschubst zu werden. Walker liebt es nach einem Jabstep zur rechten Hand ein hartes Dribbling mit links zu nehmen, einen großen Jumpstop Richtung Korb durchzuführen und dann aus der Mitteldistanz einen Fadeaway zu treffen.

NBA & BBL Kandidaten: Jimmy Hall hat das Zeug zum Profi in Europa. Er bringt die Anlagen mit, sowohl ein genügsamer und effizienter Rollenspieler als auch eine zweite Option im Angriff eines Teams zu sein.

Style: Kent State ist sehr variabel und kann sich dem Stil eines Gegners geschickt anpassen. Grundlegend mag das Team von Rob Senderoff schnellen Basketball, um sich hochprozentige Abschlüsse in der Transition zu sichern. Durch die vielen schnellen Guards und Hill als beweglichem Innenspieler hat Kent State beste Voraussetzungen zum Fastbreak. Im Halbfeld sind die Golden Faces aber durchaus strukturiert. Sie erfüllen die klare Maßgabe, den Ball möglichst oft zu Hill an den Zonenrand zu bringen. Ist Hill nicht erfolgreich, können die Guards versuchen, ihre Schnelligkeit über Penetrations gewinnbringend einzusetzen. Eine weitere sehr ertragreiche Punktequelle sind Putbacks. Neben Hill müssen auch die Guards sorgfältig ausgeboxt werden, sonst bringt die beste Defense nichts und Kent State erarbeitet sich weitere Wurfchancen.

Fun/Quick Facts: Kent State liegt unter allen NCAA Tournament Teilnehmern auf Rang drei in Bezug auf die Offensivrebound Percentage. Nur North Carolina und Baylor pflücken öfter die eigenen Fehlwürfe vom gegnerischen Brett als Kent State. Für die Uni ist es die erste Qualifikation zum Tournament seit 2008. 2002 war Kent State die Cinderella Story des Big Dance. Erst im Elite Eight mussten sie sich Indiana geschlagen geben.

Tournament: Die MAC ist eine sehr interessante Conference, da viele unterschiedliche Stile aufeinander prallen und es zusätzlich auch sehr talentierte Einzelspieler sauber aufgeteilt auf mehrere Teams gibt. Dass Kent State als 6 Seed das Tournament gewinnen konnte, ist somit nicht gänzlich überraschend und muss nicht heißen, dass der Gegner im richtigen Turnier leichtes Spiel im Auftaktmatch hat. Hill wird damit rechnen müssen, dass es zu vermehrtem Doppeln kommt und entsprechend sind gerade die Guards gefragt, ihm unterstützend zur Seite zu stehen. Ein großes Problem ist die schwache Ausbeute von der Dreierlinie. Speziell im Backcourt erzielen viele Spieler nicht die Quoten, die wünschenswert wären. Da hilft es auf Dauer auch nicht, dass ein hoher Anteil der eigenen Fehlwürfe am offensiven Brett zurückerobert wird. Gerade hier wird der Umschwung zur Größe der Favoriten keine einfache Aufgabe sein.

Prognose: 1. Runde


Northern Kentucky Norse


MVP: Drew McDonald, Big, 6’8’’, Sophomore
Obwohl Drew McDonald erst Sophomore ist, spielt er wie ein Senior, den nichts mehr aus der Ruhe bringen kann. Besonders offensiv ist McDonald für sein junges Alter schon sehr variabel unterwegs. Dank seiner Masse und seiner ordentlichen Fußarbeit ist er im Lowpost eine sinnvolle Anspielstation. Er kann mit beiden Händen abschließen und vielfältige Moves zur Verfügung. Zusätzlich beweist McDonald aber auch gerne sein weiches Handgelenk, wenn er seine Dreier einnetzt. Selbst Floater und Pullup gehören zum Repertoire des variablen Bigs.


X-Faktor: LaVone Holland, Guard, 6’2’’, Junior
Der aus Louisville stammende LaVone Holland übernimmt bei den Nordmännern oft den Spielaufbau, ist aber von seinem Naturell her eher ein Combo Guard, der sich auch gerne um das Scoring kümmert. In Kombination mit McDonald ergeben die beiden ein interessantes Duo, das nicht viele Mid-Majors aufweisen können. Holland ist ein überaus filigraner Spieler, der dem Eye-Test standhält. Lange Arme und ein schneller erster Schritt geben ihm die körperlichen Voraussetzungen, um in die Zone zu gelangen und dort zu finishen. Seine Crossover helfen ihm, sich Platz zu verschaffen und seinen Gegner abzuschütteln. Der Stepback ist kaum zu verteidigen. Da Guardplay im Tournament überaus wichtig ist, wird von Hollands Leistung abhängen, ob der Underdog in Upset Reichweite gelangt.

NBA & BBL Kandidaten: Das Team ist sehr jung und wird in dieser Kombination noch länger zusammenspielen, weswegen kein Spieler in näherer Zukunft in der BBL - geschweige denn in der NBA - landen sollte.

Style: Die Norse spielen durchaus ansehnlichen Basketball. Sie haben mehrere potente Scorer im Team, die sich in ihren Spielweise gut ergänzen und entsprechend voneinander profitieren. Besonders für McDonald und Holland werden gezielt Setplays gelaufen, um die beiden in aussichtsreiche Positionen zu verfrachten. McDonald wird per Crossscreen entlang der Baseline im Lowpost gesucht. Meistens kann er sich jedoch zwischen einem Crossscreen und einem Downscreen entscheiden. Letzteren nutzt er für den offenen Dreier. Holland ist ebenfalls gut darin, indirekte Blöcke zu nutzen, weil er hier seine Schnelligkeit ausspielen kann. Das Loop-Play, das die Spurs für Tony Parker gerne laufen, gehört daher zum Playbook von Coach John Brannen.

Fun/Quick Facts: Erst seit 2012 ist Northern Kentucky ein Division I Standort. Diese Saison waren die Norse das erste Mal überhaupt dazu berechtigt, sich für das NCAA Tournament zu qualifizieren. Dass sie die Qualifikation nun tatsächlich im ersten Anlauf bewältigen konnten, hat hohen Seltenheitswert.

Tournament: Die Qualifikation alleine ist schon eine Sensation. Zumal die Horizon League, in der Northern Kentucky nun im zweiten Jahr beheimatet ist, keine schlechte Mid-Major Conference ist. Teams wie Valparaiso, Oakland oder Green Bay wurden im Vorhinein durchaus als potentielle Favoritenkiller betitelt. Northern Kentucky ist insgesamt ein junges Team, was vermutlich das größte Manko in Bezug auf die March Madness darstellen dürfte. Potential zum Upset ist dennoch vorhanden. Die Norse haben viele Scorer, zwei glasklare Optionen 1a und 1b und spielen gut als Kollektiv zusammen. Sollten sie ihre Nerven im Griff haben, könnte sich tatsächlich ein spannendes Erstrundenmatch ergeben.

Prognose: 1. Runde


Texas Southern Tigers


MVP: Zach Lofton, Guard, 6’4’’, Junior
Am ehesten trifft auf den Spieler des Jahres der SWAC die Bezeichnung Allrounder zu. Zach Lofton ist zwar der Topscorer, aber er ist kein reiner Scorer, der seinem Team nur dann hilft, wenn er jeden Wurf bekommt. Selbst wenn er über längere Phasen keine Zähler verbuchen kann, ist er ein stabilisierender Faktor und versucht dann eher seine Mitspieler zu organisieren. Gerade diese Fähigkeit mach ihn für Coach Mike Davis so wertvoll, weil die vermeintlichen Aufbauspieler des Teams allesamt eher auf Scoring bedacht sind und es nicht ihrem Naturell entspricht, andere Mitspieler in Szene zu setzen.

X-Faktor: Marvin Jones, Big, 6’10’’, Senior
Marvin Jones ist der einzige verbliebende Big Man, den die Tigers zur Verfügung haben. Jones ist dafür aber ein wirklich sehr interessanter Spieler. Optisch hat Jones auf jeden Fall eine gute Größe und noch längere Arme. Zusätzlich ist er für diese Ausmaße sehr leichtfüßig und athletisch. All diese Voraussetzungen weiß Jones auch durchaus einzusetzen. Offensiv erarbeitet er sich Putbacks, finisht Lobplays und hat auch durchaus im Lowpost seine Qualitäten. Der Jumphook mit der rechten Hand fällt und sieht sehr sauber aus. In der Defense ist er der Rimprotector und verändert in dieser Rolle viele Würfe des Gegners, was auch bitter notwendig ist, da einige Guards einfach zu klein sind, um in der Defense großartig Gegenwehr bei Drives leisten zu können.


NBA & BBL Kandidaten: Marvin Jones hat das Potential zu einer Profikarriere in Europa. Der Rest des Teams wird noch mindestens ein Jahr am College bleiben.

Style: Coach Davis ist dabei aus Texas Southern ein ordentliches Programm zu formen. Durch seine Zeit als Trainer von UAB und Indiana bringt er Erfahrung auf höchstem Niveau mit und ist in der Lage eine Saison sehr strategisch zu planen. Dazu gehört zum Beispiel auch, dass er einen sehr toughen Non-Conference-Spielplan zusammenstellt, der nur aus Auswärtsspielen besteht, teilweise Topteams der NCAA enthält und vor allem verschiedenste Spielstile präsentiert. Die Tigers sind daher sehr variabel und passen sich dem Gegner an. Am liebsten laufen sie Fastbreaks und spielen die Schnelligkeit ihrer Guards oder die Athletik der größeren Spieler aus. Gegen Mannverteidigung haben die Tigers interessante Setplays, die vor allem das Pick & Roll in den Mittelpunkt rücken. Gegen Zonenverteidigung streuen sie gerne Lobs für die Big Men ein.

Fun/Quick Facts: Texas Southern stand schon im Tournament, ehe das eigene Conference Finale gespielt war, da Gegner Alcorn State nicht teilnahmeberechtigt ist. Derrick Griffin, letztes Jahr noch Conference Spieler des Jahres und mit Abstand wichtigster Akteur des Teams, verließ das Team im Dezember, um sich auf den NFL Draft vorzubereiten. Dafür kam im Dezember gegen Louisville Freshman Demontrae Jefferson in den Kader, der direkt in seinem ersten Spiel 30 Würfe nahm und elf Ballverluste produzierte - auf der Habenseite standen 27 Punkte.

Tournament: Obwohl der Champ der vermutlich schwächsten NCAA Conference von Jahr zu Jahr besser werden und Coach Davis über sein Team sagt, es sei das beste, das er bisher in seinen fünf Jahren in Texas gecoacht habe, war die Saison nicht einfach. Besonders der Abgang von Derrick Griffin, der selbst für Topteams der NCAA nicht zu stoppen war, schmerzte sehr. Die Tigers geben sich aber nicht nur mit der Teilnahme zufrieden, wie viele andere Low-Major Teams. Sie wollen endlich den Upset erzielen. Dafür fehlen in diesem Jahr allerdings etwas die Größe auf den Guardpositionen und das Shooting. Gerade bei einer gegnerischen Zonenverteidigung summieren sich diese Probleme. Die Guards sind nicht in der Lage, gute Drives mit einem entsprechenden Finish zu krönen. Dass zudem nur ein Spieler um die 35 Prozent seiner Dreier trifft, engt die Räume zusätzlich ein.

Prognose: 1. Runde


Gonzaga Bulldogs


MVP: Przemek Karnowski, Big, 7’1’’, Senior
Nicht ist mehr davon zu spüren, dass für Przemek Karnowski vor nicht allzu langer Zeit sogar das Karriereende noch im Raum stand. Die vergangene Saison musste der Pole vorzeitig aufgrund anhaltender Rückenbeschwerden beenden und sich operieren lassen. Mittlerweile bewegt sich der Big Man so filigran über das Feld, wie es eine solch massige Statur nur irgendwie zulassen könnte. Der Sevenfooter ist im Lowpost im Eins-gegen-Eins nicht zu bändigen. Er kann über beide Hände mit einer Vielzahl an Postmoves finishen, hat einen Faceup Jumper, eine exzellente Fußarbeit und ist ein formidabler Passgeber mit beängstigender Übersicht. Dass er zusätzlich defensiv einen massiven Einfluss ausübt, wird leider oft übersehen. Karnowski hält die Zone sauber, ohne als Shotblocker in Erscheinung treten zu müssen.

X-Faktor: Nigel Williams-Goss, Guard, 6’3’’, Junior
Zwar fand der Guard in den allgemeinen NCAA Previews oft Erwähnung, allerdings schien die wahre Stärke des ehemaligen Washington Husky nach seinem Redshirt Jahr in Vergessenheit geraten zu sein. Jedenfalls schienen die dominanten Auftritte der ersten 33 Spiele doch eine Überraschung für die US-Medien darzustellen. Nichtsdestotrotz wird immer noch zu wenig über Williams-Goss' großartige Leistungen gesprochen, was ihn als Symbolbild für die gesamte Mannschaft klassifiziert. Der Psychologie Student ist derjenige, der Spiele in brenzligen Situationen entscheiden kann. Er ist ein ordentlicher Scorer, in Transition unstoppable und nebenbei noch einer der besten Spielgestalter und Vocal Leader.


NBA & BBL Kandidaten: Przemek Karnowski ist für die NBA wahrscheinlich zu langsam und auch nicht der Typ Big, der momentan gefragt ist. In der Euroleague sollte Karnowski jedoch in einigen Jahren vertreten sein. Ganz anders sieht die Situation für Backup Zach Collins aus. Der ist aus NBA Perspektive sehr interessant und verkörpert viele Eigenschaften des modernen NBA Bigs. Ein zweites Jahr mit mehr Spielzeit könnte ihm in ähnlicher Weise helfen wie zuletzt Domantas Sabonis.

Style: Eine ausführliche Analyse gibt es hier.

Fun/Quick Facts: Für Zach Collins ist es nichts ungewöhnliches, der interessanteste Spieler des Teams als Bankspieler zu sein. Bereits zu Highschool Zeiten sah Collins kaum Spielzeit, weil er der Backup von Chase Jeter (Bankdrücker im zweiten Jahr bei Duke) und Stephen Zimmerman (eine solide Saison für UNLV und nun NBA Borderline) war. Mittlerweile dürfte Collins besser als beide sein und hat bei weitem noch nicht das Ende der Fahnenstange erreicht.

Tournament: Der unliebsamen Frage, die sich die Zags für Jahr stellen müssen und auch dieses Jahr wieder der Hauptdiskussionsgegenstand sein wird, ist der Umstand, ob die Zags in den vergangenen Monate und während der gesamten Saison genug hochwertige und prüfende Spiele hatten. Gerade in dieser Saison sollte sich diese Frage jedoch eigentlich erübrigen. Bis Mitte Dezember konnten Florida, Arizona und Iowa State geschlagen werden. Auch wenn diese Teams zu diesem Zeitpunkt sicher weit von ihrer besten Saisonform entfernt waren, müssen auch diese Gegner erstmal auf neutralem Boden besiegt werden. Auch Saint Mary's, einer der besten Mid-Major neben den Zags und Wichita State, wurde insgesamt drei Mal - teils deutlich - geschlagen. Die Zags haben Erfahrung, Tiefe, verteidigen extrem gut und treffen den Dreier. All das sollte dazu führen, dass Mark Few endlich sein erstes Final Four erreicht.

Prognose: Elite Eight


Arizona Wildcats


MVP: Allonzo Trier, Wing, 6’5’’, Sophomore
19 Spiele lang durfte Allonzo Trier nur zuschauen, mit dem Team reisen und auch mittrainieren. Die aktive Teilnahme am Spiel war ihm jedoch seitens der NCAA untersagt. Außerdem verhängte die NCAA einen Maulkorb, der es allen Beteiligten verbot, offen über die Gründe der Sperre zu reden. Das führte zu vielen Mutmaßungen, da Arizona normalerweise Probleme oder Verfehlungen unter Sean Miller sehr offen kommuniziert. Und dann ging plötzlich alles ganz schnell. Nicht mal 24 Stunden vor dem Tipoff gegen UCLA in Westwood erhielt Trier dann doch die Freigabe und das Geheimnis wurde gelüftet. Im Sommer war er in einen Autounfall verwickelt und ein Familienmitglied hatte ihm ein Schmerzmittel verabreicht, das unter die Liste der verbotenen Substanzen fiel. Trier wurde fortan vor jedem Spiel getestet, ob sich das Mittel noch im Körper befand und es dauerte bis Ende Januar, bis die NCAA die Freigabe verteilte. Seitdem spielt Trier sehr stark. Sein Scoring ist effizienter, er reboundet besser und als Passgeber profitiert er von besserer Courtvision.

X-Faktor: Lauri Markkanen, Big, 7’0’’, Freshman
Die Zahlen, die Lauri Markkanen in den ersten zwei bis drei Saisonmonaten auflegte waren absurd gut. Er kratzte phasenweise an Wurfquote im Bereich 50-50-90. Und die schienen bei Betrachtung der Wurfmechanik und des Touches des Sevenfooters tatsächlich die Realität und das Wurfvermögen abzubilden. Doch seit der Oregon Klatsche kriselte es beim Finnen ein wenig. Waren seine Leistungen danach größtenteils noch solide, wollte der Wurf einfach nicht mehr fallen. Erst über vermehrte Touches am Zonenrand und Drives konnte Markkanen wieder etwas sein Rhythmus finden. Im Conference Viertelfinale gegen Colorado erzielte er auch wieder vier Dreier und gegen UCLA im Halbfinale dominierte er das Spiel. Will Arizona das Final Four erreichen, muss Markkanen wieder an seine Shooting Leistungen der ersten Wochen anknüpfen.


NBA & BBL Kandidaten: Lauri Markkanen wird im kommenden Draft auf jeden Fall unter den ersten zehn Picks gezogen. Selbst die Top5 scheint durchaus möglich zu sein. Kadeem Allen wird einen ähnlichen Weg wie T.J. McConnell gehen. Allen ist einer der fünf besten Verteidiger der NCAA und sein Dreier hat sich deutlich stabilisiert. Interessant wird zu beobachten sein, was Allonzo Trier macht. Eigentlich rechneten vergangenen Frühling schon alle Beteiligten mit einer Anmeldung zum Draft.

Style: Eine ausführliche Analyse gibt es hier.

Fun/Quick Facts: Sean Miller hatte mit T.J. Leaf eigentlich schon seinen Power Forward für diese Saison rekrutiert, nahm diesen jedoch nicht zur U19 WM mit, woraufhin Leaf von seiner ursprünglichen Entscheidung Abstand nahm. So war der Platz wieder frei und Miller wurde von seinem Assistant Joe Pasternack auf einen interessanten Finnen aufmerksam gemacht, für den er extra nach Helsinki flog, um sich mit ihm zu treffen.


Tournament: Arizona hat das Talent, um das Final Four zu erreichen. Damit würden sie gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Erstens wäre es das heiß ersehnte erste Final Four für Sean Miller, worauf die Anhängerschaft der Wildcats schon lange wartet. Zweitens würden die Wildcats quasi ein Heimspiel haben, da der Austragungsort in Glendale knapp zwei Autostunden vom Campus entfernt ist. Doch auch ohne diese beiden Nebenschauplätze sollte die Mannschaft gemessen am Talentlevel dieses Ziel anstreben. Allerdings war die Saison insgesamt sehr unruhig. Die lange Sperre von Trier hatte zwar den Vorteil, dass sich die Freshmen Rawle Alkins, Markkanen und Kobi Simmons direkt durch Spielzeit an das Niveau gewöhnen konnten, allerdings geriet die Rotation anschließend ins Wanken. Verletzungen von Parker Jackson-Cartwright, Kadeem Allen und Dusan Ristic erhöhten das Chaos. Die einzigen Konstanten waren daher Alkins, der eine bärenstarke Saison spielt, und Markkanen. Doch die Zeit der Ausreden muss ein Ende haben. Von jetzt an zählen nur noch Siege. Das Final Four ist überaus realistisch. Arizona trat beim PAC12 Tournament überaus dominant auf und spielte so stark wie seit dem Auswärtssieg bei den Bruins nicht mehr. So viel Momentum hatten die Wildcats in dieser Saison noch nie. Das müssen sie jetzt aber nutzen und nicht wie nach dem UCLA Spiel verpuffen lassen.

Prognose: Final Four


Florida State Seminoles


MVP: Dwayne Bacon, Wing, 6’6’’, Sophomore
Angesichts der riesigen Rotation ist es schwierig, einen glasklaren Anführer zu identifizieren, da die Verantwortung auf mehrere Schultern verteilt wird. Dwayne Bacon ist jedoch der konstanteste Scorer. Er scorte in jedem Spiel in dieser Saison zweistellig mit Ausnahme eines Ausrutschers gegen Pittsburgh, wo er sogar punktlos blieb. Dieses verlässliche Scoring ist wichtig für die anderen Spieler der Rotation, die oft Schwierigkeiten haben, selber ihre Offense zu kreieren. Durch Bacon entstehen Freiräume für die Mitspieler, von denen sie profitieren. Bacon ist in der Transition unstoppable, hat seinen Dreier deutlich stabilisiert und lässt bei seinen Drives im Halbfeld viel Kreativität aufblitzen. Lediglich in der Defense muss Bacon noch massiv zulegen.

X-Faktor: Jonathan Isaac, Wing, 6’10’’, Freshman
Bereits auf den ersten Blick weckt Jonathan Isaac wegen seiner Statur und der damit einhergehenden Beweglichkeit ein gewisses Interesse. Dazu gesellen sich ein exzellenter Wurf und clevere Bewegung abseits des Balls. Im Gegensatz zu vielen anderen Freshmen und NBA Prospects braucht Isaac nicht die volle Aufmerksamkeit für sich. Im Gegenteil: Es ist ihm lieber, wenn andere den Ball öfter in ihren Händen haben und er das Spiel auf sich zukommen lassen kann. Bei seiner zurückhaltenden Art wünscht man sich jedoch gelegentlich, dass er etwas forscher den Ball fordern würde. Denn Talent und Potential sind noch massig vorhanden. Nur gelegentlich zeigt er mal entschlossene Drives, die andeuten, wohin der Weg für Isaac noch gehen kann. Im Tournament sollte er nicht nur aus NBA Perspektive mehr Initiative zeigen, sondern gerade dann, wenn Florida State eine schwierige Phase mit viel Chaos durchläuft.

NBA & BBL Kandidaten: Jonathan Isaac und Dwayne Bacon sind die klarsten NBA Kandidaten. Isaac dürfte sich relativ sicher beim Draft anmelden, bei Bacon gilt es hingegen abzuwarten, was ihm die NBA Teams für Feedback geben.

Style: Das kennzeichnende Merkmal der Seminoles ist ihre Kadertiefe, die das Geschehen auf dem Feld maßgeblich beeinflusst. Leonard Hamilton lässt teilweise zwölf Spieler zum Einsatz kommen. Diese Heransgehensweise bedeutet, dass die Seminoles in der Verteidigung extrem viel Druck auf den Gegner ausüben und ihn müde spielen wollen. Angesichts der vielen Athleten und der Länge des Teams geht diese Taktik in vielen Spielen auf. Am Perimeter gibt es viele aggressive Wadenbeißer, die ihre Kontrahenten über das Parkett hetzen und sich nicht darum sorgen müssen, geschlagen zu werden. Denn sollte das passieren, warten in der Zone mit Michael Ojo und Chris Koumadje zwei Hünen, die jeden Wurf blocken oder verändern. Offensiv positionieren sich meist vier Guards entlang der Dreierlinie und der Big Man wird solange in Side Pick & Rolls einbezogen, bis sich Lücken in der Verteidigung ergeben.


Fun/Quick Facts: Michael Ojo hat so große und breite Füße, dass er als Freshman seine Basketballschuhe teilweise im Alltag tragen musste, weil ihm keine anderen Schuhe passten. Erst Spezialanfertigen des Teamausrüsters schufen Abhilfe.

Tournament: Die Frage wird sein, ob die große Rotation nicht dazu führt, dass Spieler ihren Rhythmus verlieren beziehungsweise nie einen guten Rhythmus finden. In vielen Spielen in dieser Saison wirkte vor allem die erste Halbzeit von den Seminoles sehr konfus und orientierungslos. In manchen dieser Begegnungen konnten sie dann aber immerhin den Gegner müde spielen und sich in der zweiten Halbzeit und speziell in den letzten zehn Minuten doch noch den Sieg sichern. Ob das im Tournament machbar ist, kann sehr stark von der Tagesform und der Qualität des Gegners abhängen. Treffen die Seminoles auf Teams, die körperlich deutlich unterlegen sind oder eine kurze Rotation fahren, sollten die Noles sich durchsetzen. Kann der Gegner diese beiden Punkte jedoch match, wird es bereits gefährlich für FSU. Kommen dann noch schlechte Tage von Bacon und/oder Xavier Rathan-Mayes und/oder Jonathan Isaac hinzu, ist selbst ein Upset nicht unmöglich.

Prognose: 1. Runde


West Virginia Mountaineers


MVP: Jevon Carter, Guard, 6’2’’, Junior
Aus diesem Rudel bisswütiger Terrier (im positiven Sinne) einen einzelnen Spieler herauszupicken, ist eigentlich nicht angemessen und würde wohl von Coach Bob Huggins mit einem grimmigen Blick quittiert werden. Andererseits guckt der Hall of Fame Coach selten anders in die Gegend, weshalb dann doch Jevon Carter als wichtigster Spieler des Teams auserkoren werden kann. Er steht sinnbildlich dafür, was West Virginia mit dem Gegner anstellen möchte. Carter verteidigt gerne den besten Spieler des Gegners, ist ein exzellenter Rebounder, kann wichtige Würfe treffen und scheut keinen Kontakt. Am wichtigsten ist jedoch seine Anführerrolle, die er durch sein Auftreten und seine klaren Ansagen unterstreicht.

X-Faktor: Esa Ahmad, Wing, 6'8'', Sophomore
Der Tweener hat vielleicht das größte Potential aller Spieler im Kader. Als Kansas in West Virginia zu Fall gebracht wurde und für einen Moment verwundbar aussah, hatte Ahmad einen wesentlichen Anteil daran. 27 Punkte legte er im direkten Duell mit Kansas' Top3 Pick Josh Jackson auf. Zuletzt plagten ihn jedoch Rückenbeschwerden, die seine ohnehin vorhandenen Schwankungen nochmals verschlimmerten. Ahmad wirkt inmitten der Energizer um sich herum teilweise deplatziert und muss endlich realisieren, wie wichtig er für den Teamerfolg ist.

BBL/NBA Kandidaten: Von den Seniors sind Nathan Adrian und Tarik Philipp diejenigen, die möglicherweise eine Profikarriere anstreben können. Die NBA wird jedoch nicht ihr Domizil werden. Auch BBL Teams werden vermutlich erstmal das Rookie Jahr als Profi abwarten, bevor sie die beiden in Betracht ziehen.

Style: Press Virginia, wie die Mountaineers eigentlich nur noch genannt werden, beschreibt eigentlich schon alles, was man zu Virginias Spielweise wissen muss. Sie wollen besonders defensiv Chaos verbreiten. Dazu haben sie verschiedene Pressvarianten im Petto, die allesamt zu einem gewissen Zeitpunkt in einer Trap münden und dem Gegner das Nervenkostüm platzen lassen. Überall sind noch Hände am Ball oder Fingerspitzen im Passweg oder ganze Arme, die beim Wurfversuch rustikal eingesetzt werden. Offensiv gehen die Studenten aus dem Kohlestaat der USA nicht weniger kompromisslos zu Werke: Sie ziehen zum Korb, gehen ihren Würfen nach und laufen ihre Sets durch. Manchmal überdrehen die Mountaineers allerdings.


Fun/Quick Facts: Bob Huggins konnte im Februar seinen 800. Sieg als NCAA Coach einheimsen. Kein anderes Team forciert so konstant Ballverluste des Gegners. die Turnoverrate des gegnerischen Teams beträgt für West Virginia über 25 Prozent - jeder vierte gegnerische Angriff mündet also in einem Ballverlust.

Tournament Aussichten: Auch in dieser Saison wollen vermutlich die wenigsten Teams auf West Virginia treffen. Der Stil ist unangenehm und lässt sich nur sehr schwer im Training zu Vorbereitung simulieren - gerade wenn West Virginia der zweite Gegner des Wochenendes ist. In der Big12 haben sich die meisten Konkurrenten mittlerweile angewöhnt Fünf-gegen-Sieben zu trainieren, um den Druck und die Hektik einigermaßen nachahmen zu können.

Das letzte Jahr dürfte allerdings gezeigt haben, dass West Virginia durchaus anfällig für ein frühes Aus ist. Es fehlt der klare Go-to-Guy in der Offensive. Zudem sind die Mountaineers auf die Linie und Gunst der Schiedsrichter angewiesen, was nie ein gesundes Kriterium ist. Wie viel Härte lassen die Unparteiischen zu?

Prognose: 1. Runde


Notre Dame Fighting Irish


MVP: Bonzie Colson, Big, 6’5’’, Junior
Wer mit großzügig ausgelegten 6'5'' (1,96m) einer der drei besten Bigs der besten College Conference ist, muss irgendwas Besonderes an sich haben. Tatsächlich ist Colson einer der ungewöhnlichsten und somit interessantesten Spieler, die im Moment in der NCAA auf Korbjagd gehen. Colson passt perfekt in das offensiv geprägte System von Mike Brey. Als vielseitig veranlagter Fünfer kann er seine Freiheit in einer extremen Smallball Lineup hervorragend zur Geltung bringen. Colson wird als Center eingesetzt, hat allerdings die Schnelligkeit und das Ballhandling eines Flügelspielers und die Spannweite eines Innenspielers. Zudem hat er ein angeborenes Timing und Spielverständnis, das ihn im Eins-gegen-Eins zu einem wandelnden Mismatch werden lassen: Für Bigs zu schnell und technisch zu gut und für Flügelspieler zu kräftig und zu lang.

X-Faktor: Matt Farrell, Guard, 6’0’’, Junior
Wenn Coach Brey eine Sache besonders gut kann, dann Spieler aus dem Hut zu zaubern, die innerhalb von wenigen Spielen zu absoluten Leistungsträgern avancieren. Das hat eine gewisse Historie (Garrick Sherman und auch Colson winken an dieser Stelle). Farrell bekam zwar schon gegen Ende der vergangenen Saison deutlich mehr Minuten und wusste sie für sich zu nutzen, doch was der Point Guard diese Saison veranstaltet, ist extrem stark. Auch wenn so mancher Steve Nash Vergleich dann doch eine etwas zu überschwängliche Hyperbel eines gut aufgelegten ESPN Kommentators ist, lassen sich gewisse Parallelen in der Spielweise erkennen. Farrell kann mit seinen Pässen und Drives eine ganze Teamdefense zum Zusammenbruch bringen und hat zudem die Traute für die wichtigen Würfe. Als Leader ist sein Stellenwert gar nicht hoch genug zu bemessen.


BBL/NBA Kandidaten: Senior V.J. Beacham ist als 3-and-D-Kandidat sicherlich jemand für die NBA, allerdings müsste er dafür seine Defense wesentlich verbessern. Momentan reicht es nur für nette Blocks dank seiner Spannweite und seines Timings. Steve Vasturia geht ebenfalls in seine letzten Partien als kämpfender Ire und könnte als Glue Guy und solider Allrounder für europäische Teams interessant sein.

Style:
Wie bereits eingangs erwähnt, praktizieren die Fighting Irish Smallball in seiner teils extremsten Form. Ist Colson der Fünfer, haben die Irish fünf Ballhandler auf dem Feld und selbst als Schütze könnte Colson mit den anderen vier Akteuren um sich herum gleichziehen. Das Ballmovment ist teilweise eine Augenweide und das uneigennützige Passspiel eröffnet viele offene Würfe und leichte Punkte. Defensiv packt Notre Dame leider nicht ganz so beherzt zu, was sie aber nicht davon abhält, zumindest in Schlagdistanz bleiben zu können. Mit einer 2-3-Zone können sie ein sehr unangenehmer Gegner sein. Im Vergleich zum Vorjahr wirken die Irish insgesamt gefestigter an diesem Ende des Feldes.

Fun/Quick Facts: Temple "TJ" Gibbs gehört zu einer erlesenen Sorte Freshmen, was sich dadurch manifestiert, dass er direkt in seiner Premierensaison von Coach Brey das Vertrauen erhält. Normalerweise spüren Freshmen bei ihm eher selten das Parkett unter den Fußsohlen. Das Basketballtalent ist jedoch offenkundig und angesichts des Talents in seiner Familie auch keine Überraschung. Die Brüder Ashton (Pittsburgh) und Sterling (Texas, Seton Hall, UConn) waren ebenfalls ordentlich bis gute NCAA Guards.

Tournament Aussichten:
Zwei Mal waren die Irish in den vergangenen Jahren schon im Elite Eight und auch in diesem Jahr scheint das durchaus in Reichweite zu sein. Offensiv können sie gegen jede Defense der NCAA ihre Punkte zur Anzeigetafel bringen und genügend Erfolgserlebnisse verzeichnen, um eine realistische Siegchancen zu haben. Gerade in den ersten Runden sollte das ausreichend sein, um Underdogs oder Mittelklasseteams zu bezwingen. Anschließend wird es darauf ankommen, wie gut die Irish verteidigen und wie gut sie rebounden. Neben Colson und Farrell sollte auch Beacham mit seinen Dreier und seiner Länge regelmäßig Beiträge zum Teamerfolg leisten.

Prognose: Sweet Sixteen


Maryland Terrapins


MVP: Melo Trimble, Guard, 6’3’’, Junior
Es ist sehr still um Melo Trimble und die Maryland Terrapins geworden. Nach seinem sensationellen Freshman Jahr und der der hochstilisierten Sophomore Saison, in dem das Team eine Menge Talent aufwies, letztlich aber nie wirklich als Einheit auftrat, finden die Terrapins in dieser Saison kaum Beachtung bei den einschlägigen Medien. Doch gerade Trimble konnte sich im Vergleich zur Vorsaison deutlich stabilisieren. Da er nicht mehr so viel Verantwortung alleine schultern muss und der Druck von seinen Schultern als Floor General eines Titelcontenders verschwunden ist, stieg der Punkteschnitt wieder leicht ein. Viel wichtiger ist jedoch, dass er seine Rolle als Anführer und Closer für das junge Team angenommen hat und diese nahezu optimal ausübt.


X-Faktor: Anthony Cowan, Guard, 6’1’’, Freshman
Der neue Backcourt Partner von Melo Trimble ist ein zweiter Point Guard, der tatsächlich mehr dem Prototypen eines Ballverteilers entspricht und Trimble dadurch viele lästige Aufgaben erspart. Cowan dürfte einer der schnellsten Spieler der gesamten NCAA sein und selbst mit dem Ball in der Hand lässt sich der Aufbauspieler nicht verlangsamen. Cowan bringt aber mehr als nur pure Geschwindigkeit mit. Er ist ein exzellenter Passgeber, der in der Transition immer die richtige Entscheidung trifft und auch im Setplay relativ reif wirkt. Das Pick & Roll hat es dem Neuling besonders angetan. Die Blocksteller profitieren einerseits von seinem guten Auge, andererseits weiß Cowan aber auch selber aus solchen Situationen heraus abzuschließen.

NBA & BBL Kandidaten: Damonte Dodd legt zwar keine überragenden Zahlen auf, doch ähnlich wie Kansas' Landen Lucas erledigt er seine Aufgaben pflichtgemäß und ergibt den idealen Rollenspieler. Ob in der NBA oder in Europa wird die Zukunft zeigen. Melo Trimble und Freshman Justin Jackson sollten mit ihrer Draftanmeldung lieber noch warten.

Style: Mark Turgeon versteht sein Fach als Taktiker. Seine Zeichnungen auf dem Board haben immer Hand unf Fuß und werden selbst von einem so jungen Team hervorragend ausgeführt. Besonders nach Auszeiten oder Unterbrechungen lässt sich Turgeon gerne mal einen kleinen Trick einfallen, um seinem Team zwei oder drei einfache Punkte zu ermöglichen. Auch sonst ist das, was Maryland offensiv veranstaltet, durchaus ansehnlich. Das Spacing ist gut, der Ball wird immer zum freien Mitspieler bewegt und auch die Mischung aus Penetrations und Dreiern passt insgesamt. Einzig die Anzahl der Ballverluste ist viel zu hoch und ein Problemfeld, das sich noch als zerstörerisch erweisen kann. In der Defense muss der Gegner immer auf eine 1-3-1-Zone vorbereitet sein, die Turgeon allerdings nur gelegentlich auspackt. Nichtsdestotrotz kann sie einen Run stoppen und Spiele entscheiden.


Fun/Quick Facts: Als Sophomore sieht Ivan Bender koninuierlich Minuten, nachdem er die Freshman Saison auf der Bank verbrachte. Er ist der Bruder von Dragan, der im vergangenen Sommer von den Phoenix Suns gedraftet wurde und dort gerade sein Rookiejahr durchläuft.

Tournament: Die Terrapins sind ein Team, was vermutlich viele fleißige Spieler der diversen Bracket Challenges zur Verzweiflung bringen kann. Auf der einen Seite haben die Terrapins Talent und spielen ansehnlichen Basketball. Die ersten Saisonmonate verliefen überraschend reibungslos und die Rollen haben sich mittlerweile genauestens verteilt. Durch ihre Dreier und die Erfahrung von Trimble auf der Guard Position sind die Terrps grundsätzlich in der Lage, auch mal ein größeres Team zu bezwingen. Allerdings ist auf der anderen Seite ein Erstrundenaus genauso wahrscheinlich. Ingesamt fehlt einfach Erfahrung im Kader. Zudem sind noch die Nachwehen der Verletzung von Michal Cekovsky zu spüren, dessen Länge und Athletik mit Dodds Qualitäten eine gute Vereinigung ergab. In den letzten Saisonwochen ging der Trend tendenziell auch eher nach unten.

Prognose: 2. Runde


Saint Mary's Gaels


MVP: Jock Landale, Big, 6’11’’, Junior
Im Vergleich zum Vorjahr konnte sich der Innenspieler deutlich verbessern und darf mittlerweile gestrost zu den besten Bigs der gesamten NCAA gezählt werden. Er bringt offensiv alle Fertigkeiten eines klassischen Brettcenters mit. Im Lowpost ist Landale im Eins-gegen-Eins eigentlich nicht aufzuhalten. Dafür sind Touch, Fußarbeit und Spielverständnis einfach zu ausgeprägt. Landale hatte eine ganze Palette an hervorragenden Postmoves: Dropsteps, Up-and-Under, Spinmoves zur Baseline, Faceup Jumper, Jump Hooks über beide Schultern. Landale hat zudem aus der Mitteldistanz ein ganz weiches Handgelenk. Oft agiert er für die Gaels zusätzlich auch als Spielmacher aus dem Lowpost. Erhält der Big den Ball am Zonenrand, beginnt eine ganze Armada von Cuts, aus der Landale jedoch häufig genug die richtige Option auswählt.

X-Faktor: Emmett Naar, Guard, 6’1’’, Junior
Die entscheidende Frage, die sich Fans der Gaels vermutlich stellen werden umfasst ihren Aufbauspieler Emmett Naar: Kann der Junior sein solides Spiel auch auf nationaler Ebene gegen bessere und zum Teil deutlich athletischere Gegenspieler so auf das Parkett bringen wie in der WCC. Naar ist ein spielintelligenter Vertreter, der eine gute Mischung aus eigenen Abschlüssen und Pässen zum Korberfolg findet. Seine Wurftechnik sieht zwar unorthodox aus, doch das hält ihn nicht davon ab, über 43 Prozent seiner Dreier zu treffen. Allerdings ist die Wurfbewegung langsam, was gegen die bessere Competition im Tournament zum Problem werden könnte. Fraglich ist zudem, ob Naar überhaupt in die Zone vordringen kann. Einzig das Pick & Roll scheint eine valide Möglichkeit zu sein, um Naar Abschlüsse in Korbnähe zu ermöglichen.

NBA & BBL Kandidaten: Joe Rahon ist der zweite Point Guard und war am Boston College Teamkollege von Patrick Heckmann. Rahon hat das Potential für den europäischen Basketball. Der restliche Kader hat größtenteils noch mindestens ein weiteres Jahr am College vor sich.

Style: Nach Virginia spielt St Mary's den langsamsten Basketball in der gesamten NCAA. Das liegt vor allem daran, dass die Wurfauswahl im Halbfeld exzellent ist und Abschlüsse erst dann erfolgen, wenn wirklich der bestmögliche Wurf in Aussicht steht. Ballverluste sind eine Rarität und die Ballbewegung ist eine Augenweide. Besonders die Geduld aller fünf Spieler beeindruckt und stellt einen massiven Eckpfeiler des Erfolgs dar. Natürlich wird in der Regel Landale im Lowpost gesucht, was immer eine gute Option ist. Auf seine Ballberührungen am Zonenrand folgen viel Bewegung und relativ oft einfache Layups. Gleichzeitig nutzen die Guards viele Pick & Rolls, um die Defense zur Bewegung zu zwingen und den Bigs gute Position zu verschaffen. Defensiv erledigen die Gaels ihre Aufgaben ebenfalls als Team und machen die Zone dicht. Zum Rebound gehen alle fünf Spieler, weswegen die Rebound Percentage von St. Mary's elitär ist.


Fun/Quick Facts: Einst sorgte ein Australier dafür, dass Randy Bennett die Trendwende bei den Gaels gelang. Mittlerweile sind die Australier fester Bestandteil des Kaders. Patty Mills und Matthew Dellavedova gehören zu den Ikonen des Programms. In dieser Saison stellt die Australien Fraktion mit sieben Akteuren so viele wie nie zuvor.

Tournament: Ähnlich wie bei Gonzaga sind die einzigen Zweifel an einem Einzug ins Sweet Sixteen darin zu begründen, dass der Wettbewerb in der WCC einfach nicht sonderlich gut ist. Allerdings konnten die Gaels Siege ind Dayton und Stanford für sich verbuchen. Gerade der Dayton Sieg ist eine starke Leistung, da die Flyers eigentlich unheimlich heimstark sind, auch wenn sie zu diesem Zeitpunkt von Verletzungssorgen geplagt waren. Besonders auf das Guardplay werden die Augen gerichtet sein. Schaffen es Rahon und Naar in gewohnter Manier in die Zone, wäre das schon die halbe Miete für das Team von Coach Bennett. Denn so gut und dominant Landale am Zonenrand auch agiert: er braucht Unterstützung von seinen Mitspielern. Zusätzlich wäre es nicht ungünstig, wenn von den Forwards Entlastung in Form von erfolgreichen Dreiern käme. Das zweite Wochenende können die Gaels sicher erreichen, ein frühes Ausscheiden ist jedoch ebenfalls möglich.

Prognose: 1. Runde


Northwestern Wildcats


MVP: Bryant McIntosh, Guard, 6’3’’, Junior
Bryant McIntosh ist der verlängerte Arm von seinem Coach auf dem Spielfeld. Seine Aktionen sind zwar bisweilen noch etwas wild und improvisiert, doch der Erfolg gibt ihm recht. Gerade bei herunterlaufender Shotclock findet McIntosh immer irgendwie eine Möglichkeit, den Ball im Korb zu versenken. Am liebsten operiert der Guard im Pick & Roll. Seine bevorzugten Abschlüsse kommen aus der Mitteldistanz, wo er einen sehr weichen Floater durch das Netz schleusen kann oder einfach per Pullup zwei Punkte sammelt. Von der Dreierlinie ist die Streuung hingegen noch sehr groß. Hier scheint sich McIntosh sichtlich nicht wohl zu fühlen, was auch daran liegt, dass viele seiner Notwürfe Dreier sind, die dadurch entstehen, dass er nicht an seinem Gegenspieler vorbeikommt und stattdessen einen gut verteidigten Dreier nehmen muss.

X-Faktor: Scottie Lindsey, Wing, 6’5’’, Junior
Scottie Lindsey verpasste einige Partien verletzungsbedingt, was sich sofort im Spiel der Wildcats niederschlug. Lindsey ist der beste Scorer des Teams. Ohne seinen Output in der Offensive wirkten viele Angriffe mechanisch. Lindsey kann für Überraschungsmomente sorgen und sehr viel Aufmerksamkeit der Defense auf sich ziehen, was den Shooting Bigs viel Platz und Raum für ihre Dreier ermöglicht. Auch wenn Lindesy primär ein Slasher ist, der seine Athletik und seine Physis in der Zone ausspielt, kann er durchaus mal von der Dreierlinie für Furore sorgen. Gemeinsam mit McIntosh bildet er einen Großteil der offensiven Feuerkraft.

NBA & BBL Kandidaten: Von den beiden Seniors wird wohl keiner in Europa landen. Langfristig sind die Namen Bryant McIntosh, Scottie Lindsey und Vic Law sicher die vielversprechendsten für NBA und europäische Fans.

Style: Nicht wenige behaupten, dass Chris Collins den Weg seines Vaters einschlagen und bald als NBA Trainer an der Seitenlinie stehen könnte. Der Rebuild, den die Wildcats unter Collins durchliefen, ist beeindruckend. Doch nicht nur als Manager bei der Teamzusammenstellung und als Talententwickler konnte sich Collins einen Namen machen. Gerade sein Coaching in Spielen ist äußerst vielversprechend. Die Sets der Wildcats beinhalten eine Menge cleverer Kniffe, die es den Gegnern schwer machen, sich gezielt auf bestimmte Sets einzustellen. Der Ball wird gut und viel bewegt, auch wenn natürlich McIntosh und Lindsey am auffäligsten sind und eher mal das Eins-gegen-Eins suchen.


Fun/Quick Facts: Northwestern nimmt in diesem Jahr zum ersten Mal in der Unigeschichte am NCAA Tournament teil. Diese Entwicklung kann ein wenig als die Geschichte der Saison betrachtet werden. Die Wildcats standen quasi von Saisonbeginn unter Beobachtung, weil es absehbar zu sein schien, dass die Durststrecke endlich ein Ende haben würde. Dass gerade unter den Medienvertretern viele Absolventen der Journalismus Schule der Northwestern University sind, sorgte dafür, dass die Storyline immer in irgendeiner Form präsent war.

Tournament: Das große Ziel schlechthin haben die Spieler nun erreicht und dabei Historie geschrieben. Doch dieses junge Team ist bei weitem noch nicht am Ende der Entwicklung und hat gerade erst Blut geleckt. Sicherlich wird die Erfahrung alleine schon viel wert sein, doch damit dürften sich Collins und seine Spieler noch nicht zufrieden geben. Das Team hat viele Komponenten, die es zu einem reizvollen Pick in den ersten Partien machen können. Das Guard Duo ist eingespielt, der erfahrenste Mannschaftsteil und kann mehr oder minder im Alleingang Spiele entscheiden. Unter dem Korb haben die Wildcats eine Menge Optionen und scheinen kaum angreifbar zu sein. Die Bigs verteidigen solide, können entweder Durchstecker am Korb verwerten oder sogar bis zur Dreierlinie hinaustreten und so das Spacing verbessern. Fallen ein paar Würfe und kontrollieren die Wildcats ihre Nerven gerade in der Verteidigung, sollte sogar bei der ersten Teilnahme direkt der erste Sieg herausspringen.

Prognose: 2. Runde


Vanderbilt Commodores


MVP: Luke Kornet, Big, 7’0’’, Senior
Luke Kornet ist für Vandy an beiden Enden des Courts ein Gamechanger. Offensiv hat sich seine Rolle unter dem neuen Trainer Bryce Scott nochmals verändert. Er übernimmt mehr Verantwortung und wird gezielter eingesetzt. Da Scott mit Alec Peters bei Valparaiso einen sehr ähnlichen Spielertypen trainierte, passen die Special Plays für Kornet tatsächlich sehr gut zu dessen Fähigkeiten. Kornet trifft den Dreier, auch wenn seine Quote in diesem Jahr nicht ganz so überragend ist. Gegenüber dem Vrojahr konnte er sie verbessern. Zugleich setzt er den Ball öfter selber auf den Boden und attackiert den Korb. Am Zonenrand hat Kornet einige nette Lowpostmoves auf dem Kasten. In der Defense bestimmt Kornet das Geschehen in Korbnähe durch seine Länge und sein gutes Timing beim Shotblocking.

X-Faktor: Riley LaChance, Guard, 6’2’’, Junior
Nach dem Abgang von Wade Baldwin Richtung NBA musste Riley LaChance die Umschulung zum Point Guard durchlaufen. Tatsächlich gehört der Junior mittlerweile zu den besseren Aufbauspielern in der SEC und schafft es ganz gut, die ordnende Hand zu spielen. Zudem konnte LaChance trotz dieser neuen Herausforderung seine Effizienz von der Dreierlinie nochmals auf ein Level hieven, das angesichts der Bilderbuchtechnik keine Überraschung ist, aber dennoch verwundert die Augenbrauen hochfahren lässt. Fast 50 Prozent seiner Dreier finden ihr Ziel und immerhin trifft der Guard pro Begegnung zwei Würfe jenseits der Dreipunktelinie. Kann er diese Balance zwischen Spielaufbau und Shooting aufrecht erhalten, wäre das im Tournament Gold wert.

NBA & BBL Kandidaten: Luke Kornet hat realistische NBA Chancen. Es gibt nicht wenige Schützen seiner Güteklasse, die gleichzeitig über seine Größe verfügen und den Korb ähnlich gut schützen können.

Style: Man merkt dem Spiel der Commodores an, dass diese Saison ein Übergangsjahr darstellt. Gerade offensiv ist zwar eine Veränderung zu den Vorjahren unter Kevin Stallings zu spüren, doch Coach Scott würde sicher gerne doch etwas andere Sets laufen. Momentan umfasst das Paket viele Standard Plays, die einfach und schnell zu erlernen sind und insgesamt alle Eigenschaften und Talente bedienen. Vom klassischen Hornsset über Diamondsets bis hin zu Shuffle Cut Plays. Einerseits reicht das oft aus, da die Skills der Commodores sich sowieso meistens, um gutes Shooting verteilt sind. Die genannten Plays schaffen genug Bewegung, um die Defense durch Penetrations oder Postups zur Rotation zu zwingen, was offene Würfe ermöglicht.

Fun/Quick Facts: Vanderbilt stellt bereits einen Tournament Rekord auf, ehe die Commodores auch nur eine Minute gespielt haben. Noch nie zuvor bekam ein Team ein at-large Bid, das so viele Niederlagen gesammelt hat wie Vanderbilt diese Saison (15 Niederlagen).

Tournament: Der starke Spielplan hat das Team nicht nur zur Teilnahme an diesem Turnier geführt, sondern auch dafür gesorgt, dass das Team sich schnell mit dem neuen Trainer und den neuverteilten Rollen arrangieren musste. Angesichts der vergangenen eineinhalb Monate sollte das gut funktioniert haben. Teams wie Iowa State, Arkansas und Florida (drei Mal) konnten geschlagen werden, wodurch der Tournament Run gepolstert wurde. Diese Siege dürften Selbstvertrauen gegeben haben und zeigen, dass Vandy durchaus auch einen Sieg am ersten Wochenende einfahren könnte. Dafür müssen die Dreier ihr Ziel finden. Außerdem wird die Defense entscheidend sein. Solange der Gegner nicht gute Guards in den eigenen Reihen hat, die nach Belieben in die Zone vorstoßen können, und gleichzeitig keine konstanten Bigs im Kader hat, sollten Anhänger der Commodores einigermaßen beruhigt sein.

Prognose: 1. Runde


VCU Rams


MVP: Mo Alie-Cox, Big, 6’6’’, Senior
Vermutlich wird Mo Alie-Cox nach dieser Saison die Basketballschuhe an den Nagel hängen und es mit der NFL probieren. Jedenfalls sind bei den Spielen der Rams immer mehr NFL als NBA Scouts vertreten. Das ist auch kein Wunder, denn Alie-Cox ist mit seiner Statur und Athletik für beide Sportarten ausgestattet. Aus Basketball Sicht ist er vielleicht ein wenig zu klein, das gleich er jedoch mit seinen Muskelbergen, seiner Energie und seinen schier endlos langen Armen aus. An beiden Enden des Feldes drückt der Big Man seinen Stempel auf die Partie. Offensiv stellt er markante Screens, die den Guards einen Vorteil verschaffen und defensiv blockt er alles weg, was in seine Reichweite kommt, womit er eigentlich die ganze Zone dominiert.

X-Faktor: JeQuan Lewis, Guard, 6’1’’, Senior
Je'Quan Lewis dürfte zu den schnellsten Spielern der NCAA gehören und selbst der Ball in seinen Händen schafft es nicht, das wahnwitzige Tempo zu drosseln. Lewis hat über die Jahre gelernt, seinen Speed geschickt einzusetzen, weswegen er mittlerweile auch im Halbfeld ein guter Offensivspieler ist. Entweder schlägt er seinen Gegenspieler direkt mit dem ersten Schritt oder nutzt Ballscreen sehr effektiv. In beiden Fällen zwingt er die Teamdefense zu Rotation und initiiert so gutes Ballmovement. Da auch der Dreier sehr solide fällt, gibt es eigentlich wenig, was der Guard offensiv nicht beherrscht. Einzig seine Anfälligkeit für Ballverluste ist ein Gefahrenbereich.


NBA & BBL Kandidaten: Alie-Cox wird wie angesprochen vermutlich eher in der NFL landen. JeQuan Lewis wird sein Glück in der Summer League versuchen, ist aber durchaus ein Kandidat für Europa. Ähnliches gilt für Doug Brooks, Jordan Burgess und Ahmed Hamdy, die jedoch allesamt erstmal eine Station mit viel Einsatzzeit anpeilen sollten.

Style: Zwar sind es nicht mehr die Rams, die unter Shaka Smart die Presse und Training bei den Navy Seals salonfähig gemacht haben, doch auch unter Will Wade spielt VCU sehr schnellen und aggressiven Basketball. Allerdings streut Wade auch durchaus mal einen 2-3-Zone und eher Zonenpressen ein. Offensiv zelebrieren die Rams häufig wunderbar anzusehenden Teambasketball mit viel Ballbewegung und gut herausgespielten Würfen. Grundstein ist oft die Penetration der Guards oder ein gut ausgeführtes Pick & Roll. Durch solche Mittel wird die Defense zu Rotationen gezwungen und schwindelig gespielt.

Fun/Quick Facts:  Seit dem Final Four Run in 2011 konnten sich die Rams jedes Jahr wieder für das NCAA Tournament qualifizieren, allerdings folgten auch nur noch drei Siege im Tournament. Um langfristigen Erfolg sicherzustellen, bekam Will Wade, der während des Final Four Runs Assistant Coach war, nach seinem ersten Jahr direkt eine acht Jahre währende Vertragsverlängerung bis 2024 und die Rams eine neue Trainingsanlage.

Tournament: Die Rams sind sehr erfahren und haben viele Seniors und einige Juniors im Kader. Im zweiten Jahr unter Wade waren deutliche Fortschritte zu erkennen und gerade offensiv werden die Rams einfach noch zu häufig unterschätzt. Mit ihrer Energie und Physis sind sie in der Lage, jedes Team der NCAA zu matchen. Ein Sieg in der ersten Runde sollte daher auf jeden Fall in Reichweite sein. Um das zweite Wochenende zu erreichen, kommt viel auf die Matchups an. VCU hat Probleme mit größeren Teams, die ganz gut werfen können. So wird eine Zonenverteidigung sabotiert und Vorteile am Brett nivellieren sich. Außerdem hängt von der Turnoverzahl der Guards und der Dreierquote der Wings ab, wie weit sie im Tournament kommen können. 

Prognose: 2. Runde


Xavier Musketeers


MVP: Trevon Bluiett, Wing, 6’6’’, Junior
Die Entwicklungssprünge von Trevon Bluiett während der Saison sind bemerkenswert. Anfangs noch als zweite oder dritte Option eingeplant, musste der als Stretch Vierer eingesetzte Bluiett nach dem Verlust mehrerer wichtiger Spieler lernen, wie er als erste Option funktionieren kann. Weiterhin dreht sich viel um seinen exzellenten Wurf, der Verteidiger dazu zwingt nur wenige Milimeter Abstand halten zu können. Doch selbst wenn die Verteidigung sich so hautnah an den Junior herangesellt, ist das keine Garantie, um Dreier zu verhindern. In dieser Saison musste beispielsweise Cincy die leidvolle Erfahrung machen und 40 Punkte (bei 12/15 aus dem Feld) hinnehmen. Gegen Butler konnte er einen sehr wichtigen Wurf aus der Isolation heraus versenken, der den Musketeers vermutlich die Saison gerettet hat.

X-Faktor: J.P. Macura, Wing, 6’5’’, Junior
J.P. Macura ist der zweite verbliebende Scorer der X-Men. Macura schwang sich vom sechsten Mann in der letzten Saison zur derzeitig zweiten Option auf. Im Gegensatz zu Bluiett ist Macura nicht ganz so sehr auf den Wurf festgelegt und kann auch mal um einen Screen herumcurlen und zum Korb ziehen. Grundsätzlich ist er derjenige, der die Verbindung zwischen den athletischen Spielern  und den Scorern des Kaders darstellt. Macura kann ein wenig das Playmaking übernehmen, ein Pick & Roll laufen oder zum Korb ziehen. Dadurch verschafft er seinen Mitspielern Freiräume, die diese für ihre Würfe oder führ ihre eigenen Drives brauchen.

NBA & BBL Kandidaten: RaShid Gaston könnte in Euopa unterkommen, wird jedoch erst auf niedrigerem Niveau anfangen.

Style: Ohne Edmond Sumner, Myles Davis und Jalen Reynolds sind die X-Men noch stärker darauf angewiesen, dass sie aus ihren Setplays scoren und nicht auf das Talent einzelner Spieler angewiesen sind. Coach Chris Mack arbeitet gerne mit indirekten Screens, um entweder seine beiden Schützen zu befreien oder ihnen Closeouts zu geben, die sie attackieren können. Macura und Bluiett machen ihre Sache gut, dennoch haben die X-Men deutlich Probleme über 70 Punkte zu erzielen und selbst 60 können schon eine Hürde darstellen. Umso wichtiger ist die Intensität in der Verteidigung. Die 1-3-1-Zone hat sich in dieser Hinsicht als hilfreich erwiesen, da sie die Länge des Teams betont und sich Möglichkeiten ergeben, Bluiett insbesondere zu verstecken.


Fun/Quick Facts:  Seit 2001 verpassten die Musketeers das Tournament nur zwei Mal. Demgegenüber stehen vier Einzüge ins Sweet Sixteen und zwei zusätzliche Elite Eight Teilnahmen. Zehn verschiedene Starting Lineups musste Chris Mack dieses Jahr schon ausprobieren.
Tournament: Seit Sumners Kreuzbandriss ist bei den X-Men einfach der Wurm drin. Es fehlt jemand, der eine Defense auseinander wirbeln kann und für etwas Kreativität und Unerwartetes sorgt. Fünf Mal konnten die Musketeers ohne Sumner gewinnen. Drei Mal hieß der Gegner DePaul, was seit Jahren das mit Abstand schlechteste Team der Conference und sogar unter allen Major Conference Mannschaften ist. Insofern ist der Sieg gegen Butler als absolutes Lebenszeichen zu verstehen. Für Xavier geht es de facto im Tournament auch nur darum, irgendwie im Spiel zu bleiben und am Ende darauf zu hoffen, dass Bluiett oder Macura eine zündende Idee haben. Geht Butler hat es tatsächlich geklappt.

Prognose: 1. Runde


Princeton Tigers


MVP: Spencer Weisz, Wing, 6’4’’, Senior
Guckt man sich Spiele von Princeton an, bekommt man nach einer Weile das Gefühl, dass Spencer Weisz an jeder guten Aktion seiner Unimannschaft beteiligt ist. Selbst Kleinigkeiten springen bei Weisz ins Auge. Er kämpft mit den Bigs um Rebounds, hechtet nach Loseballs und trifft grundsätzlich viele richtige Entscheidungen. Wenn Princeton sich auf die Leistungen eines Spielers verlassen kann, ist das sicherlich der Senior. Weiscz ist ein Arbeiter auf dem Feld, der vielleicht nicht das größte Talente oder den filigransten Bewegungsapparat hat, dennoch effektiv auf dem Feld handelt und alle Hebel in Bewegung setzt, um das Spiel in die richtige Richtung zu lenken.

X-Faktor: Steven Cook, Wing, 6’5’’, Senior
Anders als Weisz besitzt Steven Cook eine Athletik, die man ihm auf den ersten Blick überhaupt nicht zutrauen würde. Im ersten Moment wirkt Cook wieder der prototypische Princeton Spieler, der viel Zeit an der Dreierlinie verbringt und dort darauf wartet, dass seine Mitspieler ihn finden. Cook ist in Wirklichkeit der Spieler, der in engen Spielen den Unterschied mit seinen vielen Punkten ausmachen kann. Gegen Havard brannte Cook beispielsweise erst vor wenigen Wochen ein wahres Feuerwerk ab und stellte mit 30 Punkten einen neuen persönlichen Karrierebestwert auf. Besonders beeindruckend war dabei die Effizienz in Cooks Aktionen. Kein Abschluss war überhastet, weswegen er auch 13/16 aus dem Feld warf.

NBA & BBL Kandidaten: Sollten sich Spieler zur Profikarriere als Basketballer entscheiden, wären Spencer Weisz und Steven Cook Kandidaten für europäische Clubs.

Style: Auch wenn die vergangenen Jahre gezeigt haben sollten, dass die Ivy League sich deutlich verbessert hat in Bezug auf das spielerische Niveau und athletische Level, muss das immer wieder extra betont werden. Die Tigers hatten beispielsweise geplant, schnellen Fastbreak Basketball aufgrund der vielen Athleten auf dem Flügel zu spielen. Verletzungen zwangen Coach Mitch Henderson zum Umdenken. Princeton läuft im Halbfeld eine modifizierte Princeton Offense, die zwar immer noch angepasst an das Original viele Backdoorcuts und gutes Spacing beinhaltet, dem Dreier und weiteren indirekten Blöcken aber mehr Beachtung schenkt. Besonders die Distanzwürfe machen einen Großteil der Angriffsbemühungen aus. Nur zwei Tournament Teams haben einen höheren Anteil ihrer Abschlüsse in Form von Dreiern als Princeton.


Fun/Quick Facts: In dieser Saison wurde erstmals in der Ivy League ein Tournament im Anschluss an die Regular Season durchgfeührt. Princeton konnte hier als 1 Seed seine Favoritenrollen verteidigen und die Meisterschaft der regulären Saison durch Siege über Pennyslvania und Yale bestätigen und sich somit das NCAA Tournament Ticket sichern.

Tournament: Princeton ist ein toughes Matchup. Seit 19 Spielen sind die Tigers ungeschlagen, obwohl sie mitten in der Saison ihre Spielweise abändern und die Rotation drastisch umstrukturieren mussten, nachdem Hans Brase und Henry Caruso sicher verletzten und für den Rest der Saison ausfallen. Beide waren potentielle oder fest eingeplante Starter, die den Tigers gerade offensiv nochmal eine ganz andere Dimension gegeben hätten. In den vergangenen Wochen wurde Princeton mit jedem Spiel und jedem Sieg nicht selbstbewusster, sondern konnte auch noch spielerisch enorme Fortschritte verzeichnen. Princeton ist heißer Kandidat dafür, den Upset Streak der Ivy League in Ehren zu halten. Besonders wenn die Dreier fallen, muss jeder Gegner sich warm anziehen.

Prognose: 1. Runde


Bucknell Bison


MVP: Zach Thomas, Big, 6’7’’, Junior
Zach Thomas ist nicht nur der Topscorer des Teams, sondern gleich in mehrfacher Hinsicht ein Schlüsselspieler. Grundsätzlich ist der Allrounder vor allen Dingen am Perimeter beheimatet, wo er seine Vielseitigkeit besser entfalten kann. Thomas hat hohe Spielintelligenz, die er dazu nutzt, clevere Pässe zu spielen oder Fehler der Defense durch eigene Drives zu bestrafen. Zwar ist er nicht der schnellste Spieler auf dem Feld, doch er lässt sich nicht aus der Ruhe bringen und nutzt Fakes, um sich einen Weg zu bahnen. Mimt er nicht den Point Forward, kann es durchaus passieren, dass er die Rolle im Lowpost übernimmt, wo er seine Intelligenz durch gute Positionierung und geschickten Einsatz von Passwinkeln ausdrückt.

X-Faktor: Nana Foulland, Big, 6'9’’, Junior
Das Spiel verändert sich an beiden Enden des Feldes, wenn Nana Foulland das Parkett verlässt und für eine kurze Atempause auf der Bank Platz nimmt. Offensiv wird der Big Man sehr gezielt gesucht. Sobald diese Option am Brett fehlt und die Guards nicht mehr so geduldig darauf warten, bis der Big Man einen guten Winkel zum Anspiel kreiert hat, läuft der Ball schneller entlang der Dreierlinie und das Tempo der Cuts nimmt ebenfalls zu. Bekommt Foulland den Ball überzeugt er mit einem sehr schnellen Jumphook über die linke Schulter. Foulland ist ein Leuchtturm und Rimprotector unter dem eigenen Korb, der die Angreifer ins Zweifeln bringt, ob ein Drive lohnenswert ist. Ebenso deutlich ist ein Unterschied in der Verteidigung ersichtlich, wenn der Big Man nicht auf dem Feld steht.

NBA & BBL Kandidaten: Da keiner der Seniors eine nennenswerte Rolle innehat, wird in näherer Zukunft kein Spieler des Kaders in Europa landen.

Style: Die Bison spielen einen sehr klassischen Basketball in perfektionierter Form. Vier Spieler sind entlang der Dreierlinie postiert, während ein Big Man am Zonenrand gute Position bezieht. Das Spielgerät wandert solange um die Dreierlinie, bis der Big, der sich von Seite zu Seite mitbewegt, falls es notwendig wird, angespielt werden kann. Die erste Option des Angriffs ist der Abschluss des Bigs, die zweite der Kickout zum freien Schütze. Letztere Möglichkeit bietet sich gerade beim Doppeln an. Die Spieler am Perimeter cutten viel hin und her, stellen sich gegenseitig Blöcke und halten damit die Defense auf Trab. Diese Spielweise ist nicht sehr verbreitet und wird selten mit der Zielstrebigkeit und Disziplin durchgeführt, die das Team von Nathan Davis an den Tag legt.

Fun/Quick Facts: Bereits in seinem zweiten Jahr konnte Nathan Davis die Bucknell Bison ins NCAA Tournament führen. Damit ist er der erste Coach in der Unigeschichte, dem das so frühzeitig gelingt. Sein Vorgänger Dave Paulsen brauchte eine Saison mehr.

Tournament: Bucknell wird im Tournament ein sehr unangenehmer Gegner sein, weil es nicht unbedingt einfach ist, sich auf diesen Spielstil einzustellen. Zudem hat das Team eine Menge Erfahrung, auch wenn die meisten Spieler erst Juniors oder Sophomores sind. Besonders die Niederlage auf heimischem Boden gegen Holy Cross im Conference Finale des vergangenen Jahres war eine lehrreiche Erfahrung. Aber auch der Spielplan in dieser Saison bot Möglichkeiten zur Herausforderungen. Unter anderem konnte Vanderbilt geschlagen werden und auch Auftritte gegen Butler und Wake Forest waren dabei. Solange die Bison ihren Stiefel durchdrücken können und das Tempo nach ihrem Geschmack gestaltet wird, können sie das Auftaktmatch knapp gestalten. Ein Upset ist je nach Gegner nicht unmöglich.

Prognose: 2. Runde


Florida Gulf Coast Eagles


MVP: Brandon Goodwin, Guard, 6'0'', Junior
Brandon Goowdin eroberte direkt in seinem ersten Jahr unter Jack Dooley die Kommandobrücke. Zugegebenermaßen ist es sein zweites Jahr, wenn man das Redshirt Jahr nach seinem Transfer von der UCF hinzuzählen möchte. Nichtdestotrotz sind Goodwins Leistungen beachtlich und verlangen eine entsprechende Würdigung. Es sind jedoch nicht die reinen statistischen Werte, die den Topscorer für sein Team so wertvoll machen. Mit ihm haben die Eagles nun einen gelernten Aufbauspieler auf dem Feld, der Anweisungen erteilt, die Übersicht behält und selber Verantwortung übernimmt. Von seinen Pässen profitieren vor allem die Bigs. Zudem erlaubt seine Anwesenheit Zach Johnson, der letzte Saison als Freshman den Point Guard mimen musste, obwohl er maximal ein Combo Guard ist, auf seine angestimmte Position abseits des Balls zurückzukehren.


X-Faktor: Marc-Eddy Norelia, Big, 6’8’’, Senior
In der vergangenen Saison war Marc-Eddy Norelia noch der Topscorer und wichtigste Spieler des Teams, doch sein Senior Jahr verlief mehr als holprig. Aus persönlichen Gründen und verletzungsbedingt verpasste er mitten in der Saison viele Spiele und war teilweise sogar nicht mal am Trainingsbetrieb beteiligt. Doch mittlerweile läuft der Motor wieder rund und der Big Man lief in den vergangenen Wochen pünktlich zum wichtigsten Zeitpunkt zur Höchstform auf. Mit einem fitten, integrierten Norelia sind die Eagles nochmals ein Stück gefährlicher.

BBL/NBA Kandidaten:
Man darf gespannt sein, ob die beiden athletischen Bigs Norelia und Demetris Morant als einzige Seniors tatsächlich die Chance erhalten, Profiverträge zu unterschreiben. Für die NBA wird es wohl nicht reichen, in Europa ist das jedoch nicht ausgeschlossen.

Style: Dunk City is back. Naja zumindest in einer reinkarnierten Form. Ähnlich wie 2013, als die Eagles sensationell ins Sweet Sixteen vorstoßen, prüfen sie auch 2016/17 gerne mal die Korbanlagen auf Stabilität und Standhaftigkeit. In der neuen Version sind vor allem die Bigs als rustikale Ringtester unterwegs. Norelia und Morant kommen ganz schnell aus den Stiefeln und brauchen nur Milisekunden, um in einem Schlag den Ball in der Zone unter Bedrängnis zu fangen und per krachendem Dunk zu verarbeiten. Alley-Oops gehören zum Playbook dazu und sind eine sehr effiziente Waffe für die Eagles. Im Halbfeld spielen sie guten Basketball und bewegen das Spielgerät. Die Kombination aus Schützen, Scorern, Inside-Game und Slashern wird durch gutes Passspiel gefördert und ergibt eine explosive Mischung. Defensiv reichen oft die Länge und Athletik, um den Gegner Angst einzuflößen.


Fun/Quick Facts: Bereits jetzt haben die Eagles schon mehr Dunks in dieser Saison auf dem Konto als das 2012/13 Team. Norelia und Morant haben daran gehörigen Anteil. Neben ihrer explosiven Athletik sticht vor allem das fortgeschrittene Alter der beiden ins Auge. Morant wird im August 25 Jahre alt und Norelia feierte bereits seinen 24. Geburtstag. Damit sind sie für College Basketball Verhältnisse in einem Methusalem-Alter (beide sind älter als Anthony Davis).

Tournament Aussichten:
Auch wenn man immer ein wenig vorsichtig sein muss, wie gut eine solch spektakuläre Spielweise auf den Wettstreit mit körperlich mindestens ebenbürtigen Power Conference Vertretern übertragbar ist, sollten die Eagles einer der heißesten Upset-Kandidaten sein. Das Team ist der Mannschaft von 2013 in gewisser Hinsicht nicht unähnlich, auch wenn sich die Spielweisen und Teamstrukturen dann doch stark unterscheiden. Je nach Gegner und Spielweise des Kontrahenten erwartet die Zuschauer nicht nur eine mitreißende Partie in der ersten Runde, sondern auch ein spannungsgeladenes Match, das für den Favoriten im Debakel enden könnte.

Prognose: Sweet Sixteen


North Dakota Fighting Hawks


MVP: Quinton Hooker, Guard, 6’0’’, Senior
Der Aufbauspieler der Fighting Hawks ist zugleich auch der Topscorer dieser gut geölten Offensivmaschinerie. Hooker ist weder größte noch der schnellste Spieler auf dem Feld, doch sein guter Wurf und seine bullige Statur helfen ihm dabei, die Defense ordentlich zu beschäftigen. 44 Prozent schießt der Scoring Guard jenseits der Dreierlinie und trifft pro Spiel zweieinhalb seiner Versuche. Da er so gefährlich aus der Distanz ist, müssen seine Verteidiger möglichst dicht an ihm dranbleiben, weswegen er trotz limitierter Athletik seine Gegenspieler schlagen und den Weg in die Zone finden kann. Er weiß sehr genau, wie er sich seinen Bewacher zurechtlegen muss, um an ihm vorbei zu ziehen. Er arbeitet mit Körpertäuschungen und Tempowechseln. In der Zone ist er trotz geringer Größe ein ordentlicher Finisher.

X-Faktor: Geno Crandall, Guard, 6’2’’, Sophomore
Geno Crandall ist der Allrounder des Teams und erledigt viele Dinge zusätzlich zum Scoring, das immer noch für Platz zwei auf der teaminternen Liste reicht. Crandall ist athletisch und hat lange Arme. Diese Kombination macht ihn zu einem geschickten Balldieb. Er lauert auf schwache oder mit wenig Umsicht gespielte Pässe, um sie zu ersprinten. Im Schnellangriff kann er sich dann für seine gute Antizipation dank seiner Explosivität belohnen. Crandall kann aber auch den Ball bringen und verteilen, womit er Hooker entlastet und ihm die Möglichkeit gibt, sich für längere Phasen des Spiels auf die eigenen Abschlüsse zu konzentrieren.

NBA & BBL Kandidaten: Quinton Hooker könnte mittelfristig ein vielversprechender Profi in Europa werden. Wie er die Umstellung auf europäischen Basketball meistern wird, ist entscheidend für seine Profichancen.


Style: North Dakota gehört zu den Teams, die einen eher schnellen und offensiv geprägten Basketball spielen. Kommt es nicht zu unmittelbaren Fastbreaks, nutzen die Fighting Hawks gerne Dragscreens oder gleich zwei auf einmal, um die Defense auf dem falschen Fuß zu erwischen und das Chaos der Transition Defense auszukosten. Doch auch im Halbfeld ist das Tempo der Aktionen hoch. Die Spieler ohne Ball bewegen sich schnell und viel, weshalb die Verteidigung nie Gelegenheit bekommt, sich auszuruhen. Eine große Hilfe ist die exzellente Dreierquote. Knapp 38 Prozent der Dreier finden ihr Ziel. In der Verteidigung ist der Einsatz hoch, allerdings fehlt an vielen Stellen die Größe, um den Aufwand angemessen zu honorieren.

Fun/Quick Facts: North Dakota nimmt erstmals in der Unigeschichte am NCAA Tournament teil. Seit 2010 sind die Fighting Hawks erst in die Division I aufgestiegen. Zuvor waren sie eines der erfolgreichsten Division II Programme der Geschichte. Coach Brian Jones war lange Assistant Coach von Steve Alford, weswegen sich gewisse Paralleln zu UCLA erkennen lassen.

Tournament: Auch wenn die Big Sky sicherlich eine Conference ist, die insgesamt eher zu den schwächeren Conferences der NCAA gehört, ist die Qualität der Spitze doch relativ annehmbar. North Dakota ist tatsächlich ein Upset Kandidat, was vor allem mit der Offensivstärke zu begründen ist. Treffen die Fighting Hawks ihre Dreier, können sie dem Favoriten Probleme bereiten und die Nerven prüfen. Daher muss sich das Guard Trio aus Hooker, Crandall und Corey Baldwin zu Höchstleistungen aufschwingen. Ein großes Problem könnte jedoch die Verteidigung sein. Hier machen sich fehlende Größe und kurze Rotation schnell bemerkbar. Einzig Sevenfooter Carson Shanks liefert etwas Rimprotection, steht jedoch nur etwas über zehn Minuten pro Spiel auf dem Court.

Prognose: 1. Runde


South Dakota State Jackrabbits


MVP: Mike Daum, Big, 6’9’’, Sophomore
Der Summit Spieler des Jahres ist als Sophomore eines der schwierigsten Matchups, das man in der NCAA auf den großen Positionen finden kann. Als Freshman erzielte Daum bereits über 15 Punkte pro Spiel, in dieser Saison sind es über 25. Und dabei weiß jede Teamdefense, dass Daum der Schlüsselspieler ist, den es auszuschalten gilt. Allein das Wissen hilft einfach nicht, weil Daum so komplett in seinem Paket ausgestattet ist. Er kann im Lowpost scoren, kann von der Dreierlinie zum Korb ziehen und den Dreier aus verschiedensten Situationen heraus treffen. In der Saison knackte er bereits elf Mal die 30-Punkte-Marke in einem Spiel. Herausragendste Performance waren bisher 51 Punkte und 15 Rebounds gegen IFPW.


X-Faktor: Reed Tellinghuisen, Wing, 6’6’’, Junior
Neben Daum ist Reed Tellinghuisen der einzige Jackrabbit, der pro Spiel zweistellig punktet. Damit ist er der erstbeste Kandidat, der einen möglichen Schwächetag von Daum ansatzweise kompensieren könnte. In der Tat bringt der Flügelspieler ein interessantes Paket als Allrounder mit. Tellinghuisen ist athletisch, bewegt sich gut ohne Ball, kann mal einen Wurf einstreuen, zum Korb ziehen oder einen guten Pass spielen. Defensiv ist er ebenfalls ein solider Vertreter. Allerdings ist er auf der Kehrseite der Medaille anfällig für Ballverluste oder kopflose Aktionen, die seinem Team Momentum kosten können. Seine Tagesform wird für SDSU entscheidend sein.

NBA & BBL Kandidaten: Auf lange Sicht gehört Mike Daum sicherlich in den europäischen Profibasketball, wenn die athletischen Limitationen für die NBA zu groß sein sollten, aber bis dahin wird er vermutlich noch zwei Jahre in der NCAA verbringen.

Style: Die Jackrabbits leben speziell von zwei Dingen. Einerseits ist Mike Daum die prägende Figur im Spiel von SDSU, was dazu führt, dass vermehrt Plays für den Big gelaufen werden. Diese Plays umfassen nicht unbedingt die herkömmlichen Setups, um einem Big Man in Zonennähe den Ball zu geben. Mindestens genauso häufig werden Sets gelaufen, die man eher für Guards mit einem guten Touch von der Dreierlinie erwarten würde. Da Daum aber jeden Guard in der NCAA zum Horse herausfordern könnte, ist das widerum keine sonderliche Überraschung. Zum anderen leben die Jackrabbits von ihren Dreiern. Gemessen an der Rate der versuchten Dreier rangiert der Summit League Gewinner unter den ersten 15 Teams der gesamten NCAA.

Fun/Quick Facts: Der Gamewinner von Michael Orris im Halbfinale des Conference Finales war der zweite der March Madness Turniere. Seit 2012 haben immer entweder South Dakota State oder North Dakota State das Summit League Tournament gewonnen und sich somit für das NCAA Tournament qualifiziert.

Tournament: Hat der Gegner im Tournament kein geeignetes Matchup für Mike Daum, hat dieses Team ein Problem. Denn Daum ist es herzlich egal, wie viele Leute ihm beim Scoren zugucken. Der Big Man zieht sein Ding durch und lebt eher für die großen Auftritte. Nach der lehrreichen Erfahrung im vergangenen Jahr, scheint der Big Man pünktlich zur wichtigsten Zeit des Jahres bestens aufgelegt zu sein. Die 37 Punkte im Finale der Summit League waren eine weitere Machtdemonstration und sollten eine letzte Warnung an die Big Boys der NCAA gewesen sein, sich einen genauen Plan zur Verteidigung Daums zurecht zu legen. Gelingt es, Daum unter 20 Punkten zu halten, müssen die anderen Jackrabbits bereit sein, in die Bresche zu springen.

Prognose: 1. Runde