21 März 2017

21. März, 2017


"Who's he?"

von ANNO HAAK @kemperboyd

Groundhog Tank
Es ist wieder diese Zeit des Jahres. Ein Satz ist dies, den man über die NBA fast das ganze Jahr schreiben könnte. Das macht einen Teil des Reizes aus. Der zeremoniell, ja fast liturgisch stetig wiederholte Unfug gibt Halt und Struktur. Er weckt von Neuem das wohlig warme Gefühl aus Schülertagen, als es im Januar Klassenarbeiten, im Juni Zeugnisse und am Tag nach dem Superbowl Elternsprechtag gab.

Es ist Mitte März. Hinkie-Zeit. Fun times. Das ewig junge Fabulieren vom Tanking. Bledsoe ist für den Rest der Saison raus (genommen). Deng und Mozgov dürfen auch schon in die Karibik. Verlieren WOLLEN statt höher, weiter, schneller. Ein Skandal ist das. Mitte März ist es. Zeit für Kamillentee und eine Baldriankapsel.


Auerbach sagte: „Zeig mir einen guten Verlierer und ich zeige Dir einen Verlierer!“ Ich sage: „Zeig mir ein System, das verlieren belohnt, und ich zeige Dir ein System, in dem Teams verlieren wollen!“ Absurde Anreizsysteme produzieren absurde Ergebnisse. Nicht so absurd wie der Vorwurf, das Benching von Luol "Der Inbegriff von washed up" Deng mache ein Basketball-Team 2017 schlechter. Aber absurd. Das ist dieselbe menschliche Natur. Anreiz. Anreizentsprechendes Verhalten. Die NBA belohnt verlieren mit hohen Draft Picks, ergo wird verloren. So schwer ist das gar nicht.

Die LA Lakers verlieren um ihre Zukunft. Fällt der Pick 2017 aus den Top 3, ist er weg. Ist der Pick 2017 weg, geht der 2019er Pick ungeschützt nach Orlando. Bleibt der Pick 2017 in LA, bleibt der Pick 2019 in LA. Russell soll sich die Seele aus dem Leib spielen? Ingram soll 30 Minuten sehen? Mozgov soll spielen, um zu gewinnen (*kicher*)? Für was? Damit lila-gold das einzige Team ist, das schlechter aufgestellt ist als Brooklyn und Sacramento? Wen interessiert, ob man 22 oder 28 Spiele gewonnen hat? Das ist in sechs Monaten vergessen. Drafts are forever!

Dann die Kommunikation. Ich kann mich nicht erinnern, dass die Lakers mal wenigstens semi-offiziell etwas gegen „Vorsprung durch Tanking“ gesagt hätten. Aber unterstellen wir mal, das wäre so. Und jetzt? Eure Franchise-DNA ist Wettbewerbsfähigkeit, deshalb müssen sie jetzt kompetetiv um 30 Siege kämpfen und zugucken, wie ihr Pick Embiid die Rihanna aus dem Kopf assistiert? C’mon!

Ich weiß nicht, ob Bledsoe verletzt ist. Wir sind alle keine Ärzte, und wenn doch, haben wir Bledsoe nicht untersucht. Schreibt „DNP Draft“ in den Boxscore und dann legen sich bitte alle wieder hin.

"Hinkie haben sie geschlachtet dafür!" Abgesehen davon, dass Hinkie der Jerome-James-Recruiter des Draft ist, ja, das haben sie. UND! DAS! WAR! FALSCH! Wenn einer die Regeln ausreizt, ändere die Regeln! Hate the Game, not the player! Hinkie hat das System ausgereizt. Dafür ist er geschlachtet worden. Er ist den Märtyrertod gestorben und sein Leid war nicht umsonst. Wenn jetzt schon die Lakers… aber zu Adam Silver kommen wir noch.

Vorschlag zur Güte
Ansonsten hier nochmal der Vorschlag zur Güte: Wir spielen den ersten Pick aus. Nummer 17 und 18 mit einem Bye-Game, der Rest im Playoffbaum-Modus gegeneinander. Dann steigen Nummer 17 und 18 ein. Keine Serien, k. o.-Runde, in derselben Runde Ausgeschiedene werden nach Bilanz im Draft gesetzt. Don’t call it June-Madness!

Das Problem dabei: das verschiebt das Tanking auf Platz 9. Welcher Teufel sollte die Denver Nuggets oder die Portland Trailblazers reiten, unter diesen Bedingungen um die Postseason zu kämpfen? Deshalb...

Vorschlag zur Güte II
Es ist Zeit, wieder mehr Kapitalismus zu wagen! The Winner takes it all! Survival of the Fittest! Der Champ bekommt den ersten Pick und von da an abwärts. Keiner würde mehr verlieren wollen, geizige Owner würden in die Luxussteuer marschieren, um Platz 26 statt Platz 27 zu retten. Fun Times!

Wer das nicht will, möge der Welt nicht mit dem Gejaule über das absichtliche Verlieren in den Ohren liegen.


Groundhog Rest
...und noch eine Kapriole des Unsinns, die sich Jahr für Jahr wiederholt. Stets im März, wenn die Helden des orangenen Leders ermattet vom Flitzpiepen Partymarathon namens AllStarWeekend zurückgekehrt sind, führen die Besten der Besten ihre Feiertagsgarderobe in den Hallen der NBA spazieren.

Sie humpeln nicht, sie müssen nicht getragen werden, frech grinsend holen sie sich den rund 300.000 $ schweren Paycheck für ein "DNP Rest" ab. So gesehen zuletzt in der Stadt der Engel, in der die Cavaliers das Spiel gegen die Clippers of Los Angeles ohne LeBron James, Kevin Love und Kyrie Irving angingen. Wild verbalejakulierende Fans "im Netz", die sich anderthalb Monatsgehälter vom Munde abgespart haben, um den einzigen Auftritt ihrer sonst so weit entfernten Helden zu bestaunen, sind die bekannte Folge.

Wenn die Klatsche auf Bestellung des Meisters dann auch noch im landesweiten Fernsehen gezeigt wird, hat auch die NBA genug gesehen. So sendete denn der Big Inshilada Adam S. ein "Memo" an alle 30 Teameigentümer und drohte mit "man weiß es nicht genau" wegen der Verletzung des "whatever“-Protokolls.


Besser kann man das eigentlich nicht sagen, aber ich versuche es mal: mit von wohlig warmer Silver'scher Schwülstigkeit getragenen Worten erklärt die NBA in patentwürdiger Weise, dass sie zwar weiß, nichts gegen das Ausruhen unternehmen, es auch nicht verhindern oder bestrafen zu können, aber die Sache trotzdem ganz genau im Auge zu behalten. Ich kann Dan Gilbert förmlich zittern und in Comic Sans antworten sehen.

Zuzugeben ist: die Hausaufgabe für Adam, den Allgewaltigen, war nicht einfach. Wie soll man einem normal geradeaus denkenden Menschen erklären, dass das Problem nicht die Tatsache ist, dass ein Mensch rund 1.500 $ berappen soll, um dem Court während eines NBA-Spiels im März überhaupt so nahe zu kommen, dass er erkennen kann, dass seine Helden Anzug und nicht Trikot tragen, sondern, dass ein 32-Jähriger, der seit Ende Oktober 65 Basketballspiele über rund 38 Minuten bestritten hat, eine Pause bekommt?


Das kann man nicht, jedenfalls nicht ohne sich zum Sacramento der Memo-Schreiber zu machen. So gesehen hat sich der Comish achtbar geschlagen. Was die Sache nicht besser macht. Das Problem sind zu viele Spiele in zu kurzer Zeit. Jeder weiß das. Weniger sollen es nicht werden. Grund: Benjamins. Jeder weiß das.

Ist ja auch cool, kann so bleiben. Kollateralschäden sind enttäuschte Durchschnittsverdiener. Sie werden es bleiben, solange bis sie in ausreichender Zahl mit den Füßen abstimmen und nicht mehr in die Hallen kommen. So funktioniert das und das ist ok. Man höre nur auf, jedes Jahr dieselben verlogenen Debatten zu führen.


Fundstück der Woche
Über den Tod der Los Angeles Clippers, wie wir sie kennen, und warum sie sich besser auf Platz 6 fallen lassen würden, erzähle ich dann beim nächsten Mal.