27 Februar 2017

27. Februar, 2017


Tis the trade season. Zur Deadline nahm die Quantität an Trades (laaaangsame) Fahrt auf. Die Chefküche hat das Öl in den Pfannen heiß gehalten und brät wie gehabt die wichtigen Deals. Heute: MC BC do some trading.

von ANNO HAAK @kemperboyd

Start
Die Philadelphia 76ers haben mit Joel Embiid ihren Valentine gefunden. Der einstige Felsen des Prozesses, Nerlens Noel, war genauso überzählig wie Jahlil Okafor. Während Letzterer allerdings in den vergangenen Wochen Dauergast in allen Trade-Gerüchten und sogar mehrfach zur Minimierung der Verletzungsgefahr aus dem Kader genommen worden war, war es um einen möglichen Wechsel des einstigen sechsten Picks verdächtig ruhig geworden.

Die Mavericks halten sich wider jedes Indiz für ein Win-Now-Team und schnüffeln immer nach sportlich aktuell gewinnbringenden Trades, solange Dirk Nowitzki noch die 19 Jahre NBA-Erfahrung schleppenden Knochen auf den Platz des American Airlines Centers trägt.


Schuss
Die Sixers erhalten für Noel Andrew Bogut respektive dessen auslaufenden Vertrag plus Justin Anderson. Daneben gibt es die offizielle Zweitwährung im Staate Pennsylvania, einen Erstrundenpick (2017). Allerdings schwer geschützt. Für den Fall des Verbleibs des Picks in Big D gehen zwei Second Round Picks (2017 & 2018) nach Philadelphia. Das ist wahrscheinlicher.


Sixers
Über die Mavs kann (und wird) man streiten. Aus Sicht des NBA Champions von 1983 ist das ein patentierter Bryan-Colangelo-Kopfkratzer-Move. Die drei Bausteine des Trades sind schon fragwürdig. Die Gesamtkonstellation macht den Handel vollends unverständlich.

Andrew Bogut muss hier gar kein großes Thema werden. Da inzwischen ein paar Tage seit der Deadline herum sind, weiß die Basketballgemeinde, dass Boguts Buyout bevor steht und er bei freier Auswahl des nächsten Arbeitsplatzes denjenigen des ersten Verteidigungsritters am Hofe King James' bevorzugt.

Die Sixers haben Verwendung im statistischen Net-Rtg-Bereich von Bogut für den einstigen Nummer-1-Pick. Warum das Front Office der Sixers sich darauf einließ, den bisher gar nicht so erbärmlich kleinen Deal von Bogut aufzunehmen, ist rätselhaft. Dass er in Philly bleibt, konnte ohnehin kein Mensch glauben, der bis drei zählen kann. Selbst wenn Philly also Okafor noch losgeworden wäre, war eine Entlassung eine Frage von Minuten, nachdem der Deal über den Ticker ging.

Dass Philadelphia, für die wenige Stunden dauernde Anwesenheit des dauermies gelaunten Australiers, in Chasson Randle sogar einen Spieler mit garantiertem Vertrag vor die Tür setzen musste, setzt dieser Unsinnsverpflichtung die nachgerade Kings'sche Krone auf.

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Justin Anderson soll im Utopia, das Colangelo in seinem Kopf entwirft, ein Jae Crowder für Einkommensschwache werden. Das History repeating-Szenario hier ist Rajon Rondo, der Erstrundenpick, den er die Mavs vor zwei Jahren kostete, und eben Crowder, der sich vom vermeintlichen Tradefiller zum unterbezahltesten Flügel der Liga mauserte.

Das Problem an der Utopie ist das Problem, das jede Utopie mit sich bringt. Sie übersteht auch nicht den nachlässigsten Reality Check. Crowder spielte in Jahr zwei seiner Karriere in einem wesentlich besser einzuschätzenden Mavs-Team signifikant mehr Rotationsminuten und vor allem: er war der Gegenwert für friggin Rajon Rondo, Ausgabe 2014. Äpfel und Birnen wachsen verglichen damit aus demselben Samen.


Bleibt der Pick. Oder wie man in Philadelphia sagt: die letzte Verteidigungslinie für einen ansonsten sportlich unsinnig aussehenden Trade. Die aber fällt hier zusammen wie die Berliner Mauer 1989. Denn der Erstrundenpick ist top-18-geschützt und wird zu zwei Zweitrundern, wenn er im Sommer 2017 in Dallas bleibt.

... und die Wahrscheinlichkeit liegt knapp über der Siegwahrscheinlichkeit der Falcons im dritten Viertel des Super Bowl im Februar. Um den Pick zu verschiffen, müssten die Mavs mindestens die zwölftbeste Bilanz der Liga auflegen. Die 12. (!)-beste. Warriors, Spurs, Rockets, Clippers, Jazz, Grizzlies, Thunder, Cavs, Celtics, Raptors, Wizards und Hawks dürften ohne ein Basketballwunder Marke erste Runde 2007 jetzt schon uneinholbar sein. Das sind schon 12. YDTM!

Warum es letztlich Noel trifft und nicht Okafor, ist ebenfalls schwer nachvollziehbar. Okafor findet sich in der Gasol-Lakers-2011-Rolle wieder. Wie eine bereits hübsch gemachte Braut war der dritte Pick von 2015 bereits von mehreren Auswärtsreisen ausgeschlossen worden, weil ein Trade „imminent“ schien. Den Stiefel schon im verlängerten Rücken muss man ihn jetzt wieder willkommen heißen.

Dass die Pelicans, die bereit schienen, für den Mann, der in Philadelphia nur noch als Projektionsfläche für den Ärger über den verpassten Wiggins-Towns-Kern dient, einen Erstrundenpick zu opfern, für genau dasselbe Angebot letztlich Cousins bekamen, war noch Pech. Dass Colangelo selbst einen Tag nach dem Move davon sprach, der Markt für Okafor sei „breiter“ gewesen als für Noel, erreicht eine 7,6 auf der nach oben offenen Vlade-Skala.

Die Erzählung, dass Noel nicht zu Embiid passe, ist ähnlich debakulös. Erstens gilt das für Okafor mindestens genauso. Zweitens hatten der bis Donnerstag dienstälteste Sixer und „The Process“ sagenhafte acht Minuten zusammen auf dem Court verbracht.


Mavs
Bogut hätte man wohl auch für weniger ein „Geh mit Gott, aber GEH!“ nachgerufen. In Dallas spielte der vermeintliche Defensivanker eine der individuell schlechtesten Saisons aller Zeiten, fiel neben den üblichen körperlichen Wehwehchen vor allem durch offen zur Schau gestellte Lustlosigkeit und Vorfreude auf seine nahende Free Agency auf.

Der Glaube an Anderson war ohnehin geschmolzen wie Schnee im August in Dallas. Für ein Paket, das (s. oben) nicht einmal einen Erstrundenpick kostet, einen der talentiertesten Ringbeschützer der Liga zu akquirieren ist derzeit und für die nächsten vier Monate ein No-Brainer, auch wenn die Verteidigung der Mavs gar nicht der Nummer-1-Problemkreis ist (immerhin 16. bei der defensiven Effizienz).


Dann wird Noel allerdings RFA, und das ist der Haken an dem Deal. Der Markt für große Spieler ohne Wurf oder ohne messbare Defensiv-Skills mag schwierig sein. Die Agenten von One-Trick-Ponys wie Brook Lopez, Greg Monroe oder Tyson Chandler halten darüber Selbsthilfegruppensitzungen mit dem Vertreter von Jahlil Okafor ab.

Für defensiv orientierte Reboundviecher wie Noel allerdings wird sich ein Verzweifelter finden, der Maxmoney in Richtung des sechsten Picks des 2013er Drafts wirft. Dann stehen die Mavs vor der Frage, ob ein Kern aus Barnes, Noel und Matthews den ewigen Nowitzki wirklich zu einem letzten Run in die Postseason schleppen kann. Und ob für die Zeit nach 2018 Noel und Barnes wirklich die Spieler sind, denen man fast die Hälfte des Caps opfern will.

Die Antwort kann eigentlich nur Nein heißen, wenn man bedenkt, dass das Superstar-Geld ist und Cuban jüngst von Russell Westbrook (!) forderte, den nächsten Schritt zu einem eben solchen zu machen.


Fazit
Im Vakuum gewinnen die Mavs diesen Trade natürlich haushoch. Weitet man das Bild, ergibt der Tausch für beide Seiten wenig Sinn. Colangelo hat nicht nur die Armee der Hinkie-Jünger gegen sich aufgebracht, sondern seine Deadline-Patronen für Justin Anderson und Tiago Splitter (habe ich ihn doch noch untergebracht) verfeuert.

Dallas holt sehenden Auges einen werdenden Free Agent, bei dem man im Sommer die Wahl zwischen Pest (Matching eines überzogenen Offer Sheet für einen limitierten Big) und Cholera (Verlust Noel ohne Gegenwert) hat. Aktuell dennoch:

Vorteil: Mavs