23 Februar 2017

23. Februar, 2017


Tis the trade season. Kurz vor der Deadline nimmt die Quantität an Trades langsam Fahrt auf. Die Chefküche hat vorsorglich das Öl in den Pfannen bereits erhitzt und brät wie gehabt die wichtigen Deals. Heute: Zweitrundenautoerotik.

von ANNO HAAK @kemperboyd

Start
Die Atlanta Hawks, noch vor wenigen Monden vermeintlich im Totalabrissmodus, wollten zur Deadline – Zitat GM – ein Buyer werden. Um was genau zu tun, bleibt zwar ein Rätsel, aber offenbar soll der Bazemore-Millsap-Schröder-Kern laufen, so weit die Füße tragen.

Philadelphia will nach wie vor keine Veteranen, vor allem keine, die Dario Saric und dem ewigen Ben „Er spielt noch in dieser Saison!“ Simmons im Weg stehen. Deshalb stand beim neuen Colangelo-Team auch zu dieser Deadline eigentlich wieder alles in der Schaufensterauslage, was nicht auf den Namen Embiid hört und gesund ist.


Deal
Ersan Ilyasova geht zu den Atlanta Hawks, Tiago Splitter plus der Zweitrundenpick der Miami Heat im kommenden Sommer 2017 gehen nach Philadelphia. Zudem gibt es ein Swap Right für die zweite Runde, ebenfalls in diesem Jahr (2017).


Hawks
Atlanta sucht eigentlich immer Shooting vom Flügel, seit Ujiri ihnen den Segen erwies, den dauermaladen Carroll aus Atlantas Cap Space-geschwächten Klauen zu entreißen. Das Karrierejahr von Bazemore war eher ein Vertragsjahr. Seitdem ist Nivellierung auf relativ hohem Niveau eingetreten.

Die vermeintlichen Heilsbringer der letzten Jahre wie Payne und Prince sind längst wieder weg oder stecken im Projektstatus fest. Da scheint Ilyasova keine schlechte Wahl zu sein.

Das Problem mit dem Türken ist: dass er nach sechs Jahren Milwaukee nach Detroit, Orlando, Oklahoma City und Philadephia die fünfte Franchise in 20 Monaten sieht, hat Gründe. Er ist kein Opfer der Umstände, er ist ein One-Trick-Pony, das seinen Trick verlernt hat. Der Dreier fällt nicht mehr.

Bei den offensiv – nun ja, sagen wir – limitierten Sixers mögen die unter 36 % von Downtown noch systembedingt sein. In den Jahren davor lagen die Zahlen nicht viel höher. Das Karrierehoch von Kyle Korver’schen 45 % from threeee ist eine halbe Dekade her.

Defensiv war er nie überdurchschnittlich brauchbar, die Spalten Schnelligkeit, Athletik oder Dynamik sind im Scouting Report ebenfalls verwaist. Was immer Dein Problem ist, Atlanta, Ilyasova ist nicht die Lösung, nicht einmal Teil davon.

Auch wenn Splitter und die Wahlrechte in der Draftperipherie verzichtbar sind, die Hawks haben schon bessere Deals gemacht.


76ers
Ich weiß, das ist alles genial, was die Sixers da veranstalten. Selbst Colangelos NBA-gesponsorte Machtergreifung hat an der Hinkie-DNA anscheinend nicht viel geändert.

Splitter brauchen sie wie einen Splitter (ahahahaha!) im kleinen Zeh. Dieses Lotterie-Gedaddel kann man natürlich gut finden, vor allem, wenn man einen Schritt zurück geht.

Wir gehen also nach Cleveland und in das Jahr 2014. Es war der 20.02.2014. Die Cleveland Cavaliers waren eines Spielers namens Earl Clark und eines Spielers namens Henry Sims überdrüssig. Man schickte sie im Double zu den Philadelphia 76ers, um Spencer Hawes zu akquirieren.

Weil die Sixers – wie in solchen Fällen üblich – keinen aktuellen sportlichen Wert erhielten, bezahlten die Cavs mit ihrem Zweitrundenpick im damals laufenden Jahr (und dem der Grizzlies).

Der Zweitrundenpick wurde Nummer 39 im Draft und materialisierte sich in einem Spieler namens Jerami Grant (den der Grizzzzz verwendeten sie für irgendeinen Serben, der nie in der NBA auftauchte).

Jener Grant wechselte dann im Tausch für Ilyasova nach Oklahoma City, die für diesen vermeintlich einseitigen Trade – man ahnt es – zwei Zweitrundenpicks in den Jahren des Herren 2022 und 2023 bezahlten. Nun also geht Ilyasova – ich erwähnte es – für einen Zweitrundenpick und ein Tauschrecht in der zweiten Runde nach Atlanta.

Wir summieren, immer die zweite Runde im Sinn: Hawes in insgesamt fünf Zweitrundenpicks und ein Zweitrundenpicktauschrecht verwandelt. Einer davon tollt durch Oklahoma City, ohne dass es jemandem auffällt, einer schnürt die Schuhe für Crvena Zvezda (Name ist nicht ausgedacht).

Die drei anderen liegen in irgendeiner Zukunft, in der Philly längst die NBA beherrscht und in der sie keine Picks mehr brauchen. Aber immerhin: Hawes-Trade? Gewonnen! Ilyasova-Trade? Gewonnen! Ilyasova-Trade 2.0? Gewonnen! Vertrau dem verdammten Prozess und geh mir aus der Sonne!


Fazit
In der Sloan-Welt gewinnt Philleyy den Trade. Sie kriegen ja Picks oder Tauschrechte von Picks. Irgendwas mit Draft halt. In meiner Welt holt Atlanta den einzigen brauchbaren Spieler im Trade, dessen Vertrag noch dazu ausläuft. Passt nicht zum Text, aber das hier ist 2017 und die Vivek-Logik-Negations-NBA.

Vorteil: Atlanta