20 Februar 2017

20. Februar, 2017


Tis the trade season. Wenige Tage vor der Deadline bekommt die Jagdsaison einen echten Blockbuster. Die Chefküche hat vorsorglich das Öl in den Pfannen bereits erhitzt und brät wie gehabt die wichtigen Deals. Heute: Das vorgezogene Mardi Gras.

von DANIEL SCHLECHTRIEM @W14Pick

Es passiert selten bis nie, dass ein vollzogener Trade das All-Star Game, DAS Event-Spektakel der NBA schlechthin, vollkommen in den Schatten stellt. Der Trade zwischen Sacramento und New Orleans hat ebendies geschafft. Am Montag nach dem All-Star Game ist Anthony Davis' 52-Punkte-Performance im eigenen Haus bereits kein Thema mehr: Denn Davis erhält bei seinen Pelicans einen prominente Neuzugang. Sein Teamkollege der Western All-Stars, DeMarcus Cousins, wird ab sofort häufiger in New Orleans zu sehen sein.

Schon über die laufende Saison hinaus galt Boogie als einer der heißeren Trade-Kandidaten. Zum einen, weil sein nun ehemaliges Team, die Sacramento Kings, seit Jahren als die am schlechtesten geführte Franchise der NBA gilt, deren dilettantische Personalpolitik auf dem Parkett, der Trainerbank und in den Geschäftsräumen häufiger für kollektives Haareraufen rund um die kalifornische Hauptstadt sorgte.

Zum anderen, weil Cousins' dominantes Spiel an beiden Enden des Feldes, seine Vielseitigkeit und sein Siegeswille so gar nicht zum Rest der Lilanen passte. Cousins war die sprichwörtliche Blume, die aus einem Misthaufen erwächst. Weil sein laufender Vertrag 2018 endet und die Kings ihm in den sieben Jahren in Sacramento keine Perspektive anzubieten vermochten, kommt dieser Deal nicht völlig aus dem Nichts. Schockierend ist der niedrige Preis für den 26-Jährigen.


Der Trade

NOP: DeMarcus Cousins, Omri Casspi
SAC: Buddy Hield, Tyreke Evans, Langston Galloway, 2017 1st Rd Pick (NOP), 2019 2nd Rd Pick (PHI via NOP)



Pelicans

Mit einem Schlag wissen die Pelikane das dominanteste Big Man Duo der Liga auf ihrer Seite. Cousins und Davis litten in den letzten Jahr sehr unter der fehlenden Qualität ihrer Mitspieler und werden die Fähigkeiten des anderen sehr zu schätzen wissen. Beide Bigs sind für ihre Körpergröße außerordentlich dynamisch, dominieren in der Offensive sowohl am Korb, als auch aus der Distanz und sind in der Defensive dank der langen Arme (Davis) und des bulligen Körperbaus (Cousins) schwer zu überwinden. Ihre pure Präsenz wird gegnerische Coaches zwingen, Anpassungen in der Strategie und im eigenen Lineup vorzunehmen.

Zusammen mit dem zuletzt stark aufspielenden Aufbauspieler Jrue Holiday sind die Möglichkeiten für Coach Alvin Gentry vor allem im Pick & Roll nahezu unbegrenzt. Derzeit finden sich die Pelicans auf dem vorletzte Rang in der Rebound Rate: Dieser Wert wird sich dramatisch verbessern und die ohnehin schon solide Verteidigung (Platz acht in Defensiver Effizienz) weiter verstärken. Ein funktionierendes Inside Game gegen die beiden Blockmaschinen (Blocks pro Spiel: Davis 2,5 – Cousins 1,3) sollte nur wenigen Gegnern gelingen.


Wenngleich dieser Trade in Louisiana eine neue Ära einläutet, herrscht am Mississippi River längst noch nicht eitel Sonnenschein. Um den Rest des Teams ist es weiterhin nicht sonderlich besser bestellt als bei Cousins ehemaligem Brötchengeber. Mit Ausnahme von besagtem Holiday fehlt es an allen Ecken und Enden an NBA-Tauglichkeit.

Ineffektive bis nutzlose Spieler wie Ömer Asik und Solomon Hill wurden realitätsfern überbezahlt und stecken in nicht vermittelbaren Verträgen. Nach Hields Abgang ist der Flügel beinahe komplett verwaist. Davis und Cousins werden sich also von Anfang an strecken müssen, um die vorgegebene Marschrichtung, den achten Platz im Westen, einzuhalten.

Ganz ohne Risiko kommt ein solcher Deal ohnehin nicht daher: Die Pelicans können ihrem Neuzugang nicht die Designated Player Extension – eine Verlängerung über fünf Jahre, die Cousins in Sacramento über 200 Mio. $ eingebracht hätte – anbieten. Somit dürfen sie auch nicht damit rechnen, dass der 26-Jährige im Sommer vorzeitig langfristig verlängert. Ein Abgang Boogies 2018 gehört somit zum kalkulierten Risiko dieses Trades.

Darüber hinaus gilt der extrovertierte Big Man als echter Locker Room Cancer. Aus Sacramento heißt es, mehrere Spieler seien erleichtert, nun nichts mehr mit Boogie zu tun haben zu müssen. Selbst mit seinen Mitte 20 wurde Cousins immer wieder von Team und Liga diszipliniert. Von Beginn seiner Karriere an hatte sich der 122 Kilogramm Koloss regelmäßig auf und abseits des Feldes nicht im Griff und schadete seinem Team dadurch immer und immer wieder.


Dass sich Cousins an neuer Wirkungsstätte von Grund auf ändert, ist nicht zu erwarten. Das macht es zu New Orleans' größter Aufgabe, ihren neuen Big Man im Zaum zu halten und ihm gleichzeitig Stadt und Franchise schmackhaft zu machen. Jede Form von Erfolg im Smoothie King Center ist von nun an abhängig von der Chemie des neuen Superstar-Duos.

Mit diesem Coup sind die Pelicans (23-34) ein neuer, ernstzunehmender Herausforderer für die Denver Nuggets (25-31), die derzeit den letzten freien Playoff-Platz im Westen für sich beanspruchen. Praktischerweise hat sich mit den Kings ein weiterer Anwärter auf diesen Platz selbst eliminiert.


Kings

Die Franchise, die einst einen ungeschützten Pick zusammen mit Nik Stauskas abgab, um Rajon Rondo unter Vertrag zu nehmen, hat sich einmal mehr selbst unterboten – auch wenn das geradezu unmöglich schien.

Cousins abzugeben, ihm die 200 Mio. $ Gefolgschaft zu verweigern, mag auf lange Sicht der richtige Schritt gewesen sein und mit jedem Tag, an dem er diese Vertragsverlängerung nicht unterzeichnet hätte, wäre sein Marktwert gesunken. Auch der Zeitpunkt des Trades ist also nicht grundsätzlich verkehrt. Der erhaltene Gegenwert lässt aber schwer an der geistigen Zurechnungsfähigkeit der Verantwortlichen in der kalifornischen Hauptstadt zweifeln.


Mit der Addition Cousins geht es für die Pelicans tendenziell eher nach oben, ihr Erstrundenpick, den nun die Kings halten, verliert demnach an Wert. Sollte New Orleans das gesteckte Ziel erreichen, rutscht der Pick sogar aus der Lottery-Zone, etwa in Region #15-#16. Im qualitativ hochwertigen 2017er Jahrgang wird auch Mitte der ersten Runde noch interessantes Material verfügbar sein. Angesichts der jüngeren Draft-Historie der Kings (2012: Thomas Robinson, 2013: Ben McLemore, 2014: Nik Stauskas, 2015: Willie Cauley-Stein, 2016: Georgios Papagiannis) ist das aber kein Grund zur ungezügelten Vorfreude.

Wichtigster Baustein für die Kings ist daher Chavano Rainier „Buddy“ Hield, der sechste Pick des letzten Drafts. Der von den Bahamas stammende Shooting Guard hat alle Anlagen, sich zu einem gefährlichen Schützen zu entwickeln. Die 8,6 Punkte in 20 Minuten bei knapp 40% aus dem Feld und 36,9% von der Dreierlinie sind für das Rookie-Jahr angesichts der Umstände in New Orleans einigermaßen solide.


Die Kings setzen darauf, dass sich der College-Held spätestens in seinem zweiten NBA-Jahr vollends bei den Profis akklimatisiert. Ob er jedoch jemals in die Kategorie Franchise Player aufzusteigen vermag – auch nur annähernd zu dominieren, wie Cousins, steht stark in Zweifel.


Die nötige Portion Extrawürze erhält der Trade mit der Personalie Tyreke Evans – denn hier schließt sich ein Kreis. Evans ist ein weiterer Name im miserablen Drafting der Kings. 2009 wählten sie ihn in an vierter Stelle (statt Stephen Curry, DeMar DeRozan oder Jrue Holiday) und Evans brachte mit 20,1 Punkten, 5,8 Assists und 5,1 Rebounds eine starke erste Spielzeit aufs Parkett, wurde folgerichtige zum Rookie des Jahres gewählt.

Aufgrund diverser Verletzungen und charakterlichen Schwierigkeiten knöpfte er an diese Zahlen nie wieder an, verlor jährlich an Effektivität und verließ die Kings 2013 enttäuscht darüber, als Restricted Free Agent kein Bekenntnis aus Sacramento erhalten zu haben.


Evans war in den letzten beiden Spielzeiten häufiger verletzt als auf dem Spielfeld, da sein Vertrag im Sommer ausläuft werden die Kings vermutlich nicht langfristig mit ihm planen. Vielmehr ist er, wie auch Langston Galloway, mehr als Dreingabe zu verstehen, um den vorgeschriebenen Gehälterausgleich beider Parteien zu erreichen.

Alles in allem erhält Sacramento also ein Paket deutlich unter Marktwert. Mit ihren vielen jungen, unerprobten Spielern und den Draft Picks setzen sie die Segel volle Fahrt in Richtung Rebuild.

Ebenso wie die Pelicans sind die Kings zur bevorstehenden Trade Deadline aber noch nicht fertig: Der Abgang Rudy Gays ohne Gegenwert lässt sich nicht verhindern, daher herrscht Handlungsbedarf insbesondere bei Point Guard Darren Collison, der ebenfalls im Sommer Free Agent werden wird.


Fazit

Heimlicher Gewinner: Die Philadelphia 76ers halten den ungeschützten 2019 1st Round Pick der Kings. Bis dahin werden diese nach menschlichem Ermessen kaum sportlich relevant sein.

Heimlicher Verlierer: Die Chicago Bulls erhalten den 2017 1st Round Pick der Kings, wenn dieser nicht unter den Top-10 landet. Aktuell liegt Sacramento in den Reverse Standings auf #11 und der Pick ginge in die Windy City. Den Rest der Saison werden die Kings allerdings kaum noch ein Spiel gewinnen und somit ihren Pick behalten. Dieser wird stattdessen in zwei 2nd Round Picks konvertiert.

Vorteil: Pelicans (gibt es einen Superlativ zu Vorteil?)