14 Februar 2017

14. Februar, 2017


Tis the trade season. An anderer Stelle gibt's Rosen und Schokopralinen, in der Gerüchteküche wird weiter gekocht, bis die Abzugshaube aufgibt. Die Chefküche brät wie gehabt auch an inoffiziellen Feiertagen die wichtigen Deals. Heute: One more Plumlee!

von ANNO HAAK @kemperboyd

Ausgang
Der Nuggets Front Court ist verstopft wie die Leber einer französischen Mastgans. Mit Gallinari, Chandler, Faried, und dem ewigen Mike Miller greifen viel zu viele mehr oder minder unbrauchbare Veteranen viel zu viele der nur 144 Minuten im unteren Teil des Feldes ab.

Minuten, die der unfreiwilligste Playoff Contender seit ewigen Zeiten viel lieber Jungs wie Arthur und Jokic geben würde. Wohl deshalb tauchten die Nuggets in den letzten Wochen in jedem Trade Gerücht diesseits von Okafor auf. Passiert war in der neuen, smarten (brrrr), übervorsichtigen NBA aber bis 10 Tage vor der Deadline nichts.

Portland macht Portland-Sachen. Im Cap-Spike-Sommer hatte man alles mit grün bedrucktem Papier zugeworfen, was nicht bei 3 auf den Bäumen war und / oder in Brooklyn unterschrieben hatte (McCollum, Harkless, Turner, Crabbe). Als der Kater nach dem Kaufrausch kam, stellte man fest, dass Ringschutz nur beim Transporteur des örtlichen Juweliers inklusive war.

Und dann ist da ja noch die Luxussteuer. Optimalerweise wollte man wohl einen der Hirnfurzverträge vom Sommer loswerden und im Gegenzug junge Spieler. Nicht unbedingt talentiert. Jung reicht schon, vong Rookieverträgen her.


Los
Die Nuggets erhalten Mason Plumlee und den Zweitrundenpick der Blazers im Jahr 2018. Im Gegenzug wechselt Jusuf Nurkic nebst dem Erstrundenpick aus Memphis, der im Schrank der Nuggets lag, nach Rip City.



Nuggets
Die Nuggets lösen mit dem Trade zwar keins ihrer Altmännerprobleme, aber immerhin den Stau auf der Fünf auf. Nurkic, der noch vor wenigen Monden als die Zukunft in Mile High gehandelt wurde, war neben dem neuen Euro-Embiid Jokic unverschuldet redundant geworden.

Mit Plumlee erhält man den produktivsten Big der Blazers in der laufenden Saison (ORtg 112). Hätte Concepcion nicht auf Plumlee Island nach dem Triple Double gesucht, hätte man das südöstlich von Oregon (also quasi überall) gar nicht weiter mitbekommen.

Im Übrigen ist es neben "Stretch Bigs" wie Leonard, der sagenhafte 33 % von Downtown aufs Feld kotzt, auch nicht sagenhaft schwer hervorzustechen. Das bei solcher Beteiligung am offensiven Output dürftige NetRtg von plus-0,8 tut ein Übriges.

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Was die Nuggets sich vom Ex-Net erwarten, erschließt sich deshalb nicht wirklich. Denkt man in 80er Jahre Positionen, kann der zweiundzwanzigste Pick des 2013er Draft zwar auch "die Vier" spielen. Gepunktet wird aber nur in Ringnähe und defensiv ist Mason P. das Lieblingsziel im Pick and whatever.

Quervergleiche sind zwar eher so "Mason Plumlee an der Dreierlinie", aber er kann wenig besser oder genauso gut wie Jokic, wenn auch manches etwas weiter vom NBA-Durchschnitt entfernt ist als das, was Nurkic so ins Schaufenster stellt.

Was den Deal aus Klumpensicht zusätzlich verquarkt, ist, dass ihr neuer Hoffnungshandtuchwedler, obschon bald bereits 27, im Sommer Restricted Free Agent wird. Will man den Center wirklich in der Hoffnung, dass aus Plumlee noch ein Kevin Love für ganz, ganz Einkommensschwache wird, zum Multimillionär machen?

Wahrscheinlicher ist, dass man in ihm einen ggf. vollkommen überteuerten Back Up für Jokic geholt hat, der eher schnell als langsam auf der schlechten Seite der Karriereklimax ankommen wird. So überflüssig Nurkic geworden sein mag, dieser Tausch bleibt ein Rätsel.


Blazers
Für Portland ist der Deal aber nicht nur deshalb ein Nobrainer. Denn über das Kleingedruckte (lies: die Picks, Mann, die Picks!) haben wir noch gar nicht geredet. Aber zunächst noch Nurkic.

Mit dem Bosnier bekommen sie ein Centertalent, das gegenüber Plumlee vier Jahre jünger und ein Jahr länger in seinem Rookiedeal ist. Damit bleibt Zeit zur Evaulation, die bei Plumlee ohnehin mit gesenktem Daumen abgeschlossen war. Will heißen, mit der atomaren Gehaltssteigerung für McCollum ab kommendem Sommer und dem ohnehin schon top 5 teuren Kader hätte man den bisherigen Starter wohl ohnehin nicht bezahlen wollen.


Der direkte finanzielle Vorteil ist wegen der CBA-vorgeschriebenen 15 %-Steigerung für Nurkic im kommenden Jahr zuzüglich der ohnehin anstehenden Gehaltserhöhung in Jahr vier zwar nicht riesig, aber einen Trade allemal wert. Zumal jeder Dollar über der bedrohlich nahen Tax Line doppelt und dreifach eingespart wird.

Vor allem aber bekommen die Trailblazers mit dem Wahlrecht der Grizzlies den dritten Erstrundenpick im kommenden tiefen Draftsommer, geben dafür ein Zweirundenwahlrecht im kommenden Jahr ab. Mit etwas Hilfe vom Verletzungsteufel könnte der lotteriegeschuützte Pick aus Memphis in die Top 20 fallen. Von den Möglichkeiten, sich mit den drei Wahlrechten nach oben durchzutauschen, nicht zu sprechen.


Rechnung
Denver bekommt den... nein ich will nicht... doch, besten Spieler im Trade. Und liefert die Ausnahme zur Regel, dass jenes Team stets den Trade gewinnt. Hätte man den Blazers vor Weihnachten gesagt, dass man für den bereits abgeschriebenen Plumlee einen Erstrundenpick bekommt, hätten sie wohl nur gefragt, ob der Anbieter das auch einpacken könnte. Selten so deutlich.

Vorteil: Blazers