14 Februar 2017

14. Februar, 2017


Tis the trade season. An anderer Stelle gibt's Rosen und Schokopralinen – in der Gerüchteküche wird weiter gekocht, bis die Abzugshaube aufgibt. Die Chefküche brät wie gehabt auch an inoffiziellen Feiertagen die wichtigen Deals. Heute: Schadensbegrenzung.

von DANIEL SCHLECHTRIEM @W14Pick

Serge Ibakas Zeit bei den Orlando Magic ist vorbei. Nach nur acht Monaten sehen sich die Verantwortlichen gezwungen, die Notbremse zu ziehen. Zu hoch die Gefahr, den spanisch-kongolesischen Forward an die Free Agency zu verlieren. Ihr GM Rob Hennigan hat hoch gepokert – und verloren. Womöglich nicht nur Ibaka.

Voller Stolz verkündeten die Magic im Sommer, kurz vor dem Draft, die Akquisition der Blockmaschine der Oklahoma City Thunder. Seinen Vertrag ließen sich die Floridaner Victor Oladipo, Ersan Ilyasova sowie den 11. Pick des Drafts – Domantas Sabonis – kosten.


Ibaka sollte als Franchise Player, als Lichtgestalt die seit Dwight Howards unrühmlichem Abgang so geschundenen Magic in eine bessere Zukunft führen. Mit der Addition von Frank Vogel als Headcoach, der um Ibaka seine zermürbende Verteidigung aufzubauen gedachte, träumten die Verantwortlichen, erstmals seit 2012 wieder Playoff-Basketball ins Amway Center zu bringen.

Erst kürzlich musste Vogel jedoch eingestehen, dass er eher damit gerechnet hatte, die Anzahl an Spiele im Plus zu sein, die den Blauen derzeit für eine ausgeglichene Bilanz fehlt. Aktuell ist Orlando noch hinter den Philadelphia 76ers auf den vorletzten Platz der Eastern Conference gerutscht, nur noch die miserablen Brooklyn Nets hinter sich lassend.

Keine Perspektive, um den erfolgsverwöhnten Ibaka, der mit den Thunder nie die Postseason verpasste, langfristig in Disney World zu halten. Folglich war schon seit einigen Tagen bekannt, dass die Magic Schadensbegrenzung betreiben müssen, die hohen Ausgaben des Sommers wenigstens zum Teil rückzuvergüten. Hennigan hatte keine andere Wahl, als das beste Angebot anzunehmen. Die Hände reibt sich sein Pendant der Toronto Raptors, Masai Ujiri.


Der Trade

ORL: Terrence Ross, 2017 1st Round Pick (TOR oder LAC via TOR)
TOR: Serge Ibaka



Raptors

Mit der Addition Ibakas beheben die Kanadier ihre große Lücke auf der Power Forward Position. Pascal Siakam und Patrick Patterson sind kein Startermaterial – zumindest nicht für ein Team mit dem Anspruch, den Primus der Eastern Conference, die Cleveland Cavaliers, herauszufordern.

Darüber hinaus sind die Raptoren nur 17. in Defensiver Effizienz und 18. in der Rebound Rate, auch bei den Blocks finden sie sich nur im Mittelmaß. Diese Lücke füllt der bullige Ibaka mehr als aus, drei Mal wurde er ins All-Defensive First Team gewählt, zwei Mal war er der numerisch beste Shotblocker der NBA.

Zudem ist der 27-Jährige schon lange kein reiner Defensivspezialist mehr. Ibaka trifft den Dreier passabel (Saisonwert: 38,8%) und hat selbst in Orlandos magerer Offensive einen Karrierebestwert von 15,1 Punkte pro Spiel aufgelegt. Damit passt er als vielseitiger Big Man in ein Small Ball Lineup und kommt Torontos Coach Dwane Casey entgegen, der vor allem in der Schlussphase häufig auf seinen Center Jonas Valanciunas verzichtet.


Trotz aller Skepsis um Ibaka – seiner Knieprobleme und den bestehenden Zweifeln, ob der im Kongo geborene 2,08 Meter Mann tatsächlich erst 27 Jahre alt ist, hat Toronto wenigstens für die aktuelle Saison einen echten Coup gelandet. Der Abgang von Terrence Ross fällt ins Gewicht und schafft eine neue Problemzone auf dem Flügel, die Masai Ujiri jedoch bis zur Trade Deadline am 23. Februar noch beheben kann.

Ibakas unbestreitbare Qualität hilft den zuletzt strauchelnden Dinos, den lange sicher geglaubten und doch zuletzt verloren gegangenen zweiten Platz im Osten zurück zu erobern und in den Playoffs einen echten Angriff auf die Cavaliers zu wagen. Ibaka hebt sie auf eine neue Stufe und wird die Cavs – sollte es zum Re-Match der Conference Finals 2016 kommen – vor echte Probleme stellen. Allein das ist der vergleichsweise geringe Preis wert, den sie für ihn auf die Waagschale werfen.

Auf lange Sicht gesehen wird die Raptoren dieser Trade jedoch wortwörtlich teuer zu stehen kommen. Im Sommer müssen sie nicht nur Kyle Lowry, sondern nun auch Serge Ibaka einen Vertrag in Maximal-Dimensionen anbieten und werden dadurch tief in die Luxury-Tax-Grenze rutschen.


Dies mag Teambesitzern wie Clevelands Dan Gilbert, Dallas' Mark Cuban oder L.A. Clippers' Steve Ballmer herzlich egal sein. Die Raptors jedoch gehören einem Unternehmen, der Maple Leaf Sports & Entertainment Ltd, an der wiederum mehrere verschiedene Gruppen und Trust Funds Anteile halten. Das macht es schwieriger, im Jahresabschluss schwindende Gewinne oder gar rote Zahlen zu legitimieren. Unter diesen Umständen müssen die Raptors mindestens wieder in die Conference Finals einziehen, um die diversen Anteilseigner ruhig zu stellen.


Magic

Alle Hoffnungen der Magic liegen auf Terrence Ross, der dank ihrer chronischen Qualitätsprobleme auf dem Flügel und beim Scoring eine merkliche Entlastung für Coach Vogel darstellt. Der achte Pick des 2012 Drafts schaffte es in Kanada zuletzt zwei Spielzeiten lang nicht über die Reservistenrolle hinaus, seine offensiven Talente lagen wegen der Spielausrichtung auf Torontos Superstars Lowry und DeMar DeRozan häufig brach.

In Orlando wartet auf ihn die große Chance, sich mit deutlich mehr offensiver Verantwortung zu beweisen: Auf seiner Position, Small Forward, startete bis dato meist Aaron Gordon, der allerdings klar auf Power Forward gehört und infolge Ibakas Abgang vermutlich dort hinrücken wird. Ross darf im Amway Center auf eine dauerhafte Funktion als Starter hoffen.

Nur wenn er dieser Rolle gerecht werden sollte, rettet das einigermaßen das Gesicht der Magic. Denn Ross allein und der Erstrundenpick, der etwa um die #25 landen wird, stehen in keinem Verhältnis zum Marktwert Serge Ibakas und schon gar nicht zu dem Preis, den sie erst letzten Sommer für eben diesen auf den Tisch legten.


GM Hennigans Arbeit wird im Sommer evaluiert werden. Dass er nicht wagemutig gewesen ist, kann man dem Ex-Assistenten von Oklahoma Citys Sam Presti sicherlich nicht vorwerfen. Nach aktuellem Stand und besonders infolge dieses Debakels stehen die Chancen aber eher schlecht, dass er seinen Posten am Ruder in Florida über die laufende Spielzeit hinaus behalten darf.

Vorteil: Raptors