22 Februar 2017

22. Februar, 2017


Tis the trade season. Kurz vor der Deadline nimmt die Quantität an Trades langsam Fahrt auf. Die Chefküche hat vorsorglich das Öl in den Pfannen bereits erhitzt und brät wie gehabt die wichtigen Deals. Heute: When Magic takes over...

von DANIEL SCHLECHTRIEM @W14Pick

Lange hat Earvin „Magic“ Johnson als neuer starker Mann der Lakers nicht gefackelt. Noch am selben Abend, an dem ihn Teambesitzerin Jeanie Buss zum Regenten über Lila-Gold ernannte, vollzieht L.A. den ersten Deal, tradet wenig überraschend Lou Williams – mit einer erstaunlichen Transparenz.


Williams, ausgezeichnet zum 6th Man of the Year 2015, war eine der wenigen Konstanten in der durchwachsenen Saison der Lakers. Mit im Schnitt 18,6 Punkten in nicht einmal 24 Minuten gilt der Combo-Guard auch dieses Jahr als heißer Kandidat auf erwähnte Trophäe. Für Los Angeles wurde er damit zu groß, denn am Abend der Draft Lottery müssen die Ping-Pong-Bälle sie unter die besten Drei wählen – sonst geht der Pick an die Philadelphia 76ers.

Darum – und weil Lou mit seinen 30 Jahren mittelfristig keinen Platz beim Erneuerungsprozess des 16-fachen Meisters hat, war ein Deal erwartet worden und ergibt so für alle Parteien Sinn.

Williams wechselt mit seinen beiden Lebensgefährtinnen zu den Houston Rockets, die damit ihre Feuerkraft weiter auf die Spitze treiben. Houston schickt im Gegenzug Corey Brewer und einen ungeschützten Erstrundenpick des nächsten Drafts an die Westküste.


Der Trade

HOU: Lou Williams
LAL: Corey Brewer, 2017 1st Rd Pick (HOU)



Lakers

Bessere Aussichten auf Niederlagen in der restlichen Saison, mehr Minuten und Verantwortung für das junge Backcourt-Duo D'Angelo Russell/Jordan Clarkson. So lässt sich der Deal für die Lakers zusammenfassen.

Der neue Teampräsident hält offenbar große Stücke auf Corey Brewer, der sich in Houston in puncto Willen und Einsatzbereitschaft nichts zuschulden hat kommen lassen. Brewer ist flink, athletisch und die Sorte von Spieler, die jeder Coach gerne aufs Feld schickt, um die anderen vier im Team aufzuwecken und mitzureißen.


Dass der 30-Jährige mit aktuell 4,2 Punkten pro Spiel eine Career-Low-Season hinlegt und den Dreier miserabel trifft (23,4%), sei dahingestellt. Für L.A. hat Brewer mehr Wert als Mentor, etwa für Brandon Ingram, der eine ähnliche Statur aufweist. Corey ist ein umgänglicher und vorbildlicher Teamkamerad, der sich selbst dem Erfolg stets unterordnet: „Wenn ich meine Würfe getroffen hätte, wäre ich möglicherweise noch hier, das weiß man nie“, kommentierte der Flügelspieler traurig seinen Wechsel: „Ich liebe Houston, ich will hier nicht weg, aber ich habe keine Wahl. Ich hoffe, meine Würfe bei den Lakers fallen.“

Brewers Vertrag ist mit etwas über sieben Mio. $ bis 2018 im hinnehmbaren Bereich. Sollten die Lakers keine Verwendung für ihn finden, wird der auslaufende Kontrakt spätestens zur Trade Deadline 2018 ein interessantes Anlagegut für Teams, die strategisch gen Sommer planen und Platz im Salary Cap freischaufeln wollen.


Der ungeschützte Erstrundenpick der Rockets wird zwischen #25 und #28 landen. Auf den ersten Blick nicht allzu verlockend, jedoch können die Lakers für ihren Wiederaufbau junges Blut gut gebrauchen. Zudem waren in den letzten Jahren auch am Ende der ersten Runde noch rentable Talente verfügbar. Ebenso ist es vorstellbar, dass dieser Pick der neuen Führungsetage hilft, sich am Draft-Abend nach oben zu traden, oder aber einen gestandenen Spieler zu ergattern.


Rockets

Lou Williams ist auf beiden Guard-Positionen einsetzbar, er trifft den Dreier mehr als zuverlässig und findet höchstens in James Harden seinen Meister, wenn es darum geht, Fouls zu provozieren. Das macht ihn zum perfekten Baustein für Coach Mike D'Antonis Offensive – als wäre er dafür geschaffen.


Mit exakt sieben Mio. $ jährlich bis 2018 steht Williams' Unterschrift unter einem der besseren Verträge in puncto Preis-Leistungsverhältnis, damit ist neben dem Coach auch GM Daryl Morey glücklich. Als Anwärter auf den besten sechsten Mann wird es Lous primäre Aufgabe sein, die Leere zu füllen, die entsteht, wenn James Harden eine Verschnaufpause erhält. Seit Jahren kommt die Offensive der Rockets ohne den Bärtigen zum Stillstand.


Der im Sommer akquirierte Eric Gordon hat diesen Missstand zwar einigermaßen behoben, ist jedoch mehr Shooter als Kreator. Hier kommt Williams ins Spiel, der zwar ebenfalls nie zimperlich am Abzug ist, allerdings ein besserer Dribbler als Gordon und somit auch eher in der Lage, seine Mitspieler in Szene zu setzen. In Williams und Gordon haben die Rockets nun einen brandgefährlichen Scoring-Backcourt auf der Bank sitzen und zusätzliche qualitative Absicherung, sollten die anfälligen Gordon oder Beverley ausfallen.


Der Verlust des Erstrundenpicks fällt für die Raketen nicht ins Gewicht, denn mit Clint Capela, Sam Dekker, Montrezl Harrell und Chinanu Onuaku (alle 23 Jahre oder jünger) weist das Roster mehr als genügend Frischfleisch auf. Vermissen werden sie sicherlich auch nicht Brewers Shooting, vielmehr aber seine erwähnte Einsatzfreude auf dem Feld, die Never-Give-Up-Mentalität, mit der er stets die kleinen Dinge erledigte, die sich in keiner Box Score ablesen lassen. Brewers Defensivrating von 103,0 (Teamdurchschnitt: 105,5) legt nahe, dass er in der mittelmäßigen Verteidigung der Roten zumindest besser war, als es sein Ruf zulässt.

Infolge Brewers Abgang entsteht auf Small Forward hinter Trevor Ariza eine Lücke. Gordon (1,93 Meter) und Williams (1,85 Meter) sind zu klein, um diese Position zu verteidigen. Dekker wird als Backup für Ryan Anderson auf der Vier gebraucht. K.J. McDaniels hat das Vertrauen des Trainers nicht und kommt daher eher infrage, um als Tauschwert zur Lösung dieses Problems beizutragen.

Als kleines Sahnehäubchen für einen ausgezeichneten Deal hat Morey mit diesem Trade der direkten Konkurrenz aus Utah ein Schnippchen geschlagen, denn neben den Washington Wizards waren die Jazz ebenfalls sehr an Williams interessiert – aus gutem Grund.



Fazit

Beide Teams bekommen, was sie wollen. Hätten die Lakers bis zur Deadline Donnerstag Abend gewartet, wäre vielleicht sogar ein noch besserer Deal herausgesprungen. Allerdings gab es auch für die Rockets andere Optionen, z. B. Darren Collison von den Sacramento Kings. Somit wäre es nicht ungefährlich gewesen, die Texaner hinzuhalten.

Außerdem ist leise aus einer Ecke der Gerüchteküche zu hören, dass „Magic“ Johnson den erhaltenen Pick unbedingt sofort wollte, um ihn noch in dieser Trade-Periode als Chip einzusetzen, für ein Paket etwa um Chicagos Jimmy Butler oder Indianas Paul George ins Staples Center zu holen.

Vorteil: Beide