08 Februar 2017

8. Februar, 2017


Jahr für Jahr dreht die NBA mehr oder weniger kräftig am Rad – wenn nämlich die Trading Deadline immer näher rückt und alle Teams zum letzten Mal vor Ladenschluss ihre Kader verstärken (dürfen). In dieser Saison fällt der Stichtag auf den 23. Februar. Auf dem Weg dort wirft die #NBACHEF Redaktion wie immer einen genaueren Blick auf die wichtigsten Spieler - neben unserem Auftakt-Dreiteiler, der die Situation der prominentesten Namen und Stars bereits untersucht hat.

von SEB DUMITRU @nbachefkoch

Wilson Chandler ist Denvers bester Spieler in der aktuellen Saison 2016/17. Er hat die zweitmeisten Minuten für die Nuggets absolviert, die meisten Feldkorbtreffer versenkt, ist zweitbester Scorer, zweitbester Dreierschütze, drittbester Rebounder und bester Verteidiger der Truppe von Mike Malone. Der Head Coach nennt ihn den Team-MVP, Chandlers Mitspieler nennen ihn den vielseitigsten Spieler ihrer Mannschaft.

Die Denver Nuggets stecken im Niemandsland fest. Seit Jahren schon. Ihre letzte Playoff-Teilnahme hatten die Klumpen aus den Rocky Mountains 2013. Damals stellten sie mit 57 Saisonsiegen einen neuen Franchise-Rekord in der NBA auf; George Karl gewann die Coach of the Year Trophäe; Masai Ujiri war Manager des Jahres.


Seither hat dieser Klub mit jungen, talentierten Spielern nachgeladen, ohne jedoch jemals eine klare Richtung zu wählen. Brian Shaw als Head Coach funktionierte nicht; Malone hatte bisher nicht viel mehr Erfolg.

Chandler ist der dienstälteste Spieler in dieser Lineup. Er kam 2011 von den New York Knicks, im Blockbuster-Trade, der Carmelo Anthony in den Big Apple lotste. Sechs Jahre sind in der NBA eine Ewigkeit; der einzige Spieler aus jenem Kader, der noch immer ein Nuggets-Trikot trägt, heisst Danilo Gallinari.

Die aktuelle Mannschaft ist ein ulkiger Mix aus jungen Talenten wie Nikola Jokic, Emmanuel Mudiay, Gary Harris und Jamal Murray auf der einen, produktiven wenngleich unspektakulären Veteranen wie Chandler, Gallinari, Jameer Nelson, Kenneth Faried und Darrell Arthur auf der anderen Seite.

Wie also deckt sich Chandler mit den Planungen dieser Franchise? Die Antwort: Gar nicht. Sein Vertrag läuft zwar noch bis inklusive 2018/19, Ergebnis einer einvernehmlichen Extension aus dem Sommer 2015. Mit bald 30 Lenzen ist Chandler aber nicht nur einer der älteren Spieler Denvers, sondern mit der Entwicklungskurve der meisten Protagonisten längst nicht mehr kompatibel.


Ein weiteres, vielleicht entscheidendes Problem: Chandler, der nach einer verletzungsbedingt komplett verfehlten Saison 2015/16 besser denn je agiert und heuer seine besten Profileistungen zeigt, passt bei den Nuggets trotz seiner Vielseitigkeit überall und doch nirgends so wirklich hinein. Ein Paradox? Absolut.

Coach Malone liebt natürlich Chandlers All-Around-Skillset, seine Uneigennützigkeit und seine Fähigkeit, sowohl als Starter (16 Einsätze von Beginn) als auch von der Bank (31 Partien als Backup) zu produzieren – egal, auf welcher der drei Positionen Small Forward, Power Forward oder Shooting Guard er ihn einsetzt.

Der Wing jedoch wirkt nicht ganz glücklich. Weder mit dem Fehlen einer für ihn fest definierten Rolle, die von Abend zu Abend stark fluktuiert. Noch – und das ist für ihn entscheidender – mit den vielen Niederlagen der Nuggets in dieser Saison.

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Denver (23-28) platziert derzeit auf Rang acht in der Western Conference, ist jedoch eines der zehn schwächsten Teams der NBA laut Net-Rating (Shotout ans "Rennen" um die #8 im Westen). Vielleicht hat der hochprofessionelle Chandler endlich Glück und er wird von seinem tristen Schattendasein im dauerverschneiten Colorado erlöst.

Sein Name steht als potenzieller Trade-Kandidat bei Playoff-Aspiranten hoch im Kurs. Teams wie Toronto, New Orleans, Oklahoma City oder die Los Angeles Clippers lecken sich längst die Finger in Antizipation eines möglichen Deals. Sein volles Anlagenpaket würde perfekt in ein gutes bis sehr gutes Team passen und dort bei klar definierter Rolle exzellent zum Vorschein treten.

Er ist groß (für einen Flügel), kräftig und bissig. Er kann den Smallball-Vierer geben. Er kann drei Positionen überdurchschnittlich gut verteidigen und sich vorne den eigenen Wurf kreieren. Er ist kein Spielmacher, aber er trifft mehr als 40 Prozent seiner Catch-and-Shoot Dreier.

Er kann als Blocksteller sowohl abrollen und dann den Pass weiterspielen, als auch poppen und dann den Sprungwurf netzen. Er ist effektiv in der Zone, hat keine wirklichen Schwächen in seinem breit gefächerten Spiel.

Aus Nuggets-Sicht spricht absolut nichts dafür, den Veteranen über die kommende Trading Deadline hinaus zu behalten. In Colorado geht es jetzt vor allem darum, die Youngster ran zu lassen. Bleibt zu hoffen, dass die Verantwortlichen in der Mile High City das genauso sehen und ihren konstantesten Spieler jetzt - da er den besten Basketball seiner Karriere zeigt - zum bestmöglichen Zeitpunkt abstoßen.