18 Februar 2017

18. Februar, 2017


Jahr für Jahr dreht die NBA mehr oder weniger kräftig am Rad – wenn nämlich die Trading Deadline immer näher rückt und alle Teams zum letzten Mal vor Ladenschluss ihre Kader verstärken (dürfen). In dieser Saison fällt der Stichtag auf den 23. Februar. Auf dem Weg dort wirft die #NBACHEF Redaktion wie immer einen genaueren Blick auf die wichtigsten Spieler - neben unserem Auftakt-Dreiteiler, der die Situation der prominentesten Namen und Stars bereits ausführlich untersucht hat.

von DANIEL SCHLECHTRIEM @W14Pick

Abgesehen von den Cleveland Cavaliers an der Spitze gleicht die Central Division einer Achterbahnfahrt. Die Milwaukee Bucks (25-30), Chicago Bulls (28-29), Indiana Pacers (29-28) und Detroit Pistons (27-30) haben ihre Hochs und Tiefs fast schon synchron zu den Mondzyklen und rutschen in regelmäßigen Abständen über und unter die ominöse .500 Grenze. Keines dieser Teams kann derzeit mit den Playoffs planen, gleichzeitig ist aber auch keines raus aus dem Rennen.

Bei den Pistons herrscht seit zwei Monaten Ebbe. Mitte Dezember hatte Motor City mit einer positiven Bilanz berechtigte Aussichten auf einen soliden Playoffplatz in Reichweite von Homecourt Advantage.

Nach nur einem Sieg aus den letzten acht Partien des abgelaufenen Jahres rennt das Team von Coach und Manager Stan Van Gundy seither den eigenen Ansprüchen hinterher. Nachdem sie 2016 zum ersten Mal seit sieben Jahren die Postseason erreichten, steht das erneute Erreichen dieses Ziels trotz der ebenso schwächelnden Konkurrenz gegenwärtig sehr infrage.

Für Detroit kommt die Trade Deadline also zur rechten Zeit, um personell umzubauen und die eigenen Chancen im Schneckenrennen um die hinteren Plätze der Eastern Conference zu verbessern – oder aber mit Blick auf die Zukunft das Handtuch zu werfen.

In Tobias Harris, Marcus Morris, Jon Leuer, Stanley Johnson und Reggie Bullock haben sie ein Überangebot auf den Forward-Positionen, auch die Center Boban Marjanović und Aron Baynes stehen im Schaufenster. Selbst ihr Anker Andre Drummond gilt angeblich angesichts der ernüchternden Zwischenbilanz nicht mehr als unantastbar.


In den Fokus rückt aber eher Reggie Jackson, den Detroit erst vor zwei Jahren, zur Trade Deadline der Point Guards (Isaiah Thomas, Goran Dragić, Brandon Knight, Michael Carter-Williams, D.J. Augustin, …) aus Oklahoma City in den Palace of Auburn Hills holte.

Jackson war vergangenes Jahr maßgeblich am besten Saisonresultat der Pistons seit 2008 beteiligt und hielt die Erstrundenserie gegen die Cleveland Cavaliers spannender, als es der Sweep vermuten lässt.

Wie schnelllebig der Profisport sein kann, erlebt Jackson derzeit am eigenen Leib. Vergangenen Sommer noch der Held, musste sich der 26-Jährige in der Off-Season einer Knieoperation unterziehen, die ihn den Saisonstart kostete. Erst Anfang Dezember griff der Point Guard ins aktive Geschehen ein.

Die 15,2 Punkte und 5,6 Assists pro Spiel liegen daher wenig überraschend unter seinem Vorjahresschnitt, Jackson ist zwei Monate nach seinem Saisondebüt noch immer auf der Suche nach der Form des Vorjahres.

Kritiker betonen nachdrücklich, dass die Pistons unter Backup Ish Smith besseren Basketball aufs Parkett gebracht hätten. Dennoch ist der derzeit kolportierte Marktwert Jacksons geradezu schockierend niedrig.


Van Gundy will und muss dem schlechten Abschneiden Rechnung tragen. Offenbar hat er sich dazu entschieden, auf der Spielmacherposition neue Wege zu gehen. Ohnehin sind die Pistons von der Vision eines Remakes seiner Orlando Magic mit einem dominanten Center und vier Scharfschützen meilenweit entfernt, Jackson selbst trifft derzeit magere 36% von der Dreierlinie.

Schon vor Wochen gab es Gerüchte um einen Tausch Jacksons mit Ricky Rubio von den Minnesota Timberwolves, dessen chronische Wurfschwäche die Aussichten des Champions von 2004 allerdings kaum verbessern würden. Folglich nahmen die Gespräche nicht Fahrt auf.

Reggies Vertrag ist mit insgesamt über 51 Mio. $ bis 2020 kein Schnäppchen, bringt jedoch ein gutes Stück Sicherheit mit und macht ihn damit vor allem für Small Market Teams wertvoll. Neben den bereits erwähnten Minnesota Timberwolves brauchen die Orlando Magic, Denver Nuggets und New Orleans Pelicans frischen Wind und mehr Durchschlagskraft auf den kleinen Positionen.


Sollte sich für den in Italien geborenen Aufbauspieler kein adäquater Deal finden, rückt sein Backcourt-Partner in den Fokus: Kentavious Caldwell-Pope, Shooting Guard, 2013 an achter Stelle von den Pistons selbst gedraftet.

KCP hat sich zu einem starken und einsatzfreudigen Verteidiger entwickelt, der auf der anderen Seite des Feldes den gegnerischen Korb einigermaßen zuverlässig trifft, mehr aber auch nicht. Der bald 24-Jährige wird im Sommer Restricted Free Agent und dieser Status ist schon seit einigen Jahren – Chandler Parsons, Enes Kanter und Allen Crabbe lassen grüßen – ein sehr heißes Pflaster.

Dank des gestiegenen Caps darf Caldwell-Pope ein Angebot aus dem pekuniär-unmoralischen Segment erwarten und dadurch die Pistons, die bereits Jackson, Andre Drummond und Tobias Harris unter „Besserverdiener“ kategorisieren, möglicherweise zum Aktionismus zwingen.

Gehen sie mit besagtem Angebot mit, sind dem Management in puncto Free Agency auf Jahre die Hände gebunden und auch fruchtbare Trades werden äußerst schwierig. Detroits Team stünde fest wie Zement... und dieses Team bekleckert sich derzeit nicht mit Ruhm.


Sieht die Führungsetage der Motorstadt in Caldwell-Pope keine Dauerlösung oder zumindest nicht die Perspektive, sich seinetwegen handlungsunfähig zu machen, bleibt nur, seinen Marktwert zur Trade Deadline ausgiebig zu testen. Erst recht, weil die aktuellen Zahlen nach Veränderung schreien.

Die Pistons liegen ligaweit im unteren Drittel bei der Dreierquote, in Offensiver Effizienz, True Shooting Percentage und Effective Field Goal Percentage. Das macht sie bis nächsten Donnerstag zu einem der Hauptakteure in der Gerüchteküche.