11 Februar 2017

11. Februar, 2017


Jahr für Jahr dreht die NBA mehr oder weniger kräftig am Rad – wenn nämlich die Trading Deadline immer näher rückt und alle Teams zum letzten Mal vor Ladenschluss ihre Kader verstärken (dürfen). In dieser Saison fällt der Stichtag auf den 23. Februar. Auf dem Weg dort wirft die #NBACHEF Redaktion wie immer einen genaueren Blick auf die wichtigsten Spieler - neben unserem Auftakt-Dreiteiler, der die Situation der prominentesten Namen und Stars bereits ausführlich untersucht hat.

von DANIEL SCHLECHTRIEM @W14Pick

Wenn es um Trades geht, sind die Houston Rockets seit einiger Zeit eines der aggressivsten Teams der NBA und daher auch Dauergast in der Gerüchteküche. Jahr für Jahr erfolgt an dieser Stelle der Hinweis, dass GM Daryl Morey seit seinem Amtsantritt 2007 an jeder Trade Deadline einen Deal vollzog – und jedes Jahr wird diese Serie ausgebaut.

Doch dieses Mal stehen die Sterne anders: Die Rockets spielen deutlich über den Erwartungen und werden etwa um den All-Star Break die Gesamtzahl der Siege des Vorjahres (41) einfahren. Das Team um MVP-Anwärter James Harden hat sich auf Rang drei im Westen festgesetzt und darf mit Heimvorteil in der ersten Playoffrunde rechnen.

„Never change a winning team“ heißt eine Weisheit aus dem Fußball, die auch hier Anwendung findet. Vergangene Saison haben die Texaner auf bittere Weise erfahren, wie wichtig Teamchemie und interner Zusammenhalt sind. Warum also nun diese Mannschaft auseinander reißen, die funktioniert, in sich stimmig ist, in der jeder seinen Part erfüllt und keine Eitelkeiten oder Zankereien Platz finden?


Entsprechend Moreys Zurückhaltung bezüglich der bevorstehenden Deadline: „Wenn wir etwas machen, dann wahrscheinlich für die Kadertiefe“, konstatierte der Zahlenfanatiker zuletzt im Gespräch mit dem Houston Chronicle. Worte, die man in seiner Zeit als Verantwortlicher in Houston selten bis nie von ihm hörte.

„Wir haben eine Rotation, die sehr gut gespielt hat. Es ist schwierig, etwas hinzuzufügen, das nicht an anderer Stelle eine Schwäche kreieren würde“ – so Morey weiter. Somit liegt der Fokus in diesem Jahr auf Spielern, die kaum oder wenig Praxis erhalten haben. Das trifft allen voran auf K.J. McDaniels zu, den die Rockets 2015 in seinem Rookie-Jahr zur Deadline von den Philadelphia 76ers holten.

McDaniels selbst hat von dem Wechsel nach Houston wenig profitiert. Bei den Sixers stand er im Schnitt über 25 Minuten auf dem Feld und war Teil des „Process“, des Plans, eine Armada an jungen Spielern gemeinsam zu einem kompetitiven NBA-Team reifen zu lassen.

Bei den Rockets kommt K.J. im Schnitt bestenfalls auf etwas über fünf Minuten. Der eben 24 Jahre alt gewordene Flügelspieler sieht sogar ausschließlich Garbage Time, seitdem Patrick Beverley im November von seiner Knieverletzung zu Saisonbeginn zurückkehrte. Häufiger steht er gar nicht auf dem Feld, als dass er überhaupt zum Einsatz kommt.


Dabei ist er auf dem NBA-Level alles andere als unbrauchbar: McDaniels hat seine Stärken in der Athletik und Defensive. Im College bei den Clemson Tigers galt er dank seiner Schnelligkeit und Beweglichkeit als Kettenhund, im One-on-One kaum zu bezwingen.

Diesen Ruf hat er in seinen drei Jahren bei den 76ers und Rockets freilich auf höchstem Niveau nicht zu bestätigen vermocht, vor allem in Houston mangelte es jedoch an Gelegenheiten. Die Rockets versuchten nachdrücklich, McDaniels' Vorzüge um einen respektablen Dreierwurf zu erweitern, um sein Spiel vollends auf „Moreyball“ auszurichten. Erfolglos – K.J. trifft in seiner wenigen Spielzeit nur 32% von Downtown, was sogar ein Career High ist.


Dieser Fehlversuch und die daraus resultierenden wenigen Minuten zeigen, dass der 32. Pick des 2014 Drafts in der Langzeitplanung von Morey und Coach Mike D'Antoni keine signifikante Rolle spielt. Für beide Seiten wäre demnach ein Wechsel von Vorteil: McDaniels braucht einen Tapetenwechsel, eine neue Chance, sich in einem besser zu seinen Anlagen passenden System Spielminuten zu erarbeiten. Die Rockets können derweil einen Gegenwert ertraden, der die eigenen Problemzonen besser kaschiert.

Mit seinen jungen Jahren, einem Rest Upside und einem durchaus gefälligen Vertrag mit jährlich 3,3 Mio. $ inklusive einer Teamoption im Sommer werden vor allem Teams im Rebuild wenigstens ein bisschen neugierig sein.

Zum Beispiel die Phoenix Suns, für die es als Tabellenletzter im Westen in der laufenden Saison außer um Spielerentwicklung und den besten Chancen bei der Draft Lottery um nichts mehr geht. In Leandro Barbosa hat das Wüstenteam passende Tauschware parat: Trotz fortgeschrittenen Alters bringt der Combo Guard noch einen Rest Dynamik und Feuerkraft aufs Parkett. Sein Vertrag mit 4,0 Mio. $ für dieses Jahr sowie nächstes Jahr (ungarantiert) bewegt sich im vernünftigen Sektor.

Barbosa lernte den NBA-Basketball in Phoenix unter dem jetzigen Rockets-Coach Mike D'Antoni, seine Spielweise passt auch heute noch optimal in dessen Playbook. Die Championship-Erfahrung des Brasilianers (2015 mit den Golden State Warriors) wäre in Osttexas sehr willkommen, zumal er außerdem Houstons Center Nenê aus der Nationalmannschaft bestens kennt und mit ihm ein Routinier-Tandem von der Bank bilden würde, mit dem Hauptziel, die Offensive am Leben zu erhalten, sobald James Harden eine Verschnaufpause bekommt.

Ein von Leandrinho Barbosa (@theblurbarbosa) gepostetes Foto am

Der Tausch klappt eins zu eins. Da die Rockets in der Vergangenheit Interesse an P.J. Tucker und Tyson Chandler gezeigt haben, ist sogar ein größerer Deal denkbar. Die Suns haben hinter Devin Booker Minuten zu vergeben, McDaniels passt in das auf Jugend und Dynamik angelegte Konstrukt im Wüstenstaat.

Ein weiterer logischer Trade-Partner sind die Los Angeles Lakers. Deren 1st Round Pick geht an die Philadelphia 76ers, sofern er nicht unter den besten drei landet. Da die Playoffs längst außer Reichweite sind, gilt es daher für die Lila-Goldenen, viele Spiele zu verlieren und nebenbei die produktivsten Veteranen bestmöglich zu verscherbeln.

Allen voran Lou Williams. Mit 18,4 Punkten von der Bank kommend ist dieser einer der Favoriten auf den Award des besten sechsten Mannes, den er bereits 2015 gewann. Williams wäre eine größere Hilfe für ein Team, das jetzt sofort gewinnen will. Sein Vertrag mit jährlich sieben Mio. $ bis 2018 ist ein Schnäppchen, seine 30 Jahre auf dem Buckel machen ihn für die Lakers nicht unersetzlich.


Für eine Frischzellenkur auf dem Flügel wird L.A. zu haben sein, jedoch reicht McDaniels alleine als Gegenwert nicht, um einen Spieler dieses Kalibers zu landen. Die Lakers würden vermutlich auf den Erstrundenpick der Rockets pochen, der voraussichtlich zwischen #25 und #28 landen wird.

Der andere passende und verfügbare Veteran der Lakers ist Nick Young. Angeblich wurde „Swaggy P“ den Rockets im Sommer für einen 2nd Round Pick angeboten, Houston lehnte aber wegen dessen bekannten charakterlichen Komplikationen und seiner oftmals fragwürdigen Arbeitseinstellung ab.

In der laufenden Spielzeit hat Young diese Vorbehalte mit ordentlichen Leistungen einigermaßen relativiert: Er erzielt 14,0 Punkte in 26,5 Minuten und trifft knapp 42% seiner Dreier. Für die Rockets wäre er also eine solide Ergänzung für (noch) mehr Feuerkraft von der Bank. Ob sie jedoch bereit sind, mehr auf den Tisch zu legen, als den erwähnten 2nd Round Pick, darf bezweifelt werden.


Genau wie die Suns befinden sich die Lakers im Wandel. Neben Williams und Young haben auch José Calderon (35) und Marcelo Huertas (33) in den Langzeitplänen keine allzu großen Zukunftsaussichten im Staples Center. Im ihrem Backcourt werden früher oder später Minuten frei.

Ähnlich wie in seinem Rookie-Jahr in Philadelphia ist eine solche Situation – ein Team das auf Spielerentwicklung setzt respektive setzen muss – für K.J. genau die richtige. Sein Skillset ergänzt sich zu D'Angelo Russell und Jordan Clarkson, in Luol Deng hätte er einen vielversprechenden Mentor.