14 Februar 2017

14. Februar, 2017


Jahr für Jahr dreht die NBA mehr oder weniger kräftig am Rad – wenn nämlich die Trading Deadline immer näher rückt und alle Teams zum letzten Mal vor Ladenschluss ihre Kader verstärken (dürfen). In dieser Saison fällt der Stichtag auf den 23. Februar. Auf dem Weg dort wirft die #NBACHEF Redaktion wie immer einen genaueren Blick auf die wichtigsten Spieler - neben unserem Auftakt-Dreiteiler, der die Situation der prominentesten Namen und Stars bereits untersucht hat.

von TORBEN SIEMER @lifeoftorben

Andrew Bogut kam im vergangenen Sommer per Trade zu den Dallas Mavericks, da die Golden State Warriors Platz unter dem Salary Cap brauchten, um Kevin Durant verpflichten zu können. Die Mavericks waren wie jeden Sommer seit der Meisterschaft 2011 auf der Suche nach einem defensivbegabten Center, Bogut und sein 2017 auslaufender Vertrag waren da die praktibelste aller Lösungen.

Vier Monate und knapp 50 Spiele später steht fest: mehr als dieses eine letzte Vertragsjahr wird der Australier nicht für die Mavericks auflaufen. Bogut verpasste bisher die Hälfte aller Partien, nach einem guten Start im November und Anfang Dezember kommt der Nummer 1-Pick des 2005er Drafts aktuell aus gesundheitlichen Gründen kaum mehr aufs Parkett und fällt voraussichtlich noch über das All-Star-Break hinweg aus.

Dieses Risiko allerdings ist nicht neu: In seinen 12 Spielzeiten – inklusive dieser – absolvierte Bogut nur dreimal 70 und mehr Spiele; als Rookie sowie 2007/08 für die Milwaukee Bucks und im Vorjahr für die Warriors.

Was also bringt Bogut seinen Teams sportlich noch mit? Auf 36 Minuten gerechnet sammelte er in seinen 25 Einsätzen 13.3 Rebounds ein, der zweitbeste Wert seiner Karriere. Auch seine Reputation als guter Verteidiger konnte er trotz der geringen Einsatzzeit erneut bestätigen – obwohl die Paarung von Bogut und Dirk Nowitzki an beiden Enden des Feldes wenig Erfolg brachte.

Infolge des Ausfalls stellte Mavs-Coach Rick Carlisle seine Starting Five um: Nowitzki läuft als nomineller Center auf, Dallas gewann unter anderem beide Spiele des Back-to-Back gegen die Spurs und Cavaliers.

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Boguts Wert für Trade-Verhandlungen ist seit seinem guten November (11 GP, 26.6 MPG, 10.6 RPG) gefallen – und die Frage in Dallas ist wie so oft, wo Mark Cuban und Donnie Nelson mit den Mavericks hinwollen. Nach grausamem Saisonstart und dank eines sich seiner Top-Form annähernden Nowitzkis sind Rang acht und die Playoffs inzwischen wieder ein Thema.

Dort könnte Bogut noch einmal eine Rolle spielen. Könnte, denn zuletzt läuft es ohne ihn deutlich besser als mit ihm. Das liegt nicht nur an Bogut selbst, lässt sich jedoch auch nicht abstreiten. Aber Platz acht bedeutet eigentlich nur, sich in vier oder fünf Spielen von Golden State in die Ferien schicken zu lassen.

Ein Trade also? Nun, die Mavericks befinden sich zwar immer noch in der „Dirks letzte Jahre nutzen“-Phase, haben aber inzwischen ein paar Teile ihres Kaders für die Ära danach gefunden. Harrison Barnes wächst mit seinen Aufgaben und spielt eine starke und konstante Saison, Justin Anderson bewährt sich in seinem zweiten Jahr trotz schwankender Leistungen.


Dwight Powell ist das einzig Gute, was vom missglückten Experiment Rajon Rondo geblieben ist – und mit Seth Curry, Dorian Finney-Smith und Yogi Ferrell spielen drei (mit Wes Matthews sogar vier) ungedraftete Jungs ordentliche Minuten in der Rotation.

Attraktiv für Dallas sind am ehesten junge, talentierte Spieler – einen First Rounder wird aber niemand für Boguts auslaufenden Vertrag hergeben, viel Talent ebenso wenig. Die Portland Trail Blazers sind auf der Suche nach einem Defensiv-Center, müssten aber wohl Meyers Leonard oder Festus Ezeli abgeben, um die Gehälter einigermaßen passend zu machen.


Nichts, was die Mavericks mittelfristig besser macht. Auch die Cleveland Cavaliers sollen Interesse zeigen, allerdings weniger per Trade, sondern eher für den Fall, dass Bogut und Dallas sich auf einen Buyout einigen.

Dies hätte für Bogut den Vorteil, dass er sich einem besseren Team anschließen könnte, während die Mavericks wieder einen freien Platz im Kader hätten – und damit die Chance, wie schon bei Curry, Finney-Smith und Ferrell auf dem Free Agent-Markt junge Rotationsspieler für kleines Geld zu finden und zu halten.

Welcher Ausgang ist nun am wahrscheinlichsten? Ein Trade bietet für die Mavericks voraussichtlich wenig Mehrwert, da finanzielle Flexibilität auch im kommenden Sommer Priorität für das Front Office hat. Ein Buyout ergäbe nur Sinn, wenn Dallas eine Neuverpflichtung im Auge hätte, also einem Free Agent die Möglichkeit bieten wollte, sich bis Saisonende für einen Vertrag zu empfehlen.

Dass Bogut für den potenziellen – und voraussichtlich recht kurzen – Playoff-Run gehalten wird, ist die wahrscheinlichste Lösung. Zwar würde das Team ihn dann im Sommer ohne Gegenwert verlieren, sein Trade-Wert ist allerdings momentan ohnehin so gering wie lange nicht.