09 Februar 2017

9. Februar, 2017


Jahr für Jahr dreht die NBA mehr oder weniger kräftig am Rad – wenn nämlich die Trading Deadline immer näher rückt und alle Teams zum letzten Mal vor Ladenschluss ihre Kader verstärken (dürfen). In dieser Saison fällt der Stichtag auf den 23. Februar. Auf dem Weg dort wirft die #NBACHEF Redaktion wie immer einen genaueren Blick auf die wichtigsten Spieler - neben unserem Auftakt-Dreiteiler, der die Situation der prominentesten Namen und Stars bereits ausführlich untersucht hat.

von GERRIT LAGENSTEIN @GAL_Sports

So sehr Damian Lillard und Co im vergangenen Jahr auch überraschten, in der NBA 2k17 ist das Team aus Oregon wieder auf dem harten Boden der Realität gelandet. Im Sommer machte das Front Office das Portmonee weit auf. Meyers Leonard, Allen Crabbe, Maurice Harkless und C.J. McCollum unterschrieben allesamt Vierjahres-Verträge mit einem Gesamtvolumen von 262 Millionen Dollar.

‏Das Quartett hatte wesentlichen Anteil am plötzlichen Einzug in die Conference-Semifinals. Jede Vertragsverlängerung für sich war angesichts des steigenden Salary Caps verständlich und dem Markt entsprechend. Um Geld müssen sich die Trail Blazers dank Besitzer Paul Allen eh keine Sorgen machen.


‏Dummerweise können aber auch die reichsten Team-Owner in der NBA nicht mehr Geld ausgeben als es die Gehaltsobergrenze der Liga erlaubt - schöne Grüße an LeBron James an dieser Stelle. Mit den kostspieligen neuen Kontrakten von Leonard, Crabbe, Harkless und McCollum hatte sich der Champion von 1977 nahezu jeder finanziellen Flexibilität beraubt und das ohne die echten Schwachstellen im Kader anzugehen.

‏Auf der Fünf klaffte schon 2015/16 ein großes Loch. Meyers Leonard und Mason Plumlee blieben der Erkenntnis, ein veritabler Starter auf der Center-Position zu sein, schuldig und Chris Kaman war beim Waffenputzen erst recht besser aufgehoben. Vor diesem Hintergrund hätte die preiswerte Verpflichtung von Warriors-Backup Festus Ezeli ein echter Coup sein können.


‏Vielleicht hätte Portland, bevor es dem Nigerianer ein Angebot über garantierte 7,4 Millionen Dollar machte, aber mal einen Blick in die Krankenakte des 2,11-Meter-Hünen werfen sollen. Ezelis Knieprobleme waren ligaweit bekannt. Die Trail Blazers hofften das Problem mit einer konservativen Behandlung bis zum Saisonstart in den Griff zu bekommen - vergeblich. Ezeli hat noch immer keine Minute für Portland gespielt und das wird sich diese Saison nicht mehr ändern.

‏Ohne Ringbeschützer fiel die letztes Jahr schon zum unteren Ligadrittel gehörende Defense aus Rip City im Defensiv Rating auf den fünftletzten Platz. 108,5 Punkte lässt das Team von Terry Stotts pro 100 Angriffe zu. Keine andere Mannschaft, die aktuell auf einem Playoff-Platz steht, verteidigt schlechter.

‏Diese Hypothek können die „Mini-Splash-Brothers“ Lillard und McCollum immer häufiger nicht auffangen. Statt den Heimvorteil für die erste Runde der Playoffs anzugreifen, droht Portland die Postseason erstmals seit 2013 wieder zu verpassen. Die Not ist groß.


‏Der offensichtliche Trade wäre der für Nerlens Noel. Die Blazers brauchen einen defensivversierten Center, Philadelphia hat einen abzugeben. Der 6. Pick der 2013er Draft verdient dieses Jahr rund 4,4 Millionen Dollar. Jeglicher Spieler aus Portlands Kader mit einem ähnlichen Gehalt dürfte für die Sixers uninteressant sein. Im Gegensatz zu den Trail Blazers liegt Philly aber weit unter dem Salary Cap, kann also mehr Gehalt aufnehmen als abgeben.

‏Am ehesten auf Interesse in Philly sorgt Allen Crabbe. Die Sixers brauchen Shooting im Backcourt, Portlands Nummer 23 trifft diese Saison 43,9 Prozent seiner Dreier und ist hinter C.J. McCollum in Oregon redundant. Der Trade würde eins zu eins durchgehen. Der Haken: Crabbe müsste dem Deal zustimmen. An dieses Recht ist er durch Portlands Matchen von Brooklyns Offer-Sheet im Sommer gelangt.


‏Die große Frage lautet nun: Wird der 24-Jährige den Trade absegnen. Philadelphia mag trotz des aktuellen Aufschwungs nicht wie die Wunschdestination eines jeden NBA-Profis aussehen. Doch Crabbe war vor einem halben Jahr bereit für die Nets aufzulaufen. Dagegen ist die Stadt der brüderlichen Liebe wesentlich mehr als nur Licht am Ende des Tunnels.

‏Zusammen mit Joel Embiid, Dario Saric und natürlich Ben Simmons könnte er einen hoffnungsvollen Kern bilden, der im Osten in der Post-LeBron-James-Ära gehörig mitreden sollte. Postseason-Erfolg im Westen ist auf Grund der hohen Leistungsdichte wesentlich unwahrscheinlicher. Außerdem droht Crabbe aufgrund C.J.McCollums gleichzeitiger Vertragsverlängerung auf Jahre die Reservistenrolle.


‏Kommt der Deal nach Pennsylvania nicht zustande, sollten noch eine Reihe weiterer Namen auf Portlands Liste stehen. Roy Hibbert wäre einer gewesen, doch der wanderte kürzlich bekanntlich nach Milwaukee. Ein anderer Kandidat wäre Andrew Bogut. Vor verletzungsanfälligen Spielern dürfte GM Neil Olshey jedoch erstmal genug haben.

‏Die Akquisition des Australiers könnte überdies ein teures Leasing sein, denn Bogut wird nach der Saison Free Agent und kündigte kürzlich an, bei einem richtigen Contender spielen zu wollen. Tyson Chandler von den Phoenix Suns hat noch bis 2019 Vertrag. Hinter seiner Gesundheit steht jedoch ebenso ein Fragezeichen wie sein Gehalt von über zwölf Millionen Portland bei seinem zweiten großen Problem Flexibilität wenig helfen würde.


‏Plan B könnte vielmehr Jusuf Nurkic sein. Die Denver Nuggets wollen zukünftig lieber auf Nikola Jokic setzen und haben Nurkic daher ins Schaufenster gestellt. Der Bosnier ist zwar nicht annähernd der Defensivcenter, den Portland eigentlich brauchen würde, sein Defensive Rating ist aber zumindest besser als das vom aktuellen Starter Mason Plumlee. Offensiv würde Nurkic den Blazers zudem eine Alternativ zu ihrem guardlastigen Spiel geben.

‏Die Frage ist, was hat Portland, das Denver gerne hätte? Mit den Trade-Kandidaten Crabbe, Leonard und Turner kann die Franchise aus Colorado wenig anfangen. Denkbar, dass gar kein Trade für einen Center zustande kommt. Eine andere Möglichkeit wäre Larry Sanders, der wieder Basketball spielen möchte, als Free Agent zu verpflichten. Doch diese Option soll in Rose City aufgrund der angespannten Cap-Lage schon verworfen worden sein, wie Jason Quick berichtete.


‏Sollte Portland also vielmehr versuchen, die horrenden Personalkosten von 112 Millionen Dollar zu senken? Evan Turner ist nach Damian Lillard und Allen Crabbe aktuell der drittteuerste Spieler im Roster des Neuntplatzierten der Western Conference. 16,3 Millionen Dollar für 9,7 Punkte, 3,9 Rebounds und 3,4 Assists sind ein stolzer Preis, der nicht gerade jeden General Manager der Liga zum Telefon greifen lässt - erst recht weil der Deal mit steigendem Gehalt noch weitere drei Jahre geht.

‏Turner ist aber nicht so mies wie es seine Statistiken vermuten lassen. Die Blazers nutzen den zweiten Pick von 2010 schlicht nicht gemäß seiner Stärken. Der ehemalige Ohio State Buckeye ist dann am produktivsten, wenn er wie zuletzt in Boston mit dem Ball in der Hand kreieren kann. Im Moda Center wird er viel zu häufig abseits des orangefarbenen Leders eingesetzt. Er nimmt so viele Dreier wie noch nie in seiner Karriere und trifft diese mit 28,7 Prozent.


‏Wo ist also der Markt für einen wie Turner? Als er in seiner Karriere zum ersten Mal getradet wurde, ging er gemeinsam mit Lavoy Allen nach Indiana. Philly bekam damals Danny Granger (der nie für die Sixers spielte) und einen Zweit-Runden-Pick. Sprich, eigentlich gar nichts. Diese Art von Salary Dump wäre für Portland jedoch ideal.

‏Angesichts Turners besonderer Spielweise und seiner langen Vertragslaufzeit kommen als Abnehmer aber wohl nur ähnlich panische Franchises in Betracht. Den Orlando Magic und Sacramento Kings wäre ein solcher Move zuzutrauen. Jeff Green und Rudy Gay sind hier als Kandidaten zu nennen. Die beiden verdienen zwar ähnlich viel wie Turner werden im Sommer aber Free Agents.

‏Bleibt noch Meyer Leonard. Der 24-Jährige ist definitiv ein talentierter Offensivcenter. 2014/15 zog er, wenn auch mit wenig Wurfvolumen, in den 50-40-90-Club ein. Seit seiner Schulteroperation im Sommer hat Leonard mächtig Probleme an diese Quoten heranzukommen. Seine 36 Prozent aus dem Feld sind für einen Big Man indiskutabel. Konsequenterweise rutschte Portlands Nummer 11 in der Rotation weit nach hinten.


‏Findet Portland seinen Starting-Center der Zukunft dürften die Tage von Leonard in Oregon gezählt sein. In einer Welt, in der Timofey Mozgov 16 Millionen Dollar im Jahr verdient. Sollte sich für Leonard und dessen gut zehn Millionen ein Abnehmer finden lassen. Alles was es braucht, ist ein Team, das glaubt, das wackelnde Händchen des Pivoten wieder stabilisieren zu können.

‏Egal welche Deals Neil Olshey bis zum 23. Februar eintütet, er kann seiner Franchise nur Gutes tun. Ob der herbeigesehnte Defensiv-Center nun kommt oder nicht, ist für die aktuelle Saison fast nebensächlich. Mehr als Platz acht im Westen und ein damit verbundener vier Spiele währender Playoff-Run gegen Golden State ist sportlich kaum realistisch. Die eingesparten Dollar könnten den Blazers hingegen langfristig von Vorteil sein.